Kulturförderung "Dubai ist eher wie You Tube"Seite 2/2

ZEIT ONLINE:  Und?

Schindhelm:  Man schafft Rahmenbedingungen dafür, dass Kunst stattfinden kann. Meine persönliche Aufgabe ist es, für kulturelle Bildung in der Stadt zu sorgen, für Ausstellungsräume, Theater. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass so etwas wie die Kunstmesse nicht nur ein kommerzieller Anlass ist, sondern dass sie einen Mehrwert schafft. Der kulturelle Mehrwert der  Art Dubai ist das Global Art Forum, wo sich internationale Kunstschaffende über die Kunst in der Gegenwart mit den Vertretern aus der Region austauschen. Es geht darum, Schritt für Schritt eine kulturelle Infrastruktur zu schaffen, um die Initiative von Künstlern und Organisationen zu entwickeln.

ZEIT ONLINE: Ein Großteil der Einwohner von Dubai kommt aus anderen Ländern. Die Emirati stellen gerade mal fünf bis zehn Prozent. Besitzen die Emirati eine kulturelle Identität?

Schindhelm:  Das ist einer der zentralen Fragen für die künftige Entwicklung. Während wir uns in Europa fragen müssen, wie integrieren wir Ausländer, lautet sie hier gerade anders herum: Wie integrieren wie die Einheimischen in diesen Prozess? Das kann nur gelingen, indem man zunächst einmal den Fokus auf ihre eigene kulturelle Entwicklung lenkt. Sie sind die Menschen, die das entscheidende Kapital darstellen – mit ihrem eigenen Leben, ihrer Kultur. Die emiratische Kultur ist die beduinische Kultur. Und hier treffen sich möglicherweise das Traditionelle und das Globale, weil alle anderen die hier leben ebenfalls Nomaden sind, Nomaden von heute.

ZEIT ONLINE: Die Stärkung dieser Kultur, läuft das nicht auf eine Kulturgeschichtsschreibung hinaus, die zurück statt nach vorne blickt?

Schindhelm:  Dubai hat eigentlich keine Geschichte, aber hoffentlich viel Zukunft für einen wachsenden Ausschnitt der Weltgesellschaft, vor allem aber der arabischen und islamischen Länder. Dubai entsteht in einer der sicherheitspolitisch schwierigsten Konfliktzonen. Für die Kultur bedeutet das, eine sukzessive Annäherung an global verfügbare Ausdrucksformen zu finden und darunter die richtige für Dubai. Während wir in Europa in Museen Vergangenheit archivieren, versuchen wir hier die Gegenwart einzufangen, weil sie in Dubai in besonders dramatischer Weise flüchtig ist. Sich damit auseinanderzusetzen in Form von Film, Fotografie, bildender Kunst, Theater, das zu fördern, sollte der wesentliche Aspekt von Kulturförderung sein.

Das Interview führte Markus Zinsmaier .

 
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