Abitur Das Abi zweimal machen
Weil Lehrer schlampig gearbeitet haben, müssen 15.000 Abiturienten ihre Prüfung wiederholen. Wasser auf den Mühlen der Gegner des Zentralabiturs
Eigentlich sollte das Zentralabitur alles vergleichbarer und gerechter machen. Doch wehe, es geht etwas schief, dann trifft es eben auch alle gleich. Wie in dem Fall der hessischen Schüler, die am Freitag zentral ihre Abi-Klausuren in Mathe schreiben sollten. Am Morgen entdeckten die Fachlehrer gleich drei Fehler und zwei Unklarheiten in den Aufgaben - sowohl in den Aufgaben für die Grund- wie auch für die Leistungskurse. Unter anderem war in einer Integralrechnung ein Plus- mit einem Minuszeichen vertauscht worden. Eine eilig verschickte Korrekturmail erreichte jedoch nciht mehr alle Schulen rechtzeitig.
Heute ist nun klar, dass die Abiturklausur am 30. April wiederholt werden kann. Hessens Kulturministerin Dorothea Henzler (FDP) entschuldigte sich ausdrücklich bei den betroffenen Schülern. Sie können nun selbst entscheiden, ob sie die Klausur wiederholen möchten. Wer an der Matheprüfung Ende April teilnehme, darf sich dann für die besser benotete Arbeit entscheiden. Grundsätzlich seien die Aufgaben trotz der Fehler lösbar gewesen, hieß es.
Im Online-Netzwerk SchülerVZ beschrieben hessische Abiturienten, wie viel Zeit sie durch die Fehler verloren hätten. Immer wieder seien ihre Lehrer mit neuen Informationen über die Korrekturen zu ihnen gekommen. Einer schrieb, dass er nach 20 Minuten neu mit einer Aufgabe anfangen musste, weil ihm erst dann ein Fehler auffiel.
Die Aufgaben stammten von einem Fachlehrer-Gremium und werden üblicherweise von einer Kontrollgruppe überprüft. Nun steht zwar nicht gleich das Zentralabitur, wohl aber das Verfahren auf dem Prüfstand, wie die Aufgaben zustande kommen. Die Grünen haben zu der Panne bereits eine Aktuelle Stunde im hessischen Landtag beantragt.
- Datum 30.03.2009 - 17:53 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 23
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Fehler schleichen sich sicher auch mindestens genauso häufig in die Aufgabenstellungen eines 'dezentralen' Abiturs ein. Nur kommt das im Gegensatz zum zentralen Abitur nicht heraus - denn welchen Nachrichtenwert hat schon eine betroffene Schule? Natürlich sind die Fehler dann heterogener verteilt: an der einen Schule ist es Bio an der anderen Erdkunde. Und da dann auch der öffentliche Druck fehlt, etwas zu unternehmen (wie jetzt in Hessen), ist es für die Betroffenen sicher auch schwieriger ihre Rechte durchzusetzen.
@kräg: Volle Zustimmung!
Abgesehen davon, dass man das ganze Schulsystem in der Pfeife rauchen kann, spielt es doch wirklich keine Rolle, wie genau jetzt am Ende geprüft wird - das Geprüfte ist so oder so belanglos. Wieso? Nun, es ist ja doch letztlich so, dass die Schule neben einem verschwindend gerinen Grundbestand an Fähigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen, soziale Kompetenz usw.) im Grund nichts Bleibendes vermittelt. Ich spreche jetzt vom Gymnasium, denn darum geht es ja in dieser Diskussion: Ich gehe zur Schule und lerne und lerne, mache mein Abitur, komme an die Uni und stelle fest, dass ich dort so gut wie nichts von dem, was ich an der Schule gelernt habe, benötige. Ich weiß, wovon ich spreche: Abi-Note 3,4 und heute MA mit der Abschlussnote 1,1 (dazu Promotionsstipendiat der Eliteförderung) Oder Fragen Sie die Lehrer: Die lernen dann an der Uni wiederum Dinge, die an den Schulen keine Rolle spielen. Zum Beispiel in Englisch: Da lernen Sie jahrelang, dass es im Englischen das Gerund nicht gibt und im Referendariat heißt es dann: Gerund einführen.
Tatsache ist:
Wir gehen in die Schule um Dinge zu lernen, die wir in der Universität nicht benötigen, um dort Stoff zu lernen, den wir an der Schule nicht mehr benötigen, um dort den Schülerinnen und Schülern Dinge zu vermitteln, die sie anschließend nicht mehr... usw. Angehende Lehrer wissen das so gut wie die Alteingesessenen. Aber sie wissen auch, wie in diesem Geschäft der Hase läuft. Das Schaulaufen im Referendariat zeugt übrigens von dieser Bestandsaufnahme ("Wir wissen, dass es Quatsch ist, aber wir verlangen es trotzdem!"). Ob am Ende einer solchen Sisyphos-Tour ein zentrales Abitur oder ein dezentrales Abitur steht, ist m.A. nach völlig egal. Das Abitur ist ein weiteres Bildungspolitikum unter vielen, dass viel Geschrei, aber keine grundlegenden Veränderungen, geschweige denn Verbesserungen mit sich bringt. Warum eigentlich nicht?
Deswegen, weil das, was wirklich zählt, nicht der ernstgemeinte Wunsch nach "Bildung" ist, sondern die Aufrechterhaltung der bestehenden Ideologie, auf der das ganze nutzlose Gebäude ruht: Wachstum, Leistung, Konkurrenzfähigkeit, soziale Kontrolle (Foucault hatte womöglich Recht: http://de.wikipedia.org/wiki/Panopticon). Vielleicht müsste man besser sagen: Nicht für die Schule lernen wir, sondern fürs System. Das klingt jetzt natürlich ziemlich linksalternativ, ist aber ganz und gar nicht so gemeint. Ich halte mich im Gegenteil eher für einen ziemlich konservativen Zeitgenossen. Es ist bezeichnend, dass fragen des Sinns von Schule in der Schule nie diskutiert werden, ebenso wenig wie die Bedeutung von Wachstum, Leistung und Konkurrenzfähigkeit. Eben weil sich a) niemand der Lehrbeauftragten damit auskennt und b) sich niemand zutraut, eine solche Diskussion pädagogisch zu lenken. Reflexionsvermögen wird in der Schule also nicht gefördert, sondern systematisch durch Rekapitulationsvermögen und Opportunismus ersetzt. Auch deswegen, weil es die Lehrer selbst nicht anders gelernt haben. Dabei hat schon in meinem Jugendfreundeskreis so gut wie jeder (!) geahnt, dass an dem ganzen Zirkus etwas oberfaul ist. Wir konnten es damals nur nicht so genau benennen, da man uns dafür nicht die Mittel an die Hand geben wollte. Stattdessen gab es Verweise, die Rede vom "längeren Hebel" und im besten Fall totale Ignoranz. Der Druck, der sich in einem Menschen aufbauen kann, der so einer Situation mehr oder weniger schutzlos ausgesetzt ist und der sich dann zuweilen in einem lauten Knall entlädt, ist uns ja allen hinlänglich bekannt.
Ergo: Zentralabitur hin oder her - wenn das Bier schlecht ist, streite ich mich auch nicht über die Form der Schaumkrone.
@kräg: Volle Zustimmung!
Abgesehen davon, dass man das ganze Schulsystem in der Pfeife rauchen kann, spielt es doch wirklich keine Rolle, wie genau jetzt am Ende geprüft wird - das Geprüfte ist so oder so belanglos. Wieso? Nun, es ist ja doch letztlich so, dass die Schule neben einem verschwindend gerinen Grundbestand an Fähigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen, soziale Kompetenz usw.) im Grund nichts Bleibendes vermittelt. Ich spreche jetzt vom Gymnasium, denn darum geht es ja in dieser Diskussion: Ich gehe zur Schule und lerne und lerne, mache mein Abitur, komme an die Uni und stelle fest, dass ich dort so gut wie nichts von dem, was ich an der Schule gelernt habe, benötige. Ich weiß, wovon ich spreche: Abi-Note 3,4 und heute MA mit der Abschlussnote 1,1 (dazu Promotionsstipendiat der Eliteförderung) Oder Fragen Sie die Lehrer: Die lernen dann an der Uni wiederum Dinge, die an den Schulen keine Rolle spielen. Zum Beispiel in Englisch: Da lernen Sie jahrelang, dass es im Englischen das Gerund nicht gibt und im Referendariat heißt es dann: Gerund einführen.
