Marvin Gaye zum Geburtstag Hits zwischen Sex und PolitikSeite 3/3
Viele junge Afroamerikaner sterben in diesen Jahren im Krieg. Auch Marvins Bruder kämpft in Vietnam. Frankie Gay überlebt, schwer traumatisiert. Aus Frankies Erfahrungen entwickelt Marvin Gaye das erste Konzeptalbum der Motown-Geschichte. Gegen den erbitterten Widerstand des Firmenchefs Berry Gordy, der Politik für Kassengift hält und um jeden Preis am Dreiminuten-Lovesong-Erfolgsmodell festhalten will, komponiert Gaye das Panorama eines zerrütteten Landes: zerrissen von einem sinnlosen Krieg, knietief im Inner City Blues.
Gaye bedient sich bei Jazz und Klassik, dehnt die Songs auf fünf, sechs Minuten. Der strahlende Zwangsoptimismus von Motowns Sound Of Young America der Sechziger ist verflogen. What's going on?, fragt einer der großen Protagonisten aus dem Musterunternehmen des Black Capitalism. Plötzlich rollt von den Motown-Fließbändern eine Platte, die dem Land den Spiegel vorhält, und was darin zu sehen ist, gibt keinen Anlass zu Optimismus. Bis heute wird What's Going On als Meisterwerk des politischen Soul gefeiert, auch für seine Signalwirkung.
Marvin Gaye hat den Soul bei Motown aus dem Dreiminuten-Hit-Korsett befreit, er hat sich selbst als Autor ermächtigt, neue Themen durchzusetzen. Andere folgen, in Marvins Windschatten emanzipiert sich Stevie Wonder vom alternden Kinderstar zur innovationsfreudigen Ein-Mann-Band. Marvin feiert schon bald den größten kommerziellen Erfolg seiner Karriere. Das 1973 veröffentlichte Album Let's Get It On wird zum Bestseller. Es ist wieder ein Konzeptalbum. Zum Ärger von Berry Gordy. Aber es geht um Sex. Zur Freude von Berry Gordy. Und zum Ärger von Marvin Gay Sr.
Am 2. April von 17 Uhr an erinnert das Netzradio ByteFM in der Sendung "A Funky Space Reincarnation" an den großen Marvin Gaye.
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- Datum 02.04.2009 - 09:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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