Wehrbericht Bundeswehr nur bedingt modern

Zuviel Bürokratie, fehlende Ärzte, familienunfreundliche Strukturen: Die Bundeswehr muss moderner werden, findet der Wehrbeauftragte Robbe

Es gehört zu den Ritualen des Berliner Politikbetriebs, dass der Wehrbeauftragte des Bundestags – seit vier Jahren ist dies der SPD-Politiker Reinhold Robbe – im Frühjahr seinen Bericht vorlegt und dabei über die Situation der Soldaten klagt. Die meisten Kritikpunkte tauchen jedes Jahr wieder auf: marode Kasernen, mangelnde Ausrüstung, Unzufriedenheit der Soldaten. Selbst auf den Ärztemangel, den Robbe in diesem Jahr besonders herausstellt, hat er in früheren Berichten schon vielfach hingewiesen.

Doch diesmal schlug Robbe einen grundsätzlicheren Ton an. Die Bundesrepublik wird in diesem Jahr 60 und der Wehrbericht, den Robbe am Donnerstag vorstellte, ist bereits der 50. Aus diesem Anlass konzentrierte er sich auf die Frage, ob die Bundeswehr eigentlich eine moderne Armee sei. Ist sie attraktiv für junge Menschen? Wird sie dem Anspruch der inneren Führung gerecht? Ist sie den Anforderungen an eine Armee im Einsatz gewachsen?

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Fragt man die Soldaten selbst – wie Robbe dies in seinen Gesprächen immer wieder tut – fallen die Antworten nicht allzu schmeichelhaft aus. Die Bundeswehrangehörigen stört vor allem die überbordende Bürokratie, mit der sie täglich konfrontiert sind. "Wir kontigentieren und regulieren uns noch zu Tode", zitierte Robbe einen Stabsoffizier. "Wir müssen gegen die Vorschriften anarbeiten, um den Laden am Laufen zu halten", so ein Offizier. "Taschenspielertricks" seien für die Beschaffung einfacher Materialien nötig.

Zumindest ein Teil dieser Probleme ist strukturell begründet, glaubt Robbe, und habe mit der Trennung von Truppe und Wehrverwaltung zu tun. "Parallele Strukturen, umständliche und kostenaufwendige Verfahren" stünden dem "Idealbild einer in jeder Hinsicht modernen Armee" im Wege.

Doch es gibt auch andere Punkte, an denen die Bundeswehr nach Ansicht des Wehrbeauftragten Nachholbedarf hat. Eine moderne Armee müsse heutzutage eine familienfreundliche sein, forderte Robbe. Dazu gehöre die Vereinbarkeit von Familie und Dienst, die Schaffung von Kindertagesstätten in Kasernen und eine optimale Familienbetreuung während des Einsatzes. All diese Dinge seien längst noch nicht zufriedenstellend gelöst. Es könne auch nicht angehen, dass die Klagen der Soldaten über unzulängliche Telefon- und Internetverbindungen sich seit dem ersten Auslandseinsatz von 1995 nicht verringert, sondern ständig vermehrt hätten.

Dass eine moderne Armee ihren Angehörigen im Einsatz eine angemessene medizinische Versorgung bieten muss, versteht sich von selbst. Gerade in diesem Jahr hat sich die Personalsituation allerdings drastisch verschlechtert. Fast 100 Kündigungen von Sanitätsoffizieren habe es gegeben, weil Ärzte bei der Bundeswehr keine Berufsperspektive mehr sehen. 430 medizinische Planstellen sind nicht besetzt, die Zahl der Offiziersbewerber in diesem Bereich ging um 22 Prozent zurück.

Leser-Kommentare
    • TyRell
    • 26.03.2009 um 16:43 Uhr

    Man kann zwar dieselben Erkenntnisse als Anlass betrachten, um darüber nachzudenken, aber zu völlig anderen Schlussfolgerungen kommen. Im Rahmen der Europäischen Union sollte man anfangen darüber nachzudenken, ob die Umformung der nationalen Armeen hin zu einer Europäischen Armee nicht sinnvoll wäre. Bei der Ausschreibung von Rüstungsaufträgen könnte man geschlossen auftreten und sehr viel Geld sparen, durch eine einheitliche technische Austattung wäre die Koordinierung von Einsätzen unproblematischer (die meisten Kommunikationsmittel sind überhaupt nicht kompatibel zueinander).

