GeschlechterrollenWie modern sind die Männer?

Die beiden großen Kirchen und das Familienministerium haben eine Studie vorgestellt, die untersucht, wie Männer Beziehung und Vaterschaft praktizieren von Claudia Keller

Nur knapp 20 Prozent der Männer wollen sich an Haushalt und Kindererziehung gleichberechtigt beteiligen

Nur knapp 20 Prozent der Männer wollen sich an Haushalt und Kindererziehung gleichberechtigt beteiligen  |  © macavity/photocase

Der deutsche Mann ist traditioneller als gedacht – trotz der vielfach beschworenen "neuen Väter". Während die Frauen in den vergangenen zehn Jahren einen großen Emanzipationssprung gemacht haben, hinken die Männer in der Modernisierung ihrer Rolle hinterher. 32 Prozent moderner Frauen stehen nur 19 Prozent moderner Männer gegenüber. Bei den ganz Jungen beträgt das Verhältnis sogar 41 Prozent zu 13 Prozent. Die Aussichten auf dem Heiratsmarkt sind also alles andere als gut. Wer als Frau von Männern ein hohes Maß an Beteiligung fordert, hat nur geringe Chancen. Gleichzeitig wird die Zahl der unfreiwillig einsamen Männer wachsen. Das ist das Ergebnis einer breit angelegten Männer-Studie, die die katholische und die evangelische Kirche durchgeführt haben, finanziert vom Bundesfamilienministerium. Autoren der Studie sind die Düsseldorfer Sozialwissenschaftler Rainer Volz und der Wiener Pastoraltheologe und Soziologe Paul Michael Zulehner.

Die Untersuchung wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Sie ist eine Folgestudie einer Untersuchung von 1998. Es wurden 1470 Männer und 970 Frauen aller Altersgruppen nach ihren Einstellungen und ihrem Verhalten in den Bereichen Arbeit, Freizeit, Familie und Religion befragt. Welche Wünsche und Ziele haben die Männer und Frauen? Welche Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit stecken in ihren Köpfen, und wie haben sie sich in den vergangenen zehn Jahren verändert?

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Viele Männer sehen sich weiter in der Ernährerrolle

Die Studie unterscheidet zwischen vier Typen, von den "(teil)traditionellen" über die "balancierenden" und "suchenden" bis zu den "modernen" Männern und Frauen. Fast ein Drittel der deutschen Männer denkt traditionell beziehungsweise teiltraditionell. Das heißt, sie sehen sich in der Ernährerrolle und den Sinn im Leben in der Arbeit, ihre Frauen sollen für den Haushalt und die Kinder da sein. Daran hat sich in den vergangenen zehn Jahren lediglich verändert, dass nun mehr traditionelle Männer akzeptieren, dass Frauen "dazuverdienen". Aber nur, weil ein Einkommen alleine oft nicht ausreicht. Die Bereitschaft, im Haushalt mitzuhelfen, ist dadurch nicht gewachsen. Immerhin gehen diese Männer nicht mehr so stark wie vor zehn Jahren davon aus, dass sich die Berufstätigkeit der Frauen negativ auf das Kind und die Partnerschaft auswirkt.

Die meisten Männer in Deutschland ordnen sich irgendwo zwischen traditionell und modern ein, die meisten sind auf der Suche. Jeder vierte Mann zählt sich zu den modernen Männern. Sie sind zumindest theoretisch dafür, dass sich Mann und Frau gleich viel um Haushalt und Kindererziehung kümmern und finden es wichtig, dass sich auch die Frauen im Beruf verwirklichen. "Es ist wichtig, dass sich dieser Prozess fortsetzt", sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten brauche eine Familie zwei Einkommen.

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Leserkommentare
  1. Moment mal? Wieviel Frauen kennt ihr die von sich aus einen Mann nehmen der keine Geld verdient, sondern statt dessen daheim die Hosen bügelt? Oder wieviel würden einen Mann nehmen der erwartet das man ihn einlädt, den Urlaub bezahlt, ständig Geschenke macht und beleidigt ist wenn man das nicht tut?

    Ich sag nicht das alle Frauen so sind. Aber ich kenne keine einzige, nicht ein Frau - selbst unter den vielen Feministinnen die ich kenn, die einen Mann auch nur von der Ferne anschaut, der nicht mit beiden Beinen im Leben steht und Geld verdient.

