Formel 1 Geld sticht Talent
Am Sonntag startet die Formel-1-Saison. Die besten Fahrer fahren um den Titel. Die besten? Wie Berater und Sponsoren bestimmen, wer Formel 1-Weltmeister wird

© Paul Gilham/Getty Images
Der Champagner fließt: Nico Rosberg feiert seinen zweiten Platz im Großen Preis von Singapur
Wenn am Sonntag das erste Rennen der neuen Formel-1-Saison gestartet wird, fahren in Australien nicht die besten Piloten der Welt um die Wette. Das Talent ist in der Formel 1 längst nicht entscheidend. Wer in der wichtigsten Rennserie des Motorsports am Ende vorne liegt – und wer überhaupt starten darf – das bestimmen jede Menge Geld und die richtigen Kontakte.
Ab und zu, sagt David Hemkemeyer, schaue er sich ein Rennen an. Dann sieht der 23-Jährige, wie Niko Rosberg oder Sebastian Vettel bejubelt werden. Er sieht, was aus ihm hätte werden können. David Hemkemeyer ist der erfolgreichste deutsche Kart-Fahrer, den es jemals gab. Er war zweifacher Deutscher Meister und Europameister. So gut war keiner, nicht einmal Michael Schumacher.
Hört man David Hemkemeyer und seinen Vater Theo über die Formel 1 reden, könnte man denken, die beiden sind frustriert. Frustriert, weil andere geschafft haben, was ihnen nicht gelang. Nach dem Gewinn der Kart-EM im Jahr 2002 wollte der damals 17-jährige David Hemkemeyer, dessen Vater einen Kart-Service besitzt und früher selbst deutscher Meister war, mit einem Schweizer Team die Kart-Weltmeisterschaft fahren. Die Schweizer zogen Familie Hemkemeyer über den Tisch, die Saison war gelaufen.
Zum Jahresende fuhr David mit Unterstützung des deutschen Motorsport-Bundes drei Formel-3-Rennen. 20.000 Euro zahlten die Hemkemeyers, ein Sonderpreis. Zunächst fehlten David Hemkemeyer – ohne einen einzigen Test – fünf Sekunden pro Runde auf die Spitze, im dritten Rennen nur noch eine halbe. Im Motorsport gilt derjenige als besonders talentiert, der schnell ist, ohne zu trainieren.
"Es wäre kein Problem gewesen, in der Formel 3 ganz vorne mitzufahren", sagt David Hemkemeyer deshalb. Dennoch fand sich kein Sponsor, der den talentierten Nachwuchsfahrer unterstützen wollte. Zwei Kart-Saisons später beendete er seine Karriere. "Im Motorsport", da sind sich Vater und Sohn einig, "im Motorsport geht es am wenigsten ums Fahren." Und David ergänzt: "Es macht längst nicht alles Spaß, was da drumherum passiert." Der Münsteraner war bei den wichtigen Leuten nicht beliebt genug. Jetzt studiert er in Aachen Maschinenbau.
Besser hat es Sebastian Vettel gemacht, der diese Saison erfolgreichster Deutscher in der Formel 1 werden könnte. Als David Hemkemeyer 2002 neben der Kart-EM auch seinen zweiten nationalen Titel gewann, landete Vettel im selben Wettbewerb neun Plätze hinter ihm. Der 21-Jährige Vettel aus dem hessischen Heppenheim galt im Kart als engagiert und talentiert, aber nie als Überflieger.
- Datum 27.03.2009 - 23:59 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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