Aufstockung der Abwrackprämie Auto-Populismus
Die Regierung will die Hilfe für Autokäufer verlängern, weil sie bald ausgeschöpft ist. Doch es ist ein falsches Instrument, und es öffnet Tür und Tor für weitere Wünsche
Es ist wie bei Drogenabhängigen: Haben sie sich erst einmal an ein Aufputschmittel gewöhnt, ist es schwer, davon wieder loszukommen. So geht es jetzt auch der Autoindustrie und der Bundesregierung. Weil die Abwrackprämie den Not leidenden Autobauern statt Kurzarbeit einen Nachfrageboom vor allem bei Kleinwagen und sogar Sonderschichten bescherte, trommelt sie seit Wochen für eine Verlängerung der schönen Subvention. Und weil das beim Volk so gut ankommt und es einem noch immer als zentral angesehenen Industriezweig hilft, mag jetzt auch die Regierung davon erst einmal nicht lassen .
Schließlich ist der euphemistisch Umweltprämie genannte staatliche Zuschuss von 2500 Euro für die Verschrottung eines alten und den Kauf eines neuen, CO2-ärmeren Autos der bislang einzige Teil des zweiten Konjunkturprogramms, der erkenn- und vorzeigbar wirkt. Während all die Milliarden-Rettungspakete für die Banken bislang den Geldkreislauf nicht wieder in Schwung gebracht haben und ständig neue Risiken auftauchen, greift hier ein Mittel der klassischen, alten Industriepolitik. Zehntausende Arbeitsplätze, die an der Autonachfrage hängen, sind in Wahlkampfzeiten für Politiker immer ein gutes Argument, ob bei Opel oder VW.
Dabei spricht ökonomisch wenig für die Kfz-Prämie. Sie entfacht und verlängert jetzt allenfalls ein Strohfeuer, worauf auch Daimler-Chef Dieter Zetsche noch einmal hinwies: Wenn die staatliche Zahlung, wie die Regierung nun beteuert, spätestens Ende 2009 – also nach der Bundestagswahl – endgültig ausläuft, werden die Autokäufe wieder einbrechen. Die Auswirkungen der Krise werden nur hinausgeschoben, die Probleme der Branche bleiben: weltweite Überkapazitäten, falsche Modelle, sinkende Nachfrage.
Aber egal: Jetzt ist Wahlkampf. Deshalb machte sich erst die gerne populistische CSU, die schon die Pendlerpauschale wieder herverhandelt hatte, für eine Verlängerung der Morgengabe an die Autoindustrie und deren Käufer stark. Am Dienstag schloss sich SPD-Auto-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier an, der bereits den Opel-Arbeitern die Rettung ihrer Arbeitsplätze versprochen hat, notfalls mit einer staatlichen Beteiligung. Schließlich hat Steinmeier von seinem Mentor Gerhard Schröder gelernt, wie so etwas beim Wähler wirkt, wenn es auch am Ende nicht unbedingt hilft, siehe Holzmann.
Da mochte sich auch die bisher wieder einmal zögerliche Kanzlerin nicht lumpen lassen. Um nicht als Spielverderberin dazustehen, stimmte Angela Merkel der Verlängerung der Abwrackprämie zu. Sie setzte sich damit über Bedenken von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und der Wirtschaftspolitiker in der Unionsfraktion hinweg. Sie hatten zurecht vor Wettbewerbsverzerrungen gewarnt. SPD-Finanzminister Peer Steinbrück muss ebenfalls noch sein Plazet geben, aber nach dem Vorpreschen von Steinmeier wird er sich kaum widersetzen.
Auch wenn die Abwrackprämie künftig womöglich geringer ausfallen wird – eines darf die Regierung nicht übersehen: Wenn sie jetzt die Schatulle wieder öffnet, wird sie sich bald weiteren Forderungen und Wünschen ausgesetzt sehen. Dann wird es ihr noch schwerer fallen, sich angesichts der immer bedrohlicheren Rezessionsszenarien weiter gegen ein drittes Konjunkturprogramm zu stemmen. Schließlich hat der Wahlkampf ja noch gar nicht richtig begonnen.
- Datum 08.04.2009 - 07:04 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, 25.03.2009
- Kommentare 58
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Vielleicht ist es ja auch gar nicht sinnvoll sich gegen Konjunkturpakete zu stemmen? Ich würde sogar behaupten, dass die Halbherzigkeit und Zögerlichkeit der hiesigen Politik für die Schärfe des Abschwungs im ersten Quartal durchaus mitverantwortlich zu machen ist.