    Alle Länder der EU könnten das Rüstungsetat halbieren und in einen Europäischen Topf fließen lassen. Die EU-Streitkräfte würde man an den Rändern der Europäischen Grenzen aufstellen, um die Kosten für Kasernen über die gesamte EU verteilt zu senken. Einen Einsatz im Inneren sollte man verbieten.

    Zurzeit hat die EU andere Probleme, aber langfristig gedacht, wäre die Auflösung der Bundeswehr, der British Army und der Armée Francaise ein sinnvoller, wenn nicht ein notwendiger Schritt.

    Die ständige Unterfinanzierung von nationalen Armeen sollte man zum Anlass nehmen, um über die Idee einer EU-Armee nachzudenken.

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    Und wer entscheidet dann über Einsätze?

    Deutschland, und damit das deutsche Volk, würde seine Souveränität aus den Händen geben.

    Bislang haben wir nicht mal eine demokratische EU-Verfassung.

    Und solange diese wichtige Frage nicht geklärt ist, sollte man nicht aus Spargründen vorpreschen, und Entscheidungen von Leben und Tod im Massenbereich aus der Hand des Souveräns geben.

    Und wer entscheidet dann über Einsätze?

    Deutschland, und damit das deutsche Volk, würde seine Souveränität aus den Händen geben.

    Bislang haben wir nicht mal eine demokratische EU-Verfassung.

    Und solange diese wichtige Frage nicht geklärt ist, sollte man nicht aus Spargründen vorpreschen, und Entscheidungen von Leben und Tod im Massenbereich aus der Hand des Souveräns geben.

  1. Es ist sicher für den Fortbestand der sanitätsdienstlichen Versorgung unabdingbar , daß ein gewisser Anteil von Ärzten der Bundeswehr erhalten bleibt. Durch den Einsatz auf Dienstposten , die eher verwaltungstechnische oder militärische Kenntnisse erfordern , jedoch keine kurativen erhöht die Bundeswehr die Abgangsquote eher denn reduziert sie.Ein medizinisches Studium sollte immer genutzt werden , um die medizinischen Fähigkeiten des Arztes später einzusetzen und nicht verkümmern zu lassen. Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren , daß die BW darüber bisher nicht ausreichend nachgedacht hat

    • WDK
    • 26.03.2009 um 18:11 Uhr

    “Das Prinzip der Inneren Führung sieht der Wehrbeauftragte voll verwirklicht. Demokratische Prozesse und demokratische Kommunikation würden in der Bundeswehr gelebt.”

    Diese Aussage hat mich hoch erfreut.

    Die Kritik an unzureichender Ausrüstung, fehlender Spezialisten für die medizinische und psychische Betreung, paralysierender Bürokratie und Familienfeindlichkeit der Bundeswehr ist nicht neues und ließe sich über Anschaffungs- und Strukturreformen lösen.

    Was ich seit nun 20 Jahren vermisse ist die Anpassung der NATO Strategie in Europa an die drastische Veränderung der Ausgangslagen. Was ich speziell in Deutschland nicht verstehe ist das Festhalten an der Wehrpflicht.

    “Die Wehrpflicht sei der "Kitt" zwischen der Gesellschaft und der Bundeswehr, auf den nicht verzichtet werden könne, findet dagegen Robbe.”

    Ich kann der Rationalität dieser Aussage nicht mehr logisch folgen. Gerade die Waffen- und Komminikationssysteme von gegenwärtig hoch mobilen Einsatztruppen werden immer komplizierter, und die Techniken dieser Systeme erst zu erlernen und dann zu berherrschen erfordert Zeit und Training.

    Wieviel dieser “Fertigkeiten” können sich Wehrpflichtige in neun Monaten aneignen, die wohl notwendige Erziehung zu “militärischer Disziplin” (Befehl und Gehorsam) dabei eingeschlossen ? Oder anders ausgedrückt, wie einsatzbereit sind auch “konventionelle” Truppenverbände, die nichts anderes tun als Wehrpflichtigen das absolut notwendige zu vermitteln, bevor der nächste "Schwung der Neuen" kommt ?

