Finanzkrise Köhlers Donnergrollen

Der Bundespräsident liest in seiner "Berliner Rede" gierigen Managern die Leviten, lobt das Krisenmanagement der Politik und stimmt die Deutschen auf harte Zeiten ein

Bundespräsident Horst Köhler hat bei seiner "Berliner Rede" die Krise als Chance für die Demokratie bezeichnet

Bundespräsident Horst Köhler hat bei seiner "Berliner Rede" die Krise als Chance für die Demokratie bezeichnet

Es dauert lange. Fast 40 Minuten müssen die Zuhörer warten, bis Horst Köhler bei seiner vielleicht entscheidenden Botschaft für seine Landsleute ankommt. Der Bundespräsident hat über die Finanzkrise gesprochen, über ihre Ursachen und über Wege, die aus ihr herausführen. Köhler hat die gierigen und verantwortungslosen Manager gescholten sowie die Politiker für ihr Krisenmanagement gelobt. Er hat die soziale Marktwirtschaft verteidigt und Globalisierung als Chance gepriesen. Er hat das "Primat der Politik“ betont und einem "starken Staat“ das Wort geredet.

Soweit so gut. All dies erwartet die Öffentlichkeit von der Krisenansprache eines Bundespräsidenten.

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Doch erst jetzt, wo Horst Köhler sich schon fast durch sein ganzes Manuskript gearbeitet hat, erst jetzt kommt er zu seiner vielleicht entscheidenden Botschaft. Er spricht von der "Ohnmacht,“ die die Deutschen empfänden, von "Hilflosigkeit und Zorn.“ Er stimmt seine Landsleute auf neue Firmenpleiten und steigende Arbeitslosenzahlen ein, spricht von einem "Glaubwürdigkeitstest für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“ und einer "Bewährungsprobe für die Demokratie“. Und erst kurz vor Ende seiner Rede sagt er schließlich auch: "Wir dürfen uns nichts vormachen, die kommenden Monate werden sehr hart, auch für uns in Deutschland.“

Es ist nur ein kurzer Ausflug in die Abteilung "Blut, Schweiß und Tränen“. Denn eigentlich will Köhler Hoffnung verbreiten, aber die Botschaft ist eindringlich. Und es ist der Versuch des Bundespräsidenten, für die tiefste ökonomische Krise in der Geschichte der Bundesrepublik einen angemessenen, einen präsidialen Ton zu treffen.

Mit Spannung war die vierte sogenannte "Berliner Rede“ des Bundespräsidenten erwartet worden und allein den Ort für seinen Auftritt hat Horst Köhler mit Bedacht gewählt. Nicht ins prachtvolle Schloss Bellevue hat er geladen und auch nicht hinter eine der vielen glänzenden Glasfassaden der Hauptstadt, sondern in die Ruine der evangelische St. Elisabeth-Kirche in Berlin-Mitte.

Die Kulisse ist Botschaft. Der Schinkelbau war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und wird seit 1991 nach und nach restauriert. So steht der Bundespräsident also vor einer nackten Mauer aus Backsteinen, die Fenster der Kirche sind schlicht, die Decke flach und ohne Schnörkel. Es passt zum Anlass wie zum Ort der Rede, dass – während Horst Köhler spricht – ein Gewitter über Berlins Mitte hinweg zieht und das Donnergrollen seine Worte begleitet. "Schauen sie sich um“, sagt Horst Köhler, diese Kirche spreche "über das Werk der Zerstörung, das Menschen anrichten können“,  aber es sage auch, "wir können immer einen neuen Anfang schaffen.“

Leser-Kommentare
  1. Na, dann Applaus für diese Personalauswahl! Was brauchen wir auch einen Präsidenten mit Ausstrahlung? Wichtig ist ja nur, dass mal jemand, wenn auch nur "vom Teleprompter abgelesen", ausspricht, was viele schon seit vorgestern wussten. Man könnte beinahe Mitleid mit den Zuhörern bekommen...

  2. DIE ZEIT:

    "Köhler hat die gierigen und verantwortungslosen Manager gescholten sowie die Politiker für ihr Krisenmanagement gelobt. Er hat die soziale Marktwirtschaft verteidigt und Globalisierung als Chance gepriesen. Er hat das „Primat der Politik“ betont und einem „starken Staat“ das Wort geredet."

    DIE SÜDDEUTSCHE:

    Der Präsident beichtet - und klingt wie Kant

    Köhler: "Berliner Rede"

    Bundespräsident Köhler rechnet offen ab mit alten Machenschaften im Finanzmarkt. Er will eine ökologische Revolution und fordert, frei nach Kant, bürgerliche Werte ein.

    http://www.sueddeutsche.d...

    Nicht KANT zitiert Bundespäsident Köhler, sondern die Goldene Weltethosregel
    und plädiert - wie seit Jahren - für eine

    weltethosbasierte Weltinnenpolitik ("globale , internationale Kooperation in "einem Boot") mit dem aktuellen Zusatz einer "ökologischen Revolution":

    Offensichtlich kennt er das Buch

    "Weltinnenpolitik für das 21. Jahrhundert"
    , das für eine weltethos- und weltinnenpolitikbasierte weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft /strong>plädiert!

    Sein Vorgänger Richard von Weizsäcker zu diesem Buch:

    "Im neu begonnenen Jahrhundert kommen die Gedanken und Argumente zur Weltinnenpolitik nun erst recht in einem unentrinnbaren Sinn zur Geltung.
    "Weltinnenpolitik für das 21. Jahrhundert" erweist dabei einen großen und aussschlaggebenden Sinn." :

    http://www.cleanenergy-pr...

  3. "Bundes-Horst" geißelt die Gier der Gierigen, lobt die Politik und "stimmt" das Volk auf härtere Zeiten ein. Was ist das für eine seltsame Rede?
    Es gibt in D. Lehrstühle für "Wirtschaftsethik". Meint jemand im Ernst, dass sich irgendeiner/eine der Gierigen darum schert? Der Oberversager bei HRE will noch einen Boni "einklagen". Hätte dazu der professorale BP nicht etwas sagen können oder über das Scahndurteil in der Causa Zumwinkel?
    Ich sage nur: Lump bleibt Lump. Und eine Krähje hackt der anderen kein Auge aus.
    Wer sind denn die, sprechen wir es mal an, die Bundes-Horst im Main wieder wählen wollen? Es ist die FDP. Die sagt "Liberalismus" und meint Privilegien und weitere Bevorzugung der 15 % des Volkes, die man Bestgestellte nennen könnte. Also mit der Wurst nach dem Schinken werfen.
    Oder die feinen Leute aus dem klerikalen Nukleus, die den Afrikanern Kondome verbieten wollen, einst den Faschismus förderten, Waffen segneten, oder den Ewiggestrigen, die die Beziehungen nach Osteuropa höchst belasten (sagen wir Steinbach-Anhang) oder die Dauer-Subventionsempfänger Bauern ( seit 5 Generationen am Staatstropf). Vom mainstream der Politik wird das hohe Lied des Mittelstandes gesungen. Wahr ist: je größer der Betrieb, desto höher der Lohn. Gerade in kleinen Klitschen sind die Verdienste nicht berauschend (man denke an Handwerk, Gastronomie, Einzelhandel oder Großschlächtereien, Großbäckereien, gebäudereinigung, Gesundheitshandwerke etc).
    "Bundes-Horst" redete schön, auch zu Afrika. Mir fiel nur auf. In den 60er und 70er Jahren hatte dieses Thema: Nord-Süd-Konflikt schon Willy Brandt auf der Agenda. Nach 40 Jahren hinterher laufen? Keine Meisterleistung!
    Und es zeugt von intellektueller Schwäche und mangelnder Redlichkeit, so was nicht einmal zu erwähnen.
    So gesehen war die Rede wohlfeil, aber ohne tiefere Substanz.
    Notwendig wäre folgendes zu fordern:
    1) Die sehr harte Bestrafung der Schuldigen
    2) Maßnahmen, die Krise am Finanzmarkt, in der Konjunktur zu überwinden
    3) Maßnahmen, die einen Wiederholungsfall ausschliessen.
    Dazu kam von Prof. Köhler nichts. Daher mag er Präsident sein für wen auch immer. Für mich in keinster Weise! Habe nichts gegen die Person, aber das Inhaltliche ist für mich sehr negativ und oberflächlich! Daher meinerseits 100 % Distanzierung.
    Die große Mehrheit der Volksmassen hat doch nichts davon, wenn ein wenig +über Moral und über dies und das geredet wird. Die Zeche zahlen die Normalbürger, Arbeitnehmer, Rentner, Kleingewerbetreibende, die Sozialleistungsabhängigen. Die Schuldigen müssen in nie dagewesener Härte bestraft werden. Sie haben unserem Volk einen MEGA-Schaden zugefügt. Diese Dimension rechtfertigt allerhärteste Strafen!!

