Stadt der Zukunft Urbane Utopien
Seitdem es Architekten gibt, existiert auch die Vision von der idealen Stadt. Ein Überblick über die fantastischsten Pläne aus dem 15. Jahrhundert bis heute
Ob es die chinesische Planstadt Lingang ist, die derzeit um einen künstlich angelegten kreisrunden See in der Provont Shanghai entsteht, oder die Insellandschaft in Form einer Palme, auf der die Scheichs von Dubai eine Luxus-Villa nach der anderen errichten lassen: Architektonische und städtelanerische Großprojekte faszinieren die Menschen.
Das gilt heute wie vor 500 Jahren als der Urvater der Stadtutopie, der Florenzer Bildhauer und Architekt Filarete, seine Ideen entwickelte. Er beschrieb schon im 15. Jahrhundert in seinem 25-Bändigen Werk "Trattato d'architettura", wie sich in der Idealstadt Architektur und Zusammenleben zu einem harmonischen Organismus zusammenfügen.
Filarete entwarf nicht nur Strukturen, Straßenzüge und Gebäudetypen, sondern einen gesamten Verhaltenskodex für alle Bewohner dazu. Dafür erntete er Bewunderung und Spott gleichermaßen, umgesetzt wurden von seiner Vision wenig. Der sternförmige Stadtgrundriss von Palmanova in Norditalien spielt formal auf seine Arbeit an. Vor allem legte Filarete jedoch den Grundstein des für Jahrhunderte gültigen Paradigmas des Städtebaus, dass die ideale Gesellschaft in einer idealen Architektur verwirklicht werden könnte. Auch hypermoderne Stadtvisionen, die ohne sozialen Anspruch einer besseren Welt auskommen, vermitteln mehr als ein bloßes ästhetisches Programm. Bei jeder Vision von Stadt geht es auch immer um eine bestimmte Vision vom Zusammenleben.
Claude-Nicholas Ledoux nahm 1775 die Planung von Salzgewinnungswerken im französischen Arc-et-Senans zum Anlass, den Auftrag zu einer Idealstadt umzuinterpretieren. Auch er setzte auf das didaktische Potenzial bildhafter Baustrukturen – im Zentrum der Arbeiterstadt stehen die Salinenanlagen, die Wohnhäuser stehen gleichberechtigt im Kreis darum.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beflügelten technischer Fortschritt und politische Utopien die Stadtvisionen. Ebeneezer Howards Garden Cities of To-Morrow sah suburbane Sattelitenstädte als naturnahe Kommunen noch sehr positiv, die Zeichnungen von kreisförmigen Siedlungen spielten an mittelalterliche Darstellungen von göttlicher und irdischer Welt an.
Bevor Frank Llyod Wright 1932 mit Broadacre City ein ideales Suburbia entwarf, in dem Hubschrauber und Autos als gänzlich unproblematisch galten, stellte sich schon 1925 der Plan Voisin für Paris von Le Corbusier dem Problem einer hoch verdichteten Innenstadt. Auch wenn weder dieser Plan von Paris noch Broadacre City je umgesetzt wurden, prägen sie beide bis heute städtebauliche Praktiken.
- Datum 05.02.2009 - 17:58 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren