Khmer-Rouge-Tribunal Das Grauen der Roten Khmer wird öffentlichSeite 2/2

Dreißig Jahre musste Kambodscha auf dieses Verfahren warten. Ein kleines Land, das einst versucht hatte, neben dem kriegsumtosten Vietnam seine Integrität und Neutralität zu wahren, das schließlich von amerikanischen Flächenbombardements geschunden und der Invasion preisgegeben wurde, und dann in den Strudel eines Völkermordes geriet, dem nahezu jeder vierte Kambodschaner zum Opfer fiel.

Wer überlebte, hatte den Horror erlebt. Jeder einzelne traumatisiert. Dreißig Jahre lang hat die Gesellschaft um ihre Wiedergeburt gekämpft, noch heute finden sich an den Rändern Enklaven, die als Khmer-Rouge-Gebiete gelten, zumindest im Geiste. Selbst die Regierung vermag sich nicht zu einem vollherzigen Bekenntnis zur Strafverfolgung der Schuldigen hinreissen lassen. Das Rote-Khmer-Tribunal konnte nur mit internationaler Hilfe zustande kommen, das Verfahren an sich ist ein Kompromiss, bis zur ersten Anklage gegen Duch, denn Kaing Guek Eav ist im strengen Sinne nicht einer der "most responsible persons", einer der Hauptverantwortlichen, auf deren Anklage sich die internationale Gerichtsbarkeit beschränken soll.

Er ist einer, dessen Verfahren am handlichsten erscheint, wenigstens ist er geständig. Aber er ist nur einer von nahezu 200 Verbrechern, die Khmer-Rouge-Gefängnisse leiteten. Man könnte sie auch als Konzentrationslager bezeichnen, die das Land mit ihrer Schande überzogen. Bis heute sind die Arbeiten zur Lokalisierung der dazu gehörigen Massengräber nicht abgeschlossen.

Bis heute herrscht in Kambodscha bis in die Familien hinein ein großes Schweigen über vieles, was passierte. Es ist oft so schrecklich, dass es unaussprechlich scheint. Nun wird vor Gericht darüber geredet werden müssen. Das, was offen gelegt wird, verbreiten Radio und Fernsehen bis in das letzte Dorf hinein und darüber hinaus, rund um den Globus. Das ist der Triumpf einer Weltgesellschaft, die sich einer internationalen Gerichtsbarkeit verpflichtet weiß.

In Kambodscha, das in seinem Fortschritt von Korruption gefesselt wird - bis in die eigene Justiz - ist es auch ein Hoffnungszeichen dafür, dass so etwas wie Rechtsstaatlichkeit möglich ist. Sicher ist aber auch, dass dies ein sehr schmerzhafter Prozess werden wird, für viele Kambodschaner, weil er an Wunden rührt, die zu tief sind, als dass sie je heilen könnten.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service