Phantom von Heilbronn Die falsche Formel der Fahnder
Mehrere Sonderkommissionen haben lange eine falsche Spur verfolgt: die des Phantoms von Heilbronn. Sie müssen sich fragen lassen, warum die Logik auf der Strecke blieb
Offiziell wird der Fehler noch gesucht, an vielen Stellen, ohne Anklage und völlig ergebnisoffen. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) bekundete Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag "großen Respekt" und warnte: "Voreilige Schlussfolgerungen waren und sind nicht angebracht."
Doch als die Meldung an die Medien ging, ließ es sich nicht mehr wegfabulieren: Die meistgesuchte Verbrecherin Deutschlands ist das, als was sie seit April 2007, seit dem Mord an der Polizistin Michelle Kiesewetter in Heilbronn, immer wieder bezeichnet wurde: ein Phantom. Etwas, das es gar nicht gibt. Diese Erkenntnis in ihrer Tragweite wird noch Zeit brauchen, bis sie in allen Chefbüros bei Justiz und Polizei angekommen ist.
Der entscheidende Hinweis, der sich endgültig nicht mehr ignorieren ließ, kam Ende vergangener Woche aus Saarbrücken. An der deutsch-französischen Grenze war eine Männerleiche gefunden worden, ein Gewaltopfer. Es gab den Verdacht, dass es sich um einen 2002 verschwundenen Asylbewerber handeln könnte. Von dem Verschwundenen gab es einen Fingerabdruck, der im Rahmen seines Asylverfahrens genommen worden war. An dem Abdruck klebten noch winzige Reste von Schweiß und Hautfett, genug für eine DNA-Analyse, die für einen Vergleich taugte.
Doch dann spuckte die Datenbank ein überraschendes Ergebnis aus: Der 2002 verschwundene Asylbewerber sollte die "Frau ohne Gesicht" sein. Ungläubig betrachteten die Laborspezialisten in Saarbrücken den Wattetupfer, mit dem sie die Probe genommen hatten. Sie griffen zu einem zweiten Wattestäbchen aus einer anderen Charge. Da war die Phantomfrau wieder verschwunden.
Am Freitag informierte die Saarbrücker Staatsanwaltschaft die zuständigen baden-württembergischen Behörden. Beim Landeskriminalamt in Stuttgart wurde Gewissheit, was sich als Ahnung längst in vielen Köpfen festgesetzt hatte. Erst wenige Wochen zuvor war bekannt geworden, dass es in einer Realschule in Saarbrücken ebenfalls eine DNA-Spur der vermeintlichen Serientäterin gegeben hatte, eine von mittlerweile 40 Spuren in Deutschland und Österreich.
Die Spur klebte an einer Coladose, die im Juni 2007 von neun der Polizei längst bekannten, überwiegend minderjährigen Einbrechern zurückgelassen worden war. Doch die Jugendlichen beteuerten bei einer erneuten Befragung, eine Frau sei beim Einbruch nicht dabei gewesen.
Weshalb wog eine Anhäufung vermeintlicher DNA-Beweise mehr als die kriminalistische Logik? "Eine Formel gilt mehr als die Aussage vieler", kritisiert ein langjähriger Beamter der baden-württembergischen Polizei, der schon in vielen Sonderkommissionen arbeitete und nicht genannt werden will. Offenbar habe sich der Glaube an die Existenz der Phantomkillerin bei allen ermittelnden Polizisten eingebrannt. Bei der Heilbronner Soko "Parkplatz", in der zu Spitzenzeiten rund 30 Beamte arbeiteten, aber auch bei den beteiligten Staatsanwälten. "Die müssen jetzt alle einen Neustart machen", so der Beamte.
So weit ist man bei der Heilbronner Polizeidirektion gedanklich noch nicht. Es stehe ja noch gar nichts sicher fest, sagt ein Sprecher. Auf die Frage, ob die Soko-Beamten möglicherweise Wut gegenüber ihren Kollegen von der Spurensicherung empfänden, ob sie entsetzt darüber seien, zwei Jahre lang eine falsche Theorie verfolgt zu haben, antwortet der Sprecher nur: "Sie können mich nicht rauslocken."
