Am Anfang funktioniert das Internet nicht: "W-Lan kommt bald", steht auf der großen Leinwand im Friedrichstadtpalast. Dort haben sich deutsche und internationale Blogger zum Auftakt der Konferenz re:publica versammelt. Doch das Motto lautet nicht "shit happens", sondern "Shift happens" (auf deutsch etwa: Der Wandel findet statt) und was damit gemeint ist, erläutert der Organisator Johnny Haeusler in seiner Eröffnungsrede.

Als er 1999 versuchte, einen Kredit für ein Internetprojekt zu bekommen, lehnte der Banker mit der Begründung ab: "Wer weiß, ob es in ein paar Jahren das Internet überhaupt noch gibt?" Aus heutiger Sicht wäre die richtige Antwort gewesen: "Wer weiß, ob es Ihre Bank in ein paar Jahren noch gibt?" Im Jahr 2009 ist das Internet lebendiger als je zuvor, Johnny Haeusler verdient längst Geld mit seinem Blog spreeblick.com . Mobiltelefonie und soziale Netzwerke wie Facebook sind im Mainstream angekommen. Auf der Konferenz soll es darum gehen, was diese Veränderungen für die Gesellschaft bedeuten.

Zuerst sind die deutschen Blogger dran. Der Mediendienst Blogcensus schätzte im vergangenen Dezember rund 125.000 deutsche Blogs, die regelmäßig aktualisiert werden. Die meisten sind private Onlinetagebücher oder Liebhaberseiten zu Spezialthemen.

Blogger, die sich an eine breite Öffentlichkeit wenden und auch in den etablierten Medien als seriöse Stimme wahrgenommen werden, sind dagegen rar. Mit ein paar von ihnen diskutierte Thomas Knüwer, Journalist beim Handelsblatt und Blogger. Er unterhielt sich mit Stefan Niggemeier ( bildblog.de ), Markus Beckedahl ( netzpolitik.org ), Robert Basic ( robertbasic.de ) und Sascha Pallenberg ( eeepcnews.de ) über den Zustand und die Chancen deutscher Blogs.

Ein gängiges Vorurteil über Blogger ist: Sie seien eitle Gesellen, die sich vor allem selbst darstellen oder sich gegenseitig in die Pfanne hauen. Aber, Überraschung, die Diskutanten sind erstaunlich selbstkritisch. "Natürlich nimmt sich jeder zu wichtig", sagt Robert Basic, der vor einiger Zeit durch den Verkauf seines erfolgreichen Blogs basicthinking.de Aufmerksamkeit erregt hat. Stefan Niggemeier gibt zu: "Es gibt einen unglaublichen Ego-Schub, wenn man von vielen Leuten gelesen wird und ein Feedback bekommt."

Die größte Veränderung in der Blogosphäre ist der Durchbruch des Microblogging-Dienstes Twitter, da waren sich alle einig. Viele Blogger twittern nur noch, stellen also Kurznachrichten ins Netz, nicht länger als 140 Zeichen. Stefan Niggemeier sieht diese Tendenz kritisch. "Die Diskussionen sind kurzatmiger geworden". Beckedahl hingegen sagt, Twitter sei eine Chance für das Bloggen: Gute Artikel würden so noch schneller verbreitet.