Afghanistan Strategie mit fünf Pfeilern
Obamas Afghanistan-Politik setzt auf mehr Truppen – und mehr Unterstützung durch die Verbündeten. US-Experten warnen bereits, das Land könne sonst von einer Nato- zu einer US-Mission werden
Präsident Barack Obamas neue Afghanistan-Strategie stützt sich auf fünf Pfeiler. Er verdoppelt die Zahl der US-Truppen. Er weitet die Ausbildung afghanischer Soldaten und Polizisten aus. Er verstärkt den zivilen Wiederaufbau. Er trägt den Kampf gegen den Widerstand nach Pakistan, wie er überhaupt von einer gemeinsamen Strategie für beide Länder sprach. Und er möchte einzelne Gruppen aus dem Widerstand herausbrechen; das hatte im Irak zur Wende beigetragen.
Beim Amtsantritt im Januar hatte sich der neue Präsident 60 Tage ausbedungen, um die Lage zu analysieren und gemeinsam mit den US-Kommandeuren sowie den Nato-Verbündeten eine neue Strategie auszuarbeiten. Nun sagte er, das amerikanische Volk habe das Verständnis dafür verloren, warum seit siebeneinhalb Jahren US-Soldaten in Afghanistan kämpfen und die Situation sich verschlimmere. Mit seiner Rede wollte er den Rückhalt für einen verstärkten Afghanistaneinsatz stärken.
Genau eine Woche vor dem Nato-Gipfel zum 60. Geburtstag der Allianz richtete sich die Botschaft aber auch an die Verbündeten und die Länder der Region. Der Präsident hatte deren Botschafter zu seiner Rede im Executive Office Building neben dem Weißen Haus eingeladen. In drei Passagen bat er die Alliierten, ihre Beiträge zu verstärken. Er wolle "zusätzliche Militärausbilder von unseren Verbündeten anfordern", sagte er. "Von unseren Alliierten streben wir nicht einfach mehr Truppen an, sondern dass sie klar definierte Aufgaben übernehmen, Afghanistans Wahlen unterstützen, Afghanistans Sicherheitskräfte ausbilden und größere zivile Beiträge für das afghanische Volk leisten." Er verglich die Aufgabe in Afghanistan mit der Gründung der Nato. "Unsere eigene Sicherheit hängt davon ab – es geht um die Grundidee, dass freie Nationen für ihre gemeinsame Sicherheit sorgen."
Seinem Vorgänger George W. Bush warf Obama vor, durch den Irakkrieg habe er den Truppen in Afghanistan die Ressourcen verweigert, die für einen Erfolg nötig gewesen wären. "Die Lage wird immer gefährlicher." Die Taliban seien vor mehr als sieben Jahren gestürzt worden, doch heute "kontrollieren Aufständische Teile Afghanistans und Pakistans". 2008 sei "das tödlichste Jahr für US-Truppen" dort gewesen. Afghanistan sei "nicht nur ein Problem für Amerika". Die Terroranschläge in London, Bali, Nordafrika, Nahost und auf westliche Truppen in Kabul gingen von al-Qaida aus.
"Dies ist ein Sicherheitsproblem höchster Ordnung" für die Welt, auch für Europa. Sein Ziel sei klar definiert: "al-Qaida in Pakistan und Afghanistan zu spalten, aufzulösen und zu vernichten sowie ihre Rückkehr in Zukunft zu verhindern". Anders als Bush nannte er nicht den Aufbau von Demokratie, Zivilgesellschaft oder die Garantie, dass Mädchen Schulen besuchen dürfen, als Kriegsziel.
US-Medien analysieren unter Berufung auf Obamas Berater, er verdoppele die US-Truppen in Afghanistan im Laufe des Jahres von derzeit gut 30.000 auf dann rund 60.000 Mann. In der Rede erinnerte Obama daran, dass er im Februar die Entsendung von 17.000 Soldaten angeordnet hatte. Jetzt kündigte er weitere 4000 Mann an mit Ausbildungsaufgaben. Bis 2011 solle Afghanistans Armee auf 134.000 und die Polizei auf 82.000 Mann wachsen, damit sie für Sicherheit sorgen könnten. Laut US-Zeitungen werden die US-Ausgaben für Afghanistan dadurch von derzeit zwei Milliarden Dollar pro Monat um 60 Prozent steigen.
