Das große Kreuzfahrtschiff passte kaum durch die enge Ems. Schlepper zogen es Anfang März in Richtung Nordsee. Das Clubschiff kam von der Meyer Werft, und es war bereits das zweite, das sie in diesem Jahr auf Jungfernfahrt schickte.

Die Werft ist bis ins Jahr 2012 ausgelastet - und damit die Ausnahme in einer Branche, der es derzeit sehr schlecht geht. Dass sie auf Luxusliner spezialisiert ist, ist ihr Glück. Unternehmen aber, die Containerschiffe fertigen, trifft die Wirtschaftskrise hart. Vor allem die kleineren Schiffbauer leiden.

Seit November vergangenen Jahres verbuchen die Werften kaum noch neue Aufträge, klagt der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), in dem sich die deutschen Werften und ihre Zulieferer zusammengeschlossen haben. 2008 lieferten sie noch 84 neue Schiffe aus. Damit machten sie 4,4 Milliarden Euro Umsatz - ein Rekordergebnis, sagt der Verband. Doch zugleich sank der Auftragseingang auf das niedrigste Niveau seit 2001. Nur 46 neue Bestellungen gingen ein.

Damit haben die Werften noch rund 170 Bauaufträge in ihren Büchern stehen. Rein rechnerisch sichere das die Beschäftigung der Belegschaft für drei Jahre, teilt der VSM mit. Danach sehe es düster aus.

Ernste Probleme zeigen sich schon jetzt. Bei vielen Aufträgen ist die Endfinanzierung nicht gesichert. Es fehlen 900 Millionen Euro, sagt der VSM. In der Regel zahlt der Kunde zunächst 20 Prozent des Kaufpreises an. Die restliche Summe errichten die Reeder nach der Ablieferung. Häufig nehmen sie die Hilfe von Banken in Anspruch, um die großen Beträge zu stemmen. Jetzt aber fällt es den Logistikunternehmen schwer, neue Kreditgeber zu finden, denn durch die Krise ist das Angebot an Containerschiffen weltweit ohnehin zu groß.

Allein die Marinesparte von ThyssenKrupp hat sechs Aufträge für Containerschiffe eingebüßt. 500 Millionen Euro will der Stahlkonzern nun in diesem Geschäftsbereich einsparen – die Hälfte bei den Personalkosten. Wo gespart werden soll, will das Unternehmen erst nach einer Aufsichtsratssitzung am 27. März verraten. "Zurzeit kann ich keine verlässlichen Aussagen treffen", beantwortet eine Sprecherin von ThyssenKrupp Marine Systems Fragen nach wirtschaftlichen Folgen der Krise.

Deren Ausmaße überraschte die Großen in der Branche ebenso wie die Kleinen. Der Nordseewerft in Emden brachen zwei Aufträge für Containerschiffe weg. Die Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (HDW) aus Kiel hat ab April Kurzarbeit für den Containerbau beantragt. Auch sie musste die Arbeit an zwei Containerschiffen stoppen, weil die Auftraggeber keine sichere Finanzierung mehr hatten. 2400 Angestellte arbeiten für HDW in Kiel.