Fälschung von Studien Schmerzforscher im Pharmasumpf
Scott Reuben galt als Pionier der Schmerzforschung. Seinen Empfehlungen folgten Ärzte weltweit: Aber 21 seiner Studien sind frei erfunden
"Das ist ein Skandal ohne Beispiel", sagt Edmund Neugebauer. Der Professor für Chirurgische Forschung an der Universität Witten-Herdecke findet für den einst angesehenen US-Wissenschaftler Scott Reuben deutliche Worte. "Eine so schwere Verfehlung ist nicht wieder gut zu machen. Reuben ist damit wissenschaftlich tot und gehört entlassen." Gemeint ist ein Betrugsfall, der derzeit vor allem die Mediziner in den USA schockiert. Seit 1996 hat der Anästhesist Scott Reuben vom Baystate Medical Center in Springfield, Massachusetts, mindestens 21 seiner Studien schlichtweg frei erfunden. Viele seiner gefälschten Ergebnisse sind in Leitlinien für Ärzte eingeflossen.
"Wir sprechen über Millionen von Patienten weltweit, deren postoperative Schmerzbehandlung von den Forschungsergebnissen von Dr. Reuben beeinflusst worden sind," sagte Steven Shafer dem Scientific American. Er ist Chefredakteur des Magazins Anesthesia & Analgesia, das zehn der fragwürdigen Studien des Schmerzforschers veröffentlicht hat. 2007 hatte die gleiche Zeitschrift Rubens Arbeiten noch als "sorgfältig geplant und akribisch dokumentiert" gelobt. Der Mediziner galt seit Anfang der neunziger Jahre als ausgewiesener Experte auf dem Gebiete der Schmerztherapie nach Operationen. Viele seiner Empfehlungen wurden im Klinikalltag umgesetzt, auch in Deutschland.
"Wir haben die neuen Leitlinien zur Akutschmerztherapie sofort durchforstet und werden nun alle Hinweise auf Reuben löschen," sagt Neugebauer. Der Chirurgie-Professor hat die Empfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS) mit herausgegeben. Die Kernaussagen der Leitlinien müssten jedoch nicht geändert werden. "Zwar verliert ihre Bedeutung etwas, wenn man die sechs, sieben zitierten Studien Reubens wegstreicht. Doch kaum ein Patient wurde deswegen grundsätzlich falsch behandelt oder hat falsche Medikamente verschrieben bekommen", sagt Marcus Schiltenwolf, Vizepräsident der DIVS.
Die Machenschaften Reubens wurden eher zufällig entdeckt. Bereits im Mai vergangenen Jahres stieß ein leitender Angestellter des Baystate Medical Centers auf Ungereimtheiten in Reubens Arbeit. Während einer Routineprüfung stellte sich heraus, dass zwei Studien des Mediziners noch nicht vom Gutachtergremium der Klinik genehmigt wurden. Eine anschließende Untersuchung führte jetzt dazu, dass insgesamt 21 Studien des Schmerzforschers zurückgezogen wurden.
Reubens ist seit Mai 2008 beurlaubt und wurde von jeglichen medizinischen Forschungsarbeiten und Lehrtätigkeiten entbunden. Sein Anwalt richtete im Scientific American aus, dass sein Mandant "zutiefst bereue", was passiert sei. Er würde derzeit mit den Untersuchungsbehörden zusammenarbeiten.
Große Nähe zu Pharmakonzernen
Besonders dubios am Fall Scott Reuben: Der Anästhesist war offenbar gefährlich nahe mit großen Pharmakonzernen wie Pfizer und Merck verbandelt. Paul White, Redakteur bei Anesthesia & Analgesia schätzt, dass Reubens Studien zum milliardenschweren Verkauf potenziell gefährlicher Schmerzmittel geführt haben. Unter den Pillen, denen Reuben in seinen ausgedachten Arbeiten offenbar gute Wirksamkeit bescheinigte, sind Celebrex und Vioxx.
- Datum 25.03.2009 - 10:21 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, 24.3.2009 - 19:59 Uhr
- Kommentare 28
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Die Pharmaindustrie und deren Lobby hat einfach zu viel Einfluß- auch bei uns in Deutschland. Hier müssen unbedingt effektive Kontrollmechanismen her. Sonst
gehts fast so wie bei den Banken.
Besonders ärgerlich ist, dass wir als Beitragszahler des Gesundheitswesen solche Auswüchse indirekt mitfinanzieren, und dass wir unter den Folgen solcher Auswüchse als Patienten ggf. darunter zu "leiden" haben.
Der Einfluß der Pharmalobby fängt ja schon beim ganz normalen Landarzt an, wenn man nur an die getunten herstelleroptimierten PC-Programme und sonstigen "Beigaben" denkt. Ich sehe kaum mehr wirkliche "Unabhängigkeiten" im deutschen Gesundheitssystem.