Öffentlich machen Obamas Regierung und die Nato-Partner in Europa unterschiedliche Angaben, ob die US-Regierung auch die Verbündeten um mehr Truppen bitten werde oder bereits gebeten habe. Auf die entsprechende Frage amerikanischer Journalisten sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs, "dies wird ein kontinuierliches Thema bleiben". Der deutsche Botschafter Klaus Scharioth und sein französischer Kollege Pierre Vimont versichern dagegen, Obamas Regierung habe die Europäer nicht gebeten, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken.
Bei einer Diskussion des "Atlantic Council" warnten US-Experten, Afghanistan werde von einer Nato-Mission zu einer US-Mission, wenn die Alliierten ihren Einsatz nicht ebenfalls verstärken. Die Washington Post schreibt, Obamas Regierung beanspruche "die Führung im zivilen und militärischen Bereich", wenn die USA den Großteil der Lasten tragen.
Obama kündigte zudem Aktionen in Pakistan an. Die USA verdächtigen Pakistans Geheimdienst, die Taliban zu unterstützen, als Gegengewicht gegen Indien und um Einfluss zu haben, wenn US- und Nato-Truppen abziehen. "Nach sechs Jahren gemischter Erfahrungen gibt es keinen Blankoscheck mehr", warnte Obama. "Pakistan muss seinen Willen beweisen, al-Qaida auszurotten. Oder wir sorgen dafür." Er versprach 1,5 Milliarden Dollar Entwicklungshilfe pro Jahr für Pakistan.
- Datum 13.10.2009 - 16:44 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Die USA haben diesen Krieg angezettelt, also müssen sie ihn auch selbst zu Ende führen.
Der Afghanistan-Einsatz der westlichen Länder ist doch schon ein amerikanisches Unternehmen, steht jedenfalls unter US-Oberbefehl und die Verbündeten ausser vielleicht Großbritannien werden in der Regel nicht über die jeweiligen Strategien informiert bzw. haben keinen Anteil an den oberen Befehlstrukturen. Eine sich selbst finanzierende europäische Auslandsarmee, die im Namen amerikanischer Interessen agiert und nicht europäischen.Europa sollte höllisch aufpassen in Afghanistan.
Der Afghanistan-Einsatz der westlichen Länder ist doch schon ein amerikanisches Unternehmen, steht jedenfalls unter US-Oberbefehl und die Verbündeten ausser vielleicht Großbritannien werden in der Regel nicht über die jeweiligen Strategien informiert bzw. haben keinen Anteil an den oberen Befehlstrukturen. Eine sich selbst finanzierende europäische Auslandsarmee, die im Namen amerikanischer Interessen agiert und nicht europäischen.Europa sollte höllisch aufpassen in Afghanistan.
Der Afghanistan-Einsatz der westlichen Länder ist doch schon ein amerikanisches Unternehmen, steht jedenfalls unter US-Oberbefehl und die Verbündeten ausser vielleicht Großbritannien werden in der Regel nicht über die jeweiligen Strategien informiert bzw. haben keinen Anteil an den oberen Befehlstrukturen. Eine sich selbst finanzierende europäische Auslandsarmee, die im Namen amerikanischer Interessen agiert und nicht europäischen.Europa sollte höllisch aufpassen in Afghanistan.
Bevor Barack Obama mehr Geld für Soldaten, Krankenhäuser, oder sonst etwas in Afghanistan / Pakistan ausgeben will, sollte er zunächst in seinem eigenen Land dafür Sorge tragen, dass jeder US-Bürger im Krankenversicherungssystem eingegliedert ist.
Im Übrigen glaube ich nicht, dass allein die normalen US-Bürger diese Rechnung zahlen.
Zwar hat Präsident Barack Obama schon vor seiner Wahl geäußert, er würde auch in Pakistan gegen die Taliban rigoros vorgehen, wenn es nötig wäre.
Ich bin Allerdings davon überrascht, dass Pakistan so schnell und konsequent, unter Barack Obama, in das „Fadenkreuz im Kampf gegen den Terror“ gerät.
In den letzten Jahren unter G.W. Bush schien der nächste Krieg im Iran möglicherweise auszubrechen. Die ganze Welt wartet wie paralysiert auf den Angriff auf Iran und ist völlig blind, dass Pakistan gerade von den USA militärisch angegriffen wird. – Das US Militär beginnt gerade einen Krieg gegen Pakistan, auch wenn es sich offiziell nur um Gebiete handelt, die von der pakistanischen Regierung als „Taliban-Land“ erklärt wurden.
Ich selbst bin zwar auch noch im Obama-Fieber, aber ich denke, dass Barack Obama unseren Vorschuss an Vertrauen und Hoffnung doch langsam überstrapaziert.
Er spricht gleichzeitig von Truppenaufstockung und Exit in Afghanistan.
