Weltraumschrott Unrat in der UmlaufbahnSeite 2/2

Das Problem ist erkannt, jetzt suchen die Raumfahrtexperten nach Lösungen. Nationale Selbstverpflichtungen und internationale Vereinbarungen, nach denen bei künftigen Raketenstarts möglichst wenig, langfristig sogar überhaupt kein Müll mehr entstehen soll, treten seit 2007 Schritt für Schritt in Kraft.

Die europäische Raumfahrtbehörde Esa hat mit dem Aufbau eines eigenen Weltraumschrott-Überwachungssystems begonnen. Bisher sind nur die USA in der Lage, die Flugbahnen der Mini-Objekte zu erfassen. Einmal pro Woche geben sie ihre Daten an alle anderen Raumfahrtnationen weiter, allerdings in verminderter Qualität. "Damit wollen sie Rückschlüsse auf die Genauigkeit ihrer militärischen Radarsysteme verhindern", sagt Wiedemann.

Einig waren sich die Teilnehmer des Darmstädter Weltraumschrott-Kongresses darin, dass es nicht ausreicht, das Problem nur immer besser zu beobachten. "Wir brauchen ein Großreinemachen im All", fordert Christophe Bonnal von der französischen Zentrum für Weltraumforschung CNES. Satelliten, die All-Müll einsammeln und beim Wiedereintritt in die Atmosphäre kontrolliert vernichten können, sind bereits entworfen.

Das Problem ist die Finanzierung. Auf zehn Millionen Euro kalkuliert Bonnal den Preis für die Beseitigung eines einzigen größeren Trümmerteils. Doch eine Haftung oder andere gesetzliche Vorschriften, nach denen die Verursacher des Problems zur Rechenschaft gezogen werden könnten, kennt das internationale Weltraumrecht bisher nicht.

So bleibt vorerst nur die Vorbeugung. Für den Schutz besonders empfindlicher Satellitenteile haben Ballistik-Experten trickreiche Mehrschicht-Panzerungen entwickelt, die die Wucht des Zusammenstoßes mit einem Kleinteil zunächst streuen und dann abbremsen. Gegen den fatalen Aufprall der bekannten größeren Brocken hilft jedoch nur ein Ausweichmanöver. Erst im März musste die internationale Weltraumstation ISS deshalb einen Schlenker machen.

Die Darmstädter Envisat-Crew hofft allerdings, dass sie um so ein Ausweichmanöver morgen noch einmal herum kommt. Denn jede Bahnänderung ihres lastwagengroßen Satelliten verbraucht kostbaren Treibstoff – und senkt damit seine Lebensdauer um ein paar Tage.

 
Leser-Kommentare
  1. Bestimmt wird das Großreinemachen im Orbit der Renner, wenn es auch eine Abwrackprämie für Satelliten gibt. Wir haben es ja!

    • Manu84
    • 31.03.2009 um 4:13 Uhr

    10 Milionen Euro? Für nur eins dieser Teilchen, von denen es 16000 Stück gibt? Und wie teuer die anderen hundertausende Teilchen kommen würden, steht noch gar nicht dabei... bescheuert!
    Lächerliche Idee

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