US-Energiepolitik Grüne EuphorieSeite 2/2
Auf deutscher Seite freut man sich über den neuen Ton - und über den angekündigten Geldsegen. Im Bundeswirtschaftsministerium soll eine eigene Steuerungsgruppe die grüne Kooperation mit den USA koordinieren, auch, damit Deutschland seine Spitzenposition bei den Öko-Energien verteidigt. "Erneuerbare Energien sind kein Badeschlappen-Thema mehr“, sagt Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), "sie sind industriepolitisch von hoher Bedeutung.“
Seit Jahren fördert sein Ministerium explizit den Verkauf von Umwelttechnologien ins Ausland. Mit Erfolg. Der Exportanteil grüner Technologien aus Deutschland liegt nach Berechnungen des Bundesverbands der Deutschen Industrie inzwischen bei 16 Prozent, höher als in anderen Branchen.
Der Solarzellen-Hersteller Solarworld ist eine der Firmen, die konsequent auf den amerikanischen Markt setzen. Erst vergangenes Jahr haben die Bonner in Hollsboro/Oregon eine Fabrik mit einer Kapazität von 100 Megawatt in Betrieb genommen - nach eigenen Angaben die größte Produktion in den USA. Neben Solarworld sind bereits mehr als 20 deutsche Solarunternehmen in den USA tätig.
Experten rechnen allerdings damit, dass auch die Ökostrom-Firmen in diesem Jahr unter der Wirtschaftskrise leiden werden. 2009 werde für die gesamte Branche ein hartes Jahr, prophezeit Michael Eckhart, Präsident des Amerikanischen Rates für Erneuerbare Energien. Es werde noch einige Monate dauern, bis die Regierungsanreize tatsächlich durchschlagen – und zwar auch, weil die Finanzierungsmöglichkeiten für Umwelttechnologie-Hersteller schwierig geworden sind.
Amerikanische Banken hatten in der Vergangenheit das so genannte "tax equity financing" genutzt, eine Möglichkeit des amerikanischen Steuerrechts, um im großen Stil in Ökostrom-Firmen zu investieren. Vereinfacht gesagt, hatten sie etwa Windpark-Entwicklern oder Solarunternehmen Steuervergünstigungen abgekauft, um selbst ihre Gewinne niedriger versteuern zu können. Weil dieses Geschäftsmodell in Zeiten, in denen Banken milliardenschwere Verluste anhäufen, kaum noch interessant ist, verlieren grüne Firmen einen wichtigen Finanzierungsweg. Und auch Risiko-Kapitalgeber halten, ähnlich wie in Deutschland, ihren Geldbeutel fest verschlossen. "2009 wird der Markt für erneuerbare Energien schrumpfen", sagt Eckhart, "aber dann kommt der Boom."
- Datum 31.03.2009 - 11:53 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Euphorie schön und gut - aber: Was ist das grüne Papier auf die Dauer wert, mit dem die Amis unsere Technik zu bezahlen gedenken? Überhaupt, wenn Obama das jetzt wieder mal in rauhen Mengen für sein Konjunkturprogramm drucken lässt...
Und noch was sprang mir ins Auge:
"Die amerikanischen Pläne sollen sogar noch radikaler ausfallen, als Umweltschützer bislang zu hoffen wagten"
Bin ich ein böswilliger Schwarzseher und notorischer Miesepeter, wenn ich befürchte, dass man Emissionsrechte bald schon nur noch bei den USA kaufen kann? ;-)
Fokko
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Ähnlich wie das deutsche Regelwerk, das Privatleuten und Unternehmen lukrative Vergütungen für jede ins Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde Ökostrom garantiert, wollen auch die USA einen „feed-in-tarif“ entwickeln
Das gibt es schon seit langem hier und ist überhaupt nichts neues.
Die Elektrisitätswerke müssen schon seit Jahrzehnten privat generierte Energie abkaufen-dabei läuft der Stromzähler rückwärts.
Gerd, Chicago
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