Energiesparen Die Zählerrevolution
Mit smarten Stromzählern soll jetzt auch der Verbraucher seinen Beitrag zur Energiewende leisten. Doch ohne finanzielle Anreize wird er kaum mitspielen

© Yello
Geht es nach der Bundesregierung, soll 2010 das Aus für die schwarzen, mechanischen Stromzähler kommen.
Hans-Peter Thomas’ private Energierevolution dauerte genau zwei Stunden. Zwei Männer von Yello, der Stromtochter von EnBW, machten sich vor einem Jahr an seinem Stromzähler zu schaffen und tauschten den schwarzen Kasten mit Drehscheibe gegen einen modernen, digitalen Zähler aus. "Jetzt habe ich totale Transparenz. Ich sehe genau, welche Geräte wann wie viel Strom verbrauchen", schwärmt der Pensionär aus Wuppertal.
Die Zeit der Abschlagszahlungen und Jahresabrechnungen ist vorbei. Jeden Monat erhält Thomas, der knapp 80 Euro in den Zähler investierte, eine ausführliche Auflistung seines tatsächlichen Stromverbrauchs. Den Tiefkühlschrank hat er bereits als Stromfresser identifiziert.
Geht es nach der Bundesregierung, werden solche intelligenten Stromzähler, auch "smart meters" genannt, ab kommenden Jahr verpflichtend. Für jahrzehntealte Messgeräte in Deutschlands Kellern und überkommene Abrechnungsmodelle würde dies das Ende bedeuten. Doch die Idee, aus Verbrauchern wirkliche Stromsparfüchse zu machen, scheitert noch an lukrativen Spartarifen.
Dabei sei der Ansatz genau der richtige, sagt Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen: "Die neuen Zähler sorgen endlich für mehr Transparenz im Haushalt." Während früher der mechanische Zähler unbeobachtet vor sich hin lief, können Stromkunden jetzt den Wäschetrockner ausknipsen und genau verfolgen, wie ihr Stromverbrauch sinkt. Den Kunden von Yello, einem der führenden Anbieter der neuen Zähler, stellt die digitale Wunderschachtel die Daten über das hausinterne Stromnetz auf dem Computer oder dem iPhone zur Verfügung.
Bislang steckt die Technologie in Deutschland in den Kinderschuhen. Die vier großen Energieversorger starten seit einigen Monaten Pilotprojekte, EnBW und Tochter Yello gelten als Vorreiter. Tausende Geräte habe das Unternehmen bereits installiert, sagen Sprecher – genauer will man nicht werden.
Dass die Zählerkästen in den Fokus der Aufmerksamkeit gerieten, verdanken Stromkunden in erster Linie einem Wortungetüm, dem "Gesetz zur Öffnung des Messwesens bei Strom und Gas für Wettbewerb" vom vergangenen Herbst. Es erlaubt nun auch anderen Anbietern als den Netzbetreibern das Strommessen. Das Energieeffizienzgesetz, über das die Große Koalition schon seit Wochen streitet, soll den Einbau solcher Zähler ab 2010 verpflichtend machen.
Doch dagegen regt sich Widerstand – überraschenderweise gerade von Seiten der neuen Stromanbieter, die mit flexiblen Tarifen den Wettbewerb anheizen wollen. Der Bundesverband Neue Energieanbieter, zu dem Unternehmen wie Yello oder Lichtblick gehören, wehrt sich gegen die gesetzliche Austauschpflicht.
"Noch sind die meisten Zähler in der Hand der alten Strommonopolisten", sagt Annette Solzin vom BNE. Wenn sie 2010 Jahr die Zähler austauschen müssten, hätten sie auch das zukünftige Geschäft fest in der Hand. "Die Austauschpflicht mag zwar gut gewollt sein, aber für den Wettbewerb ist sie kontraproduktiv", sagt Solzin. Angesichts der Langlebigkeit solcher Zähler, manche der alten Zählerkästen erreichen locker ein halbes Jahrhundert, könnte sie recht haben.
Für den Kunden sind solche brancheninternen Diskussionen wohl uninteressant. Ihn interessiert, wie sich mit der neuen Zählerbox Strom sparen lässt. Das könne über lastvariable Tarife passieren, sagt Energieexperte Krawinkel. Wenn an der Strombörse in Leipzig der Strompreis sinke, weil etwa dank Sturm besonders viel Windstrom im Netz sei, müsse sich das auch in den Strompreisen widerspiegeln. Und im nächsten Schritt müssten die Haushaltsgeräte auf das Preissignal selbst reagieren. "Die Waschmaschine würde erst dann anspringen, wenn der Strom besonders günstig ist", so Krawinkel. "Der intelligente Stromzähler alleine bringt noch nichts."
Doch das sind Zukunftsszenarien. Zwar bietet Yello zusammen mit seinem smarten Zähler einen Stromspartarif an: Nachts und teilweise auch an den Wochenenden ist die Kilowattstunde Strom um bis zu drei Cent günstiger, weil Yello dann temporäre Ermäßigungen bei der Konzessionsabgabe (eine Abgabe auf den Strompreis, die von den Gemeinden erhoben wird) an seine Kunden weitergibt. Aber eine grundsätzliche Anpassung des Tarifs an Stromüberschüsse ist bislang noch nicht möglich.
Das liegt am vorgeschriebenen "Standardlastprofil". Damit Kraftwerke nicht an der Stromnachfrage vorbei produzieren, haben sich Energieversorger und Netzbetreiber auf durchschnittliche Verbräuche geeinigt: Morgens um sieben Uhr braucht Deutschland viel Energie, weil wir alle duschen und Haare föhnen, am Spätvormittag dagegen weniger. Seit knapp zehn Jahren wurden diese Standardprofile nicht mehr angepasst – und im Zeitalter von "smart meters" wirken sie überkommen. "Das Standardprofil steht solchen neuen Entwicklungen im Wege", so Solzin.
Bis sich Versorger, Netzbetreiber und neue Energieanbieter auf neue Strukturen geeinigt haben, kann es noch dauern. Also geht es erst einmal in kleinen Schritten zur Energiewende. Die Erfahrung musste auch Stromfuchs Thomas machen, der seine Spülmaschine wegen des Stromspartarifs nun zumindest manchmal nachts laufen lässt. „Die Einsparungen sind leider nur marginal.“
- Datum 19.05.2009 - 19:00 Uhr
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- Serie Energie
- Quelle ZEIT ONLINE, 23.3.2009 - 21:11 Uhr
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Es gibt nur wenige Verbraucher im Haushalt die wirklich zu Niedriglastzeiten automatisch eingeschaltet werden könnten - und da sollte man erstmal entsprechende Waschmaschinen und Tarife anbieten. Nur zum Feststellen des Verbrauchs braucht man keine funktionierenden zuverlässigen Stromzähler für viel Geld austauschen. Das geht auch mit einem Verbrauchsmeßgerät, zB als Leihgabe von der Verbraucherzentrale, was man zwischen Gerät und Steckdose steckt. Oder einfach in die Betriebsanleitung schaut. Wenn das der einzige Grund ist...
und wenn das Innere des Kühlschrank zu warm wird muss er halt kühlen, gleich zu welcher Tageszeit. Wenn man kocht dann braucht man sofort eine heisse Herdplatte, nicht um 3 Uhr in der Nacht. Wenn man Abends ein Buch liest dann braucht man sofort die Leselampe. Und so weiter
außer "zum Beispiel" Waschmaschinen gibt es nichts anderes im Haushalt was auch zu anderen Zeiten angeworfen werden kann.
Und da gibt es im Übrigen viel bessere Methoden zu größerer Effizienz. Zum Beispiel, wie in vielen anderen westlichen Ländern, große Waschküchen im Keller von Wohnanlagen. Mit entspechend effizienten HiTech Geräten die sich durch die ständige starke Nutzung der Bewohner auch rentieren. Ganz nebenbei entfällt die Umzieherei der Geräte und das Geschleppe..das wär doch mal eine Revolution.
Viele Geräte werden mit einem Trafo in die Steckdose gesteckt, der dauernd Strom zieht. Ich schlage vor, in D keine Geräte mehr zu erlauben, die nicht einen EIN/AUS-Schalter haben und so direkt 100prozentig vom Netz getrennt werden können. Oder aber ein schlauer Entwickler sollte sich mal ans Werk machen einen Vorsatz zu entwickeln, der auf diese Arte von STECKERTRAFOs gesteckt werden kann und einen EIN/AUSSCHALTER in sich hat. Wäre sicher kein Problem und meiner Meinung nach ein voller geschäftlicher Erfolg.
Das Gerät heißt Schutzkontaktsteckdose mit Schalter
Schutzkontakt-Zwischensteckdose mit Schalter Artikel-Nr.: SSD 1 WS bei Reichelt
http://www.reichelt.de/?;...
oder
SCHALTBARE ZWISCHENSTECKDOSE; 250 V/AC Artikel-Nr.: 622292 - 62 bei Conrad
http://www1.conrad.de/fas...
Das Gerät heißt Schutzkontaktsteckdose mit Schalter
Schutzkontakt-Zwischensteckdose mit Schalter Artikel-Nr.: SSD 1 WS bei Reichelt
http://www.reichelt.de/?;...
oder
SCHALTBARE ZWISCHENSTECKDOSE; 250 V/AC Artikel-Nr.: 622292 - 62 bei Conrad
http://www1.conrad.de/fas...
Was ich nicht verstehe, ist, dass es in Deutschland fast keine Steckdosen mit An?Aus-Schalter gibt. In Großbritannien ist fast jede Dose mit einem Schalter versehen. Das macht es doch viel einfacher, Geräte abzuschalten, ohne den Stecker rauszuwurschteln (Um ihn dann wieder reinzustecken, nachdem er hinter den Tisch gefallen ist). Steckdosenleisten mit Schalter gibt es zwar häufig, aber im ganzen Haus solche Leisten anzuklemmen?
--
"We must plan for freedom, and not only for security, if for no other reason than only freedom can make security more secure."
Sir K. R. Popper
...und nennt sich "schaltbare Steckerleiste".
Supersimpel, für jeden nachvollziehbar und spart sofort, mit einer Schalterbetätigung.
Ich habe zuhause mehrere im Einsatz und kann damit, je nach Bedarf:
1. Nur den Computer und Monitor einschalten oder wenn ich ins Internet will...
2. das DSL-Modem und Router dazuschalten, um schliesslich mit einem dritten Schalter...
3. den Drucker einzuschalten, natürlich nur bei Bedarf.
Zusätzlich habe ich weitere Funktionsgruppen zusammengestellt, beispielsweise meine Audio-Anlage, mein Fernseher mit DVD-Spieler.
Ich hätte Bauchschmerzen, wenn ich alle Geräte 24/7 am Stromnetz hängen lassen würde.
Einfach machen!
Gekostet hat das Ganze wirklich nicht viel. Mit weit unter 100€ kann man sehr viele Gruppen zusammenstellen und so bedarfsoptimiert die Verbraucher zu- und wegschalten.
Einfach mal ausprobieren!
Über die Datenschutzrechtlichen bedenken wird hier natürlich wieder kein Wort verloren. Diese "Smarten" Stromzähler liefern nämlich nicht nur tolle Daten an den Verbraucher, sondern vor allem an der Versorger!
Die Erfassung und Auswertung der Verbrauchsdaten gestattet weitreichende Rückschlüsse über die Lebensgewohnheiten wie z.B. :
Wann wird aufgestanden, wann wird das Haus verlassen? Wann wird gekocht, geduscht, Fernsehen geschaut oder die Toilette benutzt? Sind die Bewohner verreist? Wieviel Personen halten sich wie lange in der Wohnung auf?
Das geht meinen Stromlieferanten gewiss nichts an, und wer garantiert denn, daß diese Daten nur dort ausgewertet werden? Freuen sich die Einbrechertruppen, demnächst, daß sie ganz in Ruhe analysieren können, wann welches Haus leer steht? Was mit all den gesammelten Daten angestellt werden kann und welche Begehrlichkeiten geweckt werden, wissen wir hoffentlich inzwischen alle. Gibt es demnächst Vorratsdatenspeicherung nicht nur zu Telefongesprächen sondern auch zum Stromverbrauch?
Mir gefällt mein alter Zähler und der Nutzen der neuen "Wunderwerke" steht in keinem Verhältnis zu den Risiken die durch Sie entstehen. Was meine Tiefkühltruhe verbraucht kann ich auch mit einem Verbrauchszähler für 10€ aus dem Baumarkt feststellen, ohne daß mir danach haufenweise unbestellte Prospekte für Tiefkühltruhen ins Haus flattern oder das SEK meine Wohnung stürmt, weil ich ein "auffälliges" Stromprofil habe.
Letzte Nachricht aus der Anstalt: Die Revolution wird vertagt auf das Jahr 2010. Sie findet auch nicht mehr auf der Straße, sondern im Zähler statt. Wir bitten die ergriffen lauschende Hammelherde, evtl. in Spuren vorhandene revolutionäre Gelüste bis dahin unter Kontrolle zu halten.
PS: Dürfte ich evtl. um eine kleine Erläuterung des Zusammenhangs zwischen einem digital aufgemotzten Stromzähler und einer Revolution bitten. Als Beispiel würde mir auch eine sehr kleine Revolution genügen.
Wer glaubt denn noch an den Weihnachtsmann? Ich habe noch nie erlebt, dass technische Änderungen zum Zwecke der Stromersparnis auch wirklich Geld auf Dauer sparen, da die Einsparungen durch die nächsten Preiserhöhungen wieder ausgeglichen werden. Das ist System. Die Energiemafia würde doch Einnahmeverluste wegen der forcierten Sparkampagnen nicht akzeptieren. Die größten Heuchler - die dreckigen Vier.
Wer lässt denn heute seine Waschmaschine oder Kühltruhe aus Spass laufen? Die wissen genau, dass ein Privathaushalt kaum ins unermessliche nach unten einsparen kann. Es gibt einen unabdingbaren Mindestverbrauch. Und nicht jeder kann um Mitternacht seine Maschine anwerfen, wenn der Strom billig ist. Heute wird Geld durch andere Abhängigkeiten, wie Wartungsverträge, Mietgebühren und durch irreführende Tarife verdient. Tarifwechsel - das ständige wachsame Anpasen an neue Angebote - kostet auch Geld.
Das liebe Kleingedruckte liest ja nicht jeder. Neue Zähler braucht das Land? ich würde sagen, hier verdient sich wieder eine Lobby dumm und dämlich. Diese Zähler bringen natürlich viel Geld durch neue Mietgebühren u. ggf Sonderleistungen (Premiumdienste) ein. Der reale Leistungsgegenstand - die eigentliche Stromversorgung - gerät dabei immer mehr in den Hintergrund. Man gaukelt uns einen Wettbewerb vor, der einfach nicht existiert...
Würde der Stromzähler auch noch als Router für interne Internetsysteme fungieren, entsteht ein noch höherer Mehrwert. Das ist der Sinn - Kasse machen durch augenwischende und vernebelnde Mehrwertpolitik.
Ich bin zwar kein Strom-experte, aber wie soll das gehen: wenn die Angebots-Spitze, z.B. aus der Windstromerzeugung, zum Maß aller Dinge gemacht wird. Geht das mit den vorhandenen Netzen überhaupt? Bisher war doch - wenn ich das richtig verstanden habe - eine Abstumpfung von Nachfrage-Spitzen das Ziel, und Netze werden mit "Gleichzeitigkeitsfaktoren" ausgelegt. Geht das also überhaupt, wen alle Waschmaschinen zugleich loslaufen? Die Öko-Apologeten sagen dann ganz einfach: Die Netze müssen dichter, die Drähte dicker werden. Daß das Geld kostet, das wird nur in sehr vernebelten Sätzen zugegeben. Und Kupfer scheint man in diesen Kreisen auch für eine unbegrenzt verfügbare Ressource zu halten.
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