Business Olympia Big Spender in TurnschuhenSeite 2/2

Amerikanische Stars, die bei den Winterspielen in Vancouver die Hauptrolle übernehmen könnten, die Phelps für NBC in Peking so prächtig spielte, hat Dick Ebersol längst ausgemacht: Skiläuferin Lindsay Vonn, Shorttrack-Star Apolo Ohno, Eisschnellläufer Shani Davis und Snowboarder Shaun White – dessen knallroter Schopf begeistert Ebersol besonders: "Das kommt wunderbar im High-Definition-Format!" Während der Spiele, so geht die Saga, lebt Ebersol siebzehn Tage ununterbrochen in seinem Büro im Fernsehzentrum, in Peking ausgestattet mit dreißig Flachbildschirmen, einem Bett und "einem Bad von der Größe eines olympischen Aufwärmbeckens". Wieder lacht Ebersol sehr auffällig.

Seit 1996 überträgt NBC die Sommerspiele. Dass der an Parkinson erkrankte Muhammad Ali damals in Atlanta das olympische Feuer entzündete, hat sich Ebersol ausgedacht. Sagt Ebersol. Winterspiele zeigt NBC seit 2002. Für Vancouver 2010 überweist man 820 Millionen Dollar, für London knapp 1,2 Milliarden. Der Mutterkonzern General Electric zahlt zusätzlich 160 Millionen als einer von neun IOC-Sponsoren. Die Liaison ist finanziell erfolgreich, bislang verkaufte NBC stets genügend Werbeplätze. Und auch das ist ein Wert: Olympia lockt Frauen an die TV-Geräte. "Mehr als Männer", sagt Ebersol.

Ebersol, der 2004 einen Flugzeugabsturz überlebte, bei dem einer seiner Söhne starb, lässt keinen Zweifel daran, dass er auch ab 2014 Olympia übertragen will. Nur wolle man mit der Vertragsunterzeichnung nichts überstürzen. "Wait and see", sagt er: "Es ist im Interesse des IOC, auch der Nationalen Olympischen Komitees und der Sportfachverbände, auf eine bessere wirtschaftliche Situation zu warten." Das sagen auch Rogge und die IOC-Unterhändler, etwa Marketingchef Timo Lumme: "Wir können warten. Unser Job ist es, ein maximales Ergebnis zu erlösen." Richard Carrion, Chef der IOC-Finanzkommission, formuliert es ähnlich: "Wir haben keine Eile."

Ebersol erinnert daran, dass die TV-Verhandlungen Anfang der neunziger Jahre wegen der schlechten ökonomischen Lage schon einmal verschoben wurden: 1990 erhielt Atlanta die Sommerspiele 1996 – aber erst 1993 wurden die TV-Rechte für Atlanta vergeben. Und nun bewirbt sich Chicago um die Sommerspiele 2016. "Ich kann mir nicht vorstellen", behauptet Ebersol, dass die Diskussionen über die Fernsehrechte und über die Sonderrolle des amerikanischen NOK in der Olympiavermarktung "die Entscheidung über die Sommerspiele 2016 beeinflussen". Was man so sagt als Big Spender. Auch die meisten Zuhörer können sich etwas nicht vorstellen: dass Dick Ebersol das ernst meint.

 
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