Andreas Hinkel im Interview Wie oft essen Sie Nutella?
Am Samstag spielt Andreas Hinkel mit der Nationalelf gegen Liechtenstein. Ein Gespräch über seine Rückkehr ins Nationalteam, seine Vorlieben zum Frühstück und den schottischen Traditionsklub Celtic Glasgow
ZEIT ONLINE: Herr Hinkel, Sie haben zusammen mit Benny Lauth, Kevin Kuranyi und Arne Friedrich die ersten Werbespots für einen Brotaufstrich gedreht. Nur Friedrich schaffte es am Ende zur WM 2006, Lauth und Kuranyi gehören nicht mehr zum Nationalteam. Glauben Sie an einen "Fluch der Nutella-Boys"?
Hinkel: Nein, auf keinen Fall! Es war eine schöne Sache damals, es war schade, dass ich nicht bei der WM dabei sein konnte. Aber das habe ich abgehakt. Wenn ich die Spots heute sehe, kann ich herzhaft darüber lachen.
ZEIT ONLINE: Wie oft essen Sie eigentlich Nutella?
Hinkel (lacht): Ich habe gesehen, dass es das auch in Glasgow zu kaufen gibt. Aber momentan habe ich es nicht auf dem Frühstückstisch.
ZEIT ONLINE: Was würden Sie Ihrem Freund Kevin Kuranyi angesichts der permanenten Kritik bei Schalke 04 raten?
Hinkel: Kevin hat mir erzählt, dass er in der Kritik steht, aber momentan muss man abwarten, was auf Schalke passiert. Ich kann ihm nur empfehlen, sein Ding durchzuziehen und an seine Stärken zu glauben. Er hatte von Anfang an einen schweren Stand auf Schalke, es ist fast schon eine Art Hassliebe.
ZEIT ONLINE: Um einen anderen Freund von Ihnen, Mario Gomez vom VfB Stuttgart, gibt es derzeit viele Spekulationen. Ist er ein Typ für die englische Premier League oder auch für Celtic?
Hinkel: Mario ist ein Klasse-Stürmer, der jeder Mannschaft gut tut. Aber bei uns oder auch bei den Rangers wird – auf Deutsch gesagt – "Langholz" gespielt, es kommen fast nur weite und hohe Bälle in die Spitze. Ich weiß nicht, ob das sein Spiel wäre.
ZEIT ONLINE: Sie sind im Herbst 2008 zur Nationalmannschaft zurückgekommen. Wie ist die Stimmung im Team, auch im Vergleich mit ihrer Anfangszeit im DFB-Team?
Hinkel: Es hat sich eigentlich gar nicht so viel verändert. Die Stimmung ist gut, und die Hälfte der Spieler kenne ich noch von damals. Auch die Neuen, wie zum Beispiel Serdar Tasci, der noch mit mir beim VfB Stuttgart gespielt hat, und die Hoffenheimer Andreas Beck oder Tobias Weis. Daher war es für mich eine vertraute Atmosphäre, eine Reise in die Vergangenheit.
ZEIT ONLINE: Wie wichtig war Joachim Löw bei Ihrer Rückkehr? Wann hat er Kontakt zu Ihnen aufgenommen?
Hinkel: Er hat einfach an mich geglaubt und mich nominiert. Den ersten Kontakt gab es im September 2008, also vor den Spielen in Liechtenstein und in Finnland. Zur neuen Saison, nach der Europameisterschaft, wurde im Nationalteam ein Schnitt gemacht und deswegen bin ich wohl auch nominiert worden.
ZEIT ONLINE: Sie spielen seit mehr als einem Jahr für Celtic Glasgow. Wie schottisch fühlen Sie sich?
Andreas Hinkel: Ich habe mich gut eingelebt in Glasgow und kann Ähnlichkeiten zwischen der schottischen und der schwäbischen Mentalität feststellen.
ZEIT ONLINE: Und die wären?
Hinkel: Den Schwaben sagt man ja Fleiß und eine gewisse Sparsamkeit nach. Das ist hier in Schottland nicht anders.
ZEIT ONLINE: Sie haben einige Höhen und Tiefen erlebt, nachdem Sie zum FC Sevilla wechselten und nicht für die Weltmeisterschaft 2006 nominiert wurden. Wie kommt man als Profifußballer von ganz oben nach unten und wieder nach oben?
Hinkel: Es kommt darauf an, wie man das selbst einschätzt. Für mich war die Nicht-Nominierung zur Weltmeisterschaft 2006 ein Schnitt. Allerdings habe ich die ganze Entwicklung nicht als Absturz gesehen, weil ich in Spanien auch Titel gewonnen habe. Das wurde in den Medien dann so dargestellt, als ob ich weg vom Fenster gewesen wäre, aber das stimmt nicht. Die Zeit in Spanien war sehr schön und erfolgreich.
ZEIT ONLINE: Welche Rolle hat Ihr Wechsel zu Celtic Glasgow gespielt, dass Sie wieder zurückgekommen sind?
Hinkel: Der Schritt, ins Ausland zu gehen, war sehr wichtig. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Man gewinnt einen anderen Blick auf Deutschland.
ZEIT ONLINE: Was heißt das genau?
Hinkel: Es geht hier sehr familiär zu. Der Zusammenhalt zwischen Mannschaft, Vereinsmitarbeitern und Fans ist großartig. Sicher ist die schottische Liga nicht die stärkste, aber gerade das "Old Firm"-Derby Celtic gegen Rangers macht die Faszination aus.
ZEIT ONLINE: Dennoch steht die schottische Liga nicht eben im Mittelpunkt des deutschen Medieninteresses. Andere Profis wie Jörg Albertz oder Stefan Klos gerieten in Schottland fast in Vergessenheit.
Hinkel: Diese Gefahr sehe ich für mich nicht, weil ich mit Celtic in der Champions League spielen kann und durch den Wechsel wieder für die Nationalmannschaft nominiert wurde.
ZEIT ONLINE: In Schottland dominieren Celtic und die Glasgow Rangers seit mehr als zwanzig Jahren die Liga. Woher kommt diese totale Überlegenheit?
Hinkel: Die Kommerzialisierung der Champions League hat die Dominanz von Celtic und den Rangers in Schottland radikal vorangetrieben. Vereine wie der FC Aberdeen, Dundee United oder Heart of Midlothian haben früher im Europapokal für Furore gesorgt. Aber durch die hohen Zusatzeinnahmen in der Champions League sind die beiden Glasgower Vereine mittlerweile einfach im Vorteil.
ZEIT ONLINE: Wie nehmen Sie die intensive Rivalität zwischen Celtic mit seinem katholischen Umfeld und den vom Protestantismus geprägten Rangers wahr?
Hinkel: Für die Fans sind die "Old Firm"-Duelle die größten Spiele des Jahres. Die Derby-Zeit, also die Woche vor dem Spiel, sorgt für eine andere, ganz spezielle Stimmung in der Stadt. Für die Spieler ist es dagegen nicht mehr so extrem, wie es einmal war. Früher kamen die meisten Spieler aus Glasgow oder aus anderen Teilen Schottlands, aber der internationale Einfluss mit Akteuren aus aller Welt hat das Ganze spätestens seit den neunziger Jahren etwas geschwächt.
Das Gespräch führte Carsten Germann.
- Datum 27.03.2009 - 14:15 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren