Musikfestival Ausflippen als Imagepflege

In Texas steigt jedes Jahr während der Southwest-Musikmesse eine Riesenparty mit 2000 Bands. Die gute Stimmung möchte auch das Hamburger Reeperbahn-Festival für sich nutzen

Austin platzte aus allen Nähten. Fast 2000 Bands aus aller Welt waren eingefallen – viele von ihnen Newcomer – um genau 45 Minuten lang das Konzert ihres Lebens zu spielen. Jenes nämlich, das die rund 12.000 angereisten Vertreter des internationalen Musikbusiness hinreißen sollte, sie anschließend wie Raketen in den bunten Himmel der Popstars zu katapultieren.

Von Mittwoch bis Sonntag feierte die texanische Hauptstadt zum 23. Mal das South By Southwest Festival. Amerikas größte Musikmesse zeigte mal wieder, warum die Hauptstadt von Texas auch The Live Music Capital of the World genannt wird.

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Die Partymeile, die 6th Street und ihre Nachbarschaft, in der fast 80 Musikclubs liegen, war geflutet mit freundlichst überdrehten Menschen. Rotkarierte Hosen zu orange gefärbtem Strubbelkopf, schwarze Röhrenjeans zu löchrigen Chucks, Totenkopf-Kampfjacken zu Neon-Irokesen – jede Verkleidung war willkommen, solange sie nur laut genug rief: Hallo, hier kommt ein Künstler.

Als Roland Swenson, einer der Mitbegründer des South By Southwest Festivals, im dunklen Anzug und Krawatte, nervös und mit Schweißperlen auf der Stirn, das Festival eröffnete, befand sich Texas Hauptstadt schon im Ausnahmezustand.

Ursprünglich, 1987, war es Swenson und seinen Mitstreitern nur darum gegangen, die lokale Musikszene ein wenig in Schwung zu bringen. Heute ist das South By Southwest Festival ein künstlerisches Ereignis, das in der Welt seinesgleichen sucht – und ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Mirko Whitfield, der Pressesprecher des Festivals, sagt: "Austin verdient mindestens 110 Millionen Dollar an diesem Festival. Wir als Veranstalter bekommen von der Stadt allerdings keinen Cent. Höchstens ein wenig polizeiliche Unterstützung für die Straßensperren."

Das sieht in Hamburg ganz anders aus. Dort bekommt das Hamburger Reeperbahn Festival, das seine Entstehung der Begeisterung seiner Macher für den großen Bruder aus Austin verdankt, sehr wohl Unterstützung. Weil die Stadt sich als "Musikstadt“ positionieren möchte, bekam das Reeperbahn Festival die Chance, in Austin auf sich aufmerksam zu machen. Johannes Everke von der Hamburg Marketing GmbH, die das Projekt "Reeperbahn Festival on Tour" finanziell unterstützt, sagt: "Das Reeperbahn Festival repräsentiert Hamburg perfekt als Standort einer lebendigen, jungen, internationalen Clubszene und ist damit ein sehr gutes Instrument, um international für Hamburg zu werben."

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