Die Reden Obamas & Köhlers Der Präsident hat gesprochen
Wie sich die Botschaften von Obama und Köhler gleichen – der feine Unterschied der beiden Politiker gründet in ihrem Naturell und der Verfassung der Länder

© Mandel Ngan/AFP/Getty Images
US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus
Globale Solidarität statt nationaler Egoismus, persönliche und politische Rechenschaft und Verantwortung statt vorsätzliche Laxheit und private Renditesucht: Wer sucht, der findet all das in den Botschaften, die das deutsche Staatsoberhaupt und der amerikanische Präsident zum selben Augenblick verkündeten. Horst Köhler in Berlin, Barack Obama in Washington sprachen diese Woche gewiss in heimische Mikrofone und Kameras, für die Bürger im eigenen Land. Und doch gilt beider Rede der ganzen Welt und nicht nur der eigenen Stadt: Urbi et orbi , hätte man ihr hochgestecktes Ziel kommentiert, wenn da der Papst gesprochen hätte – für die Stadt und den Erdkreis.
"Es ist viel gute Arbeit geleistet worden, noch mehr aber bleibt zu tun“: Wenn solche Worte nicht Mut machen. Doch wer spricht da? "Der Norden lässt den Süden nicht im Stich“: Ist das nun von Obama oder von Köhler? "Wir sind verpflichtet, jenen Ländern und Menschen die Hand zu reichen, die vor den größten Risiken stehen.“ Wer spricht? "Es geht um unsere Verantwortung für globale Solidarität.“ In Deutsch oder in Englisch formuliert?
Für alle Rätselfreund hier gleich die Auflösung: Obama – Köhler – Obama – Köhler lautet die richtige Reihenfolge der Zitierten. Das Spiel ließe sich mühelos weiter treiben, jedenfalls, wo es um den Willen zur internationalen Zusammenarbeit und zu neuer Gemeinsamkeit geht, oder gegen die Rücksichtslosigkeiten der Finanz- und Bankenwelt. Ja, selbst die Gedanken zu Anstand und gutem Benehmen verraten eine Wahlverwandtschaft der beiden so unterschiedlichen Präsidenten.
Eigentlich beruhigend, wenn der Zungenschlag angesichts von Krise und Kritik der Globalisierung so ähnlich klingt. Gleichwohl dürfen vor lauter begrüßenswerten Gemeinsamkeiten die Unterschiede nicht verschwiegen werden.
"Wir sollten uns nicht größer machen, als wir sind. Aber eben auch nicht kleiner“: Das kann so kein amerikanischer Präsident gesagt haben, selbst der neue Mann im Weißen Haus nicht. Der Satz ist denn auch von Horst Köhler. Sein Land sei bereit, Führung zu übernehmen, erklärt Obama: Köhler als guter Deutscher und überzeugter Europäer spricht da lieber davon, seinem Land und der Europäischen Union komme "eine Führungsrolle zu“. Will heißen, es gibt da mehr als einen, der führen soll. Köhler redet gerne zurückhaltend von Anstößen, die gegeben werden müssen. Obama kündigt kurz und energisch an: "Wir werden entschlossen handeln“.
Der feine Unterschied gründet nicht allein im Naturell der beiden Politiker. Er speist sich auch aus der Quelle der jeweiligen Verfassung ihrer Nationen, die den amerikanischen Präsidenten als machtvollen Akteur, den deutschen hingegen als ersten Mann im Staate bestimmt, der mehr durch Einfluss denn durch Macht wirkt.
Ein Drittes kommt hinzu: Weil Köhler die Krise auch nutzen will "um der Einheit Europas ein neues Momentum zu geben“; weil er die deutschen wie die europäischen Politiker mahnt, "ihre Interessen im Internationalen Währungsfonds und in der Weltbank in einem Sitz zu bündeln“, muss er die eigene Rolle und die seines Landes ein Stück weit zurücknehmen. Wo Köhler Deutschland eine Führungsrolle zuschreibt, denkt er in Kategorien der Pflicht und weniger der Macht, sieht er vor dem inneren Auge ein Kollektiv, die Europäische Union, und nicht eine von der Krise gebeutelte Nation wie die Vereinigten Staaten, die sich darum und dennoch souverän zur globalen Partnerschaft entscheidet. Obama spricht für sich und sein Land, Köhler für Deutschland und Europa. Das unterscheidet beider Rede um mehr als nur um eine Nuance.
Kleiner Epilog: Aller Unterschied bringt heute Köhler und Obama gleichwohl einander näher als den deutschen Präsidenten und den tschechischen. Köhlers Nachbar Vaclav Klaus hat mit List und Tücke in Prag dafür gesorgt, dass die Europäische Union jetzt um ein Problem reicher ist, weil Tschechien nach dem Sturz der dortigen Regierung, vom EU-Skeptiker Klaus gezielt betrieben, weder sich selbst sorgen noch die EU-Ratspräsidentschaft weiterführen kann.
Wo Köhler und Obama die Gemeinsamkeit der Welt in einer Welt- und Wertekrise stärken wollen, sucht Klaus den europäischen Akteur zu schwächen. Der Tscheche träumt weiter vom schwachen Staat und starken Markt, von einem Europa der Freihändler und einer Welt für die Freibeuter des Kapitalismus. Er mag sich in diesem Moment ins Fäustchen lachen. Aber es klingt bereits wie das verhallende Lachen aus einer untergehenden Welt.
