Fussball und Doping Dickköpfigkeit oder Vertuschung?

Fifa und Uefa wollen sich der globalen Anti-Doping-Politik verweigern. Damit schaden sie der Glaubwürdigkeit des Fußballs. Ein Kommentar

Es ist das falsche Signal, das die Fußballverbände Fifa und Uefa senden: Sie lehnen das Meldesystem der Welt-Anti-Doping-Agentur ab. Zum Hintergrund: Fußball-Nationalspieler müssen seit 2009 wie viele andere Sportler ihren Aufenthaltsort drei Monate im Voraus angeben, um für Doping-Jäger auffindbar zu sein. Urlaub inbegriffen, Änderungen sind aber jederzeit per SMS möglich. Auf den ersten Blick mögen Michael Ballack und viele andere Sportler Recht haben: Das Meldesystem ist ein Eingriff ins Privatleben.

Doch das Ziel, den Sport von dem wachsenden Furunkel Doping zu befreien, ist gewichtiger als die Privatsphäre. Zugeständnisse müssen auch von Stars verlangt werden können. Ist es nicht im Sinne aller Ehrlichen, wenn die Schummler auffliegen? Und Doping-Proben sind nun mal am aussagekräftigsten, wenn man sie unvorhersehbar vornimmt. Bei Wettkampfkontrollen lassen sich ohnehin nur noch die Dummen erwischen.

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Auch das Argument, dass Fußballer nicht verantwortlich seien für die Verfehlungen anderer (Radfahrer, Leichtathleten, Gewichtheber), ist nicht stichhaltig. Erstens ist Juventus Turin, einer der fünf bedeutendsten und erfolgreichsten Klubs der Welt, des Dopings in den 90er Jahren überführt; und Gerüchte aus anderen Mannschaften gibt es genug. Zweitens spricht nichts dagegen, wenn Fußballer Vorbilder im Anti-Doping-Kampf sind – zumal gerade sie enorm von den Leistungen früherer Sportlergenerationen profitieren: Der milliardenschwere Spielermarkt ist über Jahrzehnte gewachsen. Da kann es nicht zu viel sein, sich um ein gutes Image ihres Sports zu bemühen.

Entspringt die Ablehnung der Verbände der fußballüblichen Dickköpfigkeit, oder ist das schon Vertuschung? Die Fußballer dürfen sich jedenfalls nicht wundern, dass solche Fragen gestellt werden, dass sie in Verdacht geraten, wenn sie es als Zumutung empfinden, was in anderen Sportarten längst üblich ist. Glaubwürdigkeit muss man sich erarbeiten. Und auf die Mär, Doping sei im Fußball nicht leistungssteigernd, fallen immer weniger Fans rein.

Die Eisschnellläuferin Anni Friesinger hat der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt, sie freue sich über das Meldesystem: "Ich will mir von niemandem einen Sieg wegnehmen lassen, der gedopt hat. Man muss die eine oder andere bittere Pille schlucken, um im Kampf gegen Doping diesen einen Schritt schneller zu sein." So treten Vorbilder im Anti-Doping-Kampf auf.

 
Leser-Kommentare
    • Olly66
    • 25.03.2009 um 18:02 Uhr

    Wer glaubt, im Fußball gäbe es kein Doping, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

    [...]

    [Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  1. "Doch das Ziel, den Sport von dem wachsenden Furunkel Doping zu befreien, ist gewichtiger als die Privatsphäre." Da muss man, glaub ich, entschieden widersprechen. So, wie dieses Meldesystem hier beschrieben wird, handelt es sich um ein Bürokratenmonster, das nur einem Idioten einfallen kann.
    Doping ist zwar schlimm, aber Sport ist dann doch nur eine Nebensache. Deshalb muss man nicht verfassungsmässig verbriefte Rechte über Bord werfen.

    • Crest
    • 25.03.2009 um 18:51 Uhr

    Doch das Ziel, den Sport von dem wachsenden Furunkel Doping zu befreien, ist gewichtiger als die Privatsphäre.

    Doping ist kein Terrorismus. Und selbst bei letzterem würde der Eingriff in die Privatsphäre bei unterstelltem Generalverdacht so nicht durchgehen.

    Man kann sich über den Kommentar von Fritsch in der ZEIT (!) deshalb nur wundern. In allen anderen Rechtsbereichen lässt man das Risiko von Fehlurteilen, Ungerechtigkeiten u.v.a. bewußt zu, da alles andere zu monströsen Auswüchsen führen würde.

    Umgekehrt wird also ein Schuh draus: Eine Einschränkung der Befugnisse der Antidoping-Kommissionen, damit deren Vorgehensweisen nicht unversehens zum Türöffner für andere staatliche Überwachungsmaßnahmen werden.

    Herzlichst Crest

    • zetti
    • 25.03.2009 um 19:03 Uhr

    Eindeutige Antwort kann nur sein: Vertuschen.

    Fußball ist ein Milliardenschwerer Sport, mehr noch als im Radsport. Ein Narr, der glaubt, daß gewisse Menschen der Versuchung widerstehen können, mit illegalen Tricks ein Stück vom Kuchen abzubekommen.

    Im Gegensatz zu verschobenen Spielen wird bei Doping auf die Gesundheit der Spieler keine Rücksicht genommen. In Wirklichkeit ist der Spieler der Verlierer.

    Die Gewinner, wie beim Radsport, sitzen nicht in Sätteln und schnüren auch keine Fußballschuhe. Die sitzen in Büros diverser Firmen und tummeln sich unter führenden Funktionären.

    Für mich ist jeder der als Verantwortlicher gegen Dopingkontrollen ist, automatisch mehr als verdächtig.

    Zetti

  2. Redaktion

    Über Details lässt sich reden, und über Datenschutz muss man diskutieren. Aber zum Prinzip unangemeldete Kontrolle sehe ich keine Alternative.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Crest
    • 25.03.2009 um 22:29 Uhr

    kann man das unterschreiben oder zumindest als Diskussionsgrundlage benutzen.

    Was aber doch ganz grundsätzlich stört, ist, dass Ihr Artikel den durchgehenden Jagdeifer eines Polizisten mit entsicherter Maschinenpistole widerspiegelt, der einen Falschparker zur Strecke bringen will.

    Unangemeldete Kontrollen etwa des Alkoholkonsums von Autofahrern sind sinnvoll und werden akzeptiert. Aber jetzt stellen Sie sich einmal vor, die Sicherheitsorgane wollen stets informiert werden, wann und wohin Sie mit dem Auto unterwegs sind, um ggf. eine unangemeldete Kontrolle bei Ihnen durchführen zu können. Insbesondere dann, wenn Sie schon einmal aufgefallen sind. (Und das würde vermutlich sogar Leben retten.)

    Das erschiene Ihnen absurd? Recht haben Sie.

    Herzlichst Crest

    • Crest
    • 25.03.2009 um 22:29 Uhr

    kann man das unterschreiben oder zumindest als Diskussionsgrundlage benutzen.

    Was aber doch ganz grundsätzlich stört, ist, dass Ihr Artikel den durchgehenden Jagdeifer eines Polizisten mit entsicherter Maschinenpistole widerspiegelt, der einen Falschparker zur Strecke bringen will.

    Unangemeldete Kontrollen etwa des Alkoholkonsums von Autofahrern sind sinnvoll und werden akzeptiert. Aber jetzt stellen Sie sich einmal vor, die Sicherheitsorgane wollen stets informiert werden, wann und wohin Sie mit dem Auto unterwegs sind, um ggf. eine unangemeldete Kontrolle bei Ihnen durchführen zu können. Insbesondere dann, wenn Sie schon einmal aufgefallen sind. (Und das würde vermutlich sogar Leben retten.)

    Das erschiene Ihnen absurd? Recht haben Sie.

    Herzlichst Crest

    • Crest
    • 25.03.2009 um 22:29 Uhr

    kann man das unterschreiben oder zumindest als Diskussionsgrundlage benutzen.

    Was aber doch ganz grundsätzlich stört, ist, dass Ihr Artikel den durchgehenden Jagdeifer eines Polizisten mit entsicherter Maschinenpistole widerspiegelt, der einen Falschparker zur Strecke bringen will.

    Unangemeldete Kontrollen etwa des Alkoholkonsums von Autofahrern sind sinnvoll und werden akzeptiert. Aber jetzt stellen Sie sich einmal vor, die Sicherheitsorgane wollen stets informiert werden, wann und wohin Sie mit dem Auto unterwegs sind, um ggf. eine unangemeldete Kontrolle bei Ihnen durchführen zu können. Insbesondere dann, wenn Sie schon einmal aufgefallen sind. (Und das würde vermutlich sogar Leben retten.)

    Das erschiene Ihnen absurd? Recht haben Sie.

    Herzlichst Crest

    Antwort auf "Details"
  3. Redaktion

    @crest: Ich glaube, dass ich im Vergleich mit anderen noch milde urteile, siehe:

    http://www.berlinonline.d...

    http://www.faz.net/s/Rub3...

    http://www.fr-online.de/i...

    Was jetzt nicht heißen soll, dass ich mich hinter den Kollegen verstecken möchte. Das soll nur unsere Diskussion bereichern.

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