    Die Alternative zur "Wehrpflichtarmee" einfach “Berufsarmee” zu nennen ist völlig irre führend. Es geht darum, jungen Menschen einen Anreiz zu schaffen, für einige Jahre “Soldat” zu werden, um eine Ausbildung zu bekommen, die ihnen danach in ihrer “zivilen” Zukunft wirklich weiter hilft. Das Argument, dann könne die Bundeswehr zumachen, weil es niemals genug "Freiwillige" geben werde will ich nicht gelten lassen, bevor es durch Fakten "bewiesen" ist.

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    ...dann muss man die Dienstzeit eben erhöhen. Das mag einigen Egoisten nicht in ihre Biografieplanung passen, aber wenn durch Einzugsgerechtigtkeit (100% eines Jahrgangs - bei freier Wahl zwischen Bundeswehr- oder Zivil-Dienst) Gleichheit hergestellt ist, dann sollte das in einem funktionierenden Gemeinwesen kein Problem sein. Dazu noch ein wenig Staatsbürgerkunde, was in mancher Schülerkarriere ja bekanntlich zu kurz kommt, und fertig ist der Lack.

    Das ist auch nicht zu viel verlangt.

    Denn:

    "Die Wehrpflicht sei der "Kitt" zwischen der Gesellschaft und der Bundeswehr, auf den nicht verzichtet werden könne" - das ist eine nicht so einfach von der Hand zu weisende Maxime, die durchaus ihre Berechtigung und ihren Sinn hat:

    Wer selbst in der Position war, einfacher Soldat (bzw. Zivi) für den Staat, in dem er/sie lebt, gewesen zu sein und sich mit den damit verbundenen Pflichten und eingeschränkten Rechten auseinandergesetzt hat, und darüberhinaus weiß, dass seinen Söhnen & Töchtern, Enkeln & Enkelinnen - unabhängig von Einkommen, Vermögen, sozialer Zugehörigkeit - das Gleiche blühen wird, der wird nicht leichtfertig den Fragen von Ausrüstung & Einsatz der Armee (bzw. des Sozialwesens) gegenüberstehen.

    ...dann muss man die Dienstzeit eben erhöhen. Das mag einigen Egoisten nicht in ihre Biografieplanung passen, aber wenn durch Einzugsgerechtigtkeit (100% eines Jahrgangs - bei freier Wahl zwischen Bundeswehr- oder Zivil-Dienst) Gleichheit hergestellt ist, dann sollte das in einem funktionierenden Gemeinwesen kein Problem sein. Dazu noch ein wenig Staatsbürgerkunde, was in mancher Schülerkarriere ja bekanntlich zu kurz kommt, und fertig ist der Lack.

    Das ist auch nicht zu viel verlangt.

    Denn:

    "Die Wehrpflicht sei der "Kitt" zwischen der Gesellschaft und der Bundeswehr, auf den nicht verzichtet werden könne" - das ist eine nicht so einfach von der Hand zu weisende Maxime, die durchaus ihre Berechtigung und ihren Sinn hat:

    Wer selbst in der Position war, einfacher Soldat (bzw. Zivi) für den Staat, in dem er/sie lebt, gewesen zu sein und sich mit den damit verbundenen Pflichten und eingeschränkten Rechten auseinandergesetzt hat, und darüberhinaus weiß, dass seinen Söhnen & Töchtern, Enkeln & Enkelinnen - unabhängig von Einkommen, Vermögen, sozialer Zugehörigkeit - das Gleiche blühen wird, der wird nicht leichtfertig den Fragen von Ausrüstung & Einsatz der Armee (bzw. des Sozialwesens) gegenüberstehen.

