Nuklear-Rüstung
Die Zahl der Atomwaffen-Staaten wächst
Barack Obama will für eine Welt ohne Nuklearwaffen kämpfen. Das wird kompliziert: Denn obwohl die Menge der Sprengköpfe weltweit abnimmt, steigt die Zahl der Atomwaffen-Staaten
Die Vision des amerikanischen Präsidenten, eine Welt ohne Atomwaffen zu schaffen, beschäftigt rund um den Globus Experten, Politiker und Friedensaktivisten. Barack Obama überraschte am Sonntag mit einem kühnen Plan: "Als die einzige Weltmacht, die schon eine Atomwaffe eingesetzt hat, haben wir eine moralische Verpflichtung zu handeln", sagte Obama unter dem Jubel von mehr als 30.000 Zuhörern in Prag. Er versprach, dass die USA sich um eine weltweite Abrüstung bemühen wollen.
Wie schwierig dies wird, zeigte ein Raketenstart in Nordkorea am Sonntag. Offiziell sollte die Rakete einen Satelliten ins All bringen, Sicherheitsexperten aus Südkorea, Japan und den USA gehen jedoch vom Test eines militärischen Geschosses aus. Obama will wegen der iranischen und nordkoreanischen Aufrüstung am Raketenschirm festhalten, der die USA vor Angriffen mit chemischen, biologischen und atomaren Waffen schützen soll.
Nordkorea und Iran forschen seit Langem an der Atombombe. Die Regierung in Pjönjang hat mit einem Test gezeigt, dass sie höchstwahrscheinlich über atomare Sprengköpfe verfügt. Ob diese einsatzfähig sind, bleibt jedoch fraglich. Iran hat nach Angaben mehrerer Geheimdienste vom pakistanischen Nuklearforscher Khan Material und Pläne für den Bau von Atomwaffen erhalten. Auch deutsche Firmen sollen Maschinen für das iranische Atomprogramm geliefert haben. Das Land betreibt eine Anlage zur Aufbereitung von Uran. Zudem haben Saudi-Arabien und Ägypten Interesse an der Uran-Anreicherung gezeigt, unter anderem aus der Sorge heraus, dass Iran irgendwann die Bombe hat.
Die Zahl der Atomwaffen-Staaten steigt langsam, aber stetig. 1998 bewiesen Indien und Pakistan der entsetzten Weltgemeinschaft, dass die Rüstungsindustrie beider Staaten ihr gefährliches Handwerk beherrscht. Die Regierungen in Neu-Dehli und Islamabad ließen mehrere unterirdische Atombombentests durchführen.

Geheimer geht Israel mit seinen Atomwaffenarsenal um. Offiziell gibt der Staat nicht zu, Nuklearwaffen zu besitzen. Das Land versucht zu verhindern, dass die Nachbarstaaten im Nahen Osten nuklear aufrüsten können. Im September 2007 zerstörten israelische Kampfflugzeuge eine Atomanlage in Syrien, die zur Gewinnung von Uran genutzt worden sein soll. Die syrische Regierung bestreitet das und behauptet, dass atomare Spuren, die in der Ruine festgestellt wurden, von israelischen Bomben stammen.
Indien, Israel und Pakistan weigern sich, dem Atomwaffen-Sperrvertrag beizutreten. Die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China versichern in dem Dokument, keine Nuklearwaffen an Dritte weiterzugeben. Andere Unterzeichnerstaaten versichern, keine Atomsprengköpfe zu produzieren oder zu erwerben. Nordkorea kündigte 2003 den Vertrag, im Jahr zuvor hatte das Land die Inspekteure der Internationalen Atomenergie Agentur (IAEA) ausgewiesen und eine heimliche Nuklearrüstung zugegeben.
Als Atomwaffenschwellenländer galten neben Iran lange Argentinien, Brasilien, Libyen, Syrien sowie Südafrika während der Apartheid. Die südamerikanischen Staaten und Libyen haben ihr militärisches Nuklearprogramm aufgegeben. Ebenso Südafrika, das bereits Atomwaffen hergestellt haben soll und diese zerstören ließ.
Außerhalb von Testgeländen haben bislang nur die USA Atomwaffen eingesetzt. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs ließ US-Präsident Harry S. Truman zwei Atombomben auf Japan abwerfen. Das erste Ziel war am 6. August 1945 Hiroshima. Die Uranbombe vernichtete 80 Prozent der Hafenstadt. Von den 300.000 Einwohnern starben 80.000 unmittelbar, weitere 100.000 später an den Folgen ihrer Verletzungen. Eine zweite Bombe mit Plutoniumfüllung warf ein Flugzeug drei Tage später über Nagasaki ab. 70.000 Menschen kamen durch die Explosion und die radioaktive Strahlung ums Leben. Am Tag darauf kapitulierte Japan bedingungslos.
