Internetsperren Die Tücken der Kinderporno-Kontrolle im Netz

Die Bundesregierung will den Zugang zu Internetseiten mit Kinderpornografie erschweren. Dabei gibt es aber eine Reihe technischer und rechtlicher Probleme

Der Vorstoß klingt plausibel: Der Zugang zu Kinderpornografie-Seiten im Internet soll künftig weitgehend blockiert werden. So hat es das Bundeskabinett heute beschlossen. Dazu wird ein Filtersystem aufgebaut, das den Aufruf solcher Seiten unmöglich macht. Zumindest in der Theorie. Denn ob ein derartiges System Kinderpornografie eindämmen kann, ist umstritten. Manch ein Kritiker glaubt zudem, Internet-Sperren würden den Datenschutz unterlaufen. Andere sprechen gar von Zensur. Was also bringt ein automatisches Filtersystem? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wie groß ist die Kinderporno-Szene?

Bis zu 80 Euro im Monat zahlen Nutzer in Europa, um sich entsprechende Bilder und Filme aus dem Internet herunterzuladen. Die Zugriffe haben sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt, bis zu 400.000 Mal pro Tag werden nach Angaben des Bundeskriminalamtes solche Seiten in Deutschland angeclickt. Für die Anbieter ein lukratives Geschäft: Einer Studie der G-8-Staaten zufolge verdienen sie in einer Woche rund 1,3 Millionen US-Dollar an Kinderpornographie-Angeboten.

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Wie soll die Internet-Sperre funktionieren?

Das Bundeskabinett hat bislang nur die Eckpunkte für die Sperrung kinderpornografischer Seiten beschlossen. Die Einzelheiten sind noch unklar. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten: Entweder werden die einschlägigen Webseiten direkt bei den Internetprovidern gesperrt oder erst beim Nutzer. Im zweiten Fall müsste ein Filtersystem das komplette Surfverhalten des Nutzers durchleuchten und den Zugang blockieren, sobald der eine Kinderpornografie-Seite aufrufen will.

Die Liste mit den zu sperrenden Seiten sollen die Provider vom Bundeskriminalamt (BKA) bekommen, das schon jetzt kinderpornografische Internetseiten aufspürt. Damit der Nutzer bemerkt, dass er etwas falsch gemacht hat, soll nach norwegischem Vorbild ein rotes Stopp-Schild auf dem Bildschirm erscheinen.

Was würde ein Internetfilter bringen?

Von einer Sperrung der Seiten darf man nach Ansicht der Grünen-Politikerin Ekin Deligöz „keine Wunder“ erwarten. „Der Zugang zu Internetseiten kann blockiert werden, aber nicht der Zugang zu Pornografie. Der Konsum verschiebt sich auf ausländische Seiten oder auch auf den Postweg“, sagt Deligöz, Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestags. Auch Harald Summa, Geschäftsführer des Providerverbandes Eco, widerspricht Erwartungen, durch die Filterung könne die Kinderpornografie an sich verhindert werden. „Wir erschweren nur den Zugang zu den Seiten und schützen die zufälligen Besucher. Einen Effekt auf die Anzahl der kinderpornografischen Seiten wird das Gesetz jedoch nicht haben“, sagt Summa. „Die Nutzer, die solche Seiten absichtlich ansteuern, haben ganz andere Kanäle und technische Möglichkeiten wie verschlüsselte Seiten.“ Das hat auch der Fall Tauss gezeigt: Die Szene geht offenbar dazu über,  ihre Bilder und Filme über MMS oder DVDs zu verbreiten. Ein Filtersystem wie es die Bundesregierung jetzt beschlossen hat, richtet sich also vor allem gegen technisch weniger versierte Internet-Nutzer und solche ohne direkten Anschluss an die Kinderporno-Szene.

Leser-Kommentare
    • Fokko
    • 25.03.2009 um 17:11 Uhr

    Zitat aus demArtikel: "Damit der Nutzer bemerkt, dass er etwas falsch gemacht hat, soll nach norwegischem Vorbild ein rotes Stopp-Schild auf dem Bildschirm erscheinen."

    Also in etwa wie der Polizist, der in China auf dem Bildschirm erscheint, damit man keine politisch missliebigen Seiten aufruft?

    Noch ein Zitat. Von einer Sperrung der Seiten darf man nach Ansicht der Grünen-Politikerin Ekin Deligöz „keine Wunder“ erwarten. „Der Zugang zu Internetseiten kann blockiert werden, aber nicht der Zugang zu Pornografie. Der Konsum verschiebt sich auf ausländische Seiten

    Sollte sich eine Sperrung nicht gerade gegen ausländische Seiten richten? Solche, die im Geltungbereich unserer einschlägigen Gesetze gehostet werden, sollte man doch wohl ganz vom Netz nehmen und die Betreiber einsperren können oder nicht?

    Und dann der Hammer: '"Einen Effekt auf die Anzahl der kinderpornografischen Seiten wird das Gesetz jedoch nicht haben“, sagt Summa'.

    Auf gut Deutsch: Das ganze kostet Geld, verhindert aber nicht den Missbrauch von einem einzigen Kind!

    Da stellt sich natürlich die Frage nach dem Warum. Und die muss wohl damit beantwortet werden, dass der Zweck der Übung nicht in der Bekämpfung von Kinderpornographie liegt, sondern darin, ganz allgemein Internet-Inhalte auf bequeme Art und Weise zensieren zu können.

    Denn weiter kann man in dem Artikel lesen:

    '. „Die Nutzer, die solche Seiten absichtlich ansteuern, haben ganz andere Kanäle und technische Möglichkeiten wie verschlüsselte Seiten....“'

    Und genau die hat der Normal-Surfer auch nicht, der sich dann und wann auch aus unabhängigen Quellen informiert, die schon mal vom Mainstream des Erwünschten abweichen können.

