WM-Qualifikation Besuch beim Fußballzwerg
Die Nationalmannschaft trifft auf Liechtenstein. Der Vaduzer Trainer Pierre Littbarski spricht über die Fußballkultur in dem Ländchen und Löws Autorität
ZEIT ONLINE: Herr Littbarski, der liechtensteinsche Fußball ist erfolgreich wie nie. Ihr Klub, der FC Vaduz, ist erstmals in die Erste Schweizer Liga aufgestiegen, die Nationalelf hat in der WM-Qualifikation 0:0 in Aserbaidschan gespielt. Wächst da eine neue Mini-Fußballgroßmacht heran?
Pierre Littbarski: Nein, unmöglich. Wir sind schon auf dem Höhepunkt. Liechtenstein hat 35.000 Einwohner. Alles, was gegen den Ball treten kann, wird beobachtet. Unser Ziel ist, ohne größeren Schaden aus den Spielen herauszukommen: keine Verletzungen, keine hohen Niederlagen. Unsere Motivation: die Etablierten ärgern.
ZEIT ONLINE: Welche Bedeutung hat der Fußball im Fürstentum? Gibt es eine kleine Fußballkultur?
Littbarski: Zumindest haben wir kaum konkurrierende Sportarten und verhältnismäßig viele Fußballplätze. Aber: Es gibt nur sieben Vereine, nur unserer beschäftigt Vollprofis. Hier kennt jeder jeden, das Land ist winzig, wie in einer Kleinstadt. Wir haben zwar nur 2.000 Zuschauer im Stadion, keine Horden. Aber das sind immerhin zwei Fünftel der Vaduzer Bevölkerung.
ZEIT ONLINE: Welches Niveau hat Liechtensteins Nationalmannschaft, könnte sie in der Zweiten Bundesliga mithalten?
Littbarski: Eher in der Dritten Liga, unteres Mittelfeld. Die deutschen Teams sind robuster und abgeklärter.
ZEIT ONLINE: Der größte Erfolg Liechtensteins war ein 2:2 gegen Portugal. Frustrierend, oder?
Littbarski: Dafür haben die Spieler die Chance, in tollen Stadien gegen große Gegner zu spielen. Sie können lernen und um ein passables Ergebnis kämpfen. Gerade auf das Match gegen Deutschland in der WM-Arena Leipzig sind alle heiß.
ZEIT ONLINE: Sie haben einen Bundesliga-Spieler für Vaduz verpflichtet: den Hoffenheimer Torwart Kirschbaum. Sicher keine einfache Aufgabe, Spieler für die Provinz zu begeistern?
Littbarski: Einige haben mir gesagt: Lieber bleibe ich in der Bundesliga und sitze meinen Vertrag auf der Tribüne ab.
ZEIT ONLINE: Und Sie selbst? Kommen Sie sich nicht manchmal deplatziert vor, als Weltmeister beim Fußballzwerg?
Littbarski: Ich lerne gern andere Kulturen kennen. Hier habe ich die Möglichkeit, Kontakte in Europa aufzufrischen. Ewig werde ich sicher nicht in Vaduz bleiben.
ZEIT ONLINE: Lastet ein Fluch auf der Weltmeisterelf von 1990, wie immer behauptet wird? Matthäus, Brehme, Kohler, Sie – keiner arbeitetet für den DFB oder einen Topklub. Die wichtigen Posten besetzten die Europameister von 1996: Sammer, Bierhoff, Babbel, Köpke.
Littbarski: Ach, ich bin froh mit meinem Leben, nicht verbittert. Ich kann arbeiten, habe Titel in Japan und Australien gewonnen. Meiner Familie geht es gut. Ich habe nicht den Anspruch: Ich bin Weltmeister, ich brauche fette Jobs.
- Datum 27.03.2009 - 23:35 Uhr
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