Raúl Alfonsín Argentinien trauert um seinen Helden
Er führte sein Land aus der Militärdiktatur in die Demokratie. Dienstagabend ist Argentiniens ehemaliger Präsident Raúl Alfonsín gestorben. Ein Nachruf
Raúl Alfonsín war mehr als nur ein Ex-Präsident. Er gehört zu den am meisten respektierten Persönlichkeiten seines Landes, neben Maradona, Evita Peron und der Tangolegende Carlos Gardel. Nun ist Raúl Alfonsín tot. Die Symbolfigur schlechthin der Rückkehr Argentiniens zur Demokratie nach langen Jahren einer brutalen Militärdiktatur, erlag 82-jährig in seinem Haus in Buenos Aires einem Lungenkrebsleiden.
Alfonsin kam aus dem Provinznest Chascomus, an dem er lange hing: Noch als Präsident wiederholte er betont, dass er sich die Haare nur in seinem Heimatort schneiden lasse. Seine Mutter hatte für ihren Erstgeborenen eigentlich die militärische Laufbahn vorgesehen. Doch es kam anders. Schon vor seinem 18. Geburtstag gründete der Sohn eines spanischen Einwanderers, der es vom kleinen Ladenbesitzer zum wohlhabenden Mann gebracht hatte, eine politische Studiengruppe. Dann studierte er Jura, wurde Rechtsanwalt, verteidigte während der Militärherrschaft Regimegegner und gründete die "Ständige Versammlung der Menschenrechte", die sich der systematischen Menschenrechtsverletzungen annahm.
Als die Militärjunta immer mehr an Zustimmung verlor und geschwächt aus dem verlorenen Krieg gegen Großbritannien um die Falkland-Inseln hervorging, wurden für 1983 Wahlen ausgerufen: Alfonsin gewann mit rund 50 Prozent und begann als erster ziviler Präsident nach dem Ende einer der grausamsten Diktaturen des lateinamerikanischen Kontinents, das Land zu demokratisieren.
Mit dem Politiker der linksliberalen Radikalen Bürgerunion UCR verband sich die Hoffnung auf ein neues Zeitalter. "Se va acabar, esta costumbre de matar" - "Es ist vorbei mit der Schlachterei" -, sangen Hunderttausende in der Wahlnacht auf den Straßen der Hauptstadt. Und er enttäuschte sie zunächst nicht. Mit seinen ersten Entscheidungen begründete er seinen Ruf als kompromissloser Verfechter der Rechtsstaatlichkeit.
Drei Tage nach seiner Amtseinführung machte Alfonsín als den Weg frei für die Prozesse gegen die Angehörigen der Streitkräfte wegen Menschenrechtsverbrechen während der Diktatur. Unter seiner Regierung mussten sich die bis dahin allmächtigen Militärs für zehntausendfachen Mord, Folter und Entführung von Regimegegnern verantworten. 1985 wurden die führenden Vertreter der Militärkaste in einem Aufsehen erregenden Prozess zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Verfahren, die in ganz Südamerika ohne Gleichen waren, endeten mit der Verurteilung und Inhaftierung von fünf Juntamitgliedern, darunter zwei Expräsidenten.
Alfonsín setzte auch eine Kommission ein, die die Fälle tausender Verschwundener - zumeist Oppositioneller - aufarbeitete und das brutale Regime der Militärherrscher dokumentierte. All das provozierte, wie kaum anders zu erwarten, den Widerstand der zuvor Mächtigen. Drei Mal versuchte das Militär zwischen 1987 und 1988, den demokratisch gewählten Präsidenten abzusetzen. Mehr als einmal stand Argentinien am Rande eines Bürgerkrieges.
- Datum 02.04.2009 - 11:50 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Der Mann hieß Gardel, nicht Cardel!
Landes, neben Maradona, Evita Peron und der Tangolegende Carlos Cardel.
Außerdem war er Uruguayer, und nicht Argentinier! Trotzdem kann man ihn verehren, aber gewisse Fakten sollte man nicht unter den Tisch fallen lassen.
Diese Lobhudelei ist wirklich widerlich, da Alfonsin es auch war, der die Hyperinflation auf Dauer nicht in den Griff bekam. Das wäre sicherlich auch mal erwähnenswert.
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"that book is dead sexy" -- Xach on #lisp about "Practical Common Lisp"
Sehr geehrter gauss,
wir haben den Namen korrigiert, vielen Dank für den Hinweis. Im Text steht nicht, dass Carlos Gardel Argentinier war, sondern nur, dass er zu einer der am meisten respektierten Persönlichkeiten des Landes zählt.
Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
Sehr geehrter gauss,
wir haben den Namen korrigiert, vielen Dank für den Hinweis. Im Text steht nicht, dass Carlos Gardel Argentinier war, sondern nur, dass er zu einer der am meisten respektierten Persönlichkeiten des Landes zählt.
Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
Herr Schmidt, ihre Kommentar erklärt nicht ganz, dass Dr. Alfonsín hat einen großen Beitrag zu der Zerstörungs Argentinien in dieser neuen democratischen Phase gemacht, als er die Begnadigung der Militären unterschrieben hat. Das war vor 19 Jahren, wenn ich mir gut erinnere: "Das Haus ist in Ordnung, Frohe Ostern". Was für eine Enttäuschung... Mit dieser Aktion hatte, meine Meinung nach, seine Würde verloren und hat das Spiel frei für die Korruption gelassen. Argentinien sieht heute aus, wie einem Land ohne mögliche Rettung, und es geht nicht nur um finanzielle Aspekte....
Sehr geehrter gauss,
wir haben den Namen korrigiert, vielen Dank für den Hinweis. Im Text steht nicht, dass Carlos Gardel Argentinier war, sondern nur, dass er zu einer der am meisten respektierten Persönlichkeiten des Landes zählt.
Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
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