Unternehmen Vom Fortschritt überholt
Unternehmen sind auf das schnelle Internet angewiesen wie auf Wasser, Strom oder Verkehrsstraßen. Doch manche haben keinen Zugang zur Datenautobahn - ein großes Problem

© Alex Wong/Getty Images
Mancherorts ist das Breitband-Internet auch über die Stromleitung zugänglich, so wie hier in den USA
Andrea Kopp war immer eine fleißige Schwäbin. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie ein mittelständisches Unternehmen, irgendwo südwestlich von Stuttgart. Sie liefern Maschinen und Werkzeuge zur Holzverarbeitung in die halbe Welt. Bis jetzt hat das ganz gut funktioniert: Das Unternehmen wuchs, über das Internet wurden immer mehr Kunden auf das Angebot aufmerksam. Vor Kurzem erst hat Andrea Kopp eine neue Ausstellungshalle eröffnet, mitten in der Wirtschaftskrise.
"Wir könnten noch so viel mehr machen", sagt Kopp. Doch sie wird ausgebremst. Ausgerechnet das globale Datennetz, das ganze Branchen beflügelt, über das alle reden und ohne das niemand mehr leben möchte, ist für Kopp ein Hindernis geworden. Denn das Gewerbegebiet, in dem ihr Unternehmen sitzt, ist nicht an das Breitbandnetz angeschlossen.
Wenn Andrea Kopp sich einwählt, dann tuckert sie mit lahmen 384 Kilobit pro Sekunde über die globale Datenautobahn – mittlerweile sind Übertragungsraten von mindestens 6 Megabit (das entspricht etwa 6000 Kilobit) üblich. Wenn alle anderen mit einem sportlichen Wagen über die Autobahn rasen, ist Andrea Kopp mit ihrem Fahrrad auf dem Seitenstreifen unterwegs.
Für die Unternehmerin ist das ein großes Problem. "Wir vertreiben unsere Maschinen vor allem über das Netz", erklärt sie. Doch ihr Onlineshop ist schon lange nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik. Bilder kann sie kaum hochladen, weil es zu lange dauert, von Videos ganz abgesehen. Wer die Seite betrachtet, hat das Gefühl, als sei die Firma schon vor Jahren pleitegegangen und hätte nur vergessen, ihren Onlineauftritt abzuschalten. "Wir könnten so viel machen", sagt Kopp, "doch ohne einen Breitbandanschluss ist das heute gar nicht möglich."
In Deutschland gibt es ein starkes Ungleichgewicht in der Breitbandversorgung. Während in dicht besiedelten Gebieten meist mehrere Anbieter konkurrieren, ist der ländliche Raum nur unzureichend mit schnellen Internet-Anschlüssen versorgt. Dieses Problem hat mittlerweile auch die Politik erkannt. "98 Prozent der Haushalte haben bereits die Möglichkeit, einen Breitbandanschluss mit einer Übertragungsrate von mindestens einem Megabit pro Sekunde zu bekommen. Das allerdings reicht uns noch nicht", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Februar. Bis 2010 sollen alle Haushalte in Deutschland über einen Breitbandanschluss verfügen, versprach sie.
Ein ehrgeiziges Ziel, das besser schon vorgestern formuliert worden wäre. Denn rund zwei Drittel aller deutschen Unternehmen haben ihren Firmensitz in ländlichen Gegenden, schätzt Dr. Katrin Sobania vom deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Viele Gewerbegebiete liegen in DSL-freien Zonen", sagt sie. Häufig bedeutet das, dass die ganze Region keine Breitbandversorgung hat. Selbst ein Umzug ins benachbarte Industriegebiet würde den Unternehmen nicht helfen – von dem Aufwand, den das bedeuten würde, ganz abgesehen. "Es kann doch nicht angehen, dass wir umziehen, nur weil die Gemeinde es nicht schafft, eine Internetleitung bis zu unserer Tür zu legen", sagt Andrea Kopp.
Zugleich wird das Netz für die Unternehmen immer bedeutender. Gleich nach den Personalkosten und der Straßenanbindung zählt die Breitbandversorgung mittlerweile zu den wichtigsten Standortfaktoren. Auch die Verwaltung hat das Internet für sich entdeckt. Stetig werden mehr Vorgänge online abgewickelt, auf neudeutsch wird das eGovernance genannt.
