Business Olympia Big Spender in Turnschuhen
Dick Ebersol von der NBC bestimmt den olympischen Zeitplan – und vielleicht auch darüber, wer die Spiele 2016 bekommt. Ein Porträt eines der mächtigsten Männer im Weltsport
© Elsa/Getty Images Sport

Nur selten im Vordergrund: Dick Ebersol, Sportchef von NBC Universal
Der Boss trägt Turnschuhe. Als Sebastian Coe den hoch aufgeschossenen Grauschopf im Foyer des Hyatt Regency Hotels erblickt, begibt er sich umgehend in dessen Nähe. Der Boss tätschelt Coe, den er um Kopfeslänge überragt, wohlwollend die Schulter. Ein putziges Pärchen geben die beiden auf der IOC-Tagung in Denver ab: Lord Coe, Olympiasieger und Cheforganisator der Sommerspiele 2012 in London, und der Big Spender der olympischen Bewegung, der seit 1993 schon 6,7 Milliarden Dollar in den Zirkus gepumpt hat: Dick Ebersol (61), Sportchef des TV-Giganten NBC Universal.
Tags darauf, als Ebersol auf der Messe Sportaccord ein Interview gibt, erinnert er an sein Treffen mit Lord Coe. Gönnerhaft merkt er an, niemand müsse fürchten, dass NBC in London den Zeitplan ändere, um nachts um eins die Puppen tanzen zu lassen, damit Finals zur Primetime an der amerikanischen Ostküste live übertragen werden können. Gespannte Stille im Saal. "Keine Sorge", schiebt Ebersol nach, "wir werden das nie tun." Er lacht als Einziger über diese Bemerkung.
Er versucht sich noch an anderen Witzchen. So sagt er, das Beste wäre, Olympia würde immer in Amerika ausgetragen. Dann stimme die Quote, NBC wäre glücklich, auch in Europa und Asien könne man sich damit arrangieren. Wieder lacht er. Und fügt an: "Bitte schreiben sie, dass ich es witzig gemeint habe. Das ist keiner dieser dubiosen Ebersol-Pläne."
Wer zahlt, der bestimmt über die Regeln mit. Zumal wenn es sich um einen so unbescheidenen, genialen Vordenker wie Ebersol handelt. Als Rechercheur für den damaligen Olympiasender ABC hat er 1967 angefangen und schnell begriffen, was es für gelungene Olympia-Übertragungen braucht: "Kuriositäten", ruft er einem Verbandsvertreter zu, der ihn um Tipps für die TV-Darstellung bittet: "Kuriositäten müssen sie liefern. Einzigartige Geschichten!" Er nennt ein Beispiel: Die Michael-Phelps-Saga auf NBC wurde mit einer Homestory über "die Liebesaffäre mit seinem Hund" eingeleitet.
Ebersol erzählt, wie er IOC-Präsident Jacques Rogge schon im Sommer 2001, bei dessen Antrittsbesuch in den USA, erläutert habe, dass man über den Zeitplan der Sommerspiele in Peking nachdenken müsse. "Wir haben erst einige Jahre später wieder drüber geredet." Soll heißen: Rogge hatte begriffen. Die Finals im Schwimmen und Turnen fanden früh am Morgen statt – damit NBC in der Primetime übertragen konnte. Ebersol bedankt sich bei den Weltverbänden der Schwimmer und Turner "und bei Jacques" für deren "aufopfernde Initiative". Er stellt es so dar, als wären die morgendlichen Finals für die Rekordflut im Schwimmbecken verantwortlich gewesen. "Allein morgens fielen mehr Weltrekorde als bei den beiden vorangegangen Spielen zusammen!" Wie gut nur, dass der Zeitplan geändert wurde.
- Datum 01.10.2009 - 09:44 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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