Die Zahl der atomaren Sprengköpfe sinkt laut dem Center for Defense Information (CDI) weltweit kontinuierlich. Seit dem Ende des Kalten Krieges rüsten die USA und Russland weiter ab: 2002 schlossen beide Länder das SORT-Abkommen zum Abbau nuklearer Angriffswaffen. Demnach sollen sich die Arsenale bis 2012 auf jeweils 1700 bis 2200 Sprengköpfe reduzieren.
Das bleibt ein ehrgeiziges Ziel, denn noch sind die Arsenale in Amerika und Russland gut gefüllt. Die USA haben 5736 Sprengköpfe, Russland 7200, Frankreich 350, China bis zu 320, Großbritannien bis zu 200, Pakistan bis zu 70 und Indien mehr als 50 Atomsprengköpfe. Bei Israel gehen die amerikanischen Rüstungsexperten vom CDI von 100 bis 200 atomarer Gefechtsköpfe aus, Nordkorea soll bislang bis zu zwölf produziert haben.
Die offiziellen Atommächte USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China können die Atomwaffen von Unterseebooten und Kriegsschiffen abfeuern, sie als Bomben von Kampfflugzeugen abwerfen lassen oder per Gefechtskopf auf Lang- und Mittelstreckenraketen abfeuern. Israel verfügt über Jets, die Atombomben transportieren können, Nordkorea, Pakistan und Indien haben Trägerraketen entwickelt.
Deutschland hat nie selbst Atomwaffen produziert. Hierzulande lagern jedoch amerikanische Nuklearwaffen. Wie viele es sind, verraten weder die Bundesregierung noch das amerikanische Verteidigungsministerium. Das Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit geht von 10 bis 20 Sprengköpfen aus, die in Deutschland von der US-Armee gelagert werden.
- Datum 9.4.2009 - 07:59 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Eine Welt ohne Nuklearwaffen, das klingt nach einem schönen Traum - insbesondere weil mit Obama ein amerikanischer Präsident diesen Wunsch geäußert hat. Leider stehen noch zu viele Länder auf dem alten Standpunkt aus dem Kalten Krieg, dass die Bombe den Frieden sichere.
Das alte Problem, wer macht den 1. Schritt - unter der realen Gefahr am Ende der Dumme zu sein weil sich der andere dann doch nicht an die Abmachungen hält. Es wäre mit Sicherheit ein Albtraumszenario wenn die USA, Frankreich, England und Russland im Extremfall alle Atomwaffen verschrotten, nur mal angenommen, und dann Nordkorea, Israel und Pakistan die einzigen verbliebenen Atommächte auf der Welt sind weil sie sich doch anders entscheiden. Der Kalte Krieg war eben das Gleichgewicht der Abschreckung bei der jeder wusste a) keiner kann einen nuklearen Krieg gewinnen, sprich überleben und b) auf beiden Seiten gab es massenhaft ideologische Fanatiker und blinden Hass aber es gab nicht wie zB auf Seiten der Islamisten eine regelrechte Todessehnsucht (es warten ja so und soviele Jungfrauen im Jenseits..). Oder die Nordkoreaner, die man durchaus ungestraft als Verrückte bezeichnen darf.
Wo ist eigentlich Europa hier? Frankreich und Großbritannien sind finanziell eh überfordert mit ihrer nuklearen Streitmacht, eine Modernisierung ist technisch nötig und steht an und wird beide Staaten viele viele Milliarden kosten. Das wird das Volk nicht gerne sehen, also könnte man sich gut von seinen Atomwaffen trennen um Geld zu sparen und sich dabei noch als Pazifist aufspielen. Und die Deutschen als 3. größte Industriemacht der Welt haben freiwillig keinerlei Nuklearwaffen obwohl das Wissen dazu natürlich seit Jahrzehnten vorhanden wäre. Diese Selbstzurückhaltung ist eigentlich ein großes Argument und würde Deutschland zum Moderator prädestinieren zwischen den alten Atommächten und jenen die die Waffe auch für sich wollen zu vermitteln. Es macht die Deutschen glaubwürdig dass sie keine Atomwaffen haben obwohl Technologie und Geld da wären, also einen echten selbstauferlegten Verzicht. Aber halt, wir wollen ja nur die weltpolitische Größe von Dänemark haben. Das nennt sich entweder Bescheidenheit, oder schlicht Feigheit und Verantwortungslosigkeit!
Es ist eigenartig zu beobachten, wie in den westlichen Medien die Probleme bei der Beseitigung der Atomwaffen aufgeblasen wird, um die Hoffnungen zu entmutigen, aber es verwundert nicht gerade: der latente Terror des nuklearen Damoklesschwerts und seine morbiden Aspekte haben schon immer die von scheinbar seriöser Nüchternheit und Wohlwollen bemäntelten zynischen Fantasien von Politikern, Militärs und Journalisten stimuliert.