    • pine
    • 26.03.2009 um 19:18 Uhr

    Langfristig sehe ich für die Bundeswehr nur eine Zukunft, wenn sie massiv verkleinert wird.
    Bei genauerer Betrachtung merkt man, dass die Bundeswehr immer noch auf den "großen vaterländischen Krieg" ausgerichtet ist. Nur in Zeiten Asymmetrischer Kriegsführung ist der Einsatz von Panzerhaubitzen nicht mehr sonderlich sinnvoll. Selbst ein Leopard 2 bringt bei der Bekämpfung von Tailban nur sehr wenig.
    Die Bundeswehr besteht derzeit aus über 250 000 Soldaten. Hinzu kommen etwa 90 000 Reservisten und noch einmal ebenso viele Angestellte und Beamte. Jede noch so kleine Kompanie hat z.B. einen eigenen Nachschub (Logistik) und eine eigene Personalabteilung.
    Durch die Zusammenführung von Dienststellen würden Ressourcen konzentriert und Personal könnte abgebaut werden. Eine weitere Digitalisierung der Bundeswehr würde den Abbau von Bürokratie sicher unterstützen und somit weitere Dienstposten überflüssig machen.
    Auch die Abschaffung des Wehrdienstes ist mehr als überfällig. Der Wehrdienst passt eher zur Vorstellung des "großen vaterländischen Krieges". Er hat nichts mit einer modernen Einsatzarmee zutun und Wehrgerechtigkeit gibt es sowieso nicht mehr. Der Wehrdienst sollte durch ein "soziales Jahr" ersetzt werden. Somit hätte die Zeit, in der junge Männer vom studieren und arbeiten abgehalten werden, wenigstens einen Nutzen für die Gesellschaft. - Das Land braucht Altenpfleger, Sozialarbeiter und Kindergärtner! -

    Die durch den Personalabbau eingesparten Mittel könnte man zur Verbesserung der Ausstattung nutzen und andere Probleme der Bundeswehr lösen.

    Natürlich hört man das Wort Personalabbau gerade in der heutigen Zeit nicht gern.
    Jedoch braucht unser Land durch die veränderte politische und gesellschaftliche Lage weniger Soldaten und dafür umso mehr Altenpfleger, Sozialarbeiter und Kindergärtner!

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    Für eine asymmetrische Kriegsführung benötigt man vielleicht weniger Haubitzen, aber eine für "moderne" Kriegsführung im Vergleich deutlichst erhöhte Anzahl an Soldaten überhaupt (oder eben Blackwater). Ein Panzer hat verschiedene Einsatzspektren. Als Unterstützung für verschiedene Infanterieeinheiten ist er auch in der asymmetrischen Kriegführung häufig unverzichtbar.

    Statt großer Haubitzen benötigt man ügrigens eher mittlere Mörser. Etwas was die Bundeswehr vor einigen Jahren, weil gewollt veraltet, großteils abschaffte und jetzt für den Einsatz bei anderen Staaten mietet.

    Aber vielleicht sollten Sie insgesamt noch einige militärische Grundkenntnisse sammeln, bevor sie versuchen Ihre Wunschvorstellungen mit Pseudoargumenten zu belegen.

    Und Ihre Aussage eine Digitalisierung bringt generell Bürokratieabbau meinten Sie nicht wirklich ernst, oder?

    In Teilaspekten haben Sie andererseits auch nach meiner Meinung recht, der Aufbau der Bundeswehr ist wirklich überdenkenswert, ein soziales Jahr insgesamt ist durchaus überlegenswert. In den Ergebnissen dürften wir aber sehr weit auseinanderliegen, :).

    ________________________________________________________

    Ich fordere für alle Personen in Führungsverantwortung.
    - jährlich eine Woche Sozialarbeit
    - wöchentlich 3Stunden Geschichtsunterricht
    - eine monatliche Buchbesprechung eines Science-Fiction-Romans.

    Für eine asymmetrische Kriegsführung benötigt man vielleicht weniger Haubitzen, aber eine für "moderne" Kriegsführung im Vergleich deutlichst erhöhte Anzahl an Soldaten überhaupt (oder eben Blackwater). Ein Panzer hat verschiedene Einsatzspektren. Als Unterstützung für verschiedene Infanterieeinheiten ist er auch in der asymmetrischen Kriegführung häufig unverzichtbar.

    Statt großer Haubitzen benötigt man ügrigens eher mittlere Mörser. Etwas was die Bundeswehr vor einigen Jahren, weil gewollt veraltet, großteils abschaffte und jetzt für den Einsatz bei anderen Staaten mietet.

