Geistiges Eigentum
Schöner Leben ohne Copyrights
Die Urheberrechte dienen wenigen Unternehmen, aber nicht dem Allgemeinwohl, schreibt der Jura-Professor James Boyle. Besonders im Internet stören die Gesetze nur, so wie sie heute formuliert sind
James BoyleThe Public Domain. Enclosing the Commons of the MindSachbuchSachbuchEnglischYale University PressNew Haven, CT200831515,40Im Internet wird nur geklaut, klagt die Unterhaltungsindustrie. Helfen sollen striktere Urheberrechte und eine penible Überwachung des Internets. Bloß das nicht!, sagt der Jura-Professor James Boyle von der Duke University. Eine Welt voller Copyrights behindere die Menschheit, sich wirtschaftlich und sozial zu entwickeln. Eher solle Hollywood untergehen, als dass verschärfte Urheberrechte jede Innovation unmöglich machten.
Zurzeit werden Rechte auf geistiges Eigentum wieder und wieder verlängert. Auf jeden Unfug kann man ein Patent anmelden. Steve Olson aus St. Paul hält beispielsweise seit 2000 das Patent für die "Methode, auf einer Schaukel zu schaukeln". Bücher behalten ihr Copyright auch noch 70 Jahre, nachdem der Autor gestorben ist, wovon der Urheber des Werkes bestimmt nicht profitiert. In Europa sind mittlerweile auch Faktensammlungen urheberrechtlich geschützt, sogar triviale Listen von Internetlinks. Wer aus Aufnahmen auch nur "kleinste Tonfetzen" entnimmt, begeht Rechtsbruch, entschied der Bundesgerichtshof.
Diese Politik der hohen Mauern schade allen Beteiligten, sagt Boyle. Seine These: Je größer der allgemein zugängliche Fundus an Ideen und Informationen sei, desto innovativer, produktiver und profitabler werde die Welt. Folglich preist Boyle die digitale Revolution. Sie verringere Produktionskosten, vereinfache den Informationsaustausch und ermögliche globale Zusammenarbeit an eigentlich allem.
In den vergangenen hundert Jahren hätten die Menschen vergessen, wozu geistige Eigentumsrechte existieren. Patentrechte, geschützte Markenzeichen und Copyrights seien um 1800 eingeführt worden, um Menschen zu Innovationen anzuregen. Urheber sollten profitieren, wenn ihre Erzeugnisse verwendet werden, denn die Aussicht auf Gewinn treibe sowohl Maschinenbauer als auch Musiker zu weiteren Fortschritten an.
Aber zeitlich eng begrenzt müssten diese Rechte sein. Denn man stelle sich vor, jemand hätte ein Patentrecht auf Schrauben und fordere für jede Verwendung eine Lizenzgebühr. Merke: Urheberrechte erhöhen die Kosten, und dann ist’s vorbei mit der Innovation.
Schon heute kämen manche Neuheiten nicht mehr auf den Markt, weil sonst wegen Copyright-Verletzungen geklagt würde, vermutet Boyle. Auf der Grundlage der heutigen Gesetze sei bereits Apples iPod prinzipiell illegal. Mancher Richter könnte urteilen, das Gerät leiste Beihilfe zum Copyright-Betrug. Zwar wage niemand Apple zu verklagen, doch ein kleines Start-up-Unternehmen hätten die Anwälte der Musikindustrie gewiss vor Gericht gezerrt.
- Datum 26.3.2009 - 15:14 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wie die Kritik an der Google Buchsuche, an OpenAccess oder jetzt das Problem mit E-Books zeigt, lebt Deutschland und die Producerindustrie noch immer im Jahr 1950. Bei Büchern erleben wir heute den gleichen Unsinn wie damals bei Napster. Man sollte meinen, die Buchmacher hätten dazu gelernt.
Dabei ist die Nachfrage nach Texten riesengroß. Warum nicht selber die eigenen Elaborate online stellen, Werbung einbauen, Mehrwert anbieten oder auf andere Weise Geld damit verdienen. Warum nicht Anderen erlauben, die eigenen Inhalte weiter zu verwenden, gegen finanzielle Entlohnung versteht sich.
