Kunst im Irak Haus der Hoffnung

In Bagdad hat das Nationalmuseum wiedereröffnet. Die Iraker haben damit ein Stück Normalität zurückerlangt - und ein Stück Identität

Im Frühjahr 2003 stand die Kunst- und Kulturwelt unter Schock: Während der amerikanischen Invasion in Irak wurde Bagdads Nationalmuseum geplündert. Schmuggler und Kunstdiebe stahlen an die 15.000 Artefakte von unschätzbarem Wert aus den Ausstellungsräumen und Vitrinen und verschleppten sie in alle Welt. So wie eine über tausend Jahre alte goldene und elfenbeinfarbige Skulptur aus Nimrud, die einen Löwenangriff auf eine Frau zeigt. Es war die weltweit größte Sammlung mesopotamischer Kunst und Iraks kulturelles Erbe aus der Zeit der Sumerer, Assyrer und Babylonier - die "Wiege der Zivilisation", wie es oft hieß, da in dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris die ersten Hochkulturen vor mehr als 5.000 Jahren entstanden.

Panzer standen zwar vor dem Gebäude, aber die amerikanischen Soldaten wurden heftig kritisiert, dass sie das Museum nicht ausreichend gesichert und den Plünderern Tür und Tor geöffnet hätten. Der ehemalige amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verglich dies zynischerweise mit Randale am Rand von Fußballspielen: "Niemand mag es, niemand erlaubt es. Es passiert aber und das ist bedauerlich." Die von einer Panzerfaust durchlöcherte Museumsfront war fortan ein Symbol für die Sinnlosigkeit und Zerstörungswut dieses Krieges.

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Sechs Jahre blieb das Museum geschlossen, nun ist es wiedereröffnet worden. Viele Lücken klaffen in der Sammlung: Nur etwa 6000 archäologische Fundstücke sind wieder aufgetaucht. Darunter die mehr als 5000 Jahre alte Warka-Maske. Das Alabaster-Artefakt gilt als sumerische Mona Lisa und ist eines der ältesten Abbildungen eines menschlichen Antlitzes. Auch der berühmte Schatz von Nimrud wurde wieder gefunden.

Die mit Gold und Edelsteinen ausgestattete Arbeit stammt aus dem neunten Jahrhundert vor Christus, der Zeit des Assyrerreichs. Kunstfreunde, Kuratoren und Archäologen hatten die Stücke in Jordanien, Syrien, Amerika, Peru, Italien und Irak selbst entdeckt und zurückgegeben.

Die Wiedereröffnung des Museums soll nun Iraks Fortschritt bezeugen und ein Stück Normalität zurückbringen. Doch die Entscheidung von Regierungschef Nuri al-Maliki, das Museum zu öffnen, ist umstritten. Das Kulturministerium ist der Meinung, es sei zu früh, die Fundstücke der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Minister fordern eine zuverlässigere Sicherheitsanlage und gründlichere Katalogisierung der Stücke, damit sich das Publikum besser orientieren könne.

Bislang sind nur acht von 26 Räumen öffentlich zugänglich und auch nur für bestimmte Besucher: Schüler, Studenten und Touristen. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis sich die politischen Ränkespiele gelegt haben, alle Fundstücke wieder in den Vitrinen liegen, alle Räume renoviert sind und die Normalität vollständig zurückgekehrt ist. Bis dahin ist das Museum für viele Iraker zumindest ein Symbol für Zuversicht und Hoffnung auf bessere Zeiten.

 
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