Trauer in Winnenden Abschied von den Opfern
Unter großer öffentlicher Anteilnahme wurde in Winnenden der Amok-Opfer gedacht. Die Trauer erzählt davon, wie eine Gemeinschaft in ihren Grundfesten erschüttert ist

© Steffen Kugler/Bundesregierung-Pool/Getty Image
Trauerfeier in Winnenden: Schüler und Lehrer der Albertville-Realschule am Samstag in der Kirche St. Karl Borromäus
Um an der Trauerfeier teilzunehmen, musste man ins örtliche Stadion. Von allen Seiten strömen die Menschen an diesem sonnigen Samstagmorgen ins Herbert-Winter-Stadion in Winnenden, vorbei auch an der Albertville Realschule. Lange schwarze Bänder sind vor der Schule aufgespannt, der Boden ist voll mit Blumen, Kerzen und Briefen.
Das Stadion ist gerüstet wie für ein Sportereignis, überall Kontrollen, Absperrungen und Sicherheits-Leute. Vorne steht eine Großbildleinwand, über die die Bilder vom Trauergottesdienst aus der Kirche St. Karl Borromäus flimmern. Die Bilder von den Politikern und die Bilder von den Schülern, die in schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift „We have a dream" in die Kirche gekommen sind. Die Bilder von den fünfzehn Kerzen auf dem Altar, für die acht Mädchen und den Jungen, für die drei Lehrerinnen und die drei Passanten, die Tim K. am Morgen des 11. März mit der Waffe seines Vaters erschoss, bevor er sich selbst tötete.
Für Tim K. gibt es keine Kerze. Viele wollen seinen Namen aus dem kollektiven Gedächtnis löschen. Die Familien von fünf getöteten Mädchen haben einen offenen Brief geschrieben, in dem sie fordern, dass der Name des Amokläufers in den Medien nicht mehr genannt wird. Zeitungsberichten zufolge wurde Tim K. bereits vor einigen Tagen eingeäschert und beerdigt, auf einem Waldfriedhof in einem anonymen Grab.
Winnenden, die Kleinstadt zwanzig Minuten von Stuttgart entfernt. Ein schmucker Ortskern mit schönen alten Häusern, rundherum Zweckbauten, Firmensitze, Autohäuser, Shopping Center. Der Journalist Clemens Wergin, der in Winnenden aufgewachsen ist, schrieb in der Welt , dass den meisten Leuten zu Winnenden der Reim „Winnenden-Spinnenden" einfällt, wegen des Psychiatrischen Krankenhauses von Winnenden. An dem Reim wird die Stadt jetzt schwerer zu schlucken haben. Winnenden steht in einer Reihe mit all den anderen Orten von Amokläufen, mit Jonesboro und Littleton, mit Erfurt und Emsdetten.
„Die ganze Stadt ist in einen Schleier der Trauer gehüllt", hat jemand auf einen der vielen Zettel vor der Schule geschrieben. Wohin man sieht, Kerzen, Blumen und schwarze Schleifen. In den Schaufenstern hängen Traueranzeigen, die Geschäfte haben geschlossen. Die Menschen sind verhalten und still.
In der Sporthalle gegenüber der Albertville Realschule stehen Tische und Stühle, dazwischen gehen Betreuer mit gelben Schildern auf und ab. Sie sprechen mit jedem, der reden will, und sie lassen die in Ruhe, die nicht wissen, was sie sagen sollen. Rotkreuz-Leute in ihren roten Jacken verteilen belegte Brote und schenken aus Thermoskannen Kaffee aus. Ihre Anwesenheit wirkt nicht verlegen, es hat eher etwas Routiniertes, Professionelles. Wie auf einer eingeschneiten Autobahn, wo die Autofahrer mit Tee und Decken versorgt werden müssen.
- Datum 21.03.2009 - 19:08 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Tagtäglich rund um die Uhr ereignet sich sozialer Tod hunderttausendfach, weil Menschen körperlich nicht mehr gegenwärtig sind. Betreibt hingegen ein Einzelner wie jüngst im Württembergischen die nie zu erreichende Ökonomie, Abwesendes an die Stelle des Gegenwärtigen setzen zu wollen, fehlen diesem wesentliche Einsichten nicht zuletzt in sich selbst. Eine solche bereits durch die Wirklichkeit von vornherein stets ausgeschlossene Ökonomie kann also keine Erschütterungen des Gesellschaftlichen je zur Folge haben. Empfindet man dennoch Trauer für die Ermordeten, hat dies seinen Grund nicht darin.
ja es ist ihr täglich Brot zu berichten auch von von Unbeschreiblichen.
Nun eine Bitte, es ist jetzt genug. Heben sie diesen Belagerungszustand über Winnenden auf und lassen die armen Menschen endlich in Frieden, sie haben es schon schwer genug.
Albertville Realschule Winnenden
Ich habe es Katastrophe genannt. Nicht Unglück, nicht Verbrechen und erst im zweiten Gedanken Amoklauf. Es ist eine Katastrophe. Aristhoteles beschrieb in seinem Werk „Poetik“ die Katastrophe als auflösenden Abschluss einer aufgeführten Tragödie. Für uns heute bedeutet der Begriff der Katastrophe etwas, das schlimm ist, unvorhergesehen eintrat und den Menschen in einen Ausnahmezustand versetzt. Und ebendieser Ausnahmezustand ist es, der mir doch insbesondere auffällt. Er entsteht aus der Unvorstellbarkeit, die sich im Alltagsleben von uns einnistet. Wir sehen unser Leben nicht gefährdet. Der Tod ist uns fern und jenen, denen er nahe ist, schenken wir keine Aufmerksamkeit mehr. Wir tun höchstens so. Einem alten Mann, den wir nach seinem Befinden fragen und der uns antwortet, dass sein Körper nun langsam „nicht mehr mit mache“, antworten wir aus Verlegenheit oder Routine so etwas wie: „ Man wird ja auch nicht jünger.“. Aber wie fühlt es sich wohl an, wenn ein Mensch bei vollem Bewusstsein sein Dahinscheiden „erleben“ muss? Lässt sich diese Ohnmacht gegenüber der Natur überhaupt in Worte fassen? Ich wüsste es gerne.
Tim K.s Amoklauf und seine Folgen sind eine Katastrophe. Was ihn dazu bringen konnte, den Respekt vor dem Leben seiner Mitmenschen und vor seinem eigenem völlig außer Acht zu lassen, jeden Gedanken daran zu verdrängen, was er seiner eigenen Familie und den Familie seiner Opfer antut und sich als Werkzeug des Hasses zur Verfügung zu stellen. Auch das wüsste ich gerne.