Ab dem 1. Juli wird zum Beispiel der Zoll keine Papierdokumente mehr entgegennehmen. Wenn Andrea Kopp ihre Maschinen ins Ausland exportieren möchte, muss sie ihre Ware dann im Internet anmelden. Dafür hat der Zoll vor drei Jahren eigens ein Programm entwickelt, mit dem alle Formalitäten online abgewickelt werden können. Das spart nicht nur Papier, sondern vereinfacht auch viele Vorgänge.
In der Theorie klingt eGovernance einleuchtend und sinnvoll. Doch in der Praxis stellt es Personen wie Andrea Kopp vor ein Problem: Sie können das Programm nicht benutzen, ihre Verbindung ist zu langsam. Nach wenigen Minuten erhält Kopp die Fehlermeldung, dass alle Vorgänge abgebrochen werden. "Das Programm löscht dann automatisch alle Einträge und wählt sich wieder aus", sagt sie. "Ich habe gar keine Chance, mit meinem Internetanschluss irgendetwas beim Zoll zu melden."
Trotzdem beharre die Behörde auf der Online-Lösung. In Zukunft wird sie deshalb einen externen Dienstleister mit den Formalitäten beauftragen müssen. Das kostet die Unternehmerin mehrere hundert Euro pro Lieferung. Kopp spricht von einem "heftigen Wettbewerbsnachteil."
Sie hat schon häufig bei den großen Anbietern nachgefragt, wann ihr Betrieb endlich mit Breitband versorgt wird. Doch die Konzerne haben immer abgewiegelt: Zu groß sei der finanzielle Aufwand, die Investition lohne sich nicht. Sobania vom DIHK sieht die großen Konzerne auch gar nicht in der Pflicht. "Bei der Breitbandversorgung handelt es sich um eine Infrastrukturaufgabe, die vor allem in die Kompetenz der Kommunen fällt", erklärt sie. Doch viele Bürgermeister hätten noch nicht verstanden, dass Internet mindestens genau so wichtig sei wie die Straßenanbindung oder die Wasserversorgung.
Selbst wenn die Bürgermeister verstehen, wie wichtig das globale Datennetz geworden ist, gibt es das nächste Problem: Wie finanziert man den Ausbau? "Viele Anbieter verlangen, dass die Kommunen sich finanziell beteiligen", sagt Sobania. Für ein klammes Kleinstädtchen ist es aber nicht möglich, mal eben mehrere Zehntausend Euro locker zu machen. Zwar gäbe es mittlerweile jede Menge Fördertöpfe, sagt die Expertin, "doch die Behörden ziehen nicht an einem Strang." Stattdessen stehen die Bürgermeister wie kleine Kinder vor einem Puzzle, das so groß ist, dass sie gar nicht recht wissen, wo sie anfangen sollen. "Und damit hat sich das Thema für die meisten auch schon wieder erledigt", sagt Sobania.
Die Bundesregierung plant derweil den nächsten Coup: Bis 2014 sollen drei Viertel aller Haushalte und möglichst bald sogar das ganze Land mit modernen Hochgeschwindigkeitszugängen versorgt sein. Dann strömen mindestens 50 Megabit pro Sekunde durch die Leitungen. Wenn Andrea Kopp so etwas hört, schüttelt sie nur ungläubig den Kopf.
- Datum 27.03.2009 - 12:34 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




irgendwie ist mir der beschriebene Fall der schwäbischen Unternehmerin suspekt. Was sind das denn für Bilder die sie hochladen wollen? Das Bild am Anfang des Artikels beispielsweise hat ca. 37kB. Dafür hätte ich schon vor 10 Jahren mit meinem 14.4er Modem grad mal 30 Sekunden gebraucht.
Dabei haben die wahrscheinlich eher einen Upload von 16kB/s ... und wenn man doch mal ein Video hochladen will, dann lässt man es eben über Nacht laufen. Also, wenn diese Firma nicht grade mit Photos oder Videos handelt (was sie offensichtlich nicht tut; "Maschinen und Werkzeuge zur Holzverarbeitung"), dann frage ich mich doch ein wenig, wofür sie die Bandbreite überhaupt benötigt.
Ich vermute eher, dass sich der Webauftritt eher deshalb in dem beschrieben Zustand befindet, weil sie nicht wissen, wie man es richtig macht.
