SPD Tauss hat ein Problem – aber nicht nur er
Der Rückzug von Jörg Tauss, gegen den wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt wird, beschert seiner Partei Kopfzerbrechen
Am Mittwoch vergangener Woche war für Jörg Tauss die Welt noch einmal fast in Ordnung. Gemeinsam mit Dutzenden anderen SPD-Politikern erschien der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete, gegen den wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt wird, zum Fotoshooting im Berliner Willy-Brandt-Haus. Es ging um die Reklame zur Bundestagswahl. Einen Tag später war klar: Der Druck aus der eigenen Partei ist so groß, dass Tauss bei dieser Wahl nicht mehr antreten wird. Unter dem Hinweis auf "Mobbing" der eigenen Genossen gab Tauss auf .
Am Montag klagte er in der Bild -Zeitung über Abgeordnete, "die jetzt plötzlich woanders hingucken, wenn ich vorbeilaufe". Selbst ein "glatter Freispruch" würde nichts mehr an seinem beschädigten Ruf ändern. "Sicher werde ich für einige immer der Kinderporno-Politiker" bleiben. Mit Spannung erwarten seine Kollegen nun den 23. Mai, den Tag der Bundesversammlung. Damit SPD-Bewerberin Gesine Schwan überhaupt eine Chance auf das Bundespräsidentenamt hat, kommt es auf jede Stimme an – auch auf die von Tauss, der dann noch Abgeordneter ist.
Einen neuen Job will sich der 55-Jährige suchen, "zum Beispiel in der IT-Branche", wie er sagte. Möglicherweise wird ihm auch die IG Metall ein Angebot machen müssen. Sie hat das Arbeitsverhältnis von Tauss vor 15 Jahren nicht gekündigt, sondern nur ruhen lassen. Zuletzt hat er für die Gewerkschaft als Pressesprecher in Baden-Württemberg gedient. Die IG Metall will sich zu dem Fall erst äußern, wenn die staatsanwaltlichen Ermittlungen abgeschlossen sind.
Die Südwest-SPD ist derweil mit der Frage beschäftigt, wie mit dem Rückzug von Tauss korrekt umzugehen ist. Auf den Internetseiten der Partei wurde der Bewerber von der Kandidatenliste, auf der er den aussichtsreichen Platz sieben hatte, bereits getilgt. Dem Wahlrecht hat die SPD damit aber noch nicht Genüge getan. Denn laut Landeswahlleiterin Christiane Friedrich gibt es kein automatisches "Aufrutschen" der folgenden Bewerber – schon gar nicht, wenn ein Kandidat, wie Tauss, die Zustimmungserklärung zu seiner Kandidatur schon erteilt hat. Wollte die SPD also alles richtig machen, müsste sie einen neuen Landesparteitag einberufen. Denkbar wäre auch, dass Tauss zwar in den Bundestag gewählt wird, aber sein Mandat nicht annimmt.
Möglicherweise aber greifen die Genossen zu einem Trick – indem sie die Zustimmungserklärung von Tauss einfach verschwinden lassen. Dann fehlen die formalen Voraussetzungen für seine Wahl. Für solche Raffinesse dürfe die Südwest-SPD "keinen Jubelruf erwarten", mahnte Wahlleiterin Friedrich. SPD-Landesgeschäftsführer Marten Jennerjahn will noch im Verlauf dieser Woche eine Entscheidung. Er gab am Montag zu: "Wir haben ein Problem."
- Datum 31.03.2009 - 08:15 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Was mich bei der Diskussion, speziell im Fall Tauss, am meisten interessiert ist... Wer war der Auslöser die Büros bzw. die Wohnung von Tauss zu durchsuchen und/oder die Person zu überwachen.
Damit meine ich nicht das Kommando welches die Polizei oder die Staatsanwaltschaft in Betrieb gesetzt hat sondern wer oder was der Auslöser dafür war. Indizien, Fakten, Beobachtung, Verdacht und dann aufgrund von was?! Wie und wer hat da mit welchen technischen und organisatorischen Mitteln herausgefunden das da bestimmte Daten auf CD oder Mobiltelefon zu finden sind...
Ich denke das Tauss nicht der erste und nicht der letzte ist der aus irgendwelchen wichtigen Gründen für einige etwas weiter oben im Wege stand...
Ich weiss, klingt ein bischen nach Fiction, nach Kriminal oder Spionageroman...
....
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Die Staatsanwaltschaft hat total versagt. Die hätten es leugnen müssen gegen ihn zu ermitteln - bis zur Anklage. Die Verantwotlichen haben sich völlig disqualifiziert.
