G-20 aus Chiles Sicht Chiles Angst vor dem ProtektionismusSeite 2/2

Das vorschnell deregulierte Finanzsystem brach im Jahr 1982 spektakulär zusammen und der enorme Schuldenberg der privaten Banken wurde - wer hätte es gedacht - vom Staat aufgefangen. Hier hat sich in vieler Hinsicht im Voraus abgespielt, was jetzt dem internationalen Bankensystem widerfahren ist. Die chilenische Lösung zur Frage einer praktischen Nationalisierung der Banken war die Einführung von “A”- und “B”-Aktien. Aktionäre der Gruppe “A”, die ehemaligen Inhaber der Geldinstitute, erhielten keine Dividenden, bis nicht den Aktionären der Gruppe “B” ihre Verluste voll erstattet waren, was ungefähr 15 Jahre gedauert hat.

Seitdem hat es im chilenischen Bankenwesen immer Einschränkungen gegeben. Der Fluss spekulativer Finanzmittel war längst durch Mindestreserveanforderungen eingedämmt worden, und bei der privaten Altersversorgung gibt es Höchstgrenzen bezüglich der Beträge, die im Ausland investiert werden können. Mit der Wiederherstellung der Demokratie im Jahr 1990 begann die Wiedergutmachung einiger der besonders eklatanten Ungerechtigkeiten, jedoch wurden die wesentlichen Merkmale der bisherigen Wirtschaftspolitik des offenen Handels und insbesondere die Tatsache, dass Chile die niedrigsten Zollschranken in der Region hat, nicht verändert. Chile kann sich nun zweier gegensätzlicher Rekorde rühmen: Das Land war in Bezug auf die Armutsbekämpfung erfolgreicher als alle anderen in der Region und es zählt zu den Nationen mit der größten Ungerechtigkeit in der Welt.

Wie auch Chile, ist das übrige Lateinamerika zurzeit in einer besseren Position als bei anderen Gelegenheiten, um dem Abschwung standzuhalten. Dank der jüngst sehr hohen Preise für Rohstoffe – insbesondere Soja, Weizen, Zellstoffholz, Öl, Gas und Eisen – konnte Lateinamerika Reserven anhäufen. Nun geht es darum zu verhindern, dass die reichen Volkswirtschaften die Krise auf diese Region übertragen, indem sie Kredite und Investitionen in den Schwellen- und Entwicklungsländern versiegen lassen.

Die G20 berät am 2. April über die Zukunft der Weltwirtschaft. Welche Wünsche und Erwartungen haben diejenigen Länder, die nicht am G20-Gipfel teilnehmen können? Wir haben dazu Stimmen eingesammelt. Ein Projekt des Global Policy Institute der London Metropolitan University und dem Londoner Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung.

 
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