  4. Herr Köhler sollte den Mund halten oder die Wahrheit sagen und zum Beispiel mal alle Insiderinfos ausspucken. Mich würde wirklich interessieren, was dieser Finanzexperte wirklich weiß.
    Aber als unser Präsi muss er genau so wie der Vorsitzende vom Schützenverein einmal im Jahr so ne Rede halten.
    (Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)

  5. Wenn ich lese:
    Der Bundespräsident liest in seiner "Berliner Rede" gierigen Managern die Leviten

    wird mir schlecht. Viele davon sind wahrscheinlich seine Duz-Kollegen, die kennt er seit Jahrzehnten und jetzt kommt sein Donnergrollen
    Der und Donnergrollen
    haha

  6. hat doch mitgemacht!
    War das alles nur ein Versehen?
    Ein präsidentialer Betriebsunfall?
    ...

    Wer's glaubt, wird ganz bestimmt nicht selig!

    rheinelbe

  7. "Köhler schlägt einen weiten Boden, von der Finanzmarktkrise über die Not in Afrika und den Klimawandel bis zum inneren Zusammenhalt der Gesellschaft."

    Wenn das der Ablauf war, dann "Gute Nacht!" Aber vielleicht haben ja nur die Redenschreiber gepennt. Wenn es unbezahlte Praktikanten sind, könnte auch ein Funke Aufmüpfigkeit, böser Wille und/oder politische Agitation dabei sein. Dann wäre es ein Fall für Herrn Schäuble.

    ""So was tut man nicht,“ sagt der Präsident mit erhobenen Zeigefinger"

    Da werden die Bangster ja richtig Angst haben. In einem politischen Kabarett wäre das eine Stelle für verhaltenes Lachen -- der Witz ist zu platt. Hat in Berlin jemand gelacht? Egal, die Szene wird Herr Köhler mit ziemlicher Sicherheit noch persifliert sehen. Lässt sich auf verschiedene Weise darstellen und mit Erklärungen untermalen.

    Und insgesamt zum Bericht: Wie der vorhergegangene über diese Berliner Rede so zahm, dass es schon peinlich auffällig ist. Ähnlich, wie bei der gestrigen Berichterstattung über die "Merkel bei Will"-Show.

    Alles Gute
    Kai Hamann

  8. Eigentlich sollte sich Herr Köhler schämen. Er ist politisch und intllektuell unlauter.

    Denn seine Rede besteht aus eines Sammelsurium politischer Versatzstücke und förmlich zu Tode zitierter Gemeinplätze.

    Die ganze Suppe dann auch noch als Eigenkreation zu verkaufen und damit zu punkten, hinlänglich Bekanntes zusammenzufassen, ist wirklich allzu billig.

    Denn der Inhalt von "Köhlers Botschaft" ist schließlich seit Jahrzehnten bekannt, wenn nicht -teilweise- seit Jahrhunderten.

    Und seine "ruckartige" Metamorphose zum ökologisch bewußten Weltbürger nimmt ihm doch niemand ernstlich ab. Er bleibt schließlich dem herrschenden Finanz- und Bankensystem im Wesentlichen verpflichtet.

    Schade, dass die Medien diese Posse auch noch so beflissen unterstützen, statt sie bloßzulegen.

    So kann auch ein Köhler seine tiefe Rat- und Konzeptlosigkeit mittels eines einfachen Griffes in die Mottenkiste überbrücken und diese "morbide Politshow im Gothic-Style" weiter fortsetzen.

    Denn für ihn gilt wie für die von ihm Versammelten:

    Sie haben keine Ahnung, was sie tun sollen! Sie "vertreten" sich vielleicht die Beine, aber schon lange nicht mehr das Volk.

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