Die SPD hat wieder einmal mehr ihre Umfall- und In-den-Rücken-fall-Qualitäten bewiesen. Tauss wird sich fragen: "Wer hat mich verraten? Sozialdemokraten." Man vergleiche die CDU: Althaus hat jemanden zu Tode gebracht und fühlt sich noch nicht mal schuldig - da ist quasi gar nichts passiert!!!
"Die hätten es leugnen müssen gegen ihn zu ermitteln - bis zur Anklage."
Wenn die Staatsanwalt "leugnet" (was meinen Sie damit eigentlich?), zu ermitteln, wie soll dann überhaupt jemals eine Anklage zustandekommen? Soll man vielleicht erst nach der Anklage ermitteln oder wie stellen Sie sich das vor?
Die Unschuldsvermutung schützt ja nicht vor Ermittlungen - sie bedeutet nichts anderes, als daß jemand solange als unschuldig angesehen wird, bis seine Schuld aufgrund eines Urteils in einem ordentlichen Gerichtsverfahren rechtskräftig festgestellt ist.
"Die hätten es leugnen müssen gegen ihn zu ermitteln - bis zur Anklage."
Wenn die Staatsanwalt "leugnet" (was meinen Sie damit eigentlich?), zu ermitteln, wie soll dann überhaupt jemals eine Anklage zustandekommen? Soll man vielleicht erst nach der Anklage ermitteln oder wie stellen Sie sich das vor?
Die Unschuldsvermutung schützt ja nicht vor Ermittlungen - sie bedeutet nichts anderes, als daß jemand solange als unschuldig angesehen wird, bis seine Schuld aufgrund eines Urteils in einem ordentlichen Gerichtsverfahren rechtskräftig festgestellt ist.
Wenn die SPD so Expertenwissen von der Landesliste nimmt, so dass man es nicht mehr waehlen kann, dann werde ich diese SPD sicher nicht waehlen. Viele Gruesse noch an die alte Tante SPD auf dem Weg von der Viertel- zur Fuenftel-Partei.
"Die hätten es leugnen müssen gegen ihn zu ermitteln - bis zur Anklage."
Wenn die Staatsanwalt "leugnet" (was meinen Sie damit eigentlich?), zu ermitteln, wie soll dann überhaupt jemals eine Anklage zustandekommen? Soll man vielleicht erst nach der Anklage ermitteln oder wie stellen Sie sich das vor?
Die Unschuldsvermutung schützt ja nicht vor Ermittlungen - sie bedeutet nichts anderes, als daß jemand solange als unschuldig angesehen wird, bis seine Schuld aufgrund eines Urteils in einem ordentlichen Gerichtsverfahren rechtskräftig festgestellt ist.
Wie soll man an diesen Rechtsstatt glauben, der unliebsamen Leuten einfach etwas unterstellt oder unterschiebt um sie dann öffentlich anzuprangern?
Ich glaube den Ausführungen des Herrn Tauss mehr als allem Geschreibe in unseren Zeitungen.
Außerdem kann nur ein (unabhängiges) Gericht über Schuld oder Unschuld befinden-oder haben das die Medien vergessen?
In wessen Interessen steht Frau von der Leyen?
In wessen Interess agieren diese Medien?
Wer soll diese bleiverpestetet Wüste noch ernsthaft bezahlen wollen?
Die Presse hat in deisem Fall sehr sachlich berichtet und ausgewogen kommentiert. Das Problem der SPD ist kein Problem des Rechtsstaates. Genausowenig ist es ein Problem des Rechtsstaats, wenn die Nachbarn nicht mehr grüßen, weil die Polizei im Haus war. Und Herrn Tauss weinerliches Auftreten ist erst recht kein Problem des Rechtsstaates.
Die Presse hat in deisem Fall sehr sachlich berichtet und ausgewogen kommentiert. Das Problem der SPD ist kein Problem des Rechtsstaates. Genausowenig ist es ein Problem des Rechtsstaats, wenn die Nachbarn nicht mehr grüßen, weil die Polizei im Haus war. Und Herrn Tauss weinerliches Auftreten ist erst recht kein Problem des Rechtsstaates.
Die Presse hat in deisem Fall sehr sachlich berichtet und ausgewogen kommentiert. Das Problem der SPD ist kein Problem des Rechtsstaates. Genausowenig ist es ein Problem des Rechtsstaats, wenn die Nachbarn nicht mehr grüßen, weil die Polizei im Haus war. Und Herrn Tauss weinerliches Auftreten ist erst recht kein Problem des Rechtsstaates.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren