G-20

Eine Schmutzquote für den Klimawandel

Nur radikale Anreize können das Klima retten und den Armen der Welt helfen: eine weltweite Schmutzquote, die allein auf Basis der Bevölkerungszahlen zugeteilt wird

Eine Windenergieanlage vor den Kühltürmen des Kohlekraftwerks Jänschwalde

Eine Windenergieanlage vor den Kühltürmen des Kohlekraftwerks Jänschwalde

Es ist aussichtslos, das Verhalten der Menschen durch bloße Überredung ändern zu wollen. Ein Sinneswandel aus Eigeninteresse ist der Schritt in die richtige Richtung. Idealismus und die Darstellung einer trostlosen und beängstigenden Zukunft helfen vielleicht dabei, die Menschen aufzurütteln.

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Will man aber die Herausforderung einer nachhaltigen Entwicklung der Weltwirtschaft effektiv annehmen, wird Idealismus nicht ausreichen. Bono und U2 haben uns hier einen großen Dienst erwiesen. Sie stoßen uns mit der Nase auf Missstände. Und dann zieht Bono aus Steuergründen von Irland in die Niederlande.

Will man Nachhaltigkeit erreichen, sich aber gleichzeitig auf die Grundbedürfnisse der armen Weltbevölkerung konzentrieren, muss ein neues Konzept, nämlich das Quotenkonzept , entstehen. Die Welt muss akzeptieren, dass alle Menschen auf der Erde berechtigt sind, dasselbe Volumen an Treibhausgasen und anderen Schadstoffen mit globalen Auswirkungen zu produzieren.

Das für die Erde verträgliche Gesamtvolumen der einzelnen Schadstoffklassen muss von Forschern ohne Einmischung von Politikern festgelegt werden. Dieser Wert sollte dann durch die Weltbevölkerung geteilt werden, sodass entsprechende Länderquoten errechnet werden können.

Das Bewusstsein über die Grenzen der Verschmutzung, besonders durch Treibhausgase, gibt den Entwicklungsländern Verhandlungspotenzial: "Wir senken unser Bevölkerungswachstum und ihr akzeptiert die Schadstoffquotenformel auf Grundlage der Bevölkerungszahlen." Die gegenwärtigen Bevölkerungszahlen könnten als Basis für die Quoten herangezogen werden. Bei einem Bevölkerungswachstum über das akzeptierte und vereinbarte Niveau hinaus, müssten die Quoten gesenkt werden.

Es muss ein praktikables Emissionskontrollsystem entwickelt werden, das ebenfalls die Auswirkungen der Forstwirtschaft, also die Aufnahme von Treibhausgasen durch richtiges Forsten, berücksichtigt. So könnten Brasilien und andere Länder Emissionsquoten ausgehend von einer nachweisbaren Bindung von Treibhausgasen verkaufen.

Länder, deren Verschmutzungsgrad höher ist als ihre Quote, müssen Quoten von anderen Ländern kaufen, der Preis regelt sich über Angebot und Nachfrage. Je höher die Kosten für CO2-Emissionen, desto größer sind die Anreize für ein energiebewusstes Handeln.

Mehr kraftstoffsparende Autos und Flugzeuge werden entwickelt. Nicht nur Menschen, sondern auch Güter werden kürzere Strecken zurücklegen. So werden Videokonferenzen anstelle von Geschäftsreisen stark an Bedeutung gewinnen.

Die Produktion wird nicht nur Kapital und Arbeitskräfte benötigen, sondern auch die Lizenz zum Verschmutzen. Auf den Märkten für diese Lizenzen und auch für Kapital und Arbeitskräfte werden alle Unternehmen versuchen, ihre Gewinne zu maximieren.

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Leser-Kommentare

    • 28.03.2009 um 9:55 Uhr
    • otto_B

    Das Konzept des norwegischen Professors klingt interessant, aber er weicht vor sich selbst zurück. Seine Sicht auf negative Erfahrungen mit klassischer Entwicklungshilfe ist ja im Grunde populär geworden. Aber die Erlöse aus verkauften Quoten, sind die in ihrem Effekt wirklich so sehr verschieden von den kritisierten Geldgeschenken? Der Norden diktiert dem Süden: "Tut dies", oder "Tut jenes nicht", und dafür bekommt Ihr Geld. Nach aller Erfahrung wird dieses System eher Bürokratie und Korruption als Demokratie fördern.
    Und mit den verkauften Speichern im Wald ("Forstwirtschaft") überhaupt. Wielange soll das System denn gutgehen? Der Zugriff auf fossilen Kohlenstoff wird legalisiert über wachsende Speicher in Boden und Biosphäre. Nach meiner Kenntnis sind Ökosysteme, also auch Wirtschaftswälder, in erster Linie Fließgleichgewichte. Und die sollen jetzt massiv in die Richtung "wachsender Speicher" getrimmt werden. Naja. Man meint, daß das funktioniert. Eine Weile. ..... Was passiert denn, wenn so ein "Klimawald" mal runterbrennt? Gibt es dann irgendjemand, der die Zertifikate bezahlt? Oder nach der nächsten Wahl in dem Land wird der herangewachsene Wald definiert als Rohstoff, auch zum Verfeuern, und die verkauften Zertifikate sind vergessen und vorbei.
    Wenn, dann schon konsequent. Quote pro Kopf und Basta. Das könnte auch manchem gutverdienenden Biofood- und Ökostrom-Konsumenten bei uns an die Nieren gehen. Fernreisen sind ja in diesen Kreisen durchaus nicht unbeliebt (das ganze natürlich "sanft", und "kultur-sensitiv" und was nicht noch alles.....).
    Interessant auch, wie der Professor das Bevölkerungswachstum als eine politisch verhandelbare Größe betrachtet. Wie das funktioniert, das würde mich mal im Detail interessieren.
    mfg

  1. ... brauchen Unternehmen eine "Lizenz zum Verschwenden", und zwar dringend!

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