Oder sie versuchen sowas lustiges, wie Bilder und Videos als Anhänge (anstatt als Links auf einen Server) in eMails an (potentielle) Kunden zu verschicken, was echt uncool ist, weil dann dem Empfänger das Postfach zugemüllt wird ...
außerdem muss dann ein Bild jedes mal neu hochgeladen werden - selbst wenn es 1000 mal das gleiche ist
Tatsächlich - ein Maschinenbauunternehmen tauscht Daten in Größenordnungen aus - mit Lieferanten um Komponentenschnittstellen abzustimmen, Modelländerungen auszustauschen...
Anfragedaten und Angebote sind häufig mit umfangreichen Anhängen ergänzt. Der Datenstrom wächst unaufhörlich - und fließt er langsam warten Mitarbeiter eben und verlieren dabei womöglich auch noch den Spaß an der Arbeit.
Die Vorstellung dann eben ein um Kleinigkeiten geändertes Video zur Korrektur des Webauftritts über Nacht zu versenden, zeugt mir hier von Denkweisen die den im Artikel dargestellten Mittelständler schon vro Jahren vom Markt gefegt hätten.
Das geschilderte Problem ist kein Einzelfall. Wir haben eben unser kleine Produktion verlegt - ein fataler Fehler. Im Gewerbegebit sind mehrere kleineUnternehmen mit zusammen schätzungsweise 80 Mitabeitern. Das höchste der Gefühle sind ca. 500kBit per UMTS-Netz - die Festnetze bringen gar noch weniger. er Versand einer 3D-Darstellung für die Fertigung dauert mal eben eine halber Stunde. In der Zeit steht der Mitarbeiter mit der Frage vor dem Kaffeautomaten oder schimpft üebr die Steinzeit in der er arbeiten muß.
Die Telekom mag die mehreren Millionen für den Ausbau der Vermittlungsstelle nicht in die Hand nehmen - schließlich wären dann auch die Mitbewerber mit Sonderangeboten sofort da - und der Netzbetreiber fährt Verlust. Da steckt wohl ein systematischer Fehler: Netzbetrieb und Dienstleistungsvermarktung müssen getrennt werden. Schade nur, daß in deutschen Landen dabei nur wieder ein gewaltiger Verschiebebahnhof für gebrauchte Politiker entstünde (für Wartezeiten wegen Skandalen über die noch Gras wachsen muss oder als Schweigegeld ?? )
Wir sollten nicht den Fehler machen zu Lasten kleiner Unterzentren nur Ballungsräume mit der modernsten Infrastruktur zu versorgen. Die stabileren Arbeitsplätze sind nich tin der anonymen Großstadt, sondern im kleinen Ort - wo der (kleine) Unternehmer seinem Arbeitgeber auf der Straße begegnet.
Tatsächlich - ein Maschinenbauunternehmen tauscht Daten in Größenordnungen aus - mit Lieferanten um Komponentenschnittstellen abzustimmen, Modelländerungen auszustauschen...
Anfragedaten und Angebote sind häufig mit umfangreichen Anhängen ergänzt. Der Datenstrom wächst unaufhörlich - und fließt er langsam warten Mitarbeiter eben und verlieren dabei womöglich auch noch den Spaß an der Arbeit.
Die Vorstellung dann eben ein um Kleinigkeiten geändertes Video zur Korrektur des Webauftritts über Nacht zu versenden, zeugt mir hier von Denkweisen die den im Artikel dargestellten Mittelständler schon vro Jahren vom Markt gefegt hätten.
Das geschilderte Problem ist kein Einzelfall. Wir haben eben unser kleine Produktion verlegt - ein fataler Fehler. Im Gewerbegebit sind mehrere kleineUnternehmen mit zusammen schätzungsweise 80 Mitabeitern. Das höchste der Gefühle sind ca. 500kBit per UMTS-Netz - die Festnetze bringen gar noch weniger. er Versand einer 3D-Darstellung für die Fertigung dauert mal eben eine halber Stunde. In der Zeit steht der Mitarbeiter mit der Frage vor dem Kaffeautomaten oder schimpft üebr die Steinzeit in der er arbeiten muß.