Wie lieblos muss seine Welt gewesen sein. Wie verloren muss er gewesen sein. Und er war machtlos gegenüber der Verlockung, die ihn zu dieser Tat trieb. Es war ihm nicht möglich, seinen Verstand zu gebrauchen. Er konnte die Stimme seines Herzens nicht hören. Denn diese hätten ihm verboten das zu tun, was er tat. Ich lese jetzt, dass man fordert, dass sein Name aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt werden soll. Aber ich möchte daran erinnern, dass Tim K. ein Mensch war. Er war einer von uns. Ebenso wie seine Opfer. Diese Katasrophe geschah unter uns. Sie ist ihm ebenso widerfahren, wie uns. Tim hat sich selbst getötet. Das bedeutet auch, dass er ebenfalls ein Opfer dieses Amoklaufes wurde. Was können wir tun, um so etwas zu verhindern? Politiker schreien sich nach Verboten heißer. Aber wer schreit eigentlich die Frage heraus, wo die Liebe hin verschwunden ist in unserer Gesellschaft.
Sie ist bei all der objektiven Rationalität und Sachlichkeit die einzige, die solche Katastrophen verhindern kann. Die einzige.
Für Tim K. gab es keine Kerze. Die Liebe ist nicht mehr unter uns.
haben sich die Mitschüler noch erhängt. Es war nicht nur ein Mitschüler, der den Strick nahm, im Lauf der Jahre am Gymnasium waren es 4 kleine Schülerlein, im Alter von 12, 15, 16, 18. Noch Fragen? Achja: Die Lehrer hatten welche, bei jeder anfallenden Beerdigung dieselbe: Warum? Ich würde zur Beantwortung dieser Frage Hermann Hesse empfehlen: Unterm Rad. Die deutsche Gesellschaft hat sich nicht wirklich geändert, seitdem.
Neu ist nur die Erweiterung des Selbstmords. Es mag zur Vermeidung der Erweiterung des Selbstmords helfen, Killerspiele und Waffen im Haus zu verbieten, am Grundskandal ändert das nichts. Dass der Tod für deutsche Schüler so attraktiv ist.
Übrigens: Ich lebe seit geraumer Zeit in Südamerika, an meinem Aufenthaltsort (südamerikanische Metropole) gibt es eine Deutsche Schule. Im letzten Jahr hat sich genau ein südamerikanischer Schüler aus dem Hochhaus gestürzt und ist gestorben. Raten Sie, auf welche Schule der ging? Auf die deutsche (wird übrigens von der Schulleitung gar nicht gern gehört, wenn man "sowas" erwähnt.)
Wie gesagt: Im Land sind sonst eigentlich keine Selbstmorde von Schülern bekannt.
Die Deutsche Schule wird von Einheimischen übrigens auch keineswegs im Zusammenhang von Vokabeln wie: Tolle Lehrer, gute Wissensvermittlung, super Ausstattung, Intelligenz, Kreativität..... erwähnt, eher im Wortumfeld: Streng, anstrengend, fordernd. Fordernd - jetzt stelle ich mal die Frage - wozu? Wenn bei der ganzen Anstrengung gerade mal Mittelklasse rauskommt, dann ist das zuwenig! Und raten Sie, welche Schule mein Kind besucht: Die Deutsche Schule ist es jedenfalls garantiert NICHT! Mein Kind ist mir viel zu schade dazu!
1. "Für Tim K. gab es keine Kerze. Die Liebe ist nicht mehr unter uns."
Ich meine doch ernsthaft, dass es noch zu früh ist, dem Täter als Opfer (Von wem oder was eigentlich genau?) ebenfalls zu gedenken. Keiner kann den Angehörigen, Freunden und Mitschülern der Opfer eine solche Geste zu diesem Zeitpunkt abverlangen. Respekt vor jenen, die sich dazu in der Lage sehen. Ich wäre es nicht!
2. "Ich lese jetzt, dass man fordert, dass sein Name aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt werden soll."
Der Grund für diese durchaus sinnvolle Forderung liegt nicht in einer vermeintlich angestrebten Entmenschlichung bzw. Dämonisierung der Person Tim K.s. Es geht vielmehr darum, dem mehrfachen Mörder, den von ihm mit seiner infamen Tat angestrebten, zweifelhaften gesellschaftlichen "Ruhm", zu verweigern, indem man die mediale Dauerpräsenz seines Namens unterbindet. In einer Zeit, in der (nicht nur, aber insbesondere) für viele Jugendliche mediale Selbstinszenierung bzw. das Erlangen öffentlicher Bekanntheit per se als Ideal dient, erlangt nämlich selbst ein gesellschaftlich geächteter Mörder wie Tim K. post mortem eine unbeabsichtigte (??) fragwürdige Ehrung. Die jugendlichen Amokläufer wählten den öffentlichen Ort "Schule" nämlich nicht nur, da sie ihn mit persönlichen Kränkungen und /oder ihrem sozialen Scheitern verbanden, sondern auch, weil er sich wie kein zweiter für die finale Selbstinszenierung "eignet". Zum einen sind hier natürlich alle Personen versammelt, auf die der Täter seinen Selbsthass projeziert (Lehrer, Mitschüler), also die unmittelbaren Adressaten seiner Machtdemonstration. Zum anderen zerstört er hier brachial und endgültig die gesellschaftliche Illusion von der Schule als Schutzraum der Jugend vor schädlichen Einflüssen der "Erwachsenenwelt". Damit verletzt er einen sensiblen Nerv der Gesellschaft. Die mediale Präsenz ist garantiert. Der finale Auftritt (finale Hilferuf??) wird wochenlang bundesweit in allen Medien zu sehen sein.
3. "Der Tod ist uns fern und jenen, denen er nahe ist, schenken wir keine Aufmerksamkeit mehr." --> Diese Aussage impliziert die Annahme einer historischen Gesellschaft, in der Menschen, die mit dem Tod konfrontierte waren, mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit zuteil wurde. Dies wollen Sie nicht ernsthaft behaupten?
4. "Es war ihm nicht möglich, seinen Verstand zu gebrauchen. Er konnte die Stimme seines Herzens nicht hören." Sein Herz sagte ihm scheinbar, er solle 15 Menschen erschießen. Der Einsatz des Verstandes schützt im Übrigen keinesfalls vor grausamen Handlungen. Das Moral allein aus Verstand erwächst (bzw. allein aus ihm erwachsen kann), war ein Kantscher Irrtum (zum Glück!!). Moral erwächst auch aus Emotionen und ist daher durchaus dynamischer Natur, wie sich am Verhalten von massenmordenden Diktatoren, wie Hitler, Stalin, Pol Pot ..........etc., beispielhaft ablesen lässt. Sie alle folgten ihrer selbstkonstruierten Moral und ihrem Verstand, die jedoch beide stets emotionsabhängig waren und sind. Die Trennung von Verstand und Emotion ist eine begriffliche, aber keine reale (wie Neurowissenschaftler zu bestätigen wissen)!
Natürlich kann und muss eine Gesellschaft versuchen, mit ihrem moralischen Konsens (sofern vorhanden) in der Sozialisation des Individuums auf dessen moralische Entwicklung Einfluss zu nehmen. Da die individuellen und „kollektiv-gesellschaftlichen“ Emotionen jedoch die Wertebildung, also die Moral ungleich mehr beeinflussen als die“ Vernunft“ es kann, werden auch in Zukunft brutale Verbrechen wie dieses geschehen. Dies kann weder Bildung noch Erziehung, noch emotionale Zuwendung gewährleisten. Am ehesten, und hier gebe ich Ihnen recht, kann dies letzteres leisten.
Amokläufe entstehen im seltensten Fall aus spontanen Affekten, sondern sind gezielt geplante und akribisch vorbereitete Aktionen. Wer regiert denn nun hier wen? Der Verstand die Emotionen oder die Emotionen den Verstand?
haben sich die Mitschüler noch erhängt. Es war nicht nur ein Mitschüler, der den Strick nahm, im Lauf der Jahre am Gymnasium waren es 4 kleine Schülerlein, im Alter von 12, 15, 16, 18. Noch Fragen? Achja: Die Lehrer hatten welche, bei jeder anfallenden Beerdigung dieselbe: Warum? Ich würde zur Beantwortung dieser Frage Hermann Hesse empfehlen: Unterm Rad. Die deutsche Gesellschaft hat sich nicht wirklich geändert, seitdem.
Neu ist nur die Erweiterung des Selbstmords. Es mag zur Vermeidung der Erweiterung des Selbstmords helfen, Killerspiele und Waffen im Haus zu verbieten, am Grundskandal ändert das nichts. Dass der Tod für deutsche Schüler so attraktiv ist.
Übrigens: Ich lebe seit geraumer Zeit in Südamerika, an meinem Aufenthaltsort (südamerikanische Metropole) gibt es eine Deutsche Schule. Im letzten Jahr hat sich genau ein südamerikanischer Schüler aus dem Hochhaus gestürzt und ist gestorben. Raten Sie, auf welche Schule der ging? Auf die deutsche (wird übrigens von der Schulleitung gar nicht gern gehört, wenn man "sowas" erwähnt.)
Wie gesagt: Im Land sind sonst eigentlich keine Selbstmorde von Schülern bekannt.
Die Deutsche Schule wird von Einheimischen übrigens auch keineswegs im Zusammenhang von Vokabeln wie: Tolle Lehrer, gute Wissensvermittlung, super Ausstattung, Intelligenz, Kreativität..... erwähnt, eher im Wortumfeld: Streng, anstrengend, fordernd. Fordernd - jetzt stelle ich mal die Frage - wozu? Wenn bei der ganzen Anstrengung gerade mal Mittelklasse rauskommt, dann ist das zuwenig! Und raten Sie, welche Schule mein Kind besucht: Die Deutsche Schule ist es jedenfalls garantiert NICHT! Mein Kind ist mir viel zu schade dazu!
1. "Für Tim K. gab es keine Kerze. Die Liebe ist nicht mehr unter uns."
Ich meine doch ernsthaft, dass es noch zu früh ist, dem Täter als Opfer (Von wem oder was eigentlich genau?) ebenfalls zu gedenken. Keiner kann den Angehörigen, Freunden und Mitschülern der Opfer eine solche Geste zu diesem Zeitpunkt abverlangen. Respekt vor jenen, die sich dazu in der Lage sehen. Ich wäre es nicht!
2. "Ich lese jetzt, dass man fordert, dass sein Name aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt werden soll."
Der Grund für diese durchaus sinnvolle Forderung liegt nicht in einer vermeintlich angestrebten Entmenschlichung bzw. Dämonisierung der Person Tim K.s. Es geht vielmehr darum, dem mehrfachen Mörder, den von ihm mit seiner infamen Tat angestrebten, zweifelhaften gesellschaftlichen "Ruhm", zu verweigern, indem man die mediale Dauerpräsenz seines Namens unterbindet. In einer Zeit, in der (nicht nur, aber insbesondere) für viele Jugendliche mediale Selbstinszenierung bzw. das Erlangen öffentlicher Bekanntheit per se als Ideal dient, erlangt nämlich selbst ein gesellschaftlich geächteter Mörder wie Tim K. post mortem eine unbeabsichtigte (??) fragwürdige Ehrung. Die jugendlichen Amokläufer wählten den öffentlichen Ort "Schule" nämlich nicht nur, da sie ihn mit persönlichen Kränkungen und /oder ihrem sozialen Scheitern verbanden, sondern auch, weil er sich wie kein zweiter für die finale Selbstinszenierung "eignet". Zum einen sind hier natürlich alle Personen versammelt, auf die der Täter seinen Selbsthass projeziert (Lehrer, Mitschüler), also die unmittelbaren Adressaten seiner Machtdemonstration. Zum anderen zerstört er hier brachial und endgültig die gesellschaftliche Illusion von der Schule als Schutzraum der Jugend vor schädlichen Einflüssen der "Erwachsenenwelt". Damit verletzt er einen sensiblen Nerv der Gesellschaft. Die mediale Präsenz ist garantiert. Der finale Auftritt (finale Hilferuf??) wird wochenlang bundesweit in allen Medien zu sehen sein.
3. "Der Tod ist uns fern und jenen, denen er nahe ist, schenken wir keine Aufmerksamkeit mehr." --> Diese Aussage impliziert die Annahme einer historischen Gesellschaft, in der Menschen, die mit dem Tod konfrontierte waren, mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit zuteil wurde. Dies wollen Sie nicht ernsthaft behaupten?
4. "Es war ihm nicht möglich, seinen Verstand zu gebrauchen. Er konnte die Stimme seines Herzens nicht hören." Sein Herz sagte ihm scheinbar, er solle 15 Menschen erschießen. Der Einsatz des Verstandes schützt im Übrigen keinesfalls vor grausamen Handlungen. Das Moral allein aus Verstand erwächst (bzw. allein aus ihm erwachsen kann), war ein Kantscher Irrtum (zum Glück!!). Moral erwächst auch aus Emotionen und ist daher durchaus dynamischer Natur, wie sich am Verhalten von massenmordenden Diktatoren, wie Hitler, Stalin, Pol Pot ..........etc., beispielhaft ablesen lässt. Sie alle folgten ihrer selbstkonstruierten Moral und ihrem Verstand, die jedoch beide stets emotionsabhängig waren und sind. Die Trennung von Verstand und Emotion ist eine begriffliche, aber keine reale (wie Neurowissenschaftler zu bestätigen wissen)!
Natürlich kann und muss eine Gesellschaft versuchen, mit ihrem moralischen Konsens (sofern vorhanden) in der Sozialisation des Individuums auf dessen moralische Entwicklung Einfluss zu nehmen. Da die individuellen und „kollektiv-gesellschaftlichen“ Emotionen jedoch die Wertebildung, also die Moral ungleich mehr beeinflussen als die“ Vernunft“ es kann, werden auch in Zukunft brutale Verbrechen wie dieses geschehen. Dies kann weder Bildung noch Erziehung, noch emotionale Zuwendung gewährleisten. Am ehesten, und hier gebe ich Ihnen recht, kann dies letzteres leisten.
Amokläufe entstehen im seltensten Fall aus spontanen Affekten, sondern sind gezielt geplante und akribisch vorbereitete Aktionen. Wer regiert denn nun hier wen? Der Verstand die Emotionen oder die Emotionen den Verstand?
War ja zu erwarten, dass einige die Trauerfeier politisch ausschlachten.
Bleibt also festzuhalten.
1. Ministerpräsidnet Oettinger, Innenminister Resch und Kultusminister Rau waren natürlich am 11. März vor Ort.
2. Merkel und Köhler haben nach dem Gottesdienst/Staatsakt mit den Familien gesprochen.
3. Wenn Merkel oder Köhler gleich nach Winneden gereist wären, hätten Sie das nicht als Wahlkampf empfunden? Warum sollten sie das, sie können dort praktisch nichts tun. Mir persönlich ist es allemal lieber, die Politikerkaste sitzt zwei Stunden still in der Kirche und denkt über das Geschehene nach, als dass ein Politiker nach dem anderen angerauscht kommt und irgendetwas Sinnloses ins Mikrofon babbelt. Ich fand das während der Oderflut ganz grauenhaft und verlogen.
4. Zu Kommentar 1, der tatsächlich etwas Wichtiges anspricht: Den medialen Hype. Ich finde, der Trauergottesdienst ist unproblematisch. Hier standen die Opfer im Mittelpunkt, es war unaufgeregt und insgesamt durchdacht. Man darf so etwas auch im Fernsehen übertragen und die Bevölkerung mittrauern lassen.
Ansonsten war der Medienhype allerdings unerträglich. Ich finde, man muss nicht nur im Hinblick auf die Jugendlichen von „medialer Verwahrlosung“ sprechen. Wenn die Medien eine Stadt so belagern und Menschen nicht trauern lassen, wenn mit Teleobjektiven in Friedhöfe fotografiert wird, wenn bei jedem Gespräch ein Reporter danebensteht, wenn die ARD kritisiert wird, weil sie ein wenig zu spät dran war, wenn alles in Endlosschleifen und Endlossonderseiten wiederholt wird etc. stimmt etwas ganz und gar nicht. Was die journalistische Nicht-Ethik betrifft kann man Winneden mit Gladbeck vergleichen. Das Ganze ist schamlos gegenüber den Opfer und es reizt neue Täter. Welcher 17-jährige schafft es denn auf den Titel des „Spiegel“? Hier ist dringend mediale Abrüstung nötig. Wenn es die Medien nicht selbst tun, werden es irgendwann Gesellschaft und Staat machen. Wollen die Medien das? Man kann notfalls auch große Gebiete für Kameras absperren, da soll sich keiner täuschen.
Der Bundesinnenminister hätte am 11.März vor Ort sein müssen. Ich wiederhole müssen.
Der Bundesinnenminister hätte am 11.März vor Ort sein müssen. Ich wiederhole müssen.
Entschuldigung, ich habe den Kommentar zum falschen Artikel plaziert. Es fühle sich bitte keiner meine Vorkommentatoren angesprochen.
Fragfix
haben sich die Mitschüler noch erhängt. Es war nicht nur ein Mitschüler, der den Strick nahm, im Lauf der Jahre am Gymnasium waren es 4 kleine Schülerlein, im Alter von 12, 15, 16, 18. Noch Fragen? Achja: Die Lehrer hatten welche, bei jeder anfallenden Beerdigung dieselbe: Warum? Ich würde zur Beantwortung dieser Frage Hermann Hesse empfehlen: Unterm Rad. Die deutsche Gesellschaft hat sich nicht wirklich geändert, seitdem.
Neu ist nur die Erweiterung des Selbstmords. Es mag zur Vermeidung der Erweiterung des Selbstmords helfen, Killerspiele und Waffen im Haus zu verbieten, am Grundskandal ändert das nichts. Dass der Tod für deutsche Schüler so attraktiv ist.
Übrigens: Ich lebe seit geraumer Zeit in Südamerika, an meinem Aufenthaltsort (südamerikanische Metropole) gibt es eine Deutsche Schule. Im letzten Jahr hat sich genau ein südamerikanischer Schüler aus dem Hochhaus gestürzt und ist gestorben. Raten Sie, auf welche Schule der ging? Auf die deutsche (wird übrigens von der Schulleitung gar nicht gern gehört, wenn man "sowas" erwähnt.)
Wie gesagt: Im Land sind sonst eigentlich keine Selbstmorde von Schülern bekannt.
Die Deutsche Schule wird von Einheimischen übrigens auch keineswegs im Zusammenhang von Vokabeln wie: Tolle Lehrer, gute Wissensvermittlung, super Ausstattung, Intelligenz, Kreativität..... erwähnt, eher im Wortumfeld: Streng, anstrengend, fordernd. Fordernd - jetzt stelle ich mal die Frage - wozu? Wenn bei der ganzen Anstrengung gerade mal Mittelklasse rauskommt, dann ist das zuwenig! Und raten Sie, welche Schule mein Kind besucht: Die Deutsche Schule ist es jedenfalls garantiert NICHT! Mein Kind ist mir viel zu schade dazu!
1. "Für Tim K. gab es keine Kerze. Die Liebe ist nicht mehr unter uns."
