US-Bankenrettung Der Anfang vom Ende der Finanzkrise?

Tim im Glück: Während Washington schon die Messer gegen den Finanzminister wetzte, schießt der Kurswert von Timothy Geithner zusammen mit dem Dow-Jones nach oben

Finanzminister Timothy Geithner hat in seiner kurzen Amtszeit schon viel Kritik einstecken müssen

Finanzminister Timothy Geithner hat in seiner kurzen Amtszeit schon viel Kritik einstecken müssen

Die Karikaturisten rissen schon Witze über den kommenden Rauswurf des jungen Finanzministers Timothy "Tim" Geithner, da brüllte die Börse laut "Glückauf" und schoss am Montag um 500 Punkte nach oben. Das sind knapp sieben Prozent – und der fünftgrößte Anstieg in der Geschichte des Dow-Jones. Am Dienstag hielt der Dow Jones Index erst die Gewinne, zum Börsenschluss lag der Index  dann im Minus mit 1,5 Prozent. 

Was war am Montag geschehen? Geithner hatte ein Billionen-Programm aufgelegt, das den Banken ihre "giftigen” Papiere und Hypotheken abnehmen soll. Das Schatzministerium selber hatte 75-100 Milliarden Dollar in den Topf geworfen. Dem sollen private Gelder in ein Public-Private Investment Program folgen und so bis zu einer Billion generieren. (Das ist eine Eins mit zwölf Nullen.)

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Zwar gab es die üblichen Nörgeleien, aber die Börse reagierte enthusiastisch, und die hat bekanntlich immer Recht. Jedenfalls gab sie für den Moment dem Treasury Secretary Recht, der gestern im Wall Street Journal geschrieben hatte, dieses Programm sei "Teil einer Gesamtstrategie, welche die Krise so schnell wie möglich lösen soll, und dies zu den geringstmöglichen Kosten für den Steuerzahler." Geithner fügte hinzu: "Die schlichte Hoffnung, wonach die Banken diese (toxischen) Papiere selber entgiften könnten, riskierte die Wiederholung der japanischen Erfahrung." Damit meinte er das "verlorene Jahrzehnt" der Stagnation in Japan, als die Banken zur Sanierung weder gezwungen noch in diesem Versuch vom Staat unterstützt wurden.

Wäre "Tim im Glück" nur ein Phänomen der Börse, müsste man sich mit Wallstreet-zum-Wochenbeginn nicht lange aufhalten. Interessanter, weil "realer", ist eine noch bessere Nachricht aus dem Immobiliensektor. In Amerika, dem Land der Eigenheime, ist der ein besonders guter Frühindikator. Wichtige Variablen sind neue Bauanträge, die Umschlaggeschwindigkeit auf dem Häusermarkt und die Preisbewegungen.

Leser-Kommentare
  1. Während die ersten Forderungen nach einer meuen "Leitwährung für die Welt" erhoben werden, mit unabsehbaren Konsequenzen für das Weltfinanzsystem und für die Weltwirtschaft, übt Herr Joffe sich im Gesundbeten :

    Kampf gegen den Dollar

    Angst vor der nächsten Krise: China hat eine neue Leitwährung für die Welt gefordert - damit der Dollar keinen Schaden mehr anrichtet.

    http://www.sueddeutsche.d...

    Die Vermögenden sollten langsam begreifen, was auf dem Spiel steht,
    und ihren im neoliberalen Wahn erworbenen Reichtum zur Lösung der Weltkrise einbrigen, ehe eine eskalierende Eigendynamik zu irreversiblen unerwünschten Zustaänden führt.

    In den USA baut sich offensichtlich ein HASS auf, der zum Sprengsatz eskalieren kann:

    Der Volkszorn in der Krise
    Unmut in den USA

    24.03.2009, 16:31

    Von Andrian Kreye

    "Man sollte sie aus ihren Chefetagen zerren und mit einem Genickschuss erledigen": In den USA ist die Krisen-Debatte von unverhohlenem Hass geprägt."

    http://www.sueddeutsche.d...

    • peto1
    • 24.03.2009 um 20:31 Uhr

    Alles nur Trickserei, aber wenns hilft warum nicht..

    • Seckel
    • 24.03.2009 um 20:38 Uhr

    Vor aller Augen vollzieht sich gegenwärtig das, was Marcuse Bewegung des Eindimensionalen nannte. Anstatt sich zu entscheiden, ein solches stets vergebliche Unterfangen zu unterlassen, erliegen offenbar immer wieder welche der Versuchung, sich an dessen höchst kuriosen Blüten zu ergötzen.

  2. was wir vom gleichen Autor lesen dürfen, wenn der Dow-Jones Index demnächst auf dem Niveau liegt, das derzeit der Dax hat. Knapp über 4000.
    Keine Panik, alles wird gut. Amerikaner kaufen wieder mehr Häuser.
    Auf Kredit. Zeit für neue Derivate.

  3. Da stellt die US-Regierung den Spekulanten eine weitere Billion US-Dollar Steuergelder zum Zocken zur Verfügung, die Kursen schießen für ein, zwei Tage in die Höhe und der "Wirtschaftsweise" Joffe erkennt die Erholung der US-Wirtschaft.

    Und morgen oder übermorgen ist die Billion wieder verpufft, sitzt die Finanzbranche doch auf faulen Wertpapieren im Gegenwert von Billiarden, und da sind Billionen halt nur Peanuts.

    Mal ein Tip für Herrn Joffe und natürlich auch für unsere Bundesregierung, insbesondere unserer system-irrelevanten Finanzminister.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    der klammert sich natürlich verzweifelt an jeden Strohhalm. So auch Herr Joffe, der jedes Kursstrohfeuer, das mit frisch gedruckten Dollarnoten der FED entfacht wird, als Zeichen eines baldigen Endes der Finanz- und Wirtschaftsmisere deutet. Gemach, gemach: So schnell wird uns diese Krise nicht verlassen. Das Schlimmst kommt für Deutschland ja erst noch.

    der klammert sich natürlich verzweifelt an jeden Strohhalm. So auch Herr Joffe, der jedes Kursstrohfeuer, das mit frisch gedruckten Dollarnoten der FED entfacht wird, als Zeichen eines baldigen Endes der Finanz- und Wirtschaftsmisere deutet. Gemach, gemach: So schnell wird uns diese Krise nicht verlassen. Das Schlimmst kommt für Deutschland ja erst noch.

  4. 1000 Millionen + 1000 Millionen + 1000 Millionen + ..
    und es wird nach drei Wiederholungen schon langweilig...

    Man müßte es aber 30x wiederholen, oder 100x , oder 1000x , um eine Vorstellung über diese Zahlen zu bekommen.

    Niemand der schnellen Kommentatoren analysiert, was hier genau gemacht werden soll. Niemand hat eine Vorstellung, wie die Sache ausgehen wird.

    Die Zockerei wird jedenfalls immer toller: 20 % und mehr Rendite an einem einzigen Tag. Der blöde Malocher am Fließband, der mit 2 % Rendite im Jahr abgespeist wird, darf die Verluste der Zocker tragen. Denn die Arbeit der Zocker ist "systemisch". Also muß, soviel haben die Talk-Shows erfolgreich vermittelt, der Steuerzahler einspringen.

    Herr Joffe´s Analyse zum Geithner-Plan erschöpft sich - Talk-Show-erprobt - in Aussagen wie "die Börse reagierte enthusiastisch, und die hat bekanntlich immer Recht".

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    In dem von mir gesetzten Link, schlägt Galbraith vor Banken nicht mit Steuergeldern künstlich am Leben zu erhalten, sondern ein Konkursverfahren durchzuführen, wobei das "traditionelle" Bankgeschäft gerettet werden sollte. Da aber das System als ganzes Bankrott ist, sollte es auch komplett einem Konkursverfahren unterworfen werden, statt es mit Billionen von Steuergeldern noch ein paar Wochen oder Monate künstlich am Leben zu erhalten.

    In dem von mir gesetzten Link, schlägt Galbraith vor Banken nicht mit Steuergeldern künstlich am Leben zu erhalten, sondern ein Konkursverfahren durchzuführen, wobei das "traditionelle" Bankgeschäft gerettet werden sollte. Da aber das System als ganzes Bankrott ist, sollte es auch komplett einem Konkursverfahren unterworfen werden, statt es mit Billionen von Steuergeldern noch ein paar Wochen oder Monate künstlich am Leben zu erhalten.

  5. In dem von mir gesetzten Link, schlägt Galbraith vor Banken nicht mit Steuergeldern künstlich am Leben zu erhalten, sondern ein Konkursverfahren durchzuführen, wobei das "traditionelle" Bankgeschäft gerettet werden sollte. Da aber das System als ganzes Bankrott ist, sollte es auch komplett einem Konkursverfahren unterworfen werden, statt es mit Billionen von Steuergeldern noch ein paar Wochen oder Monate künstlich am Leben zu erhalten.

    • HBogon
    • 24.03.2009 um 21:37 Uhr

    Herr Joffe schreibt halt verzweifelt an gegen der fortwährenden freien Fall der Weltwirtschaft und die zunehmenden, sehr berechtigten Unruhen. Er will sich und seinen Kumpanen der sog. "Elite" den Kopf retten und Hoffnung verbreiten. Hoffnung auf was?

    Aber es gibt die Macht des Faktischen (jahrelange kriminelle Finanztransaktionen in unbekannter Höhe), an der auch eine Ansammlung von Soziopathen an den Börsen nichts ändern werden. Natürlich wirkt 1 Billion Dollar auf diese eindimensional tickenden Geldsäcke wie eine Droge. Die Wirkung dieser Droge wird aber spätestens in einer Woche verpufft sein.

    An der Wall Street machen übrigens die Wahrsager (die mit der Glaskugel, nicht die Finanzexperten) derzeit die Geschäfte ihres Lebens.
    Noch Fragen?

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