ZEIT ONLINE: Herr Klopp, Ihre Frau Ulla hat vor einem Jahr das Kinderbuch Tom und der Zauberfußball veröffentlicht. Stimmt es, dass es bald verfilmt werden soll? Und: Spielen Sie selbst eine Rolle?

Jürgen Klopp: Die Gefahr besteht nicht. Zur Verfilmung laufen Verhandlungen. Es soll wohl ein Kinofilm werden, aber sicher ist noch nichts. Falls Sie das Buch noch nicht gelesen haben: Es ist nicht nur ein Kinderbuch, auch Sie können es lesen.

ZEIT ONLINE: Das ist gut. Sie haben den Ruf, ihre Spieler sehr gut motivieren zu können. Kann es sein, dass ihre Art in Dortmund nicht so gut ankommt wie in Mainz? Der BVB steht nur auf Platz neun der Liga.

Klopp: Keineswegs. Die Mannschaft beendete die vergangene Saison auf Platz dreizehn. Der BVB galt als "Schießbude der Liga". In diesem Jahr haben wir uns Stabilität in der Abwehr erarbeitet. Das ist ein wichtiger Schritt, um Spiele zu gewinnen. Außerdem waren lange Zeit bis zu sechs Stammspieler gleichzeitig verletzt. Sonst hätten wir jetzt sicherlich ein paar Punkte mehr.

ZEIT ONLINE: Ihr Verhältnis zum Stürmer Alexander Frei scheint angespannt. Nach dem Bremen-Spiel hat Frei nicht mehr ausgeschlossen, den Verein am Saisonende zu verlassen.

Klopp: Alex Frei und ich haben keine Probleme miteinander. Natürlich ist kein Spieler glücklich, wenn er nicht von Anfang an spielt. Aber Alex hat in den vergangenen zwei Spielen drei Tore geschossen. Ich habe nach dem Spiel mit ihm gesprochen: Da war nichts von Animositäten zu spüren. Die Wahrscheinlichkeit, dass er gegen Hertha von Beginn an spielt, ist ziemlich hoch.

ZEIT ONLINE: Nächste Saison wird der BVB auch sonntags um 15.30 Uhr spielen. Das hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) beschlossen. Dabei ist dieser Termin traditionell die Zeit der Amateure. Wird mit diesem Beschluss das Verhältnis zur Basis gestört?

Klopp: Man kann es nicht jedem Recht machen. Einerseits wollen die Sendestationen neue Anstoßzeiten, wenn sie mehr Fernsehgeld zahlen sollen. Und das braucht die Bundesliga, um international mithalten zu können. Andererseits habe ich selbst lange bei den Amateuren gespielt. Ich weiß daher, dass die Amateure unter den zeitgleichen Spielen leiden.

ZEIT ONLINE: In Dortmund sind regelmäßig 80.000 Fans im Stadion, die sonst bei ihren Heimatvereinen spielen oder zuschauen würden. Der BVB hätte als besonders betroffener Ruhrgebietsverein Einspruch gegen den DFL-Beschluss einlegen können.

Klopp: Der BVB hat gute Drähte zur DFL (BVB-Präsident Reinhard Rauball ist Liga-Präsident, Anm. d. Red.), aber als Trainer bin ich in solche Entscheidungen nicht eingebunden. Wir sind uns der Basis bewusst, aber auch wenn ein Spiel wie bisher am Sonntag um 17 Uhr angepfiffen wird, können sich Amateurfußballer und deren Zuschauer unsere Spiele nicht ansehen. Der ideale Zeitpunkt für die Bundesliga bleibt Samstag 15.30 Uhr. Aber wir müssen nun mal neue Anstoßzeiten für mehr Geld finden. Es kann nicht sein, dass einerseits beklagt wird, dass seit Jahren kein deutscher Klub die Champions League gewinnt, aber andererseits keiner etwas dafür tun will.

ZEIT ONLINE: In Dortmund hat man sich am Geld schon einmal verschluckt. Gibt es auf Seiten des BVB kein besonderes Problembewusstsein?

Klopp: Erstens: Unter der jetzigen Führung des Vereins wird es nie wieder solche Probleme geben wie vor acht oder zehn Jahren. Zweitens: Bei den neuen Anstoßzeiten geht es nicht für einzelne Vereine darum, mehr Geld zu erzielen, sondern es geht für die Bundesliga insgesamt darum, wettbewerbsfähig zu bleiben.

ZEIT ONLINE: Zuletzt wurde im Fußball auch mal über das Thema Doping diskutiert. Fehlt dem Fußball das Bewusstsein für dieses Problem?

Klopp: Das Bewusstsein fehlt dem Fußball absolut nicht. Es ist ganz einfach: In den vergangenen Jahren gab es reichlich Kontrollen im Training, in den Spielen, in Trainingslagern – und keine war positiv. Und wenn, dann waren es Abnehm- oder Haarwuchsmittel, die jemand gedankenlos eingenommen hatte. Doping gibt es offenkundig also nicht. Aber wir gehen trotzdem sehr sorgfältig und pflichtbewusst mit diesem Thema um und wollen unseren guten Ruf behalten.