Langsam finde ich diese immer gleiche Leier der ZEIT auch ermüdend: "Alles schlecht - und nun erkläre ich warum".
Und wenn die Regierung diese Prämie nicht verlängern würde dann gäbe es einen Artikel der eine Verlängerung der Prämie fordert - unter Garantie.
Langsam finde ich diese immer gleiche Leier der ZEIT auch ermüdend: "Alles schlecht - und nun erkläre ich warum".
Und wenn die Regierung diese Prämie nicht verlängern würde dann gäbe es einen Artikel der eine Verlängerung der Prämie fordert - unter Garantie.
Langsam finde ich diese immer gleiche Leier der ZEIT auch ermüdend: "Alles schlecht - und nun erkläre ich warum".
Und wenn die Regierung diese Prämie nicht verlängern würde dann gäbe es einen Artikel der eine Verlängerung der Prämie fordert - unter Garantie.
Frau Merkel und Herr Steinmeier haben gerade ihre wirtschaftspolitische Inkompetenz bewiesen, als sie im Alleingang die Verlängerung der Abwrackprämie beschlossen haben. Dieses Instrument, das übrigens wie eine Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen wirkt, ist nicht zur Abmilderung einer länger anhaltende Wirtschaftskrise geeignet. Die Prämie ist zweifelsohne ein Impulsprogramm für die Automobilindustrie: einige Konsumenten werden sich stärker verschulden, als sie es ohne Prämie getan hätten. Auch der Nettoeffekt ist positiv, denn das gesamte Geld dürfte nicht anderer Stelle eingespart werden.
Die Abwrackprämie wirkte aber überhaupt nur deshalb so stark, weil sie zeitlich eng begrenzt ist. Denn nur dann entfaltet sich die Nachfrage so abrupt, dass sie die Überkapazitäten in der Automobilindustrie wieder füllen kann. Schon bald aber werden alle Kaufabsichten der Besitzer 10 Jahre alter Autos erfüllt sein. Das ist eine Frage von wenigen Monaten, nicht von Jahren. Danach droht der große Einbruch, denn die Wirtschaftskrise ist 2010 mitnichten schon überwunden. Dann wäre die Abwrackprämie nurmehr eine stinknormale Subvention.
Wenn Ludwig Greven aber davon spricht, dass es der Regierung "[d]ann noch schwerer fallen [wird], sich angesichts der immer bedrohlicheren Rezessionsszenarien weiter gegen ein drittes Konjunkturprogramm zu stemmen.", mag man dieser Aussage zwar zustimmen, diese Tatsache aber nicht für bedenklich halten. Im Gegenteil: ein drittes Konjunkturpaket wäre dringend notwendig. Es sollte keine weiteren Abwrackprämien enthalten, wohl aber weitere Zukunftsinvestitionen, (ggf. temporäre) Erhöhungen von Transferleistungen sowie auch bessere Abschreibungsbedingungen für Unternehmen. Die Rettung einzelner Unternehmen wie von Opel und Schaeffler ist hingegen bis auf ein paar Ausnahmen eher als ungerecht zu bewerten.
Es scheint, als setze die Regierung in populistischer Weise gerade auf die falschen Instrumente zur Konjunkturstabilisierung.
aber deshalb auf die Prämie verzichten?
Wenn man von einer länger andauernden Krise ausgeht sind ihre Vorschläge sicher besser, aber weniger kurzfristig massiv.
Die Regierung glaubt noch, dass es relativ schnell wieder aufwärts geht, unter dieser Maßgabe ist die Abwrackprämie sicher richtig.
Ihre Vorschläge führen im Grunde zu einer dauerhaften Reduzierung des Staatsanteils, etwas was die beiden Regierungsparteien für völlig undurchführbar halten. Weshalb sie auch lieber die Abwrackprämie verlängern, als ihre Machtbasis um des Volkes willen zu erodieren.
Berthold Grabe
aber deshalb auf die Prämie verzichten?
Wenn man von einer länger andauernden Krise ausgeht sind ihre Vorschläge sicher besser, aber weniger kurzfristig massiv.
Die Regierung glaubt noch, dass es relativ schnell wieder aufwärts geht, unter dieser Maßgabe ist die Abwrackprämie sicher richtig.
Ihre Vorschläge führen im Grunde zu einer dauerhaften Reduzierung des Staatsanteils, etwas was die beiden Regierungsparteien für völlig undurchführbar halten. Weshalb sie auch lieber die Abwrackprämie verlängern, als ihre Machtbasis um des Volkes willen zu erodieren.
Berthold Grabe
die Einreichung einer Kopie des Fahrzeugbriefs.
Dazu erübrigt sich eigentlich jeder Kommentar.
der Autoindustrie, weltweite Überkapazitäten, falsche Modelle und sinkende Nachfrage überhaupt nicht gelöst.
Unsere Regierung zeigt wieder einmal, dass sie nicht in der Lage ist, sich den Herausforderungen, von denen Deutschland betroffen ist, angemessen zu stellen. Sie vermag es nicht, Lösungen zu präsentieren, die erfolgversprechender sind als eine Abwrackprämie für Autos, die zu einem großen Teil technisch noch nicht veraltet sind. Hier wird Volksvermögen sinnlos vernichtet, der Katzenjammer, d.h. der Nachfrageeinbruch auf dem Automarkt, kommt mit Sicherheit nach dem Auslaufen dieser Prämie.
Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Regierungen so mancher Länder der Industriestaaten eine Finanz- und Wirtschaftspolitik betreiben, bei der Simbabwe Pate gestanden hat.
Falls diese Regierung auf der Suche nach weiteren ökonomisch unsinnigen Strohfeuern ist, hier noch ein durchaus eigennütziger Vorschlag: Man könnte doch zur Ankurbelung der Textilindustrie eine Abwrackprämie - dieses Wort ist mein Kandidat für das Unwort des Jahres 2009 – für Schlipse einführen, in meinem Keiderschrank hängen genug davon, die 10 Jahre und älter sind.
Meiner Meinung nach macht dieser subjektive Artikel wenig Sinn. Wenn man sich mit der Abwrackprämie mal genauer befasst, kann man dieses Konjunkturpaket nur unterstützen.
Es wurden vom Staat 1,5 Milliarden € zur Verfügung gestellt, welche schon längst durch Steuereinnahmen wieder zurück geflossen sind. Wenn man nun noch den zusätzlichen Erfolg ermitteln würde, welcher durch den Multiplikator-Effekt zusätzlich wirkt, so kann man dies nur unterstützen.
Zudem wirkt dieses Konjunkturpaket sofort im Gegensatz zu anderen Paketen wie beispielsweise weitere Investitionen zur Verbesserung der Infrastruktur.
Die Rechnung da oben ist so schlüssig wie ihr Kommentar. Wenn ein Auto verkauft wird gibt der Staat die 2500 EUR dazu. Die Mehrwertsteuer beläuft sich bei einem durchschnittlichen Kaufpreis für einen Neuwagen auf etwa den gleichen Wert. Schlichte Gemüter könnten dabei denken der Staat würde dadurch nichts verlieren. Dummerweise verliert der Staat (also wir Alle) per Auto 2500 EUR, so oder so. Entweder durch die Auszahlung der Prämie oder durch die entgangene MwSt.
Die Rechnung da oben ist so schlüssig wie ihr Kommentar. Wenn ein Auto verkauft wird gibt der Staat die 2500 EUR dazu. Die Mehrwertsteuer beläuft sich bei einem durchschnittlichen Kaufpreis für einen Neuwagen auf etwa den gleichen Wert. Schlichte Gemüter könnten dabei denken der Staat würde dadurch nichts verlieren. Dummerweise verliert der Staat (also wir Alle) per Auto 2500 EUR, so oder so. Entweder durch die Auszahlung der Prämie oder durch die entgangene MwSt.
An anderer Stelle wird sich über mangelndes Politikinteresse junger Menschen echauffiert. Man möchte angesichts solcher Meldungen, die den offensichtlichen Lobbyismus so deutlich zu Tage treten lässt nur noch k...
Besonders brisant ist in dieser Hinsicht, dass diese sogenannte Umweltprämie nicht für Elektroautos gezahlt wird (siehe:
).
Es ist kein Wunder, dass die beiden großen Volksparteien angesichts solch gesichtslosen Opportunismus stetig an Zuspruch verlieren. Eine sehr gefährliche Entwicklung. Und in Bezug auf die Umweltfreundlichkeit eine weitere verpasste Chance.
Laut Artikel hat die CSU "die Pendlerpauschale wieder herverhandelt".
Richtig ist:
- Unter der Mitregierung der CSU wurde die Entfernungspauschale Anfang 2007 um die ersten 20 km gekürzt.
- Mit 100% der Stimmen der CSU entschied sich der Bundestag noch am 25. September 2008 gegen die Rücknahme der Kürzung (Koalitionsvertrag schlägt Wahlversprechen).
- Die Kürzung wurde allein durch ein Urteil des BVG zurückgenommen. Die populistischen Forderungen der CSU in diese Richtung wurden in der CSU/CDU Fraktionsgemeinschaft nicht einmal ernsthaft diskutiert.
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