Wir stehen vor einer Wirtschaftskrise, wie sie die Welt seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht erlebt hat. Dass Märkte nie perfekt sind und Krisen einfach zum kapitalistischen Weltwirtschaftssystem dazugehören, ist seit Karl Polanyi bekannt. Besorgniserregend am gegenwärtigen Abschwung sind jedoch die weltweiten Auswirkungen, die schwindelerregende Höhe der Verluste und der spektakuläre Fall der Wirtschaftsakteure, die sich einmal für die 'Herren des Universums' gehalten haben.

Auf der Suche nach Erklärungen für die Misere ist schon viel Tinte aus Federn geflossen. Die Subprime-Krise, die in den Vereinigten Staaten ihren Ursprung hatte, ist das meist zitierte Übel. In Wirklichkeit war dies jedoch nur der Anstoß. Die Ursprünge des Zusammenbruchs, den wir heute erleben, kann man auf Faktoren zurückführen, die schon lange heranreiften: die abwegige Ideologie des Neoliberalismus, grenzenlose Habgier, Korruption, Schwachstellen in den internationalen Ratingagenturen, schlechte Unternehmensführung, mangelhafte Prüfungen durch internationale Wirtschaftsprüfungsunternehmen und das Fehlen einer koordinierten und wirksamen politischen Vorgehensweise auf internationaler Ebene.

Ein wichtiger Faktor, der hierbei übersehen worden zu sein scheint, ist der Mangel an globaler Führung. Der verstorbene Wirtschaftshistoriker der Harvard University, Charles Kindleberger, hat einmal die vorrangige Bedeutung von Führerschaft zur Sicherung solider Fundamente einer internationalen Wirtschaftsordnung betont. In der Wirtschaftsliteratur gibt es Belege dafür, dass internationale Wirtschaftsstabilität nur dann möglich ist, wenn ein Staat auf internationaler Ebene die Führungsrolle und die damit verbundene Last der Verantwortung übernehmen kann und will. Im neunzehnten Jahrhundert hat Großbritannien diese Rolle übernommen. Der Stab wurde 1945 an Amerika übergeben.

Ohne Amerikas Hilfe wären die Entwicklungsbahnen Europas, Japans, Südkoreas, Taiwans und der Philippinen ganz anders verlaufen und hätten diese Regionen nicht zu dem gemacht, was sie heute sind. Seit über sechs Jahrzehnten sind die USA sozusagen der Weltbankier letzter Instanz und der Dollar ist praktisch die Weltreservewährung.

Leider haben wir in den letzten Jahren ein Amerika erlebt, das sich von den Idealen des Multilateralismus abgewendet und auf militärische Abenteuer in Afghanistan und dem Irak eingelassen hat, die den Steuerzahler täglich die unglaubliche Summe von 1 Milliarde US-Dollar kosten. Mit einem verfehlten unilateralen Kurs, den weise Staatsmänner, von Theodore Roosevelt bis Harry Truman und Ronald Reagan, niemals auch nur in Erwägung gezogen hätten, hat Amerika das internationale Wohlwollen verspielt, das es genossen hat, während es sein Volk verarmen ließ und Chaos auf internationalen Märkten hervorrief.

Für uns in Nigeria hätte die Krise nicht zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Erst kürzlich konnten wir durch die Zahlung einer stattlichen Summe von 13 Milliarden US-Dollar an den Pariser Club unsere Schulden tilgen. Die Wachstumsaussichten stimmten bei einer Wachstumsrate von durchschnittlich 10 Prozent über drei Jahre äußerst optimistisch. Bis März letzten Jahres war der nigerianische Kapitalmarkt in Bezug auf Rendite der weltbeste. Doch unter dem Ansturm der globalen Kreditkrise haben ausländische Investoren ungefähr 15 Milliarden US-Dollar von unserem Kapitalmarkt abgezogen und damit einen massiven Fall der Aktienpreise ausgelöst. Für ein Land, dessen Auslandseinnahmen zu 90 Prozent von Rohölexporten abhängen, bedeutet der Verfall des Weltpreises für Erdöl auch einen drastischen Rückgang der Mittel, die es dringend zur Finanzierung so wichtiger Sektoren wir Energie, Infrastruktur und soziale Entwicklung benötigt.

Trotz allem gibt es jedoch einen Silberstreifen am Horizont. In der gegenwärtigen Krise sehen wir eine Chance für einen Neubeginn unserer nationalen Entwicklung auf einer stabileren Grundlage ohne gewaltsam aufgezwungene, allgemein anerkannte Wirtschaftsmodelle. Wir sind der Meinung, dass die Zukunft den Nationen gehört, denen es gelungen ist, in einer Atmosphäre der Offenheit, Solidarität und Aufgeschlossenheit ein gesundes Gleichgewicht zu wahren zwischen der Leistungsfähigkeit der Märkte und dem cleveren Treiben eines sogenannten ‚smart state’.