Ich meine doch ernsthaft, dass es noch zu früh ist, dem Täter als Opfer (Von wem oder was eigentlich genau?) ebenfalls zu gedenken. Keiner kann den Angehörigen, Freunden und Mitschülern der Opfer eine solche Geste zu diesem Zeitpunkt abverlangen. Respekt vor jenen, die sich dazu in der Lage sehen. Ich wäre es nicht!
2. "Ich lese jetzt, dass man fordert, dass sein Name aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt werden soll."
Der Grund für diese durchaus sinnvolle Forderung liegt nicht in einer vermeintlich angestrebten Entmenschlichung bzw. Dämonisierung der Person Tim K.s. Es geht vielmehr darum, dem mehrfachen Mörder, den von ihm mit seiner infamen Tat angestrebten, zweifelhaften gesellschaftlichen "Ruhm", zu verweigern, indem man die mediale Dauerpräsenz seines Namens unterbindet. In einer Zeit, in der (nicht nur, aber insbesondere) für viele Jugendliche mediale Selbstinszenierung bzw. das Erlangen öffentlicher Bekanntheit per se als Ideal dient, erlangt nämlich selbst ein gesellschaftlich geächteter Mörder wie Tim K. post mortem eine unbeabsichtigte (??) fragwürdige Ehrung. Die jugendlichen Amokläufer wählten den öffentlichen Ort "Schule" nämlich nicht nur, da sie ihn mit persönlichen Kränkungen und /oder ihrem sozialen Scheitern verbanden, sondern auch, weil er sich wie kein zweiter für die finale Selbstinszenierung "eignet". Zum einen sind hier natürlich alle Personen versammelt, auf die der Täter seinen Selbsthass projeziert (Lehrer, Mitschüler), also die unmittelbaren Adressaten seiner Machtdemonstration. Zum anderen zerstört er hier brachial und endgültig die gesellschaftliche Illusion von der Schule als Schutzraum der Jugend vor schädlichen Einflüssen der "Erwachsenenwelt". Damit verletzt er einen sensiblen Nerv der Gesellschaft. Die mediale Präsenz ist garantiert. Der finale Auftritt (finale Hilferuf??) wird wochenlang bundesweit in allen Medien zu sehen sein.
3. "Der Tod ist uns fern und jenen, denen er nahe ist, schenken wir keine Aufmerksamkeit mehr." --> Diese Aussage impliziert die Annahme einer historischen Gesellschaft, in der Menschen, die mit dem Tod konfrontierte waren, mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit zuteil wurde. Dies wollen Sie nicht ernsthaft behaupten?
4. "Es war ihm nicht möglich, seinen Verstand zu gebrauchen. Er konnte die Stimme seines Herzens nicht hören." Sein Herz sagte ihm scheinbar, er solle 15 Menschen erschießen. Der Einsatz des Verstandes schützt im Übrigen keinesfalls vor grausamen Handlungen. Das Moral allein aus Verstand erwächst (bzw. allein aus ihm erwachsen kann), war ein Kantscher Irrtum (zum Glück!!). Moral erwächst auch aus Emotionen und ist daher durchaus dynamischer Natur, wie sich am Verhalten von massenmordenden Diktatoren, wie Hitler, Stalin, Pol Pot ..........etc., beispielhaft ablesen lässt. Sie alle folgten ihrer selbstkonstruierten Moral und ihrem Verstand, die jedoch beide stets emotionsabhängig waren und sind. Die Trennung von Verstand und Emotion ist eine begriffliche, aber keine reale (wie Neurowissenschaftler zu bestätigen wissen)!
Natürlich kann und muss eine Gesellschaft versuchen, mit ihrem moralischen Konsens (sofern vorhanden) in der Sozialisation des Individuums auf dessen moralische Entwicklung Einfluss zu nehmen. Da die individuellen und „kollektiv-gesellschaftlichen“ Emotionen jedoch die Wertebildung, also die Moral ungleich mehr beeinflussen als die“ Vernunft“ es kann, werden auch in Zukunft brutale Verbrechen wie dieses geschehen. Dies kann weder Bildung noch Erziehung, noch emotionale Zuwendung gewährleisten. Am ehesten, und hier gebe ich Ihnen recht, kann dies letzteres leisten.
Amokläufe entstehen im seltensten Fall aus spontanen Affekten, sondern sind gezielt geplante und akribisch vorbereitete Aktionen. Wer regiert denn nun hier wen? Der Verstand die Emotionen oder die Emotionen den Verstand?
Ob Emotionen den Verstand regieren oder umgekehrt ist nicht von Bedeutung für solche Taten. Und ich denke nicht, dass Kant irrte. Meiner Meinung nach kann ein Mensch zwischen dem Richtigen und dem Falschen unterscheiden, sobald er entweder rational darüber denkt, d.h. für und wieder abwägt, vor- und nachdenkt und sich sein Vorhaben auch aus anderen Perspektiven betrachtet. Oder er lässt sich von der Stimme seines Herzens leiten. Und damit meine ich eben jene Liebe, die es nicht mehr zu geben scheint. Wie oft denken Sie über ihren eigenen Tod nach? Garantiert überhaupt nicht. Sie erwähnen ihn vielleicht hin und wieder gedanklich für sich selbst. Mehr jedoch auch nicht. Wie in tiefer Vergangenheit mit unserer Sterblichkeit umgegangen wurde, weiß ich nicht und ich bin sicher, auch Sie wüssten nur, was dazu in irgendwelchen Büchern steht. Aber ich weiß, wie heute damit umgegangen wird. Er wird verdrängt. Und erst nach einer Katastrophe wie dieser gelangt er wieder in unser Bewusstsein.
Glauben sie tatsächlich, wenn keine Zeitung mehr den Namen Tim K. erwähnt, dass man damit verhindern könnte, dass er glorifiziert wird von denen, die schon verloren sind und so eine Katastrophe ebenfalls schon planen?
Ich habe einen Artikel über einen polnischen KZ Überlebenden gelesen und sah ein Bild dazu. Auf dem Bild stand er aufrecht, während ein SS Mann einem nebenstehenden Häftling in den Kopf schoss. Der polnische Überlebende wurde in einem Interview gefragt, wie er diese unsägliche Grausamkeit bei klarem Verstand überstehen konnte. Er antwortete, dass das Leben ihn vor die Entscheidung stellte. Er konnte sich entscheiden die Menschen zu hassen, oder sie dennoch zu lieben. Er entschied sich für die Liebe. Und sie gab ihm die Möglichkeit, bei Verstand zu bleiben und nicht in Verzweiflung zu versinken.
Sie können meine Meinung offensichtlich nicht verstehen. Sicher halten sie sich für intellektuell. Dazu gehört jedoch auch, an gegebenem zu zweifeln.
Tim hat 15 Leben gewaltsam beendet. Es wurden Kerzen für Chantal, Kristina, Jana, Ibrahim, Jacqueline, Victorija, Selina, Nicole, Stefanie, Michaela, Nina, Franz, Denis und Sigurt gezündet. Herr Köhler erwähnte, dass Tim nicht nur die Familien dieser Menschen zerstört hat, sondern auch seine eigene und nicht nur, weil er sich selbst richtete. Brennenden Kerzen sind nicht für die Verstorbenen, denn sie können nicht mehr daran teilhaben. Brennende Kerzen sind für uns. Wir versuchen unseren Schmerz zu bewältigen. Jeder seinen eigenen. Wir sind aber auch füreinander verantwortlich. Ich sagte, dass wir den Menschen, denen der Tod nahe ist, keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Und ich habe Recht. Wenn dies nicht so wäre, bräuchte es keine mobilen Pflegedienste, etc. Unterhalten Sie sich mit einem Menschen, der sterbende pflegt und begleitet. Es wird sich für Sie ein Blickwinkel eröffnen, der ihnen in Ihrer postmodernen Welt völlig fremd und neu ist.
Ob Emotionen den Verstand regieren oder umgekehrt ist nicht von Bedeutung für solche Taten. Und ich denke nicht, dass Kant irrte. Meiner Meinung nach kann ein Mensch zwischen dem Richtigen und dem Falschen unterscheiden, sobald er entweder rational darüber denkt, d.h. für und wieder abwägt, vor- und nachdenkt und sich sein Vorhaben auch aus anderen Perspektiven betrachtet. Oder er lässt sich von der Stimme seines Herzens leiten. Und damit meine ich eben jene Liebe, die es nicht mehr zu geben scheint. Wie oft denken Sie über ihren eigenen Tod nach? Garantiert überhaupt nicht. Sie erwähnen ihn vielleicht hin und wieder gedanklich für sich selbst. Mehr jedoch auch nicht. Wie in tiefer Vergangenheit mit unserer Sterblichkeit umgegangen wurde, weiß ich nicht und ich bin sicher, auch Sie wüssten nur, was dazu in irgendwelchen Büchern steht. Aber ich weiß, wie heute damit umgegangen wird. Er wird verdrängt. Und erst nach einer Katastrophe wie dieser gelangt er wieder in unser Bewusstsein.
Glauben sie tatsächlich, wenn keine Zeitung mehr den Namen Tim K. erwähnt, dass man damit verhindern könnte, dass er glorifiziert wird von denen, die schon verloren sind und so eine Katastrophe ebenfalls schon planen?
Ich habe einen Artikel über einen polnischen KZ Überlebenden gelesen und sah ein Bild dazu. Auf dem Bild stand er aufrecht, während ein SS Mann einem nebenstehenden Häftling in den Kopf schoss. Der polnische Überlebende wurde in einem Interview gefragt, wie er diese unsägliche Grausamkeit bei klarem Verstand überstehen konnte. Er antwortete, dass das Leben ihn vor die Entscheidung stellte. Er konnte sich entscheiden die Menschen zu hassen, oder sie dennoch zu lieben. Er entschied sich für die Liebe. Und sie gab ihm die Möglichkeit, bei Verstand zu bleiben und nicht in Verzweiflung zu versinken.
Sie können meine Meinung offensichtlich nicht verstehen. Sicher halten sie sich für intellektuell. Dazu gehört jedoch auch, an gegebenem zu zweifeln.
Tim hat 15 Leben gewaltsam beendet. Es wurden Kerzen für Chantal, Kristina, Jana, Ibrahim, Jacqueline, Victorija, Selina, Nicole, Stefanie, Michaela, Nina, Franz, Denis und Sigurt gezündet. Herr Köhler erwähnte, dass Tim nicht nur die Familien dieser Menschen zerstört hat, sondern auch seine eigene und nicht nur, weil er sich selbst richtete. Brennenden Kerzen sind nicht für die Verstorbenen, denn sie können nicht mehr daran teilhaben. Brennende Kerzen sind für uns. Wir versuchen unseren Schmerz zu bewältigen. Jeder seinen eigenen. Wir sind aber auch füreinander verantwortlich. Ich sagte, dass wir den Menschen, denen der Tod nahe ist, keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Und ich habe Recht. Wenn dies nicht so wäre, bräuchte es keine mobilen Pflegedienste, etc. Unterhalten Sie sich mit einem Menschen, der sterbende pflegt und begleitet. Es wird sich für Sie ein Blickwinkel eröffnen, der ihnen in Ihrer postmodernen Welt völlig fremd und neu ist.
Ob Emotionen den Verstand regieren oder umgekehrt ist nicht von Bedeutung für solche Taten. Und ich denke nicht, dass Kant irrte. Meiner Meinung nach kann ein Mensch zwischen dem Richtigen und dem Falschen unterscheiden, sobald er entweder rational darüber denkt, d.h. für und wieder abwägt, vor- und nachdenkt und sich sein Vorhaben auch aus anderen Perspektiven betrachtet. Oder er lässt sich von der Stimme seines Herzens leiten. Und damit meine ich eben jene Liebe, die es nicht mehr zu geben scheint. Wie oft denken Sie über ihren eigenen Tod nach? Garantiert überhaupt nicht. Sie erwähnen ihn vielleicht hin und wieder gedanklich für sich selbst. Mehr jedoch auch nicht. Wie in tiefer Vergangenheit mit unserer Sterblichkeit umgegangen wurde, weiß ich nicht und ich bin sicher, auch Sie wüssten nur, was dazu in irgendwelchen Büchern steht. Aber ich weiß, wie heute damit umgegangen wird. Er wird verdrängt. Und erst nach einer Katastrophe wie dieser gelangt er wieder in unser Bewusstsein.
Glauben sie tatsächlich, wenn keine Zeitung mehr den Namen Tim K. erwähnt, dass man damit verhindern könnte, dass er glorifiziert wird von denen, die schon verloren sind und so eine Katastrophe ebenfalls schon planen?
