Beim Untergang mehrerer Flüchtlingsboote vor der libyschen Küste sind offenbar mehr als 300 Menschen ertrunken. In der Nähe von drei Wracks habe die Küstenwache mindesten 23 Leichen geborgen, berichtete die libysche Zeitung Oea am Dienstag. Die Flüchtlinge seien von Sidi Belal nahe der Hauptstadt Tripolis vermutlich mit dem Ziel Italien losgefahren. Ein viertes Boot mit mehr als 350 Menschen an Bord sei in der Nähe des vor der Küste gelegenen Ölfelds Buri in Seenot geraten. Die Küstenwache habe das Schiff aber in den Hafen von Tripolis schleppen und alle Passagiere retten können.

Nach Angaben libyscher Behördenvertreter hatte allein eines der gesunkenen Boote 365 Menschen an Bord, obwohl es nur für 75 ausgelegt war. Ein Tunesier berichtete demnach, 13 seiner Landsleute seien ertrunken. Auch nach zweitägiger Suche seien keine weitere Überlebenden oder Leichen gefunden worden, hieß es. Unter den Vermissten seien Flüchtlinge aus Somalia, Nigeria, Eritrea, dem Maghreb, Syrien und den Palästinensergebieten.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf bestätigte, mehr als 300 Menschen würden vermisst. Weil die Boote schon zu weit auf See gewesen seien, hätten die Flüchtlinge keine Chance gehabt, an Land zu schwimmen. An Bord habe es keinerlei Rettungsgeräte gegeben.

UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres zeigte sich betroffen und wies darauf hin, dass momentan die "Schmuggel-Saison" am Mittelmeer beginne. UN-Experten seien unterwegs, um die nach Libyen zurückgeschickten Flüchtlinge zu befragen, die in Internierungslagern in der Nähe von Tripolis festgehalten würden.