    Aber vielleicht sollten Sie insgesamt noch einige militärische Grundkenntnisse sammeln, bevor sie versuchen Ihre Wunschvorstellungen mit Pseudoargumenten zu belegen.

    Und Ihre Aussage eine Digitalisierung bringt generell Bürokratieabbau meinten Sie nicht wirklich ernst, oder?

    In Teilaspekten haben Sie andererseits auch nach meiner Meinung recht, der Aufbau der Bundeswehr ist wirklich überdenkenswert, ein soziales Jahr insgesamt ist durchaus überlegenswert. In den Ergebnissen dürften wir aber sehr weit auseinanderliegen, :).

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  2. Für eine asymmetrische Kriegsführung benötigt man vielleicht weniger Haubitzen, aber eine für "moderne" Kriegsführung im Vergleich deutlichst erhöhte Anzahl an Soldaten überhaupt (oder eben Blackwater). Ein Panzer hat verschiedene Einsatzspektren. Als Unterstützung für verschiedene Infanterieeinheiten ist er auch in der asymmetrischen Kriegführung häufig unverzichtbar.

    Statt großer Haubitzen benötigt man ügrigens eher mittlere Mörser. Etwas was die Bundeswehr vor einigen Jahren, weil gewollt veraltet, großteils abschaffte und jetzt für den Einsatz bei anderen Staaten mietet.

    Aber vielleicht sollten Sie insgesamt noch einige militärische Grundkenntnisse sammeln, bevor sie versuchen Ihre Wunschvorstellungen mit Pseudoargumenten zu belegen.

    Und Ihre Aussage eine Digitalisierung bringt generell Bürokratieabbau meinten Sie nicht wirklich ernst, oder?

    In Teilaspekten haben Sie andererseits auch nach meiner Meinung recht, der Aufbau der Bundeswehr ist wirklich überdenkenswert, ein soziales Jahr insgesamt ist durchaus überlegenswert. In den Ergebnissen dürften wir aber sehr weit auseinanderliegen, :).

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    Antwort auf "veraltete Struktur"
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    Söldnereinsatz bedeutet den Teufel mit dem Beelzebub zu bekämpfen:

    Noch weniger staatliche Kontrolle, noch weniger gesamtgesellschaftliche Rückbindung, noch mehr Willkür im Spiel mit und um Menschenleben durch Profitgier.

    Dann lieber eine notdürftig an-demokratisierte Armee, auch wenn die wirklich nur allerletztes Mittel zur nationalen Selbstverteidigung sein sollte.

    Aber davon sind wir ja leider weit entfernt, spätestens seit dem ersten Bosnien-Einsatz, und entfernen uns immer weiter.

    • pine
    • 27.03.2009 um 10:32 Uhr

    Und Ihre Aussage eine Digitalisierung bringt generell Bürokratieabbau meinten Sie nicht wirklich ernst, oder?

    Sicherlich bringt einer Digitalisierung nicht generell einen Bürokratieabbau mit sich. Nur werden dadurch bürokratische Prozesse zumindest beschleunigt und das ist doch auch schon mal etwas wert.


    "Für eine asymmetrische Kriegsführung benötigt man vielleicht weniger Haubitzen, aber eine für "moderne" Kriegsführung im Vergleich deutlichst erhöhte Anzahl an Soldaten überhaupt (oder eben Blackwater)."

    Nun das mag durchaus sein. Nur muss man jedoch anmerken, dass Deutschland Teil mehrer Bündnissysteme ist, und das diese Last nicht von uns allein getragen wird.

    Somit sollte man auch durchaus mal über das bereits anfangs erwähnte Konzept einer richtigen europäische Armee nachdenken.

    Mit Soldaten allein kommt man in Afghanistan sowieso nicht voran. Hier muss dringend mehr zivile Hilfe geleistet werden.

    "13. Gesellschaftliche Einbindung und Wehrpflicht"

    Ihre Meinung kann ich nur unterstützen. Ehrlich gesagt habe ich nach meinem Wehrdienst sogar ein schlechteres Bild von der Bundeswehr. Meinen ehemaligen Kameraden geht es da übrigens im Großen und Ganzen nicht anders.

    Etwa 25% der EU oder NATO Staaten haben noch Wehrpflicht. Somit gehört Deutschland jeher zur Ausnahme. Weitere Staaten, wie Schweden oder Polen, haben die Abschaffung der Wehrpflicht bereits beschlossen. Und ich wage zu bezweifeln, dass all diesen Armeen eine demokratische Basis fehlt.

    Trotzdem ich für eine Abschaffung des Wehrdienstes bin, kann ich es nur begrüßen, dass in Deutschland jeder, ob arm oder reich, Abiturient oder Schulabbrechen, der Gesellschaft dienen muss.

    "... aber es ist auch eine große Belastung mit Krankheit, Alter, Behinderung und Tod umzugehen. Das kann nicht jeder und daher sollten es nur die tun, die es wollen."

    Der Umgang mit Krankheit und Tod ist sicherlich nicht einfach. Sozialarbeit ist jedoch nicht mit Altenpflege gleichzusetzen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten Zivildienst zu leisten. Somit wird niemand dazu verpflicht während seines Zivildienstes mit Krankheit oder Tod umzugehen. Wenn man die Zivildienstleistenden angemessen, und nicht auf Harz VI, entlohnen würde, ständen diese auch nicht in Konkurrenz zu Fachkräften.

    Söldnereinsatz bedeutet den Teufel mit dem Beelzebub zu bekämpfen:

    Noch weniger staatliche Kontrolle, noch weniger gesamtgesellschaftliche Rückbindung, noch mehr Willkür im Spiel mit und um Menschenleben durch Profitgier.

    Dann lieber eine notdürftig an-demokratisierte Armee, auch wenn die wirklich nur allerletztes Mittel zur nationalen Selbstverteidigung sein sollte.

    Aber davon sind wir ja leider weit entfernt, spätestens seit dem ersten Bosnien-Einsatz, und entfernen uns immer weiter.

    • pine
    • 27.03.2009 um 10:32 Uhr

    Und Ihre Aussage eine Digitalisierung bringt generell Bürokratieabbau meinten Sie nicht wirklich ernst, oder?

    Sicherlich bringt einer Digitalisierung nicht generell einen Bürokratieabbau mit sich. Nur werden dadurch bürokratische Prozesse zumindest beschleunigt und das ist doch auch schon mal etwas wert.


    "Für eine asymmetrische Kriegsführung benötigt man vielleicht weniger Haubitzen, aber eine für "moderne" Kriegsführung im Vergleich deutlichst erhöhte Anzahl an Soldaten überhaupt (oder eben Blackwater)."

    Nun das mag durchaus sein. Nur muss man jedoch anmerken, dass Deutschland Teil mehrer Bündnissysteme ist, und das diese Last nicht von uns allein getragen wird.

    Somit sollte man auch durchaus mal über das bereits anfangs erwähnte Konzept einer richtigen europäische Armee nachdenken.

    Mit Soldaten allein kommt man in Afghanistan sowieso nicht voran. Hier muss dringend mehr zivile Hilfe geleistet werden.

    "13. Gesellschaftliche Einbindung und Wehrpflicht"

    Ihre Meinung kann ich nur unterstützen. Ehrlich gesagt habe ich nach meinem Wehrdienst sogar ein schlechteres Bild von der Bundeswehr. Meinen ehemaligen Kameraden geht es da übrigens im Großen und Ganzen nicht anders.

    Etwa 25% der EU oder NATO Staaten haben noch Wehrpflicht. Somit gehört Deutschland jeher zur Ausnahme. Weitere Staaten, wie Schweden oder Polen, haben die Abschaffung der Wehrpflicht bereits beschlossen. Und ich wage zu bezweifeln, dass all diesen Armeen eine demokratische Basis fehlt.

    Trotzdem ich für eine Abschaffung des Wehrdienstes bin, kann ich es nur begrüßen, dass in Deutschland jeder, ob arm oder reich, Abiturient oder Schulabbrechen, der Gesellschaft dienen muss.

    "... aber es ist auch eine große Belastung mit Krankheit, Alter, Behinderung und Tod umzugehen. Das kann nicht jeder und daher sollten es nur die tun, die es wollen."

    Der Umgang mit Krankheit und Tod ist sicherlich nicht einfach. Sozialarbeit ist jedoch nicht mit Altenpflege gleichzusetzen. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten Zivildienst zu leisten. Somit wird niemand dazu verpflicht während seines Zivildienstes mit Krankheit oder Tod umzugehen. Wenn man die Zivildienstleistenden angemessen, und nicht auf Harz VI, entlohnen würde, ständen diese auch nicht in Konkurrenz zu Fachkräften.

  3. Ich bin der Meinung, daß die Bundeswehr durchaus eine Strukturumstellung benötigt. Der Grundlage ist mit dem Konzept der ständigen Transformation auch eigentlich gar nicht schlecht. Ein Großteil der Reformen/ Transformationen der letzten Jahre ist dennoch nicht erfolgreich verlaufen. Zum einem liegt das nach meiner Meinung am häufig angelegten "zivilen Maßstab" (siehe Wehrverwaltung). Zum anderen aber auch an der ständigen Unterfinanzierung, welche eine wirkliche Anpassung der Bundeswehr an die gestellten Forderungen ständig erschwert, eigentlich unmöglich macht.

    Die Wehrpflicht würde ich auf jedem Fall beibehalten. Diese im Zusammenspiel mit einem sozialen Jahr, welches dann aber auch alle erfaßt. Der Dienst an der Gemeinschaft für Alle (egal welcher Art) hat in meinen Augen auf jedem Fall viel Potential. Dies würde einer allgemeinen Gerechtigkeit auch am ehesten Genüge tun.

    Um die Anzahl der Wehrpflichtigen insgesamt zu erhöhen halte ich die Aufteilung der Ausbildung in eine Art einfache Infanterie-/ Milizausbildung für Normalzeit dienende Wehrpflichtige und die weiterführende Ausbildung in den jeweiligen Einheiten erst für Längerdienende sinnvoll. Das System der AGA-Kompanien sollte hier eine solide Grundlage bilden können, um eine weitesgehende Trennung der Truppenteile zu verhindern.

    Ein weiterer wichtiger Punkt der für die Wehrpflicht spricht ist die Fluktuation der Armee mit der Gesellschaft. Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen, gerade der Grad geringerer Fluktuation ermöglicht auch einen höheren Grad an Mißbrauchsmöglichkeiten. Gerade in der derzeitigen Situation kann ich mir nicht viel schlimmeres als eine weitgehend von der Gesellschaft getrennte Armee vorstellen.

    Die Bundeswehr sollte für die Zukunft weniger mit "zivilen Maßstäben" in Verwaltung und Führung gemessen werden. Eine Armeeeinheit ist auch keine Polizeidienststelle, vor allem im Hinblick auf die Führungsstruktur. In vielen Einheiten ist der einzige Vorteil der Dienstgradgestaltung heute wohl nur noch die Verwirrung der feindlichen Heckenschützen.

    Insgesamt gibt es viel zum Positiven zu ändern. Auch in Zukunft wird dies immer nötig sein. Der derzeitige Stand ist jedoch keinesfalls auch nur kurzfristig zufriedenstellend.

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    Ich fordere für alle Personen in Führungsverantwortung.
    - jährlich eine Woche Sozialarbeit
    - wöchentlich 3Stunden Geschichtsunterricht
    - eine monatliche Buchbesprechung eines Science-Fiction-Romans.

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    Ihren Punkten zu allgemeiner sozialer Dienstpflicht (nicht nur der XY-Chromosomträger!), gesamtgesellschaftlicher Rückbindung der Armee, sowie Qualitätssicherung von Personen in Führungsverantwortung kann ich nur zustimmen.

    Ich spreche mich gegen die Wehrpflicht aus:

    - ich habe 1988/89 selber 15 Monate in Hammelburg vergeudet und sehe
    nicht, wie ich dadurch die Bundeswehr gesellschaftlich integrieren würde. Wie die Zustände dort heute wirklich sind, ist mir genauso unbekannt wie
    jemandem der nicht dort war. Einen positiven Bezug hat sie jedenfalls nicht hergestellt ...
    Der real existierende Sozialismus in der Verwaltung und dem Materialwesen scheint sich nicht geändert zu haben.

    - bei Kostenrechnungen wird immer nur die Brille des Wehretas aufgesetzt, aber der volkswirtschaftliche Schaden meines Wissens nicht berücksichtigt,
    der durch die in dieser Zeit unterlassene produktive Arbeit entsteht und
    sich in reduzierten Steuer- und Sozialabgaben sowie persönlichem Einkommen äußert.

    - bei den heutigen Aufgaben sehe ich nicht, wie Wehrpflichtige einen Beitrag leisten, der Zeit- und Berufssoldaten nennenswert entlastet. Eher sind diese gebunden, um Wehrpflichtige 9 Monate zu beschäftigen. Man spart höchstens die eine oder andere zivile Kraft ein, wenn z.B. die Stabskompanie den Postdienst macht.

    - Wenn wir heute G8 in der Schule haben und die angeblich zu langen Diplomstudiengänge durch Bachelor und Master ersetzen, um im europäischen und weltweiten Wettbewerb nicht zu alt zu sein, dann können wir uns den Luxus von Schnupperjahren bei der Arme oder in sozialen Diensten auch nicht leisten. Hier sollte man auch mal den Blick über die Landesgrenzen werfen ...

    Ihren Punkten zu allgemeiner sozialer Dienstpflicht (nicht nur der XY-Chromosomträger!), gesamtgesellschaftlicher Rückbindung der Armee, sowie Qualitätssicherung von Personen in Führungsverantwortung kann ich nur zustimmen.

    Ich spreche mich gegen die Wehrpflicht aus:

    - ich habe 1988/89 selber 15 Monate in Hammelburg vergeudet und sehe
    nicht, wie ich dadurch die Bundeswehr gesellschaftlich integrieren würde. Wie die Zustände dort heute wirklich sind, ist mir genauso unbekannt wie
    jemandem der nicht dort war. Einen positiven Bezug hat sie jedenfalls nicht hergestellt ...
    Der real existierende Sozialismus in der Verwaltung und dem Materialwesen scheint sich nicht geändert zu haben.

    - bei Kostenrechnungen wird immer nur die Brille des Wehretas aufgesetzt, aber der volkswirtschaftliche Schaden meines Wissens nicht berücksichtigt,
    der durch die in dieser Zeit unterlassene produktive Arbeit entsteht und
    sich in reduzierten Steuer- und Sozialabgaben sowie persönlichem Einkommen äußert.

    - bei den heutigen Aufgaben sehe ich nicht, wie Wehrpflichtige einen Beitrag leisten, der Zeit- und Berufssoldaten nennenswert entlastet. Eher sind diese gebunden, um Wehrpflichtige 9 Monate zu beschäftigen. Man spart höchstens die eine oder andere zivile Kraft ein, wenn z.B. die Stabskompanie den Postdienst macht.

    - Wenn wir heute G8 in der Schule haben und die angeblich zu langen Diplomstudiengänge durch Bachelor und Master ersetzen, um im europäischen und weltweiten Wettbewerb nicht zu alt zu sein, dann können wir uns den Luxus von Schnupperjahren bei der Arme oder in sozialen Diensten auch nicht leisten. Hier sollte man auch mal den Blick über die Landesgrenzen werfen ...

  4. "Zuviel Bürokratie"?

    Kann es die geben, wenn es um so etwas fundamentales wie Leben und Tod geht?

    Wohin zuwenig Bürokratie (= saloppe, unklare Regel-, Verantwortungs- und Befehlsstrukturen) führt, das hat die Affäre Abu Ghuraib wohl nicht deutlich genug gemacht.

    Schande!

    Was eine "moderne" Armee anrichtet, die modernste der Welt, sehen wir im Irak und in Afghanistan; beispielsweise, wenn schnell-schnell und unbürokratisch eine Hochzeitsgesellschaft kollateral massakriert wird. Und nachher ist niemand verantwortlich.

    Modern um welchen Preis?

  5. Ihren Punkten zu allgemeiner sozialer Dienstpflicht (nicht nur der XY-Chromosomträger!), gesamtgesellschaftlicher Rückbindung der Armee, sowie Qualitätssicherung von Personen in Führungsverantwortung kann ich nur zustimmen.

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