Harald Lustig, Sprecher der Staatsanwaltschaft Heilbronn, antwortet mit einer Gegenfrage: "Wie würden Sie denn reagieren?" Dann gibt er zu: "Besonders erfreut ist man darüber nicht, man verlässt sich ja auf die Techniker." Nun müssten alle Fakten auf den Tisch, "bevor wir uns selbst bemitleiden".
Die Wattestäbchen, die von den Spurensicherern bei der Tatortarbeit verwendet werden, haben mit dem, was in Apotheken und Drogerien verkauft wird, nichts zu tun. Die Bakterietten, so die Bezeichnung im Polizeijargon, werden sterilen Plastikhülsen entnommen, in die sie nach einem Abstrich auch wieder zurückgesteckt werden.
Es ist unwahrscheinlich, dass ein solches Produkt vor Gebrauch mit einer DNA kontaminiert ist – und doch auch wieder nicht. Ein Sprecher des Medizinbedarfsherstellers Paul Hartmann AG in Heidenheim erklärt: "Eine Hautschuppe lässt sich zwar desinfizieren, aber die DNA ist trotzdem da." Für den gewöhnlichen Patienten und dessen Gesundheit spiele das keine Rolle. Wohl aber für die Polizeiarbeit, wie sich nun zeigt.
- Datum 27.03.2009 - 12:14 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 26.3.2009 - 17:31 Uhr
- Kommentare 17
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Wenn ein Ingineur ein Bürogebäude baut und ihm schwere Berechnungsfehler bei der Statik nachgewiesen werden können kommt er wahrscheinlich nicht damit davon indem er eine Fleppe zieht und sagt "Kann garnicht sein, steht noch nichts fest". Bin gespannt ob am Ende einer der Polizeimagier in irgendeiner Form für die jahre vergeblicher Polizeiarbeit (ich denke ein Stundensatz von 50€/h ist gerechtfertigt) in Haftung genommen wird. Es kann doch nicht so schwer sein Wattebäuschchen ohne Schuppen am Markt zu bekommen!
Wahrscheinlich wird die Rede davon sein das sowas vorkommen kann, die Schultern gezuckt werden und fröhlich weitergezaubert.
Irgendwo war die Geschichte doch auch zu bizarr als das sie wahr sein konnte.
Denn die Formeln (Primer, Puffer-Lsg., Farbstoffe) waren garantiert richtig, sonsta hätte man ja nicht immer das selbe Erbegnis bekommen.
ABER:
Dennoch ist sehr peinlich, wenn man verdreckte Werkzeuge benutzt!
...letzte Woche gefasst worden wäre? Ich ahne böses...
Das gleiche wiederholt sich immer dort wenn Polizisten mit Techniken arbeiten die sie schlicht nicht verstehen, jedoch blind vertrauen.
Ähnliches wird mit der neumodischen "IT Überwachung" ständig geschehen - man wird ewig geistern nachjagen.
Diese "Dame" hat ja nicht nur in Deutschland ihr Unwesen getrieben, sondern auch in anderen europäischen Ländern (Siehe hier). Gibt es etwa ein "schmutziges Wattestäbchenmonopol" auf europäischer Ebene?
Um die deutsche Polizei auf ne falsche Spur zu führen und dort lange festzuhalten., weit weg von den zwei (oder drei?) Morden im georgischen oder russischen Milieu Es erscheint doch ziemlich unwahrscheinlich, dass eine einzelne Packerin durch Versehen, etwa Husten oder Niesen zu DNA-Spuren gleich an 40 Tatorten führt- und das bei Lieferungen nach Österreich und Deutschland zugleich. Da hat sich doch einer drum gekümmert.( Hatten ,wie es hieß, nicht die DNA- Merkmale auf ne Frau aus Osteuropa hingewiesen?)