- Datum 25.03.2009 - 16:39 Uhr
- Serie opi
- Quelle ZEIT ONLINE
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Gewiss, der Unterschied ist gering, denn jedem Staatsoberhaupt obliegt zu Krisenzeiten die Aufgabe, die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Das gilt für uns ebenso wie Amerika, Britannien, Frankreich, Russland oder Japan, ja selbst für das ferne und obendrein auch noch kommunistische China. Lediglich das letzte Zitat, "wir sind zwar unbedeutend, sollten uns jedoch nicht noch unbedeutender machen" -- das ist echt deutsch und hätte nie aus einer der sechs oben genannten Nationen kommen können.
Obwohl an der BASIS der Länder längst angekommen - die präsidiale Erneuerung des ÖKOLOGISCHEN IMPERATIVS, darauf kommt es an. Siehe auch Fritz Vorholz in der aktuellen ZEIT - auf der Titelseite, auch darauf kommt es an.
www.umweltdaten.de":http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3678.pdf - Umweltbewusstsein und Umweltverhalten: Forschungsprojekt -
bewegte Lüfte, wenn nicht der Schatten der Tat
dahinter steht.
Ich hätte mir von Herrn Köhler schon viel früher etwas gewünscht, als eine Bestandsaufnahme, wo die Krise schon fast wieder zu Ende ist.
Manchmal kommt er mir vor wie ein Fremdkörper im Präsidentenamt, der ab und an der Kraft, die von diesem ausgeht sich beugend, doch äußern muss, von Charisma ganz zu schweigen...
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Gib einem Menschen alles, was er sich wünscht, und im gleichen Moment wird
alles nicht alles sein.
(IMMANUEL KANT)
Dass der wahrlich nicht grüne Bundespräsident Köhler die Notwendigkeit einer ökologischen Revolutionhervorhebt, die OBAMAS New Green Deal entspricht:
"Nehmen wir uns deshalb die nächste industrielle Revolution bewusst vor: diesmal die ökologische industrielle Revolution. Dafür gute Voraussetzungen zu schaffen, verlangt ein intelligentes Zusammenwirken von Markt und Staat. Und die Verbraucher können wach und kritisch sein. Wir brauchen ein gesellschaftliches Klima der Innovationsfreude und ein starkes ökologisches Bewusstsein."
das scheint nicht ZEIT-genehm bzw. nicht ZEIT-gemäß zu sein ! (Oder hängt die elegante selektive Ausblendung mit "BERTELSMANN" zusammen ??? )
Dass KÖHLER als einzige Person Ernst Ulrich von Weizsäcker und sogar dessen Buch FAKTOR 4 als Grundlage einer Effizienzrevolution/Ressourcenrevolution hervorhebt, auch das wird in der ZEIT äußerst gekonnt verschwiegen:
"Ernst Ulrich von Weizsäcker, der Träger des Deutschen Umweltpreises, hat schon vor Jahren die Vision von "Faktor 4" beschrieben. Das bedeutet die Verdoppelung des Wohlstands bei halbem Naturverbrauch. Machen wir uns klar, welcher Quantensprung bei Energie- und Ressourcenproduktivität möglich ist."
http://www.bundespraeside...
Liebe ZEIT,
schreiben Sie doch einfach mal:
"Eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft ist der vernünftige Ausweg aus der gigantischen Krise. "
Sie schaffen das! Sie dürfen nur nicht die Zukunft im Rückspiegel der Vergangenheit betrachten, sondern durch die Frontscheibe eines NEUEN DENKENS, einer NEUEN AUFKLÄRUNG , die übrigens Ernst Ulrich von Weizsäcker bereits 2004 forderte !!!
Wenn Ihnen das zu schwer fallen sollte, dann dürfen Sie gerne den Satz kopieren. Schließlich geht es ja um den Ausweg aus einer welthistorisch hochgefährlichen Krise:
"Eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft ist der vernünftige Ausweg aus der gigantischen Krise. "
... Allgemeinplätze rauszuhauen, sind einfach beide Präsidenten top.
Ich weis nicht genau, was Klaus unter Markt versteht, ohne eine nähere Betrachtung jedenfalls ist die Aussage des Artikels dilettantisch oder grob fahrlässig.
Nur zum Verständnis: Nur weil der Neoliberalismus über das Ziel hinausgeschossen ist, wichtige Marktregeln außer Kraft gesetzt hat, die erst einen fairen Wettbewerb ermöglichen, heißt das noch lange nicht, dass Privatisierung, die Forderung nach mehr liberalen Märkten nicht eine existentielle Notwendigkeit wäre.
Gerade die aktuelle Krise ist auch eine Krise von falschen Anreizen, zu wenig Markt, weil Bedürfnisse durch staatliche Lenkung und nicht durch marktgerechte Nachfrage entstanden sind.
Deshalb die Frage wofür steht Klaus? Jedenfalls sind seine Äußerungen gegen bürokratisch zentrale Fehllenkungen seitens der EU durchaus berechtigt. Sind diese doch der Kern der aktuellen europäischen Probleme.
Das Köhler das Wachstum in seiner Rede zur Disposition stellt, weil er es offensichtlich nur quantitativ verstanden hatte, wirft eher kein gutes Licht auf seine Kompetenz in der Sache.
Berthold Grabe
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