Fussball Fifa und Uefa wollen Doping-Meldesystem abschaffen
Die Verbände Fifa und Uefa haben sich kategorisch gegen das Anti-Doping-Meldesystem für Fußballer ausgesprochen. Vertreter der Anti-Doping-Agentur reagierten enttäuscht

© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images
Der Europäische Fußballverband (Uefa) will Fußballern einen ungestörten Urlaub ermöglichen, Dopingkontrollen sollen entfallen
Die internationalen Fußballverbände haben ihre Ablehnung in einer schriftlichen Erklärung zum Ausdruck gebracht: "Die führenden Organe von Fifa und Uefa lehnen die Haltung der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zur Meldepflicht und speziell zur genauen Nennung der Aufenthaltsorte von Mannschaftssportlern ab", hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung, die am Dienstagabend im Anschluss an eine Uefa-Exekutivsitzung veröffentlicht wurde.
Fußball-Profis müssen seit Beginn des Jahres ihre Aufenthaltsorte für mögliche Dopingproben fortlaufend drei Monate im Voraus angeben. Diese Regelung war unter anderem vom deutschen Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack als unverhältnismäßig kritisiert worden. "Der Zweck ist positiv. Aber es wird teilweise massiv ins Privatleben eingegriffen", hatte Ballack von seinen Erfahrungen mit dem computergestützten System berichtet. "Teilweise ist das System auch ein nervendes Instrument, was die Privatsphäre verletzt", urteilte Philipp Lahm.
Die Wada reagierte enttäuscht und mit deutlichen Worten auf die Erklärung der beiden Verbände. "Eines der Grundprinzipien effizienter Doping-Kontrollen ist der Überraschungseffekt und die Möglichkeit, einen Athleten ohne vorherige Ankündigung 365 Tage im Jahr testen zu können", sagte Wada-Präsident John Fahey. Die Forderung von Fifa und Uefa, dass Tests nur an Trainingsstätten und nicht während der Ferienzeiten durchgeführt werden sollten, "ignoriert die Realität des Dopings im Sport".
Zur Begründung der Ablehnung wiesen Fifa und Uefa auf die "fundamentalen Unterschiede" zwischen Individualsportlern, die alleine trainieren, und Teamathleten, die "an sechs von sieben Tagen der Woche im Stadion präsent sind" und dadurch leicht zu erreichen seien. Das individuelle Meldesystem solle daher für Teamsportler durch ein Mannschafts-Meldesystem ersetzt werden, von dem nur gesperrte oder verletzte Spieler ausgenommen seien. Während der Saisonpause sollten Fußballer in ihrer "kurzen Urlaubsphase" grundsätzlich nicht den Meldeauflagen unterliegen.
Fifa und Uefa kritisierten den "fehlenden Respekt vor dem Privatleben der Spieler". Zwischen 25.000 und 30.000 Dopingtests pro Jahr belegten, dass der Anti-Doping-Kampf im Fußball mit aller Konsequenz betrieben werde. Im "Geiste des gemeinsamen Kampfes gegen Doping" werde die Wada aufgefordert, die neue Regelung zu überdenken.
- Datum 25.03.2009 - 13:24 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 2
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Die Reaktion von Fifa und Uefa begrüße ich ausdrücklich: in der Güterabwägung zwischen einer dopingfreien Welt und einer freiheitlichen Gesellschaft ohne totalitäre Überwachungsmechanismen (beim Antidoping-Kampf ist dieser Begriff mittlerweile keine Übertreibung mehr), wiegt letztere schwerer.
Herzlichst Crest
Glückwunsch Herr Blatter! Ich bin kein Fußballfan, gegen Doping und trotzdem: endlich einmal ein Verband, der sich vor seine Sportler stellt und diese Hexenjagd, die sich aus dem Standard für Meldepflichten ergibt, angreift. Ohnehin dürfte dieser Standard gegen daten- und arbeitsrechtliche Bestimmungen in Deutschland (und der EU) verstoßen - auch wenn die NADA derzeit solche Gedanken noch entrüstet zurückweist. Dopingjagd, die ohnehin letztlich auf totale Kontrolle setzt, ist eh auf verlorenem Posten. Mir sind die Persönlichkeitsrechte der vielen Sportler wichtiger, als der eine oder andere erwischte Sportler.
Herr Blatter, Herr Zwanziger, Herr Rauball, lassen Sie nicht locker! Handeln Sie Konditionen aus, die auch die Würde der Sportler beachtet. Der Fußball hat die mächtigste Lobby. Bleiben Sie Vorreiter!
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