John Scofield "Diese Lieder haben tiefe Wurzeln"

Vier Jahre nach dem Hurrikan ist der bedeutende Jazz-Gitarrist John Scofield nach New Orleans zurückgekehrt. Dort entstand seinen neues Gospel-Album. Ein Interview

Etwa eine Autostunde nördlich von New York lebt John Scofield mit seiner Frau, seinen Töchtern und seinen Hunden in den Wäldern. Hier hat er ein kleines Studio, in dem er übt, komponiert und Ideen auf Tonband aufnimmt. Mehr als zwei Drittel des Jahres ist er allerdings auf Tour. Der 57-Jährige gilt neben Bill Frisell und Pat Metheny als einer der erfolgreichsten Jazzgitarristen. Sein neues Album "Piety Street" hat er in New Orleans eingespielt, vier Jahre nachdem der Wirbelsturm Katrina einen Großteil der Stadt zerstörte hatte.

ZEIT ONLINE: Herr Scofield, weshalb hatten Sie gerade jetzt das Bedürfnis, ein Gospel-Album in New Orleans aufzunehmen?

John Scofield: Ich wollte schon lange ein Blues-Album machen, dann bin ich auf die alten Gospels gestoßen, die ich früher schon gern gehört habe. Und ich hatte das Bedürfnis, sie zu spielen und in einen Jazzkontext zu stellen. New Orleans war immer ein Teil meines Lebens, nicht erst seit Katrina. 

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ZEIT ONLINE: Viele der Lieder, die Sie ausgewählt haben, sind eng verbunden mit der Black Renaissance aus den zwanziger Jahren und der späteren Bürgerrechtsbewegung. Wie die Aufnahmen von Dorothy Love-Coats. Sie hat mit Martin Luther King gearbeitet, sich gegen den Vietnamkrieg ausgesprochen und gegen Rassismus.

Scofield: Um ehrlich zu sein, ich habe nicht versucht, eine politische Aussage zu vermitteln. Ich bin mit Soul aufgewachsen und wollte Songs spielen, die nicht so bekannt sind. Ich liebe Gospel und möchte Gitarre spielen. Ich habe nie über die Botschaft hinter diesen Liedern nachgedacht.

ZEIT ONLINE: Während der Sklaverei war die Kirche oft der einzige Ort, an dem die Menschen zusammenkommen konnten. Die Gospels wurden dabei zu codierten Botschaften, wie das Spiritual Motherless Child oder Thomas A. Dorseys Lieder. Bedeutete Ihnen das nichts?

Scofield: Ich bin Amerikaner, und daher bedeutet es mir natürlich etwas. Es ist Teil meiner Geschichte, auch wenn ich weiß bin. Ich war mein ganzes Leben mit den Ideen der Bürgerrechtsbewegung verbunden. Ich muss nicht darüber nachdenken, weil ich es lebe.

ZEIT ONLINE: Sie haben sich auch ein Stück von Hank Williams ausgesucht. Er war Country-Musiker. Wie passt das mit Gospel zusammen?

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