Schriftsteller Nicht schwul, keine Frau, nicht sehr schwarzSeite 2/2

Die Geschichte des Oscar Wao ist eine Familiensaga. Sie folgt einer einst angesehenen Familie, die vom Diktator Trujillo ins Gefängnis und ins Exil getrieben wird. Was mit Oscars Großvater, dem Arzt Abelard Luis Cabral, begann, wie wir in der antilinear geknüpften Erzählung freilich erst viel später erfahren, was mit Großmüttern, Cousinen und Töchtern weiterläuft, endet am Beginn des Romans: In der postindustriellen Einöde New Jerseys erzählt Díaz’ literarisches Alter Ego Yunior die Familiensaga von Oscar, einem Nerd, dem alle fundamentalen dominikanischen Qualitäten (das wären: Frauen, Sport, Frauen, Coolness und Frauen) konsequent abgehen.

Díaz’ Figuren schwanken zwischen Leid, Sex und Qualen. In den USA, "wo es erheblich weniger kulturelle Erziehung gibt", wie Díaz rasch einwirft, wird er gelegentlich dafür kritisiert, dass er besonders seine weiblichen Romanfiguren sexualisiere. "Mich fasziniert diese hypersexualisierte Kultur in den USA. Nirgendwo sonst wird der Körper derart mit Bedeutung aufgeladen. Er wird wie besessen untersucht und kartografiert und gilt als Ausdruck der Persönlichkeit. Es ist fast wie im 19. Jahrhundert, als die Physiognomie als Wissenschaft galt."

Inzwischen lehrt er am angesehenen Massachusetts Institute of Technology und ist kein zwanghafter Schriftsteller. Seine Geschichten kosten ihn Kraft und viele Entwürfe, die er immer wieder neu betrachtet und verwirft. Zwischen seinem ersten Buch und dem Roman liegen elf Jahre. "Ich kann gut einige Tage oder Wochen ohne Schreiben verbringen", sagt er. Was kommt als Nächstes? Díaz lacht. "Ich möchte eine Liebesgeschichte schreiben. Eine Liebesgeschichte in den USA im letzten Jahr ihrer Zukunft."

 
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