Er gibt Befehl pakistanische Provinzen durch zB Drohnen anzugreifen und gleichzeitig spricht er von Hilfsgeldern an Pakistan (für soziale, sicherheitstechnische & andere Belange.)
Ich selbst bin gespannt wie lange unsere Bundeswehrsoldaten im Norden Afghanistans einen noch so relativ ruhigen Dienst haben werden, wenn es im Norden Pakistans zu erheblichen Aufständen kommen würde.
Bevor Barack Obama mehr Geld für Soldaten, Krankenhäuser, oder sonst etwas in Afghanistan / Pakistan ausgeben will, sollte er zunächst in seinem eigenen Land dafür Sorge tragen, dass jeder US-Bürger im Krankenversicherungssystem eingegliedert ist.
Im Übrigen glaube ich nicht, dass allein die normalen US-Bürger diese Rechnung zahlen.
Zwar hat Präsident Barack Obama schon vor seiner Wahl geäußert, er würde auch in Pakistan gegen die Taliban rigoros vorgehen, wenn es nötig wäre.
Ich bin Allerdings davon überrascht, dass Pakistan so schnell und konsequent, unter Barack Obama, in das „Fadenkreuz im Kampf gegen den Terror“ gerät.
In den letzten Jahren unter G.W. Bush schien der nächste Krieg im Iran möglicherweise auszubrechen. Die ganze Welt wartet wie paralysiert auf den Angriff auf Iran und ist völlig blind, dass Pakistan gerade von den USA militärisch angegriffen wird. – Das US Militär beginnt gerade einen Krieg gegen Pakistan, auch wenn es sich offiziell nur um Gebiete handelt, die von der pakistanischen Regierung als „Taliban-Land“ erklärt wurden.
Ich selbst bin zwar auch noch im Obama-Fieber, aber ich denke, dass Barack Obama unseren Vorschuss an Vertrauen und Hoffnung doch langsam überstrapaziert.
Er spricht gleichzeitig von Truppenaufstockung und Exit in Afghanistan.
Er gibt Befehl pakistanische Provinzen durch zB Drohnen anzugreifen und gleichzeitig spricht er von Hilfsgeldern an Pakistan (für soziale, sicherheitstechnische & andere Belange.)
Ich selbst bin gespannt wie lange unsere Bundeswehrsoldaten im Norden Afghanistans einen noch so relativ ruhigen Dienst haben werden, wenn es im Norden Pakistans zu erheblichen Aufständen kommen würde.
rm
Mr. President, das sieht ja aus wie Vietnam.
deutscher Soldaten in Afghanistan:
In Deutschland, da wird jetzt verschrottet,
am Hindukusch wird ausgerottet!
Und, niemand möchte es vermissen,
das ganz persönliche Gewissen.
rm
a) Man kann sich ganz aus Afghanistan zurückziehen.
b) Man kann über ein Aufbauprogramm versuchen, dem Land und seiner Bevölkerung zu helfen. Auf diese Weise werden positive Kräfte gestärkt, negative verlieren den Zuspruch.
c) Man kann in den Krieg ziehen, was nur Sinn macht, wenn man effektiv vorgehen kann. Ein unmenschlicher Kleinkrieg stürzt die Menschen dort nur noch in größeres Elend, stärkt die Solidarität mit den Mißhandelten, Gedemütigten.
d) Grundsätzlich sollte man sich überlegen, was man eigentlich dort will.
Mir scheint, als könne man nicht mehr aufhören zu schüren, dadurch mißt man einer Sache, Al Kaida, ein viel zu großes Gewicht bei: durch das eigene Handeln wird sie gefährlich.
e) Und da man dies nicht hören möchte, werden wieder viele Unschuldige sterben.
"Er trägt den Kampf gegen den Widerstand nach Pakistan, wie er überhaupt von einer gemeinsamen Strategie für beide Länder sprach. Und er möchte einzelne Gruppen aus dem Widerstand herausbrechen; das hatte im Irak zur Wende beigetragen."
Den Kampf nach Pakistan tragen, das hört sich natürlich schick an, so richtig elegant. Überhaupt, die GEMEINSAMKEIT steht jetzt im Vordergrund, gemeinsam packen wirs jetzt an, grenzüberschreitend und zukunftsorientiert wird jetzt gebombt. Souveräne Staaten werden integriert.
Ab jetzt wird ausserdem klinisch geschickt operiert, einzelne klitzekleine Grüppchen werden wie im Irak aus dem Widerstand herausgebrochen, wo nach schätzungsweise einer Million Toten jetzt die Wende gefeiert werden kann.
Hut ab.
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