Als unbedarfter Konsument der aktuellen Nachrichten hat man gegenwärtig mit Blick auf die Finanzkrise, auf einstürzende Stadtarchive und korrupte Ärzte den Eindruck, dass alle Sektoren der Gesellschaft von geldgierigen Selbstverwirklichern geplündert werden. Und das in einem Tempo und einer Gründlichkeit, die einen schaudern läßt.
Die Erregung hält sich aber noch in Grenzen, da die Mechanismen dieses Gewinnstrebens letztlich noch von der großen Mehrheit der Bevölkerung als handlungsleitende Maximen anerkannt und identifikatorisch vertreten werden.
Insofern läuft gegenwärtig ein beachtliches gesellschaftliches Experiment, vergleichbar der Extrembehandlung bei einer Materialprüfung. Man darf gespannt sein und zusehen, wie lange es noch dauert, bis es knackt.
Und dann, ja dann, wird die große Mehrheit wieder darauf bestehen, in all das nicht verwickelt gewesen zu sein. Oder andere Variante: dass all das doch auch seine positiven Seiten gehabt habe und man nicht die Biographien der Lemminge entwerten dürfe.
Wir werden, so fürchte ich, diese neuerliche Wende noch erleben müssen.
Sammy Senkbley
vergessen. Dort werden ahnungslosen kids mobilfunk-knebelvertraege mit mehrjaehrigen laufzeiten (sollte auf max 6. monate gesetzlich beschraenkt werden) um den hals gehaengt. Diese vertraege sind bei jugendlichen schuldenfalle nummer 1. Aber was juckt das den fetten telko-boss und armani-tuch und bmw-schuessel, dass er die zukunft von jugendlichen massenweise ernsthaft gefaehrdet.
Solche bastarde sind die totengraeber unserer gesellschaft.
vergessen. Dort werden ahnungslosen kids mobilfunk-knebelvertraege mit mehrjaehrigen laufzeiten (sollte auf max 6. monate gesetzlich beschraenkt werden) um den hals gehaengt. Diese vertraege sind bei jugendlichen schuldenfalle nummer 1. Aber was juckt das den fetten telko-boss und armani-tuch und bmw-schuessel, dass er die zukunft von jugendlichen massenweise ernsthaft gefaehrdet.
Solche bastarde sind die totengraeber unserer gesellschaft.
Warum sollten sich ausgerechnet die elitären Pharmaforscher nicht als fundamentalistische Betrüger und Bescheißer betätigen.
Sie bewegen sich in einer nahtlosen Phalanx mit den Bescheißer- und Betrügereliten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung.
Dass unsere sogen. parlamentarischen Parteien nicht umgehen können, weil sie selbst Bestandteil dieser sich selbst versorgenden Funktionärsnomenklatura weder Interesse an diesen gesellschaftlichen Verheerungen haben, noch aufgrund ihrer wechselseitigen, lobbyistisch bedingten Verpflichtungen ein Interesse daran haben,
wird hier die Vorbereitungsarbeit für die Wiederkehr eines totalitären Regimes vorbereitet. Erinnern wir uns. Die egoistischen und narzistichen Interessen der bürgerlichen Parteien in der Endzeit der Weimarer Republik agierten präsise in der gleichen Art und Weise, wie es uns heute die Präsidiumsmitglieder der FDP, der CDU, der CSU, der SPD und sogar die Mitglieder des Metzger-Flügels von Bündnis90/Die Grünen und auch Teile der Linkspartei vorführen.
Es ist ein Verhängnis, was sich da abspielt und scheinbar will es wieder einmal niemand bemerken.
Kabur Kabari
Experience is the only way to understand.
Sollten sie mal krank werden, was ich ihnen natürlich nicht wünsche, können sie ja die Medikamente der " Bescheißerelite" ablehnen.
Sollten sie mal krank werden, was ich ihnen natürlich nicht wünsche, können sie ja die Medikamente der " Bescheißerelite" ablehnen.
vergessen. Dort werden ahnungslosen kids mobilfunk-knebelvertraege mit mehrjaehrigen laufzeiten (sollte auf max 6. monate gesetzlich beschraenkt werden) um den hals gehaengt. Diese vertraege sind bei jugendlichen schuldenfalle nummer 1. Aber was juckt das den fetten telko-boss und armani-tuch und bmw-schuessel, dass er die zukunft von jugendlichen massenweise ernsthaft gefaehrdet.
Solche bastarde sind die totengraeber unserer gesellschaft.
Da stellt sich doch die Frage, wie es mit der Seriosität anderer Studien aussieht, oder nicht?
Was von all den Dingen, die wir täglich als "Stand der Forschung und wissenschaftlich gesichert" vorgestezt bekommen, ist noch alles frei erfunden?
Falsche und richtige Ernährung?
Umweltgifte?
Schädlichkeit von Passiv- und Aktivrauchen?
Fokko
-------------------------------------------------------------------------------
Selbstversorger-Blog: http://selbstversorger-bl...
Fantasy-Blog: http://fokko.wordpress.com
Ich möchte nur darauf hinweisen, dass das Medikament Vioxx nicht, wie im Artikel beschrieben, von der Firma Pfizer stammt, sondern von Merck.
