Andreas Hinkel im Interview Wie oft essen Sie Nutella?Seite 2/2
ZEIT ONLINE: Sie haben einige Höhen und Tiefen erlebt, nachdem Sie zum FC Sevilla wechselten und nicht für die Weltmeisterschaft 2006 nominiert wurden. Wie kommt man als Profifußballer von ganz oben nach unten und wieder nach oben?
Hinkel: Es kommt darauf an, wie man das selbst einschätzt. Für mich war die Nicht-Nominierung zur Weltmeisterschaft 2006 ein Schnitt. Allerdings habe ich die ganze Entwicklung nicht als Absturz gesehen, weil ich in Spanien auch Titel gewonnen habe. Das wurde in den Medien dann so dargestellt, als ob ich weg vom Fenster gewesen wäre, aber das stimmt nicht. Die Zeit in Spanien war sehr schön und erfolgreich.
ZEIT ONLINE: Welche Rolle hat Ihr Wechsel zu Celtic Glasgow gespielt, dass Sie wieder zurückgekommen sind?
Hinkel: Der Schritt, ins Ausland zu gehen, war sehr wichtig. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Man gewinnt einen anderen Blick auf Deutschland.
ZEIT ONLINE: Was heißt das genau?
Hinkel: Es geht hier sehr familiär zu. Der Zusammenhalt zwischen Mannschaft, Vereinsmitarbeitern und Fans ist großartig. Sicher ist die schottische Liga nicht die stärkste, aber gerade das "Old Firm"-Derby Celtic gegen Rangers macht die Faszination aus.
ZEIT ONLINE: Dennoch steht die schottische Liga nicht eben im Mittelpunkt des deutschen Medieninteresses. Andere Profis wie Jörg Albertz oder Stefan Klos gerieten in Schottland fast in Vergessenheit.
Hinkel: Diese Gefahr sehe ich für mich nicht, weil ich mit Celtic in der Champions League spielen kann und durch den Wechsel wieder für die Nationalmannschaft nominiert wurde.
ZEIT ONLINE: In Schottland dominieren Celtic und die Glasgow Rangers seit mehr als zwanzig Jahren die Liga. Woher kommt diese totale Überlegenheit?
Hinkel: Die Kommerzialisierung der Champions League hat die Dominanz von Celtic und den Rangers in Schottland radikal vorangetrieben. Vereine wie der FC Aberdeen, Dundee United oder Heart of Midlothian haben früher im Europapokal für Furore gesorgt. Aber durch die hohen Zusatzeinnahmen in der Champions League sind die beiden Glasgower Vereine mittlerweile einfach im Vorteil.
ZEIT ONLINE: Wie nehmen Sie die intensive Rivalität zwischen Celtic mit seinem katholischen Umfeld und den vom Protestantismus geprägten Rangers wahr?
Hinkel: Für die Fans sind die "Old Firm"-Duelle die größten Spiele des Jahres. Die Derby-Zeit, also die Woche vor dem Spiel, sorgt für eine andere, ganz spezielle Stimmung in der Stadt. Für die Spieler ist es dagegen nicht mehr so extrem, wie es einmal war. Früher kamen die meisten Spieler aus Glasgow oder aus anderen Teilen Schottlands, aber der internationale Einfluss mit Akteuren aus aller Welt hat das Ganze spätestens seit den neunziger Jahren etwas geschwächt.
Das Gespräch führte Carsten Germann.
- Datum 27.03.2009 - 14:15 Uhr
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