    Es liebt NICHT an den Männer, sondern an den Erwartungen der Frauen, das sich hier nichts ändert.

    Glaubt ihr nicht? OK, dann fragt mal in eurem Bekanntenkreis ob eine Frau einen Mann nehmen würde der die ganze finanzielle Last ihr überlässt. Wenn 70% sagen "ja klar, warum auch nicht. Wenn wir uns lieben und er sieht sein Glück in Familie und Haushalt, dann machen wir das so." Wenn ihr weniger als 1% findet, die das sagen, dann willkommen in der Realität des feministischen Mittelalters.

    Fordern kann jede/r, dann muss man/frau aber auch die Leistung bringen und die Verantwortung übernehmen - und das tun unsere lieben Leidensgenossinnen eben nicht. "Ich Ich Ich" ist noch keine neu Welt. "Wir Wir Wir" da geht´s los.

    So und jetzt viel Spaß bei runter-voten dieses Beitrags. Realitätsfremde gibt es hier im Forum ja genug

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    es ist eigentlich noch schlimmer. Wieso soll ein Mann der in die vorherige Rolle der Hausfrau schlüpft oder Tätigkeiten übernimmt die früher Frauen vorbehalten waren eigentlich "modern" sein?

    Diese "Studien" gehen offensichtlich von einem Männerbild aus, welches von Feministinnen propagiert wird, obwohl es denen nicht im Traum einfallen würde einen Arbeiter der städtischen Müllabfuhr auch nur anzusehen, selbst wenn es der liebste Kuschelbär und Papi wäre.

    Im übrigen waren und sind wir Männer immer modern. Wir fliegen die modernsten Jets, fahren die technisch bestentwickeltsten Automobile und gehen hunderte und tausende von Kilometern auf die Jagd nach Nahrung für die Familie!

    Doch, da gibt es sehr glückliche Kombinationen à la Studienrätin und brotloser Künstler, erfolgloser Literat etc. - davon kenne ich eine Menge. Wenn gebildete Frauen einen Müllfachwerker als Partner nicht in Betracht ziehen, dann nicht deshalb, weil der zu wenig verdient... Im Gegensatz zu Männern, die sozial gern unterhalb des eigenen Standes heiraten (Arzt und Krankenschwester sind ja nicht nur ein Soap-Phänomen), tun das Frauen selten. Dümmer als sie darf er auf gar keinen Fall sein - ärmer schon.

    • friedl
    • 19. März 2009 14:21 Uhr

    Klar hast du recht. Immer wieder lustig wie Frauen sich selbst nicht von Ihren Denkmustern befreien können, es von uns aber erwartet wird.

    -----------------------------------------------------
    www.globalmarshallplan.org

    balance the world
    with an ecosocial market economy
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  2. es ist eigentlich noch schlimmer. Wieso soll ein Mann der in die vorherige Rolle der Hausfrau schlüpft oder Tätigkeiten übernimmt die früher Frauen vorbehalten waren eigentlich "modern" sein?

    Diese "Studien" gehen offensichtlich von einem Männerbild aus, welches von Feministinnen propagiert wird, obwohl es denen nicht im Traum einfallen würde einen Arbeiter der städtischen Müllabfuhr auch nur anzusehen, selbst wenn es der liebste Kuschelbär und Papi wäre.

    Im übrigen waren und sind wir Männer immer modern. Wir fliegen die modernsten Jets, fahren die technisch bestentwickeltsten Automobile und gehen hunderte und tausende von Kilometern auf die Jagd nach Nahrung für die Familie!

    Antwort auf "Modern?"
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    "Wieso soll ein Mann der in die vorherige Rolle der Hausfrau schlüpft oder Tätigkeiten übernimmt die früher Frauen vorbehalten waren eigentlich "modern" sein?
    Diese "Studien" gehen offensichtlich von einem Männerbild aus, welches von Feministinnen propagiert wird..."

    Ihr Kommentar ist bis hierher der einzige, dem man sich anschliessen kann.
    Eine Studie, die nicht mindestens eine grundsaetzliche Begriffsbestimmung dessen, was sie untersucht liefert ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt ist.