Wer einen Buchkommentar schreibt, sollte wenigstens ansatzweise erkennen lassen, dass er dieses Buch auch gelesen hat - selbst wenn es auf Englisch ist!
Das zentrale Anliegen des Autors ist es, "den Leser zu überzeugen, dass Geistige Eigentumsrechte wichtig sind, dass es etwas ist, worüber jeder Bürger zumindest etwas wissen sollte, in derselben Weise wie jeder informierte Bürger zumindest etwas über die Umwelt wissen sollte, über bürgerliche Rechte oder über die Art, wie die Wirtschaft funktioniert" (http://yupnet.org/boyle/a...).
Bei Herrn Free ist Boyle mit dieser Absicht offensichtlich nicht weit gediehen, da der noch nicht einmal den Unterschied zwischen Copyright ("Urheberrecht") und Geistigen Eigentumsrechten zu kennen scheint.
Natürlich steht es jedem - auch uninformierten - Bürger zu, eine Meinung zu Geistigen Eigentumsrechten (neben Urheberrechten insbesondere Patente, Marken und Geschmacksmuster) zu haben. Selbstverständlich darf sich auch jeder unwissende Kritiker auf Quellen beziehen, die er selbst nicht versteht. Ärgerlich ist es nur, wenn ein solcher Artikel ausgerechnet bei der ZEIT erscheint!
Hallo Herr Busse,
es kommt häufig vor, dass in einer Rezension andere Argumente eines Buchs im Vordergrund stehen, als diese, die der Autor als sein Hauptanliegen beschreibt. Wäre das nicht so, könnte man sich Rezensionen sparen und nur Interviews mit Autoren führen - oder dessen Blog abdrucken. Mitunter weist gerade dieses Abweichen von der vom Autor vorgegebenen Interpretationslinie daraufhin, dass der Kritiker das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gelesen hat.
Und natürlich sind nicht alle Urheberrechte Copyrights. Boyle behandelt geistige Urheberrechte und konzentriert sich vor allem auf Copyrights, weil Kopieren in Zeiten des Internets einfacher ist als zuvor. Der iPod sei beispielsweise nicht wegen Verletzung von Urheberrechten angreifbar, sondern weil er Beihilfe zum Copyright-Betrug leistet. Mag sein, dass in der Enge der 5000 Zeichen Ihnen mein Text zu unsauber in den Bezeichnungen ist. Das bitte ich zu entschuldigen. Falls mir in der üblichen journalistischen Verkürzungsmanie sachliche Fehler unterlaufen sind, würde ich mich freuen, wenn Sie mir diese kurz mitteilen könnten.
Mit freundlichem Gruß
JF
Hallo Herr Free,
auch bei 5000 Zeichen sollte man erwarten, dass Begriffe praezise verwendet werden. Besonders wuenschenswert waere dies bei einem Thema wie diesem, bei dem die Diskussion von Lobbyisten bestimmt wird.
Ein wichtiger Unterschied zwischen Urheberrecht und Copyright ist dass ersteres nur durch Erbfolge weitergegeben kann, bei dem aus dem angloamerikanischem Rechtssystem stammende Copyrightsystem dagegen ist das Copyright eine Ware mit der reger Handel getrieben wird.
Urheberrechte und Copyright wurden urspruenglich eingefuehrt wurden um eine Balance zwischen Gemeinwohl und Schutz des Erfinders herzustellen. Heute sind Verwertungsgesellschaften die groessten Nutzniesser des Systems und ihre Interessensvertreter koennen immer mehr und weitreichendere Privilegien durchsetzen. Dadurch scheint der Gedanke des Gemeinwohls in den letzten Jahrzehnten sukzessive ins Hintertreffen geraten zu sein.
Durch die Losloesung des Inhalts von physischen Medien (Buecher, Schallplatten)
ist nicht nur die Moeglichkeit neu, Inhalte exakt zu kopieren, sondern auch die Idee, immaterielle Gueter als Waren zu handeln. Die Patentierbarkeit von trivialen "Erfindungen" wie das Schaukeln ist nicht laecherlich, sondern eine echte Gefahr fuer die Wissensgesellschaft.
