ZEIT ONLINE: Ist es üblich, dass Schüler sich auf Klassenfahrten bis zur Besinnungslosigkeit betrinken?

Theo Baumgärtner: Nicht mit diesen dramatischen Folgen wie in der Türkei. Was sicherlich der Fall ist, und das war auch schon zu meinen Zeiten so, dass diese Fahrten genutzt werden, um Dinge auszuprobieren. Das ist natürlich eine Herausforderung für diejenigen, die die Aufsicht führen und die in der Pflicht sind, ein Auge darauf zu haben. Ich persönlich empfinde großen Respekt für die Lehrer, die versuchen, den Überblick zu behalten.

ZEIT ONLINE: Was müssen und was können Lehrer tun, um den Alkoholkonsum ihrer Schüler zu kontrollieren?

Baumgärtner: Die Schulen müssen Regeln aufstellen und die gelten auch außerhalb der Schule. Dazu gehört meist auch ein Alkoholverbot. Nun ist ein Schulausflug ja nicht nur verlegter Unterricht, sondern soll auch Spaß machen. Da sollte man als Lehrer schon mal fünfe gerade sein lassen. Es ist üblich, dass sie sagen: Wenn wir jetzt in die Kneipe gehen, darf jeder zwei alkoholische Getränke bestellen.

ZEIT ONLINE: Werden durch solche Kompromisse nicht Verbote aufgeweicht oder sogar wirkungslos?

Baumgärtner: Ein generelles Alkoholverbot ist natürlich leichter zu kontrollieren und zu sanktionieren. Wenn man etwas lockert, ist es schwierig, die neuen Grenzen im Blick zu behalten. Andererseits machen Jugendliche ohnehin ihre Erfahrungen mit Alkohol. Da sollten sie diese lieber in Kontexten machen, die man als angemessen betrachten kann.

ZEIT ONLINE: Was macht so einen angemessenen Kontext aus?