Das Eisen ist verschwunden und die Besatzung des Forschungsschiffes Polarstern kann aufatmen. Im Januar hatten die Wissenschaftler eines derumstrittensten Experimente im Ozean gestartet. Umweltschützer hatten gewarnt, dass rücksichtslose Klimaforscher den Ozean großflächig mit Eisen düngen wollen. Daraus entstehende Algenteppiche sollten Kohlendioxid aus dem Oberflächenwasser binden und das Treibhausgas in die Tiefsee tragen, wenn die abgestorbenen Algen zum Meeresboden rieselten.

Allerdings hatten die Wissenschaftler von Anfang an betont, dass es bei dem Experiment nicht darum ginge, nach einer Verklappungsmöglichkeit für Kohlendioxid zu suchen, sondern um reine Grundlagenforschung. Die Umweltschützer der Aktionskonferenz Nordsee mahnten dagegen, der Versuch diene der "interessierten Wirtschaft als Alibi für die billige Entsorgung von CO2". Doch die Wogen sind nun geglättet und die vorläufigen Ergebnisse des Lohafex-Versuchs scheinen die Angst der Umweltschützer zu relativieren.

"Das war die aufregendste Fahrt meiner Karriere", sagte Victor Smetacek vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) heute in Berlin. Als sich der politische Sturm gegen das Experiment gelegt hatte, sei der Sturm auf See erst richtig losgebrochen. Bei Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Stundenkilometern musste die Polarstern zweimal kurz aus ihrem Forschungsgebiet abdrehen. Zuvor hatten die Wissenschaftler sechs Tonnen gelöstes Eisen auf ein 300 Quadratkilometer großes Gebiet verteilt. Anschließend wurde 39 Tage beobachtet, wie sich Phytoplankton und damit Algen durch diese Düngung entwickelten.

Zur Überraschung der Meereswissenschaftler aus Deutschland und Indien vereitelten gefräßige Krebse die Kohlenstoff-Bindung im Meer. Wie geplant wuchs der Bestand an Kleinalgen, nachdem das Eisen im Wasser war. Es bildetete sich eine entsprechende Algenblüte, die Kohlendioxid aufnahm. Allerdings fraßen sich millimetergroße Ruderfußkrebse an der Algenblüte fest. Von Eisen und Algen blieb danach nichts übrig. Nur eine ganz geringe Menge Kohlenstoff sank schließlich auf den Meeresboden ab.

Auch von den Ruderfußkrebsen blieben nur wenige übrig. Ihre Artgenossen, die garnelengroßen Flohkrebse, verspeisten sie. "Diese Reaktion des Ökosystems war in solchen Einzelheiten noch nicht bekannt", sagte AWI-Direktorin Karin Lochte. Außer einem Schwarm wohlgenährter Flohkrebse hatte das Experiment namens Lohafex keinerlei größeren Auswirkungen auf das Meeresgebiet. Die Eisendüngung würde nur dann mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre ziehen, wenn Kieselalgen im Spiel sind. Denn sie haben eine harte Schutzschale, die Krebse nicht so schnell knacken können.

Doch Kieselalgen gedeihen nur in Gewässern mit Kieselsäure. AWI-Wissenschaftler gehen davon aus, dass weniger als ein Drittel aller Meeresflächen diese Voraussetzung erfüllen. Kieselsäure ins Meer zu schütten bringe auch nichts, sagte der Biologe Smetacek. "Die benötigten Mengen wären viel zu groß."

Das AWI will die Ergebnisse nun genau auswerten. Für die nächste Zeit seien keine neuen Eisendüngungs-Experimente des Meeresforschungs-Instituts mit Sitz in Bremerhaven geplant. Die Polarstern wird dort am 24. Mai zurückerwartet.