Das Haupthindernis bestand in der Vergangenheit immer im Herrn des Weissen Hauses, der amerikanischen Rüstungslobby und den Dr. Seltsams, die das Pentagon und die mit ihm verbundenen Think-Tanks bevölkerten.
Hier gibt es nun offenbar ein ganz klares Gegengewicht, wenn es Henry Kissinger und Obama ernst meinen.
Die Russen sind eindeutig durch die atomare Rüstung eher belastet und überfordert. Wenn sie sie nicht abgebaut haben, dann simpel aus dem Grund, weil sie ihnen garantiert, sich nicht einem amerikanischen Diktat unterwerfen zu müssen.
Das Entsprechende gilt für die meisten, als Problemfälle dargestellten, übrigen Staaten.
Die nuklearen Ambitionen diverser Staaten - inkl. des Iran - sind unter der Regierung Bush massivst angekurbelt worden: wer die eigene Souveränität gesichert sehen wollte, erhielt die Eintrittskarte in diesen Club durch die eigene Atomwaffe, das hat die US-Regierung mit dem Exempel, dass sie an unzureichend ausgerüsteten Staaten statuiert hat, unmissverständlich deutlich gemacht.
Die Aushöhlung des Völkerrechts, die von ihr systematisch betrieben worden war, hat viel dazu beigetragen, die nuklearen Ambitionen gerade im mittleren Osten zu intensivieren.
Die USA haben den Schlüssel zur Deeskalation in der Hand: wenn sie den Level der Aggressivität, die sie mit ihren U-Booten, Bombern und Flugzeugträgern vor die Küsten Chinas, Russlands, des persischen Golfs usw. tragen, sichtbar und plausibel auf ein Minimum reduzieren, werden sie wenig Mühe haben, die anderen Atommächte, für die die Nuklearrüstung meist vor allem eine unverhältnismässige Belastung darstellt, zu bewegen, ihnen zu folgen.
Seit den 90er Jahren meint der Westen angeführt durch die USA, dass der Rest der Welt der Führung der USA unterwerfen muss. Die Länder die nicht bereit sind dies zu tun, werden systematisch bedroht, angegriffen und besetzt. Hätte Russland in den 90er keine Atomwaffen, hätte der Westen mit Russland das gleiche veranstaltet wie mit Jugoslawien, aber so wissen Sie alleine für den Versuch, werden die Westlichen Länder zu nuklearen wüsten. Deswegen wollen immer mehr Länder Atomwaffen haben, weil diese vor dem Westlichen überfall schützen. Das trifft vor allem auf Ressourcen Länder.
aber die Argumente seiner Aussenpolitik leben noch, in der Zeit z.B.
"Nordkorea und Iran forschen seit langem an der Atombombe....."
Der Iran forscht nicht an der "Atombombe".
03.03.09: El Baradei bekräftigte Irans Recht auf die zivile Nutzung der Atomkraft. Es gebe aber keine Anzeichen dafür, dass Iran derzeit versucht, hochangereichertes Uran herzustellen, heißt es am Sitz der IAEA in Wien. (Quelle: FAZ)
Der Iran hat den Atomwaffen-Sperrvertrag unterzeichnet, danach hat der Iran das Recht zur zivilen Nutzung der Kernenergie und zu der dafür notwendigen Anreicherung. Die aktuelle Uran-Anreicherung in Nathans findet unter Kontrolle der IAEO statt. Laut IAEO (und CIA) gibt es keinen Beweis für eine geplante militärische Nutzung der Kernenergie durch den Iran. Zitat Baradei "Teheran befindet sich formal im Bereich des Erlaubten." Der russische Außenminister Sergej Lawrow:"Unsere Partner in den USA und Israel bestehen darauf, dass der Iran Atomwaffen entwickelt. Wir denken, dass in einem solchen Fall Fakten vorgelegt werden müssen, die von der Internationalen Atom-Energie-Behörde gestützt werden. Bislang haben wir keine gesehen."
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"..zerstörten israelische Kampfflugzeuge einen Atomanlage in Syrien, die zur Gewinnung von Uran genutzt worden sein soll."
Bei dieser "Atomanlage" handelte es sich bekanntermaßen um einen Rohbau,
in dem nie etwas produziert oder erforscht wurde.
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Warum wird die Propaganda der ehemaligen Bush-Regierung immer wieder und
wieder wiederholt?
Warum ist die Türkei auf der Übersicht zu sehen ? Das Land hat doch niemals ein Atomwaffenprogramm gehabt, geschweige denn Ambitionen Atommacht zu werden. Vielmehr steht es unter dem atomaren Schutzschild der USA im Rahmen der NATO und der nuklearen Teilhabe.
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