    Was hier dann auch vollends klar wird:

    'Ein Filtersystem wie es die Bundesregierung jetzt beschlossen hat, richtet sich also vor allem gegen technisch weniger versierte Internet-Nutzer'

    Das, was gegen die versierten Konsumenten von Kinderpornographie untauglich ist, reicht also allemal aus, um mißliebige Inhalte vom Durchschnittsbürger fernzuhalten.

    Die Höhe ist, dass dies auch noch offen zugegeben wird. Aber bei unseren Politikern wundert man sich ja schon lange über nichts mehr.

    Fokko
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  1. und die Lust einiger ahnungsloser Politiker, sich in ein Hypethema einzubringen.

    Kinderporno ist komerziell wenig attraktiv, die Zahlungsanbieter verweigern prinzipiell Anbietern von Kinderporno die Abrechnung solcher Dienstleistungen also gibt es für Kinderpornoanbieter keine Möglichkeit Online Geld zu verdienen. Das ganze Geschäft geht von Hand zu Hand, kaum kontrollierbar.

    Was sich auf den P2P Netzwerken rumtreibt kann eh nicht kontrolliert werden. Es wird also leider immer Perverse geben, die so ein Zeug verbreiten, auf der anderen Seite ist die Internetsuche und der Konsum längt nicht so verbreitet, wie dieser Diskurs widergeben will. Dieser ganze Hype um das Thema ist den Autoritäten nur ein Vorwand, um sich die Datenbeschaffung zu erleichtern und wird vorwiegend von der Film und Musikindustrie gelenkt.

    Der Ottonormalverbraucher hat meistens so etwa wie ein Gewissen und schaut sich den Ottonormalporno mit Titten und vielleicht Mädchen ab 18 an. Selbst Suchmaschinenanfragen nach "Kinderporno" sind im verhältnis zu legitimen Porno eher gering.

    Dieses ganze Gemache wegen ein paar wenigen Perverslingen, die es immer gab und immer geben wird ist jämmerlich und als Politiker sollte man sich fragen, ob man nicht seine Zeit vertrödelt und wenn einem soviel an diesem Thema liegt, lieber bei der Sittenpolizei anfangen sollte
    Viel spannendere Themen wären doch zb:

    die Verfolgung von korrupten Managern die Millionen von Steuergeldern als Boni verblasen, unkompetente Regierungsbeamte, die Subventionen an eh schon tote Unternehmen vergeben, Manager die mit dem verblasenen Subventionsgeld Koks, russische Nutten und sonstige Privatspäße finanzieren, das sind doch die wirklich heissen Themen, nicht ein paar armselige Perverslinge, die nur einen hochkriegen, wenn sie das Bild einer nackten 14jährigen sehen.. gott ich könnt mich so aufregen

    [Anmerkung: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • HH
    • 26.03.2009 um 2:11 Uhr

    Sind erst mal Zensurgesetz verabschiedet und Zensurmechanismus entwickelt, wird es ein leichtes sein, ihn bald darauf für politische Zwecke auf politische Bloggs u. freie Foren auszudehnen, zumal die Politik auf die Unterstützung der „etablierten“ Medien in dieser Sache hoffen darf.

    Die Kinderpornographie bietet möglicherweise nur den Vorwand für den Ausstieg aus dem freien Internet. In Wahrheit ist den Politikern das Schwinden ihrer Meinungsmonopole ungeheuer.

  2. Ich bewege mich schon SEHR lange im Netz. uucp, usenet, gopher.... dann web.
    UNI-DO hieß das damals >20 Jahre.

    Ich bin noch NIE selbst bei extremen Surforgien auf eine Kinderpornoseite getroffen. Selbst bei Google bringt www.kinderporno.com kein Ergebniss.
    ..
    Schluss: Der zufällige Nutzer wird wohl nicht beim Surfen auf solche Seiten kommen und braucht nicht geschützt zu werden.
    ..
    Frau Leyen und auch andere (BKA Zierke, usw.) sind nicht so dumm, das sie die Nutzlosigkeit dieser Massnahme nicht erkennen. (Es gibt in den Behörden genug Fachwissen dazu)
    ..
    Sinn und Zweck dieser Massnahme ist einzig, Filtertechnik in deutsche Netz einzubauen, um andere Inhalte später leicht sperren zu können.
    ..
    Dietrich Bonhöfer hat sinngemäß geschrieben:
    ###
    Sie haben die Kommunisten geholt und ich habe nicht geschrieen, ich war kein Komunist.
    die Sozialisten , ... ich war kein Sozi,
    Die Juden,... ich war kein Jude.

    .......

    Jetzt holen sie mich und es ist keine mehr da der schreien kann.
    ###
    Schreit gegen jede Filterung im Netz!

    Schreit aber auch FÜR die WELTWEITE massive Strafverfolgung von Herstellern, Hostern und Nutzern von Kinderpornografie!

    Diese armen Kinder als Aufhänger zur Zensur im Netz zu benutzen und ihnen nicht wirklich zu helfen ist m.M.n auch Kindersmissbrauch oder unterlassene Hilfeleistung.
    ..
    Es gibt genug Möglichkeiten die Server an der Quelle ab zu drehen. Diese Server gehören wirklichen Personen, die sind zu fassen. Die Zahlungen der Nutzer lassen sich nachvollziehen, diese Leute sind zu fassen. Und wenn der Markt weg ist, verschwindet auch das Produkt!
    ..
    Aber das ist richtige Arbeit, und bringt auch kein Nebenergebniss wie Filtertechnik im Netz.

    Gruss Sikasuu

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