Liebe(r) gessnu,
Vielen Dank für den Hinweis. Vioxx wurde nicht wie es im Artikel stand von Pfizer, sondern von Merck vom Markt genommen. Die entsprechende Stelle im Text wurde geändert.
Gruß,
Sven Stockrahm
Volontär Wissen, ZEIT ONLINE
Liebe(r) gessnu,
Vielen Dank für den Hinweis. Vioxx wurde nicht wie es im Artikel stand von Pfizer, sondern von Merck vom Markt genommen. Die entsprechende Stelle im Text wurde geändert.
Gruß,
Sven Stockrahm
Volontär Wissen, ZEIT ONLINE
"Zwar verliert ihre Bedeutung etwas, wenn man die sechs, sieben zitierten Studien Reubens wegstreicht. Doch kaum ein Patient wurde deswegen grundsätzlich falsch behandelt oder hat falsche Medikamente verschrieben bekommen", sagt Marcus Schiltenwolf, Vizepräsident der DIVS."
Ein paar Zeilen weiter unten:
"Paul White, Redakteur bei Anesthesia & Analgesia schätzt, das Reubens Studien zum milliardenschweren Verkauf potenziell gefährlicher Schmerzmittel geführt haben."
Na, wenn man da nicht aufatmen kann.
Kaum ein Patient wurde grundsätzlich falsch behandelt.
Es hat nur zum milliardenschweren Verkauf potenziell gefährlicher Schmerzmittel geführt.
Da ist doch alles gleich wieder gut.
vor allem das hier: "Im Mai 2005 berichtete die Medizinzeitschrift The Lancet, dass Vioxx in fünf Jahren bei hochgerechnet 88.000 bis 140.000 Menschen allein in den USA schwere Schäden an den Herzkranzgefäßen verursacht haben soll. 44 Prozent dieser Fälle seien tödlich verlaufen."
Gerade in diesem Zusammenhang kann man doch wohl eine Aussage wie "Doch kaum ein Patient wurde deswegen grundsätzlich falsch behandelt oder hat falsche Medikamente verschrieben bekommen" nicht bringen! Da hätte ich vom Schreiber des Artikels doch zumindest erwartet, dass er das nicht unkommentiert so stehen lässt.
vor allem das hier: "Im Mai 2005 berichtete die Medizinzeitschrift The Lancet, dass Vioxx in fünf Jahren bei hochgerechnet 88.000 bis 140.000 Menschen allein in den USA schwere Schäden an den Herzkranzgefäßen verursacht haben soll. 44 Prozent dieser Fälle seien tödlich verlaufen."
Gerade in diesem Zusammenhang kann man doch wohl eine Aussage wie "Doch kaum ein Patient wurde deswegen grundsätzlich falsch behandelt oder hat falsche Medikamente verschrieben bekommen" nicht bringen! Da hätte ich vom Schreiber des Artikels doch zumindest erwartet, dass er das nicht unkommentiert so stehen lässt.
vor allem das hier: "Im Mai 2005 berichtete die Medizinzeitschrift The Lancet, dass Vioxx in fünf Jahren bei hochgerechnet 88.000 bis 140.000 Menschen allein in den USA schwere Schäden an den Herzkranzgefäßen verursacht haben soll. 44 Prozent dieser Fälle seien tödlich verlaufen."
Gerade in diesem Zusammenhang kann man doch wohl eine Aussage wie "Doch kaum ein Patient wurde deswegen grundsätzlich falsch behandelt oder hat falsche Medikamente verschrieben bekommen" nicht bringen! Da hätte ich vom Schreiber des Artikels doch zumindest erwartet, dass er das nicht unkommentiert so stehen lässt.
beziehen sich offensichtlich auf unterschiedliche Anwendungen von Vioxx bzw. ähnlicher COX-2-Hemmer. Wenn Marcus Schiltenwolf, Vizepräsident der DIVS, sagt: "Doch kaum ein Patient wurde deswegen grundsätzlich falsch behandelt oder hat falsche Medikamente verschrieben bekommen", so bezieht sich das, so nehme ich an, eben auf die 'Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen'. So lautet auch der Titel der entsprechenden Leitlinie, in der acht Publikationen aus Reubens Feder zitiert werden (falls ich richtig gezählt habe). Insgesamt umfasst das Literaturverzeichnis dieser Leitlinie unfassbare 1290 Arbeiten.
beziehen sich offensichtlich auf unterschiedliche Anwendungen von Vioxx bzw. ähnlicher COX-2-Hemmer. Wenn Marcus Schiltenwolf, Vizepräsident der DIVS, sagt: "Doch kaum ein Patient wurde deswegen grundsätzlich falsch behandelt oder hat falsche Medikamente verschrieben bekommen", so bezieht sich das, so nehme ich an, eben auf die 'Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen'. So lautet auch der Titel der entsprechenden Leitlinie, in der acht Publikationen aus Reubens Feder zitiert werden (falls ich richtig gezählt habe). Insgesamt umfasst das Literaturverzeichnis dieser Leitlinie unfassbare 1290 Arbeiten.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren