re:publica 2009 Demokratisch, hip, radikalSeite 2/2
Die im Namen radikaler Demokratie gegen die Autorität der Institutionen aufbegehrende Blogosphäre mit ihren in der Masse entpolitisierten, zumeist pseudonymen Existenzen hat da leichtes Spiel. Doch handelt es sich um ein Spiel? Am anderen Pol der Schwarmintelligenz, die das Netz hervorgebracht hat, steht der Einzelne: der Absolutismus des Individuums. Der anarchischen Herrschaftsfreiheit der Blogs entspricht ein Hauen und Stechen um Anerkennung, dessen vermeintliche Gewaltwillkür eben dieser Diskurs eigentlich abschaffen wollte.
Ein Staat als Gemeinwesen lässt sich damit kaum machen. Wie fragwürdig wirkt deshalb die politische Befreiungsrhetorik, mit der unter dem Motto " Shift happens " von morgen an die Social-Media-Konferenz "re:publica ’09" tagt.
Drei Monate nach 9/11 erklärte der französische Soziologe Jean Baudrillard bei einer Unesco-Konferenz: "Wir glauben, dass es das Schicksal eines jeden Wertes ist, universelle Geltung zu erlangen, übersehen aber die tödliche Gefahr, die damit einhergeht. Es handelt sich dabei nicht um eine Art der Beförderung, sondern eher um eine Nivellierung auf die Nullebene der Werte. Seit der Aufklärung erfolgte diese Universalisierung von oben, sie orientierte sich an einem aufsteigenden Modell des Fortschritts; heute erfolgt sie von unten, wir haben es mit einer Neutralisierung der Werte aufgrund ihrer unendlichen Ausdehnung zu tun. So verhält es sich mit den Menschenrechten und der Demokratie: Ihre Expansion geht einher mit ihrer überaus weiten Definition, ihrer maximalen Entropie." Und weiter: "Wenn das Universelle verschwunden ist, bleibt nur noch die globale, allmächtige Technostruktur. Sie steht den Singularitäten gegenüber, die wieder verwildern und sich selbst ausgeliefert sind."
Nostalgie ist darauf keine Antwort – höchstens eine sprachliche Disziplin im Bewusstsein, dass sich Texte künftig aus sich selbst heraus behaupten müssen. Weder Blogosphäre noch Zeitungswelt werden sich um diese vielleicht sogar ganz gesunde Erkenntnis drücken können.
Die
"re:publica ’09"
findet von 1. – 3. 4. in der Berliner Kalkscheune und im Friedrichstadtpalast statt.
- Datum 08.08.2009 - 13:35 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 17
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Schade, bis auf das Motto hab ich in diesem Artikel rein gar nichts ueber die Republika, um die es doch gehen sollte, erfahren.
P.s.: Dies ist das Internet. Wenn man z.B. ueber einen Blog oder die Kommentare darin berichtet, dann kann man da einen Link hin setzen - praktisch, oder?
Sehr geehrter Blixten,
wir haben nun zumindest den Blogeintrag von Stefan Niggemeier verlinkt. In der Tat handelt es sich bei diesem Text um einen Artikel aus der Printausgabe des Tagesspiegel, mit dem wir inhaltlich kooperieren.
Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
Sehr geehrter Blixten,
wir haben nun zumindest den Blogeintrag von Stefan Niggemeier verlinkt. In der Tat handelt es sich bei diesem Text um einen Artikel aus der Printausgabe des Tagesspiegel, mit dem wir inhaltlich kooperieren.
Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
..dass das eigentlich ein Berliner-Tagesspiegel-Text ist. Siehe auch hier..
Holtzbrinck ist eben Holtzbrinck.
Holtzbrinck ist eben Holtzbrinck.
Feuilletonisten drehen auf Glatzen Locken. Selbiges tut Jean Baudrillard.
Baudrillard - hat der nicht die netten Fahrradfotos geschossen, um dem Objekt im erkenntnistheoretischen Spannungsfeld zu mehr Geltung zu verhelfen?
Die Entropie universeller Werte durch Universalisierung - eigenartige Dialektik.
Ich mach's mal konkret: Journalisten sind von Haus aus arrogant, weil sie sich einbilden, besser als andere schreiben zu können. Darüberhinaus bilden sie sich ein, Experten zu sein, bloß weil sie Journalisten sind. Das führt zu seltsamen Auswüchsen wie dem ARD-"Presseclub", wo sie über brennende Themen disputieren und von Anrufern "befragt" werden sollen - wie Lehrer von Schülern befragt werden.