Tatsache ist:
Wir gehen in die Schule um Dinge zu lernen, die wir in der Universität nicht benötigen, um dort Stoff zu lernen, den wir an der Schule nicht mehr benötigen, um dort den Schülerinnen und Schülern Dinge zu vermitteln, die sie anschließend nicht mehr... usw. Angehende Lehrer wissen das so gut wie die Alteingesessenen. Aber sie wissen auch, wie in diesem Geschäft der Hase läuft. Das Schaulaufen im Referendariat zeugt übrigens von dieser Bestandsaufnahme ("Wir wissen, dass es Quatsch ist, aber wir verlangen es trotzdem!"). Ob am Ende einer solchen Sisyphos-Tour ein zentrales Abitur oder ein dezentrales Abitur steht, ist m.A. nach völlig egal. Das Abitur ist ein weiteres Bildungspolitikum unter vielen, dass viel Geschrei, aber keine grundlegenden Veränderungen, geschweige denn Verbesserungen mit sich bringt. Warum eigentlich nicht?
Deswegen, weil das, was wirklich zählt, nicht der ernstgemeinte Wunsch nach "Bildung" ist, sondern die Aufrechterhaltung der bestehenden Ideologie, auf der das ganze nutzlose Gebäude ruht: Wachstum, Leistung, Konkurrenzfähigkeit, soziale Kontrolle (Foucault hatte womöglich Recht: http://de.wikipedia.org/wiki/Panopticon). Vielleicht müsste man besser sagen: Nicht für die Schule lernen wir, sondern fürs System. Das klingt jetzt natürlich ziemlich linksalternativ, ist aber ganz und gar nicht so gemeint. Ich halte mich im Gegenteil eher für einen ziemlich konservativen Zeitgenossen. Es ist bezeichnend, dass fragen des Sinns von Schule in der Schule nie diskutiert werden, ebenso wenig wie die Bedeutung von Wachstum, Leistung und Konkurrenzfähigkeit. Eben weil sich a) niemand der Lehrbeauftragten damit auskennt und b) sich niemand zutraut, eine solche Diskussion pädagogisch zu lenken. Reflexionsvermögen wird in der Schule also nicht gefördert, sondern systematisch durch Rekapitulationsvermögen und Opportunismus ersetzt. Auch deswegen, weil es die Lehrer selbst nicht anders gelernt haben. Dabei hat schon in meinem Jugendfreundeskreis so gut wie jeder (!) geahnt, dass an dem ganzen Zirkus etwas oberfaul ist. Wir konnten es damals nur nicht so genau benennen, da man uns dafür nicht die Mittel an die Hand geben wollte. Stattdessen gab es Verweise, die Rede vom "längeren Hebel" und im besten Fall totale Ignoranz. Der Druck, der sich in einem Menschen aufbauen kann, der so einer Situation mehr oder weniger schutzlos ausgesetzt ist und der sich dann zuweilen in einem lauten Knall entlädt, ist uns ja allen hinlänglich bekannt.
Ergo: Zentralabitur hin oder her - wenn das Bier schlecht ist, streite ich mich auch nicht über die Form der Schaumkrone.
Als jemand, der das Zentralabitur über sich ergehen lassen musste, sprechen ich mich dagegen aus.
Was mir daran sehr missfiel, ist die Vorbereitungsphase, die sich durchaus über zwei Jahre erstrecken kann, in der man potenzielle Fragen bespricht und versucht Musterlösungen zu finden.
Das aber ist nicht Bildung, sondern bloß stures Auswendiglernen, was einem für das spätere Leben gar nichts bringt.
Man ist leider gezwungen für die Schule zu lernen und nicht für das Leben.
Bei dezentral lernt man natürlich nur fürs Leben, nichts auswendig, bewertet wird mit Bienchen ... damit kein Leistungsdruck entsteht ...
"Stures Auswendiglernen" in Mathematik bringt nicht nur nichts fürs Leben, auch in der Prüfung kommt man damit in der Regel nicht weit...
Prüfungen hat man in der Schule grundsätzlich immer, ob mit Zentralabitur oder ohne. Der Vorteil eines Zentralabiturs besteht zweifelsohne in der besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse, und zwar sowohl im Hinblick auf die Schüler als auch auf die Lehrer.
Man sollte eigentlich auch davon ausgehen, dass zentrale Prüfungsaufgaben mit sehr viel Sorgfalt erstellt werden. Leider habe ich auch einige Mathelerer erlebt, die trotz Doktortitel keine Ahnung von (Schul- !!!) Mathematik hatten. Ebensolche waren hier anscheinend auch am Werk.
Zum Nachteil kann ein Zentralabitur nur dann werden. wenn die Aufgabenstellung vorher schon bekannt wird. Dem kann man aber durch ein geeignetes Verfahrenn vorbeugen.
Bei dezentral lernt man natürlich nur fürs Leben, nichts auswendig, bewertet wird mit Bienchen ... damit kein Leistungsdruck entsteht ...
"Stures Auswendiglernen" in Mathematik bringt nicht nur nichts fürs Leben, auch in der Prüfung kommt man damit in der Regel nicht weit...
Prüfungen hat man in der Schule grundsätzlich immer, ob mit Zentralabitur oder ohne. Der Vorteil eines Zentralabiturs besteht zweifelsohne in der besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse, und zwar sowohl im Hinblick auf die Schüler als auch auf die Lehrer.
Man sollte eigentlich auch davon ausgehen, dass zentrale Prüfungsaufgaben mit sehr viel Sorgfalt erstellt werden. Leider habe ich auch einige Mathelerer erlebt, die trotz Doktortitel keine Ahnung von (Schul- !!!) Mathematik hatten. Ebensolche waren hier anscheinend auch am Werk.
Zum Nachteil kann ein Zentralabitur nur dann werden. wenn die Aufgabenstellung vorher schon bekannt wird. Dem kann man aber durch ein geeignetes Verfahrenn vorbeugen.
Bei dezentral lernt man natürlich nur fürs Leben, nichts auswendig, bewertet wird mit Bienchen ... damit kein Leistungsdruck entsteht ...
Leistungsdruck? Habe ich nie aufkommen lassen, weil ich davon ausgehen konnte, dass schlechte Abi-Ergebnisse politisch nicht gewollt sein können. Die Prüfungsaufgaben waren meines Erachtens wirklich einfacher als sie dezentral durch unsere Lehrer gestellt worden wären. (Ich war auch in allen Fächern einen Punkt besser als ich vorbenotet war, so gesehen, habe ich mich wegen der Ergebnisse nicht zu beklagen.)
Aber insgesamt geht es mir um die Zeit vor dem Abitur. Da hat das Zentralabitur, wie ich finde, einen schlechten Einfluss auf den Inhalt Unterrichts, vieles wird vor dem Hintergrund des Zentralabiturs behandelt. Es gilt immer die Frage zu beantworten, inwiefern etwas relevant ist für das Zentralabitur und welche möglichen Fragen gestellt werden könnten und was mögliche Musterantworten sind. Dass das in Mathe oder in Physik weniger der Fall ist als in Deutsch oder Geschichte, das ist mir auch klar. Aber das Zentralabitur ist definitiv für das interdependente Denken nicht förderlich.
Ein Beispiel: In Geschichte ist es ein Unterschied, ob man begriffen hat, warum die Weimarer Republik untergegangen ist oder ob man bloß Gründe aufzählen kann (ausschließlich darauf kommt es beim Zentralabi an), die zum Untergang geführt haben.
Leistungsdruck? Habe ich nie aufkommen lassen, weil ich davon ausgehen konnte, dass schlechte Abi-Ergebnisse politisch nicht gewollt sein können. Die Prüfungsaufgaben waren meines Erachtens wirklich einfacher als sie dezentral durch unsere Lehrer gestellt worden wären. (Ich war auch in allen Fächern einen Punkt besser als ich vorbenotet war, so gesehen, habe ich mich wegen der Ergebnisse nicht zu beklagen.)
Aber insgesamt geht es mir um die Zeit vor dem Abitur. Da hat das Zentralabitur, wie ich finde, einen schlechten Einfluss auf den Inhalt Unterrichts, vieles wird vor dem Hintergrund des Zentralabiturs behandelt. Es gilt immer die Frage zu beantworten, inwiefern etwas relevant ist für das Zentralabitur und welche möglichen Fragen gestellt werden könnten und was mögliche Musterantworten sind. Dass das in Mathe oder in Physik weniger der Fall ist als in Deutsch oder Geschichte, das ist mir auch klar. Aber das Zentralabitur ist definitiv für das interdependente Denken nicht förderlich.
Ein Beispiel: In Geschichte ist es ein Unterschied, ob man begriffen hat, warum die Weimarer Republik untergegangen ist oder ob man bloß Gründe aufzählen kann (ausschließlich darauf kommt es beim Zentralabi an), die zum Untergang geführt haben.
"Stures Auswendiglernen" in Mathematik bringt nicht nur nichts fürs Leben, auch in der Prüfung kommt man damit in der Regel nicht weit...
Prüfungen hat man in der Schule grundsätzlich immer, ob mit Zentralabitur oder ohne. Der Vorteil eines Zentralabiturs besteht zweifelsohne in der besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse, und zwar sowohl im Hinblick auf die Schüler als auch auf die Lehrer.
Man sollte eigentlich auch davon ausgehen, dass zentrale Prüfungsaufgaben mit sehr viel Sorgfalt erstellt werden. Leider habe ich auch einige Mathelerer erlebt, die trotz Doktortitel keine Ahnung von (Schul- !!!) Mathematik hatten. Ebensolche waren hier anscheinend auch am Werk.
Zum Nachteil kann ein Zentralabitur nur dann werden. wenn die Aufgabenstellung vorher schon bekannt wird. Dem kann man aber durch ein geeignetes Verfahrenn vorbeugen.
Die Frage ist doch, wie fehlerhafte Aufgabenstellungen zu vermeiden sind. Die sicherste Methode ist dabei für jeden Prüfer, die Prüfung (oder andere Beauftragte) selbst nur mit den erlaubten Unterlagen zu machen, bevor sie freigegeben wird. Wenn man das nicht macht, den Lösungsweg oder die Lösung schon kennt, so kommt einem die Lösungsfindung zu einfach vor, und - viel schlimmer - man übersieht Ungereimtheiten, mißverständliche Fragestellungen und Fehler.
So wird es auch in diesem Fall geschehen sein, das Fachgremium hat sicherlich gute Aufgaben gestellt, aber keiner hat sich hingesetzt und die 2-4 Stunden Prüfung testweise absolviert. Deshalb hatten auch die Mathematiklehrer vor Ort bessere Chancen, die Fehler zu finden, weil ihnen die Aufgabenstellung selbst neu war.
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Unabhängig von der Fehleranalyse und -vermeidung bin ich noch immer kein Freund zentraler Abiturprüfungen. Weder konnte ich bisher davon überzeugt werden, dass das Ergebnis der Prüfungen im Endeffekt fairer ist, noch glaube ich an die Vergleichbarkeit der Zensuren in Hinblick auf die Studierfähigkeit des Abiturienten. Andererseits ist dies nur ein weiterer Nebenschauplatz auf der Suche nach einer guten und positiven Schulbildung.
Leistungsdruck? Habe ich nie aufkommen lassen, weil ich davon ausgehen konnte, dass schlechte Abi-Ergebnisse politisch nicht gewollt sein können. Die Prüfungsaufgaben waren meines Erachtens wirklich einfacher als sie dezentral durch unsere Lehrer gestellt worden wären. (Ich war auch in allen Fächern einen Punkt besser als ich vorbenotet war, so gesehen, habe ich mich wegen der Ergebnisse nicht zu beklagen.)
Aber insgesamt geht es mir um die Zeit vor dem Abitur. Da hat das Zentralabitur, wie ich finde, einen schlechten Einfluss auf den Inhalt Unterrichts, vieles wird vor dem Hintergrund des Zentralabiturs behandelt. Es gilt immer die Frage zu beantworten, inwiefern etwas relevant ist für das Zentralabitur und welche möglichen Fragen gestellt werden könnten und was mögliche Musterantworten sind. Dass das in Mathe oder in Physik weniger der Fall ist als in Deutsch oder Geschichte, das ist mir auch klar. Aber das Zentralabitur ist definitiv für das interdependente Denken nicht förderlich.
Ein Beispiel: In Geschichte ist es ein Unterschied, ob man begriffen hat, warum die Weimarer Republik untergegangen ist oder ob man bloß Gründe aufzählen kann (ausschließlich darauf kommt es beim Zentralabi an), die zum Untergang geführt haben.
Das macht die wahre Leistungsabschlussprüfung aus: Stress - auch für die Fachleute, für die KMs....!
- Am dicksten aber natürlich für die die jungen Prüflinge! Das sollen sie nicht vergessen! - Das kriegen w i r <- strong>als die Anti-68er - epochal doch hin, dass sie abgeschreckt werden von Wissenschaft! Pädagogik! Und Politik!
Wir sind ja nicht bei Donald Duck und Wortistik! - Wir können's doch auch: KOMA-, äh: Clowns-Abi!
Diese Schüler können sich glücklich schätzen. Sie haben ein Geschenk empfangen, nämlich die Generalprobe eines Abiturs. Jetzt können sie sich noch etwas länger vorbereiten und hatten die Gelegenheit, sich durch diese "Probeklausuren" in der Kunst der Zeiteinteilung und anderen prüfungsrelevanten Denkweisen vertraut zu machen. Dadurch werden sie im zweiten Durchlauf, wenn diese Chance nutzen, in der Lage sein, überdurchschnittliche Abiturnoten zu schreiben. Den Abiturienten aus Bayern beispielsweise ist dies, einfach weil deren Lehrer sauberer zu arbeiten scheinen, nicht vergönnt.
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