    Derartige "Studien" wachsen wohl vor allem auf dem Mist irgendwelcher Gender-Beauftragten, die glauben aus ihren Amtsstuebchen heraus dekretieren zu duerfen, was "modern" ist und was "traditionell".

    Dabei koennte man ueber dieses Begriffspaar ganze Enzyklopaedien schreiben, weit jenseits dieser dogmatisch-dilletantischen Geschlechter-Gleichmacherei...

    Corto.

    • WolfBu
    • 19. März 2009 14:55 Uhr

    Ich nehme als Mann seit zwei Jahren Elternteilzeit. Ich finds klasse, meine männlichen Freunde beneiden mich, weil ich Glück habe, das es in meinem Job funktioniert. Ältere Damen, denen ich mit dem Kinderwagen oder mittlerweile dem kleinen Mann begegne, sind ganz entzückt und seufzen, sie hätten sich das in den 50ern auch mal gewünscht.

    Ich erlebe aber gerade viele junge Frauen mit einer absolut traditionellen Rollenvorstellung. Immer wieder begegnen mir junge Frauen, so Mitte 20 bis Ende 30, die mich anschauen wie ein UFO und mit Unverständnis bis Fassungslosigkeit reagieren: "Haben Sie keine Frau mehr?" - "Wollen Sie nicht arbeiten?" - Das Beste war "Ein Mann mit Kind ist eigentlich kein rechter Kerl....".

    Das ist halt so ein bischen das Problem: Wir Männer sollen alles tun, müssen und machen, die Damen bleiben aber in ihrer Welt und erwarten dennoch den mammutjagenden Platzhirsch mit Habichtblick und dickem Konto. Wenn man das als Mann zu thematisieren wagt, heißt es plötzlich: Jammer nicht herum! Eben! Harter Mann sein! Spätestens dann offenbaren viele Damen ihre wirkliche Einstellung...

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    Sie werden das hier vermutlich nicht mehr wahrnehmen, aber ich wollte hierzu noch was anmerken:

    "Ich erlebe aber gerade viele junge Frauen mit einer absolut traditionellen Rollenvorstellung. Immer wieder begegnen mir junge Frauen, so Mitte 20 bis Ende 30, die mich anschauen wie ein UFO und mit Unverständnis bis Fassungslosigkeit reagieren: "Haben Sie keine Frau mehr?" - "Wollen Sie nicht arbeiten?" - Das Beste war "Ein Mann mit Kind ist eigentlich kein rechter Kerl...."."

    Jetzt gehöre ich zufällig zu der von Ihnen beschriebenen Altersgruppe - wie auch die meisten Frauen die ich kenne. Und NICHT EINE denkt so wie von Ihnen beschrieben! Keine Ahnung wo Sie so wohnen ...

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    • kkr
    • 19. März 2009 15:14 Uhr

    sobald man nicht der "harte" Erfolgstyp ist, muss man ganz schnell Spott ertragen. Und welche Frau schaut ernsthaft einen 'Geringverdiener' an?

    Da müssen sich die Frauen noch ganz schön ändern, vor allem das Gejammere über die Männer und wie schwer sie es selber haben ablegen. Da stecken die Frauen noch voll in der Steinzeit.

  3. ... wenn ich mir die meisten Männer in meinem Umfeld ansehe und die, die mir seit Jahren in Beruf und Privat begegnen, hoffe ich auf die nächste Generation.

    Sie sind so verhaftet in den Mustern ihrer Großväter oder Väter und kaum beweglich, wenn es drauf ankommt. Verbal häufig weit vorn und wenn es an die Tat geht, plötzlich verhindert aus fadenscheinigen Gründen.

    Schlimm und gleichzeitig doch nur bedauerlich.

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    • Morido
    • 19. März 2009 17:35 Uhr

    sind möglicherweise, dank der heutigen geschlechterkommunistischen Bestrebungen schnell beiseite geboxt - von bestimmten gesellschaftlichen Gruppen, die noch weit antiquiertere Rollenmodelle leben als ersterer Väter, Großväter und Urgroßväter.

  4. Na ja, was solls, hier kriegen die Männer halt wie so oft in Deutschland wieder ihr Fett ab. Sind halt Studien, wie es sie inzwischen fast endlos gibt- Hauptsache eine Meldung wert und eigentlich fast schon wieder beliebig und oft belanglos.