Im Online-Auftritt der "Süddeutschen" zog mal ein stellvertr. Chefredakteur namens Bernd Graff gegen die Blogger vom Leder, indem er sie möchtegernlateinisch als "Idiotae" apostrophierte. Bei den Foristen brach sofort der Sturm im Wasserglas los.
Auf der anderen Seite konnte man just bei SZ-online aus den Leserkommentaren weitaus interessantere Informationen extrahieren denn aus dem Kernartikel. Kein Wunder: Hundert Augen sehen mehr als zwei; Schwarmintelligenz mithin.
Natürlich steht in der Blogosphäre auch viel Schmarrn - da muss man sorgsam selektieren. Aber muss man das nicht bei den etablierten Medien ebenso?
Holtzbrinck ist eben Holtzbrinck.
...lassen sich fast alle kurz so beschreiben:
Öde, blöde und auch noch schlecht geschrieben. (Von der Egozentrik zu glauben der Rest der Welt müsse sich dafür interessien, mal ganz abgesehen).
Und Schwarmintelligenz: Das ist was für Fische. Wenn die Welt sich darauf verläßt, vegetieren wir bald auf amphibischen Niveau!
was mir bei dem ganzen bloghype fehlt sind einige hinweise auf blogs, die wirklich in irgendeiner form etwas bringen. wirft man mal einen blick in die deutschen blogcharts, so stellt man sehr schnell fest, dass es eigentlich nichts wirklich relevantes gibt. die blogs, die etwas taugen, werden, oh graus, meist von professionellen schreibern (meist journalisten oder eben fachleuten) betrieben. was der staendige verweis auf die "schwarmintelligenz" soll wird mir wohl auf ewig ein raetsel bleiben.
also mal an alle, die hier staendig den gar so schlechten mainstreamjournalismus geiseln: lasst mal einige beispiele sehen (auf zeit-niveau oder darueber). bin wirklich gespannt.
die blogosphaere dreht sich hauptsaechlich um sich selbst und das aus einem grund: zumindest in deutschland ist sie schlicht irrelevant. statt sich also staendig selbst zu verteidigen: inhalte her.
was mir bei dem ganzen bloghype fehlt sind einige hinweise auf blogs, die wirklich in irgendeiner form etwas bringen. wirft man mal einen blick in die deutschen blogcharts, so stellt man sehr schnell fest, dass es eigentlich nichts wirklich relevantes gibt. die blogs, die etwas taugen, werden, oh graus, meist von professionellen schreibern (meist journalisten oder eben fachleuten) betrieben. was der staendige verweis auf die "schwarmintelligenz" soll wird mir wohl auf ewig ein raetsel bleiben.
also mal an alle, die hier staendig den gar so schlechten mainstreamjournalismus geiseln: lasst mal einige beispiele sehen (auf zeit-niveau oder darueber). bin wirklich gespannt.
die blogosphaere dreht sich hauptsaechlich um sich selbst und das aus einem grund: zumindest in deutschland ist sie schlicht irrelevant. statt sich also staendig selbst zu verteidigen: inhalte her.
Alles, was hier über Blogger geschrieben steht, trifft nicht auf mich zu.
Ich blogge seit mehr als vier Jahren und habe fast 6000 Mal eingetragen.
Wer klärt den Widerspruch auf?
Welche Blogger kennt der Autor?
Sehr geehrter Blixten,
wir haben nun zumindest den Blogeintrag von Stefan Niggemeier verlinkt. In der Tat handelt es sich bei diesem Text um einen Artikel aus der Printausgabe des Tagesspiegel, mit dem wir inhaltlich kooperieren.
Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
"Es geht um den Aufstand eines um Hipness bemühten Lebensstils von digital natives gegen ein System, das selbst in seinen namhaftesten Qualitätsprodukten manchmal nicht mehr vermitteln kann, wo die intellektuelle Latte liegt und der Unterschied zwischen einer professionellen und einer amateurhaften Äußerung."
Ist das schwurbel für "wir geben ja zu, dass wir oft totalen PR Schrott fabrizieren."?
Oder meinen Sie das mit dem "vermitteln" etwa ernst? "Wir haben das falsch vermittelt" mag zwar die Standardausrede von durch PR-Denke geistig total ruinierten Politikern und Managern sein, aber eines Journalisten ist das nicht würdig?
v.
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