Die Telekom mag die mehreren Millionen für den Ausbau der Vermittlungsstelle nicht in die Hand nehmen - schließlich wären dann auch die Mitbewerber mit Sonderangeboten sofort da - und der Netzbetreiber fährt Verlust. Da steckt wohl ein systematischer Fehler: Netzbetrieb und Dienstleistungsvermarktung müssen getrennt werden. Schade nur, daß in deutschen Landen dabei nur wieder ein gewaltiger Verschiebebahnhof für gebrauchte Politiker entstünde (für Wartezeiten wegen Skandalen über die noch Gras wachsen muss oder als Schweigegeld ?? )
Wir sollten nicht den Fehler machen zu Lasten kleiner Unterzentren nur Ballungsräume mit der modernsten Infrastruktur zu versorgen. Die stabileren Arbeitsplätze sind nich tin der anonymen Großstadt, sondern im kleinen Ort - wo der (kleine) Unternehmer seinem Arbeitgeber auf der Straße begegnet.
Tatsächlich - ein Maschinenbauunternehmen tauscht Daten in Größenordnungen aus - mit Lieferanten um Komponentenschnittstellen abzustimmen, Modelländerungen auszustauschen...
Anfragedaten und Angebote sind häufig mit umfangreichen Anhängen ergänzt. Der Datenstrom wächst unaufhörlich - und fließt er langsam warten Mitarbeiter eben und verlieren dabei womöglich auch noch den Spaß an der Arbeit.
Die Vorstellung dann eben ein um Kleinigkeiten geändertes Video zur Korrektur des Webauftritts über Nacht zu versenden, zeugt mir hier von Denkweisen die den im Artikel dargestellten Mittelständler schon vro Jahren vom Markt gefegt hätten.
Das geschilderte Problem ist kein Einzelfall. Wir haben eben unser kleine Produktion verlegt - ein fataler Fehler. Im Gewerbegebit sind mehrere kleineUnternehmen mit zusammen schätzungsweise 80 Mitabeitern. Das höchste der Gefühle sind ca. 500kBit per UMTS-Netz - die Festnetze bringen gar noch weniger. er Versand einer 3D-Darstellung für die Fertigung dauert mal eben eine halber Stunde. In der Zeit steht der Mitarbeiter mit der Frage vor dem Kaffeautomaten oder schimpft üebr die Steinzeit in der er arbeiten muß.
Die Telekom mag die mehreren Millionen für den Ausbau der Vermittlungsstelle nicht in die Hand nehmen - schließlich wären dann auch die Mitbewerber mit Sonderangeboten sofort da - und der Netzbetreiber fährt Verlust. Da steckt wohl ein systematischer Fehler: Netzbetrieb und Dienstleistungsvermarktung müssen getrennt werden. Schade nur, daß in deutschen Landen dabei nur wieder ein gewaltiger Verschiebebahnhof für gebrauchte Politiker entstünde (für Wartezeiten wegen Skandalen über die noch Gras wachsen muss oder als Schweigegeld ?? )
Wir sollten nicht den Fehler machen zu Lasten kleiner Unterzentren nur Ballungsräume mit der modernsten Infrastruktur zu versorgen. Die stabileren Arbeitsplätze sind nich tin der anonymen Großstadt, sondern im kleinen Ort - wo der (kleine) Unternehmer seinem Arbeitgeber auf der Straße begegnet.
Muss man denn gleich die ganze Produktion verlegen? Wieso bezahlt man nicht einfach einen Mitarbeiter in einem Home-Office in der naechstgelegenen Grossstadt dafuer, sich um den Internetauftritt zu kuemmern?
Dass es Gründe gibt, warum Unternehmen Breitbandanschlüsse benötigen, leuchtet mir ein. Aber als Ausrede dafür, dass der Onlineshop immernoch veraltet ist, zieht das Argument nicht.
Wenn die Leitung zu schwach ist, um den Shop selbst zu hosten, dann lagert man ihn eben in ein Rechenzentrum aus. Was womöglich sogar günstiger ist, als selbst Tag und Nacht einen Rechner laufen zu lassen. Vor allem bei einem kleineren Unternehmen.
Selbst wenn die Bürgermeister verstehen, wie wichtig das globale Datennetz geworden ist, gibt es das nächste Problem: Wie finanziert man den Ausbau?
Ja wenn die gewinnträchtigen Bereiche privatisiert wurden und für den Staat nurnoch die Verluste übrigbleiben, dann stellt sich tatsächlich das Problem der Finanzierung.
Privatisierung wäre ja grundsätzlich nicht schlecht, aber dann bitte mit Hirn. Statt einfach alles zu privatisieren hätte der Staat lieber die Infrastrukturaufgabe übernommen und den Unternehmen die Nutzung der Leitungen gegen Lizenzgebühren gestattet. Und zwar so, dass mit den Lizenzgebühren auch der Ausbau in weniger rentablen Gebieten finanziert werden kann.
Das Beispiel mit der Homepage ist nicht schlüssig, ob nen Unternehmen ne ansehnliche Webpräsenz hat liegt nicht an der Anbindung sondern an denen die diese Webpräsenz betreuen.
Ebenso kann ich mir nicht vorstellen, dass es nicht möglich ist, Anmeldungen für Güter beim Zoll durchzuführen, wieso sollte da ein extrem hohes Datenvolumen auftreten? Das dürfte selbst per UMTS machbar sein. Außerdem beantwortet der Autor nicht die Frage, ob kein UMTS-netz verfügbar ist, denn diese stellt optimaler weise auch schon bis zu 7,2 mbit bereit.
Das ganze klingt eher nach Problemen in der Technik und EDV als nach einem Breitband-Problem.
Und die Problematik das die Kommune Geld für einen ausbau hinzu schießen müsste sehe ich auch nicht, die Kommune wird dazu schon bereit sein, wenn das Unternehmen droht abzuwandern, dann fehlen denen nämlich plötzlich Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen.
Als Leser verbleibt man nach diesem Artikel unschlüssig, er doch einige Erklärungen vermissen lässt.
Das einzige, was fehlte, um ländliche Gebiete zu identifizieren und mit Breitband-DSL nach den Gesetzen der Marktwirtschaft zu versorgen (und nicht durch staatlisch Subventionen, wie sie jetzt geplant sind), wären Informationen gewesen.
Es gab dutzende KMUs, die beispielsweise Orte per Funk hätten anbinden können, aber auf den für die Recherche notwendigen Informationen gluckte das Bundes-Wirtschaftsministerium. Dazu gab es dann noch eine verkrüppelte Webseite, auf der völlig nutzlos die angebliche Breitbandabdeckung dargestellt wurde - aber ohne jegliche Chance einer Benutzer-Interaktion.
Und so hatten nur die großen Unternehmen mit eigenen GIS-Kapazitäten valide Informationen darüber, wer noch kein DSL hat. Große Unternehmen investieren aber nicht in kleine Projekte -- und eben deshalb sind heute hunderte von Gemeinden nicht oder miserabel angebunden. Weil das BMWi es verpennt hat, hier Informationen frei zu geben und damit allen Marktteilnehmern gleiche Marktchancen und somit tatsächlich faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
Politisch trägt hierfür meines Wissen Dagmar Wöhrl (CSU) die Hauptverantwortung. Mit der Anordnung ein paar lumpige Geodaten freizugeben, hätte sie einen Markt belebt der deutlich mehr Benutzern schon längst den Zugang zum Netz und kleinen Breitbandanbietern ein Auskommen beschert hätte. Da sie das aber versäumt hat, werden nun Millionen von Euros aus zukünftigen (!) Steuereinnahmen in Großinvestitionen gepumpt, die - oh Wunder - natürlich wieder den großen Unternehmen zugute kommen.
Hier können wir einen Fall beobachten, in denen das Marktversagen einen konkreten politischen Namen trägt. Ich sag' nur "Laptop und Lederhose" ..
F. Mayer
Wenn die Unternehmer endlich richtig begreifen, daß die IT heute essentiell für ihre Unternehmung ist, dann würde unsere Beispielunternehmerin nicht klagen, sondern einfach beigehen und sich eine Standleitung legen lassen.
Die kostet monatlich zwischen 100-1500,-EUR. Das ist weniger, als durch das langsame Arbeiten verlorengeht. Natürlich gehören dazu noch ein paar andere Sachen, wie Router, Firewall, Mailserver, Webserver, etc.. Und da ich mir nicht vorstellen kann, daß sie keine Firmen-IT hat, hängt es nur von der Qualität der Mitarbeiter und Zulieferer ab. Und notfalls kann man die Kosten mit anderen teilen, wenn mehrere Unternehmen die schnelle Leitung nutzen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren