Weltraumschrott Unrat in der Umlaufbahn

Ein winziges Schrott-Bröckchen im Orbit kann einen Satelliten zerstören. Auf einer Fachkonferenz in Darmstadt diskutieren Wissenschaftler über Müllentsorgung im All

Der Satellit Envisat macht Aufnahmen von der Erde, die zum Beispiel von Geologen und Klimaforschern genutzt werden

Der Satellit Envisat macht Aufnahmen von der Erde, die zum Beispiel von Geologen und Klimaforschern genutzt werden

Für morgen gibt es wieder einmal eine Verkehrswarnung für das All. Envisat, der weltweit wichtigste wissenschaftliche Erdbeobachtungssatellit, droht mit einem Stück Weltraumschrott zusammenzustoßen. 18 Mal gab es 2008 Kollisionsalarm im Orbit. Dieses Jahr wird die Zahl der "gefährlichen Ereignisse" deutlich höher liegen. Der Grund: Am 10. Februar stießen zwei tonnenschwere Satelliten zusammen und zerbarsten in mindestens tausend Stücke, die jetzt unkontrolliert um die Erde kreisen.

Der Crash, bei dem der amerikanische Telefonsatellit Iridium 33 und der ausgediente russische Militärsatellit Cosmus 2251 vollständig zerstört wurden, war der erste Unfall dieser Art in der mehr als 50-jährigen Raumfahrt-Geschichte.

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780 frei fliegende Überreste hat das Überwachungssystem der US-Weltraumbehörde Nasa bereits registriert. "Die Zahl wird aber sicher noch über 1000 steigen", sagt Heiner Klinkrad, Abteilungsleiter für Weltraumschrott im europäischen Satellitenkontrollzentrum Esoc in Darmstadt. 

Klinkrad ist auch Vorsitzender der fünften europäischen Weltraumschrott-Konferenz, die heute begonnen hat. Mit 300 Teilnehmern ist sie so gut besucht wie nie zuvor. Nicht nur die Raumfahrtagenturen aus den USA, Russland und Europa sind beteiligt, auch aus China, Japan, Kanada und Indien sind Delegierte angereist. Sie eint die Sorge um ihre milliardenteuren Satellitenflotten.

Schon der Einschlag eines Bröckchens im Format einer Fünf-Cent-Münze kann einen Satelliten zerstören. 600.000 derartige Objekte sind bereits auf Erdumlaufbahnen unterwegs, doch nur für 13.000 davon, alle größer als ein Tennisball, ist bekannt, wo sie genau herumfliegen.

Besonders vermüllt ist der Erdorbit in rund 900 Kilometern Höhe. Neben ausgebrannten Raketenoberstufen und den Überresten explodierter oder kollidierter Satelliten trudeln hier auch 30 ausgediente Kernreaktoren herum. Doch genau in diesem Orbit sind die meisten Erdbeobachtungssatelliten unterwegs, darunter auch Envisat. Ein plötzliches Ende dieses weit über eine Milliarde teuren Umwelt-Spähers hätte fatale Folgen für die Wissenschaft: Elf Gigabyte Daten funkt Envisat stündlich zur Erde, mehr als 2000 wissenschaftliche Projekte sind darauf angewiesen.

Bereits 2007 hatte das chinesische Militär mit Beschuss und Zerstörung eines seiner Satelliten die Zahl der gefährlichen Flugobjekte um glatte 25 Prozent erhöht. Und die Zahl wächst schnell weiter. "Je mehr Objekte es gibt, desto häufiger kollidieren sie untereinander", sagt Carsten Wiedemann von der TU Braunschweig. Wissenschaftler nennen das "Kaskadeneffekt." Wiedemann hat ausgerechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der ein typischer Forschungssatellit während seiner rund zehnjährigen Lebenszeit von Weltraumschrott getroffen und versenkt wird, bereits zwei Prozent beträgt. "Das wird langsam auch ein Thema für die Versicherungen."

Leser-Kommentare
  1. Bestimmt wird das Großreinemachen im Orbit der Renner, wenn es auch eine Abwrackprämie für Satelliten gibt. Wir haben es ja!

    • Manu84
    • 31.03.2009 um 4:13 Uhr

    10 Milionen Euro? Für nur eins dieser Teilchen, von denen es 16000 Stück gibt? Und wie teuer die anderen hundertausende Teilchen kommen würden, steht noch gar nicht dabei... bescheuert!
    Lächerliche Idee

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