Ich habe einen Artikel über einen polnischen KZ Überlebenden gelesen und sah ein Bild dazu. Auf dem Bild stand er aufrecht, während ein SS Mann einem nebenstehenden Häftling in den Kopf schoss. Der polnische Überlebende wurde in einem Interview gefragt, wie er diese unsägliche Grausamkeit bei klarem Verstand überstehen konnte. Er antwortete, dass das Leben ihn vor die Entscheidung stellte. Er konnte sich entscheiden die Menschen zu hassen, oder sie dennoch zu lieben. Er entschied sich für die Liebe. Und sie gab ihm die Möglichkeit, bei Verstand zu bleiben und nicht in Verzweiflung zu versinken.
Sie können meine Meinung offensichtlich nicht verstehen. Sicher halten sie sich für intellektuell. Dazu gehört jedoch auch, an gegebenem zu zweifeln.
Tim hat 15 Leben gewaltsam beendet. Es wurden Kerzen für Chantal, Kristina, Jana, Ibrahim, Jacqueline, Victorija, Selina, Nicole, Stefanie, Michaela, Nina, Franz, Denis und Sigurt gezündet. Herr Köhler erwähnte, dass Tim nicht nur die Familien dieser Menschen zerstört hat, sondern auch seine eigene und nicht nur, weil er sich selbst richtete. Brennenden Kerzen sind nicht für die Verstorbenen, denn sie können nicht mehr daran teilhaben. Brennende Kerzen sind für uns. Wir versuchen unseren Schmerz zu bewältigen. Jeder seinen eigenen. Wir sind aber auch füreinander verantwortlich. Ich sagte, dass wir den Menschen, denen der Tod nahe ist, keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Und ich habe Recht. Wenn dies nicht so wäre, bräuchte es keine mobilen Pflegedienste, etc. Unterhalten Sie sich mit einem Menschen, der sterbende pflegt und begleitet. Es wird sich für Sie ein Blickwinkel eröffnen, der ihnen in Ihrer postmodernen Welt völlig fremd und neu ist.
1. "Ob Emotionen den Verstand regieren oder umgekehrt ist nicht von Bedeutung für solche Taten."
Selbstverständlich ist dies, und insbesondere bei einer solchen Tat, von grundlegender Bedeutung. Zum einen, um eine halbwegs angemessene Analyse der Ursachen dieser vermeintlich unfassbaren Tat vorzunehmen, ohne sich ständig wie Sie in eine romantisch verklärte und infundierte Gesellschaftskritik zu flüchten, zum anderen, um aus dem "Phänomen" überhaupt Rückschlüsse hinsichtlich einer künftigen Vermeidung des Geschehenen zu ziehen. Wenn sie glauben, dies durch die "Herausbildung" einer von Emotionen unabhängigen, menschlichen Vernunft zu erreichen, befinden Sie sich im falschen Jahrhundert. Himmler genoss in seiner Jugend eine ganz hervorragende humanistische Bildung...........
Die Existenz einer menschlichen Vernunft, welche die Affekte ultimativ kontrolliert, würde sicherlich vieles einfacher machen, bleibt jedoch eine Illusion der antiken Philosophie. Je schneller wir uns von ihr verabschieden, desto eher können wir uns einer angemessenen Ursachenforschung widmen. Die "Stimme seines Herzens" befahl Tim nämlich zu töten und das Wissen um die moralischen Werte unserer Gesellschaft, die ihm im Zuge seiner familiären und schulischen Sozialisation sicherlich "vermittelt" wurden, konnte ihn nicht daran hindern. Moral baut auf einem Wertekanon auf. Werte leiten sich von Gefühlen ab und sind nicht Resultat von Kognition. Das können sie bei näherer Betrachtung auch gar nicht sein, was nicht zuletzt in moralischen Dilemmata immer wieder deutlich wird. Wenn also Tim zwischen "falsch und richtig" entschieden hat, so entschied er sich entweder gegen seine, ihrer Meinung nach vernunftgesteuerte, Moral absichtlich für das "Falsche" oder, was sehr viel wahrscheinlicher ist, seine Gefühle beeinflussten sein moralisches Empfinden und er entschied sich auf der Grundlage einer eigenen Moral für das für ihn "Richtige".
2. "Glauben sie tatsächlich, wenn keine Zeitung mehr den Namen Tim K. erwähnt, dass man damit verhindern könnte, dass er glorifiziert wird von denen, die schon verloren sind und so eine Katastrophe ebenfalls schon planen?"
Gegenfrage: Können Sie mir ein historisches Beispiel für die Glorifizierung eines Unbekannten nennen? Zudem geht es hier nicht ausschließlich um die Verbreitung des Namens, sondern vielmehr um die nicht selten sensationsgierige mediale Aufbereitung und quotentechnische Ausschlachtung der Bluttat, die potentiellen Nachahmern die Möglichkeit medialer Dauerpräsenz vor Augen führt. Wie sonst lässt die zunehmende "Popularität" von Amokläufen denn sonst erklären? Warum rissen vorherige Schülergenerationen beim selbstgewählten Freitod nicht noch Mitschüler in den Tod? Dies kann nicht mit einer vermeintlich gestiegenen, sozialen Kälte erklärt werden.
3. "Sie können meine Meinung offensichtlich nicht verstehen. Sicher halten sie sich für intellektuell. Dazu gehört jedoch auch, an gegebenem zu zweifeln."
Nein, ich halte mich nicht für intellektuell. Würde Intellektualität aber die Nachvollziehbarkeit ihrer Meinung verhindern, so sollte das Ihnen und nicht mir zu denken geben.
4. "Ich sagte, dass wir den Menschen, denen der Tod nahe ist, keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Und ich habe Recht. Wenn dies nicht so wäre, bräuchte es keine mobilen Pflegedienste, etc."
Mobile Pflegedienste existieren sicher nicht nur aufgrund der von ihnen unterstellten Indifferenz gegenüber sterbenden oder alten Menschen, sondern tragen der gestiegenen Arbeitsbelastung vieler Familien, dem Aussterben der Großfamilie, sowie der Tatsache des demographischen Ungleichgewichts in der Altersstruktur unserer Gesellschaft Rechnung.
5. "Unterhalten Sie sich mit einem Menschen, der sterbende pflegt und begleitet. Es wird sich für Sie ein Blickwinkel eröffnen, der ihnen in Ihrer postmodernen Welt völlig fremd und neu ist."
Meine Frau ist Ärztin und täglich mit dem Tod konfrontiert. Darüber hinaus stelle ich die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema "Tod" doch nicht in Frage. Das Verdrängen der Thematik aus dem alltäglichen Bewusstsein ist jedoch menschlich und darüber hinaus notwendig, um überhaupt lebensfähig zu sein. Oder wollten Sie lieber mit der Jenseitszugewandtheit des mittelalterlichen Europäers leben?
Wie kann man eigentlich nur mit Unterstellungen agrumentieren?
"Sei denken garantiert nicht über ihren Tod nach" und "sie wüßten nur, was dazu in in irgendwelchen Büchern steht, aber ich weiß...und ich habe Recht..." Geht es eigentlich noch selbstgefälliger? Und warum mobile Pflegedienste, betreutes Wohnen, Seniorenheime etc. ein Zeichen dafür sind, dass dem Tode Nahestehenden keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt wird, eröffnet sich wohl auch nur ihrem Besserwissen. Lassen sie sich weiter von der "Stimme ihres Herzens" leiten; mein Herz pumpt Blut, ihre dort vermutete Stimme, sitzt, wenn man den Erkenntnissen der Neurobiologie Glauben schenken darf, zumindest bei mir im Gehirn"
1. "Ob Emotionen den Verstand regieren oder umgekehrt ist nicht von Bedeutung für solche Taten."
Selbstverständlich ist dies, und insbesondere bei einer solchen Tat, von grundlegender Bedeutung. Zum einen, um eine halbwegs angemessene Analyse der Ursachen dieser vermeintlich unfassbaren Tat vorzunehmen, ohne sich ständig wie Sie in eine romantisch verklärte und infundierte Gesellschaftskritik zu flüchten, zum anderen, um aus dem "Phänomen" überhaupt Rückschlüsse hinsichtlich einer künftigen Vermeidung des Geschehenen zu ziehen. Wenn sie glauben, dies durch die "Herausbildung" einer von Emotionen unabhängigen, menschlichen Vernunft zu erreichen, befinden Sie sich im falschen Jahrhundert. Himmler genoss in seiner Jugend eine ganz hervorragende humanistische Bildung...........
Die Existenz einer menschlichen Vernunft, welche die Affekte ultimativ kontrolliert, würde sicherlich vieles einfacher machen, bleibt jedoch eine Illusion der antiken Philosophie. Je schneller wir uns von ihr verabschieden, desto eher können wir uns einer angemessenen Ursachenforschung widmen. Die "Stimme seines Herzens" befahl Tim nämlich zu töten und das Wissen um die moralischen Werte unserer Gesellschaft, die ihm im Zuge seiner familiären und schulischen Sozialisation sicherlich "vermittelt" wurden, konnte ihn nicht daran hindern. Moral baut auf einem Wertekanon auf. Werte leiten sich von Gefühlen ab und sind nicht Resultat von Kognition. Das können sie bei näherer Betrachtung auch gar nicht sein, was nicht zuletzt in moralischen Dilemmata immer wieder deutlich wird. Wenn also Tim zwischen "falsch und richtig" entschieden hat, so entschied er sich entweder gegen seine, ihrer Meinung nach vernunftgesteuerte, Moral absichtlich für das "Falsche" oder, was sehr viel wahrscheinlicher ist, seine Gefühle beeinflussten sein moralisches Empfinden und er entschied sich auf der Grundlage einer eigenen Moral für das für ihn "Richtige".
2. "Glauben sie tatsächlich, wenn keine Zeitung mehr den Namen Tim K. erwähnt, dass man damit verhindern könnte, dass er glorifiziert wird von denen, die schon verloren sind und so eine Katastrophe ebenfalls schon planen?"
Gegenfrage: Können Sie mir ein historisches Beispiel für die Glorifizierung eines Unbekannten nennen? Zudem geht es hier nicht ausschließlich um die Verbreitung des Namens, sondern vielmehr um die nicht selten sensationsgierige mediale Aufbereitung und quotentechnische Ausschlachtung der Bluttat, die potentiellen Nachahmern die Möglichkeit medialer Dauerpräsenz vor Augen führt. Wie sonst lässt die zunehmende "Popularität" von Amokläufen denn sonst erklären? Warum rissen vorherige Schülergenerationen beim selbstgewählten Freitod nicht noch Mitschüler in den Tod? Dies kann nicht mit einer vermeintlich gestiegenen, sozialen Kälte erklärt werden.
3. "Sie können meine Meinung offensichtlich nicht verstehen. Sicher halten sie sich für intellektuell. Dazu gehört jedoch auch, an gegebenem zu zweifeln."
Nein, ich halte mich nicht für intellektuell. Würde Intellektualität aber die Nachvollziehbarkeit ihrer Meinung verhindern, so sollte das Ihnen und nicht mir zu denken geben.
4. "Ich sagte, dass wir den Menschen, denen der Tod nahe ist, keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Und ich habe Recht. Wenn dies nicht so wäre, bräuchte es keine mobilen Pflegedienste, etc."
Mobile Pflegedienste existieren sicher nicht nur aufgrund der von ihnen unterstellten Indifferenz gegenüber sterbenden oder alten Menschen, sondern tragen der gestiegenen Arbeitsbelastung vieler Familien, dem Aussterben der Großfamilie, sowie der Tatsache des demographischen Ungleichgewichts in der Altersstruktur unserer Gesellschaft Rechnung.
5. "Unterhalten Sie sich mit einem Menschen, der sterbende pflegt und begleitet. Es wird sich für Sie ein Blickwinkel eröffnen, der ihnen in Ihrer postmodernen Welt völlig fremd und neu ist."
Meine Frau ist Ärztin und täglich mit dem Tod konfrontiert. Darüber hinaus stelle ich die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema "Tod" doch nicht in Frage. Das Verdrängen der Thematik aus dem alltäglichen Bewusstsein ist jedoch menschlich und darüber hinaus notwendig, um überhaupt lebensfähig zu sein. Oder wollten Sie lieber mit der Jenseitszugewandtheit des mittelalterlichen Europäers leben?
Wie kann man eigentlich nur mit Unterstellungen agrumentieren?
"Sei denken garantiert nicht über ihren Tod nach" und "sie wüßten nur, was dazu in in irgendwelchen Büchern steht, aber ich weiß...und ich habe Recht..." Geht es eigentlich noch selbstgefälliger? Und warum mobile Pflegedienste, betreutes Wohnen, Seniorenheime etc. ein Zeichen dafür sind, dass dem Tode Nahestehenden keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt wird, eröffnet sich wohl auch nur ihrem Besserwissen. Lassen sie sich weiter von der "Stimme ihres Herzens" leiten; mein Herz pumpt Blut, ihre dort vermutete Stimme, sitzt, wenn man den Erkenntnissen der Neurobiologie Glauben schenken darf, zumindest bei mir im Gehirn"
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