    Ich bin wohl auch eher ein "traditioneller Mann" und aus meinen bisherigen Lebens-Erfahrungen heraus werde ich auch meinen Sohn eher tradionell erziehen, bzw. entsprechende Werte vermitteln. Denn ich kenne - bis auf ganz wenige Ausnahmen- keinen Fall im meinem großen Bekanntenkreis- wo "moderne" Männer das große Los gezogen hätten. Im Gegenteil, gerade solche Männer werden von Frau über kurz oder lang häufig gegen Extrem-Tratitionalisten ausgetauscht oder mehr oder weniger geschickt verpackt von Frau als Weichei umschrieben. Klar es gibt Ausnahmen, aber im Zweifel verlasse ich mich eben auf meine eigene Erfahrungen und Beobachtungen, und nicht auf tolle Absichts- und Willensbekundigungen.

    Meine Güte, die Arbeit ist sicher nicht alles und wird in der Bedeutung viel zu hoch gehängt. Ich habe z.B. auch schon einen Job abgelehnt, um der Familie einen Umzug zu ersparen und ich würde sehr gerne auch mal beruflich kürzer treten, bin aber mit drei Kindern eben auch in der "Pflicht". Das Leben ist halt nicht nur Spass und keine reine Selbstverwirklichung.
    Klar könnte ich mir auch vorstellen, beruflich kürzer zu treten, wenn meine Frau entsprechend verdienen würde. Das wird sie aber schon aufgrund ihrer Berufswahl wahrscheinlich nie. Außerdem wollen viele Frauen gar nicht voll und schon gar nicht bis zur Rente arbeiten, wenn es sich vermeiden läßt. Außer sie haben einen tollen Job, z.B. im öff. Dienst oder in der Zeitredaktion.

    Na ja, die tradionelle Männerrolle, bzw das tradionelle Familienmodell wird ja regelmäßig durchweg schlecht und negativ bewertet. Dabei haben vermutlich viele Frauen noch mehr traditionelle Verhaltensmuster oder Ansprüche, als dies vermutet wird. Es stellt sich ferner die Frage, ob Alle (auch Frauen) mit modernen Männern und Rollenbildern glücklicher und zufriedener sind, bzw wären. Daran habe ich größte Zweifel. In den Medien und der Politik wird jedenfalls ständig impliziert, dass nur der moderne Mann "zukunftsfähig" und "akzetabel" sei, während alle Anderen quasi erzkonservativ, Machos, Frauenunterdrücker und gestrig wären. Ein taditioneller Mann bleibt jedoch gelassen und lässt sich dadurch nicht irre machen :-)

  5. ... mir scheint die Erwartungen schwanken etwas zwischen den Extremen hin und her.

    Ich würde mich selbst als "modernen" Mann bezeichnen und führe doch eine glückliche Ehe und meine Frau habe ich kennengelernt, als ich noch studierte, also mitnichten mit beiden Beinen fest im Leben stand. Sowas gibt es also auch.

    Das "modern" bezieht sich in meinem Fall schlicht darauf, dass ich (ebenso wie meine Frau) Teilzeit in meinem erlernten Beruf arbeite und das Kind miterziehe. Außerdem erledige ich mindestens die Hälfte der anfallenden Arbeiten im Haus und im Haushalt, wahrscheinlich sogar mehr. Das ist recht befriedigend für uns beide aber auch sehr anstrengend, weit weg von dem Klischee der gelangweilten Hausfrau/mann mit Schürze und beim Tratsch mit den Nachbarn.

    Mag sein, dass mein relativ niedriges Einkommen die Sache erleichtert hat, aber ehrlich gesagt wollte ich eine Frau die ebenfalls im Leben steht und deren geistige Leistungen sich nicht nur um die pünktliche Zubereitung der nächsten Mahlzeit drehen oder die gar zu Hause Frust schiebt. Denn der traditionelle Weg mag in der Anbahnung leichter sein, auf Dauer führt er oft auch in die Scheidung, weil die hochgebildeten Frauen sich irgendwann zu Hause langweilen, sich vernachlässigt fühlen und gelegentlich intellektuell abhalftern. Dann steht man nicht selten als der Depp da, der sich zu Tode rackert um Unterhalt und Haus zu zahlen und hat weder von dem einem, noch von dem anderen etwas.

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