"Copyright" ist die englische Übersetzung von "Urheberrecht" (http://dict.leo.org/?sear...).
Die Aussage "Und natürlich sind nicht alle Urheberrechte Copyrights." ist offensichtlich falsch.
Man kann den Sachverhalt auf verschiedene Weise beurteilen.
Doch bin ich geneigt dem Autor zuzustimmen.
Es kann nicht sein, dass Urheberrechte immer wieder verlängert werden, damit leistet man nur einer Rechteprivilegierung Vorschub, die ohne eigene Leistung schmarotzend Einnahmen erpresst.
Die Sache mit dem IPod, wie überhaupt das ganze Kopierproblem ist da von anderer Qualität, aber genauso wenig zu rechtfertigen.
Das eigentliche Problem z.B. der Musikindustrie ist, dass Musik kein Wirtschaftsgut ist, weil sie schon immer beliebig vermehrbar und kopierbar war.
Die Erfindung von Tonträgern und anderen Speichermedien hat diesen Umstand nur zeitweise ausgehebelt. Tatsächlich ist die Musikindustrie eine Tonträgerindustrie und da sie erleben mußte, dass Tonträger beliebig vermehrbar wurden, ist ihr Geschäftsmodell schlicht hinfällig.
Die Copyright Rechte wirken hier so, als hätten die Weber im 19. Jahrhundert ein Recht auf die Webmuster besessen und hätten der Konkurrenz verboten auf was anderes als mechanischen Webstühlen zu produzieren, weil man ja mit industriellen Webstühlen die Muster weit häufiger kopieren könne.
Hier wirken Copyright Rechte nur als Besitzstandswahrung einer sich selbst überlebten Industrie.
Insgesamt führt die Digitalisierung zu einer Krise des "geistigen Eigentums", da niedergelegte Gedanken eben beliebig kopierbar sind.
Dafür brauchen wir ein völlig neues Modell der adäquaten Vergütung, die Übertragung des Modells der dinglichen Güter, erweist sich als nicht mehr angemessen und zielführend.
Abgesehen vom Interesse der Rechteinhaber, neige ich sogar dazu diese Entwicklung zu begrüßen, da dann eben nicht nur der profitiert, der manchmal nur zufälligerweise der Erste war, der darauf gekommen ist.
Berthold Grabe
"Urheberrechte" (aka "Copyrights") entstehen im anglo-amerikanischen wie im (kontinental-)europäischen Recht durch den schöpferischen Akt und gelten 70 Jahre über den Tod ihres Schöpfers hinaus. Verlängerungen von Urheberrechten gibt es nicht.
Die Aussage, "dass Urheberrechte immer wieder verlängert werden" ist sachlich falsch.
sind Urheberrechte ein Kompromiss zwischen der wünschenswerten Verbreitung von Kultur und den finanziellen Interessen der Kulturschaffenden. Wobei sich die meisten Kulturschaffenden gar nicht klar darüber zu sein scheinen woher ihre Einnahmen stammen. Nämlich nicht von den Verlegern, sondern den Konsumenten ihrer Produkte.
Das Internet hat diese Verbindung, Kulturschaffende zu Kulturkonsument, extrem verkürzt. Soweit, dass sich bisher komfortabel davon lebende Industrien auf einmal in der Situation befinden ihre Leistungen rechtfertigen zu müssen. Gegenüber den Konsumenten wie auch den Schaffenden (von denen sich viele schon lange übervorteilt fühlten). Anstatt sich dieser Situation zu stellen hat sich die Inhalte-Industrie vornehmlich auf eine Kriminalisierung der Konsumenten konzentriert, und damit sich und den Kulturschaffenden massiv geschadet.
Der Grad an Schutz für geistiges Eigentum den damit befasste Volkswirte als nötig erachten um ein Maximum an Innovation und Kultur zu generieren ist lange überschritten. Im Gegenteil stehen etliche Schutzrechte, z.B. für Software, unter dem starken Verdacht massiv Innovationshemmend zu wirken. Alleine die gängige Praxis für wissenschaftliche Publikationen ist denen die diese Werke finanzieren, dem Steuerzahler, nicht mehr zu vermitteln. Wissenschaftliche Publikationen müssen unbedingt für jeden kostenfrei abrufbar sein. Selbst eine gut finanzierte Universität ist nicht in der Lage auch nur den größten Teil der relevanten Zeitschriften ihren Lehrenden und Lernenden zugänglich zu machen.
Geld verdienen dürfen Verlage gerne. Es gibt genug geschäftlich orientierte Kunden die bereit sind für qualitativ hochwertige Inhalte zu bezahlen. Der Allgemeinheit müssen Kultur und Wissen zum geringstmöglichen Preis angeboten werde, seit den Möglichkeiten des Internet heißt das in vielen Fällen kostenlos.
Hallo Herr Free,
auch bei 5000 Zeichen sollte man erwarten, dass Begriffe praezise verwendet werden. Besonders wuenschenswert waere dies bei einem Thema wie diesem, bei dem die Diskussion von Lobbyisten bestimmt wird.
Ein wichtiger Unterschied zwischen Urheberrecht und Copyright ist dass ersteres nur durch Erbfolge weitergegeben kann, bei dem aus dem angloamerikanischem Rechtssystem stammende Copyrightsystem dagegen ist das Copyright eine Ware mit der reger Handel getrieben wird.
Urheberrechte und Copyright wurden urspruenglich eingefuehrt wurden um eine Balance zwischen Gemeinwohl und Schutz des Erfinders herzustellen. Heute sind Verwertungsgesellschaften die groessten Nutzniesser des Systems und ihre Interessensvertreter koennen immer mehr und weitreichendere Privilegien durchsetzen. Dadurch scheint der Gedanke des Gemeinwohls in den letzten Jahrzehnten sukzessive ins Hintertreffen geraten zu sein.
Durch die Losloesung des Inhalts von physischen Medien (Buecher, Schallplatten)
ist nicht nur die Moeglichkeit neu, Inhalte exakt zu kopieren, sondern auch die Idee, immaterielle Gueter als Waren zu handeln. Die Patentierbarkeit von trivialen "Erfindungen" wie das Schaukeln ist nicht laecherlich, sondern eine echte Gefahr fuer die Wissensgesellschaft.
Nur drei kleine Verständnisfragen:
(1) Wann sind Erfindungen "trivial"?
(2) Was ist "die Wissensgesellschaft"?
(3) Inwiefern gefährden Patente auf "triviale Erfindungen" die Wissensgesellschaft?
Ohne diese Konkretisierungen erscheint die Aussage "Die Patentierbarkeit von trivialen Erfindungen wie das Schaukeln ist nicht laecherlich, sondern eine echte Gefahr fuer die Wissensgesellschaft." zwar kraftvoll, aber inhaltsleer.
Ein wichtiger Unterschied zwischen Urheberrecht und Copyright ist dass ersteres nur durch Erbfolge weitergegeben kann,
korrekt. (§§ 28 bis 30 UrhG, http://bundesrecht.juris....)
bei dem aus dem angloamerikanischem Rechtssystem stammende Copyrightsystem dagegen ist das Copyright eine Ware mit der reger Handel getrieben wird.
auch richtig. (17 U.S.C. 204, http://www.copyright.gov/...)
Beide Rechtssysteme regeln (aufgrund unterschiedlicher Historie) die Möglichkeiten, Dritten Rechte an der Nutzung eigener Werke zu übertragen, unterschiedlich. - Für die Praxis dieser Rechtsübertragung ein ohne Zweifel wichtiger Unterschied.
Aber an welcher Stelle wird dieser Unterschied aus Ihrer Sicht zum Problem?
"Copyright" ist die englische Übersetzung von "Urheberrecht" (http://dict.leo.org/?sear...).
Die Aussage "Und natürlich sind nicht alle Urheberrechte Copyrights." ist offensichtlich falsch.
"Urheberrechte" (aka "Copyrights") entstehen im anglo-amerikanischen wie im (kontinental-)europäischen Recht durch den schöpferischen Akt und gelten 70 Jahre über den Tod ihres Schöpfers hinaus. Verlängerungen von Urheberrechten gibt es nicht.
Die Aussage, "dass Urheberrechte immer wieder verlängert werden" ist sachlich falsch.
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