Um die deutsche Polizei auf ne falsche Spur zu führen und dort lange festzuhalten., weit weg von den zwei (oder drei?) Morden im georgischen oder russischen Milieu Es erscheint doch ziemlich unwahrscheinlich, dass eine einzelne Packerin durch Versehen, etwa Husten oder Niesen zu DNA-Spuren gleich an 40 Tatorten führt- und das bei Lieferungen nach Österreich und Deutschland zugleich. Da hat sich doch einer drum gekümmert.( Hatten ,wie es hieß, nicht die DNA- Merkmale auf ne Frau aus Osteuropa hingewiesen?)
"Hallo, können sie nicht einige Hautschuppen von meinem Nachbarn auftragen. Der ist im Sommer immer so laut und außerdem rußt sein Grill immer herüber...."
2 Monate später im Nachbargarten
"Ihre DNA wurde an einer geköpften Frauenleiche gefunden - bitte kommen Sie mit"
"Aber ich ...."
;o))
...na hier gilt wohl das sprichwort: im nachhinein ist man immer schlauer ;-) und ich würde auch einigen fachfremden journalisten, kommentatoren ... zu etwas mehr rücksicht raten. ganz gewiss ist hier nicht geschlampt wurde. das problem der kontamination wurde ja schon früher diskutiert, konnte aber nie erhärtet werden. warum? man braucht sich ja nur die zahlen anzuschauen- allein in bw ca. 15000 tests im jahr- dazu gerechnet noch die anderen länder die wattetupfer oder andere materialien vom selben hersteller beziehen. und wie oft wurde die phantom-dna gefunden- 20mal? also wenn, dann handelt es sich um eine äußerst seltene kontamination- und um diese vestzustellen müsste man eine ähnliche anzahl an "leerproben" analysieren.
hätte man DNA Tests nicht blind vertraut, sondern mehr in klassischer Ermittlungsarbeit gesteckt, wäre der Polizistenmörder vermutlich längst gefasst.
Hier hat man sich offensichtlich faul auf eine Technik verlassen, die alles andere als eindeutig ist (sonst hätte der Fall sonst nie so groteske Ausmaße angenommen) - um 17.00 Uhr ist ja Feierabend...
hätte man DNA Tests nicht blind vertraut, sondern mehr in klassischer Ermittlungsarbeit gesteckt, wäre der Polizistenmörder vermutlich längst gefasst.
Hier hat man sich offensichtlich faul auf eine Technik verlassen, die alles andere als eindeutig ist (sonst hätte der Fall sonst nie so groteske Ausmaße angenommen) - um 17.00 Uhr ist ja Feierabend...
hätte man DNA Tests nicht blind vertraut, sondern mehr in klassischer Ermittlungsarbeit gesteckt, wäre der Polizistenmörder vermutlich längst gefasst.
Hier hat man sich offensichtlich faul auf eine Technik verlassen, die alles andere als eindeutig ist (sonst hätte der Fall sonst nie so groteske Ausmaße angenommen) - um 17.00 Uhr ist ja Feierabend...
... aber Hauptsache mal einen Kommentar herausposaunt .... sowie leeres G'schwätz, Vorurteile und Unterstellungen produziert ... was einige andere Schlaumeier an Kommentatoren hier ebenfalls betrifft.
Wenn Sie wüssten, was in Heilbronn in klassische Ermittlungsarbeit gesteckt worden ist, wie viele Überstunden die Jungs und Mädels geschoben haben, wie viele Leute befragt wurden usw. usw. selbst ein Jahr danach noch ... Das "Phantom" war eine Verbindung zu anderen Straftaten. Die Soko in Heilbronn hat aber in Heilbronn ermittelt und nicht in Saarbrücken oder Österreich ... und definitiv nicht um 17.00 Uhr den Griffel fallen lassen. Wieder eine Hoffnung weniger den Täter zu fassen ...
Wie bei jeder technischen Messung, muss man die Daten auch anzweifeln können. Nur so findet man systematische Messfehler heraus. Und manche sind leider ziemlich schwer zu finden, weil sie zu selten auftreten. Nicht immer korrelieren Messdaten mit dem Fahrplan der nächstgelegenen U-Bahn sondern treten zufällig auf. Deswegen empfehle ich den schlauen Kommentatoren hier, den Ball flach zu halten. Und wie der Name "Hardliner" vermuten lässt: Die sensiblen Messmethoden sind halt nichts für grobe ZEIT-Genossen.
Was interessant ist, wenn man andererseits die Landkarte der Fundorte der DNA anschaut: Saarland, RLP, BaWü, Österreich, d.h. fast ganz Süddeutschland - bis auf Bayern. Entweder macht die bayerische Polizei keine DNA-Tests oder benutzt andere Materialien ....
... aber Hauptsache mal einen Kommentar herausposaunt .... sowie leeres G'schwätz, Vorurteile und Unterstellungen produziert ... was einige andere Schlaumeier an Kommentatoren hier ebenfalls betrifft.
Wenn Sie wüssten, was in Heilbronn in klassische Ermittlungsarbeit gesteckt worden ist, wie viele Überstunden die Jungs und Mädels geschoben haben, wie viele Leute befragt wurden usw. usw. selbst ein Jahr danach noch ... Das "Phantom" war eine Verbindung zu anderen Straftaten. Die Soko in Heilbronn hat aber in Heilbronn ermittelt und nicht in Saarbrücken oder Österreich ... und definitiv nicht um 17.00 Uhr den Griffel fallen lassen. Wieder eine Hoffnung weniger den Täter zu fassen ...
Wie bei jeder technischen Messung, muss man die Daten auch anzweifeln können. Nur so findet man systematische Messfehler heraus. Und manche sind leider ziemlich schwer zu finden, weil sie zu selten auftreten. Nicht immer korrelieren Messdaten mit dem Fahrplan der nächstgelegenen U-Bahn sondern treten zufällig auf. Deswegen empfehle ich den schlauen Kommentatoren hier, den Ball flach zu halten. Und wie der Name "Hardliner" vermuten lässt: Die sensiblen Messmethoden sind halt nichts für grobe ZEIT-Genossen.
Was interessant ist, wenn man andererseits die Landkarte der Fundorte der DNA anschaut: Saarland, RLP, BaWü, Österreich, d.h. fast ganz Süddeutschland - bis auf Bayern. Entweder macht die bayerische Polizei keine DNA-Tests oder benutzt andere Materialien ....
Ehrlich gesagt versteh ich das noch immer nicht. Warum gibt es denn dann nur ein Phantom und nicht tausende? Gibt es nur eine schlampige Mitarbeiterin und die anderen begehen über die Jahre nie Fehler? Warum wurde dann nicht in einer Gegend (die Päckchen-Wattestäbchen, die verunreinigt wurden, sollten doch zumindest in einer Produktion hergestellt worden sein) mehr gefunden, anstatt überall in Europa immer nur sehr vereinzelt? In so vielen Fällen wurden bisher nie Gegenproben genommen? Würde ja bedeuten, dass obwohl eigentlich üblich, nur ca. jede 40igste Probe überprüft wird...
Wie konnte EINE DNA in hunderte Wattestäbchen gelangen? Wie wäre es, wenn am Ende rauskäme, dass die Firma eine Mitarbeiterin unter Vertrag hat, deren Aufgabe es ist, die Wattestäbchen einzeln anzulecken, um zu testen, ob deren Saugfähigkeit tatsächlich der EU-Norm entspricht? ;)
Wie konnte EINE DNA in hunderte Wattestäbchen gelangen? Wie wäre es, wenn am Ende rauskäme, dass die Firma eine Mitarbeiterin unter Vertrag hat, deren Aufgabe es ist, die Wattestäbchen einzeln anzulecken, um zu testen, ob deren Saugfähigkeit tatsächlich der EU-Norm entspricht? ;)
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