Kunstmesse Art Dubai zwischen Umsatz und AnspruchSeite 2/2

Die Zukunft liege in der Vernetzung und Kooperation, davon ist Michael Schindhelm ebenso überzeugt wie John Martin oder Savita Apte, die Komiteeleiterin des neu ausgelobten Abraaj Capital Art Prize , mit dem sich die Messe schmückt. Auch hier geht es darum, Künstler aus der Region zu stärken. "Wir dürfen nicht vergessen, wir sind noch ganz am Anfang", sagt Apte, während Messebesucher draußen über eine kleine Steinbrücke zu den Werken der drei Preisträger pilgern. Unter den 97 Einreichungen sei kaum ein Ausfall gewesen, fast alle seien von hoher Qualität. "Unsere Ausgangsidee war es, Künstler aus der arabischen Welt träumen zu lassen. Wir wollten ihnen die Möglichkeit geben, ohne kommerzielle Zwänge zu arbeiten". Mit einem Preisgeld von einer Million Dollar ist der Abraaj Capital Art Prize der höchst dotierte Kunstwettbewerb der Welt.

Die in Paris lebende, algerischstämmige Künstlerin Zoulikha Bouabdellah ist eine der Preisträgerinnen – neben der Iranerin Nazgol Ansarinia (mit ihrer Arbeit Rhyme And Reason ) und dem Türken Kutluğ Ataman (mit Strange Space ). In Bouabdellahs großformatigen, begehbaren Lichtinstallation Walk On The Sky mischen sich Astronomie und Geometrie mit dem Mythos König Salomons. Ursprünglich hätten sich ihre in drei Meter Höhe angebrachten Diodenkonstruktionen, die Sternbildern und geometrischen Figuren nachempfunden sind, in einem Glasboden spiegeln sollen – in Anspielung auf den Glasboden, den König Salomon vor seinem Thron errichten lassen hat. Nun reflektieren sich die Lichter in einer glänzenden Metallspiegelfläche. Das Glas habe das Gewicht nicht getragen. 

Als Videokünstlerin war Bouabdellah zuletzt auf der Biennale in Venedig vertreten. Die Konzeptkunst ist der Ausgangspunkt all ihrer Arbeiten. Und ja, sagt sie, sie habe interessante Arbeiten arabischer Künstler auf der Messe gesehen. Insgesamt wünsche sie sich aber eine gewagtere Auswahl. Ob sie dabei an Arbeiten der parallel stattfindenden Bastakiya Art Fair denkt, die in einem illustren Viertel Dubais, voller kleiner Häuschen und traditioneller Windtürme, auch Überraschendes in Szene setzt? Vielleicht sogar an Rania Ezzats aus 400 Bauhelmen bestehende Turmkonstruktion, die den allgegenwärtigen Bauwahnsinn Dubais ebenso reflektiert wie Mark Pilkingtons kurzweilige Digital-Fotoserie Inclinations ?

Hier wie dort sind es die leisen Arbeiten, die Nebenreihen, die einen gespannt in die Zukunft blicken lassen, auch wenn naturgemäß die lauten, grell kitschigen Werke auf der Art Dubai schneller Käufer finden. Tradition und Moderne, Religion, Terrorismus und die Auseinandersetzung mit dem allgegenwärtigen Bauwahn in Dubai sind wiederkehrende Elemente der Künstler aus der Region. Die Art Dubai befindet sich am Scheideweg. Ohne die Einbettung des Global Art Forums, des neu geschaffenen Abraaj Capital Art Prize und der begleitenden thematischen Kunstprojekte liefe sie Gefahr, Kunst mit Kommerz zu verwechseln.

Und vielleicht haben ja auch John Martin und Michael Schindhelm an dem von Patricia Millns gestalteten Wunschbaum vor der Bastakia Art Fair einen Zettel angehängt. Ein Kind hat geschrieben: " I hope I get a dog, a cat or even a hamster ". Die Wünsche der Kulturverantwortlichen des Golfstaates dürften ungleich größer sein. Allen Krisen zum Trotz.

 
Leser-Kommentare
  1. Welch eine schizophrene Gesellschaft und noch viel schlimmer – keiner der hier involvierten Ausländer scheint sich für einen verantwortlichen Dialog und kulturellen zu engagieren.

    "Was unsere Messe einzigartig macht, ist schon allein die Lage"

    Die Lage, ja natürlich – die Abwesenheit von jeglicher Nachhaltigkeit und die Tatsache, daß es sich hier um das Land mit dem weltweit höchsten ökologischen Fußabdruck handelt, macht dies natürlich zu einer "Prime Location".

    Der Aufruf diverser Menschrechtsorganisationen sich einmal näher mit der Situation derjenigen, die diese Kunstpaläste tatsächlich bauen, zu beschäftigen fällt ebensowenig ins Gewicht.

    Als wenn die Situation der Journalisten bzw. Wissenschaftler, die verzweifelt versuchen sich hier kritisch zu äußern nicht schon schlimm genug wäre, aber jetzt auch noch Kunst mit Zensur – ach bitte nicht!

    Na ja, vielleicht kann man den Menschenhandel ja mal "künstlerisch" verewigen!

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