Jugendliche und Alkohol Die Botschaft des Lehrers muss klar sein
Nach dem tödlichen Trinkgelage in der Türkei: der Soziologe Theo Baumgärtner über Rituale wie das Binge Drinking im Schullandheim

© madochab/Photocase
Wann ist es zu viel? Die meisten Jugendlichen trinken nicht viel, manche aber exzessiv
ZEIT ONLINE: Ist es üblich, dass Schüler sich auf Klassenfahrten bis zur Besinnungslosigkeit betrinken?
Theo Baumgärtner: Nicht mit diesen dramatischen Folgen wie in der Türkei. Was sicherlich der Fall ist, und das war auch schon zu meinen Zeiten so, dass diese Fahrten genutzt werden, um Dinge auszuprobieren. Das ist natürlich eine Herausforderung für diejenigen, die die Aufsicht führen und die in der Pflicht sind, ein Auge darauf zu haben. Ich persönlich empfinde großen Respekt für die Lehrer, die versuchen, den Überblick zu behalten.
ZEIT ONLINE: Was müssen und was können Lehrer tun, um den Alkoholkonsum ihrer Schüler zu kontrollieren?
Baumgärtner: Die Schulen müssen Regeln aufstellen und die gelten auch außerhalb der Schule. Dazu gehört meist auch ein Alkoholverbot. Nun ist ein Schulausflug ja nicht nur verlegter Unterricht, sondern soll auch Spaß machen. Da sollte man als Lehrer schon mal fünfe gerade sein lassen. Es ist üblich, dass sie sagen: Wenn wir jetzt in die Kneipe gehen, darf jeder zwei alkoholische Getränke bestellen.
ZEIT ONLINE: Werden durch solche Kompromisse nicht Verbote aufgeweicht oder sogar wirkungslos?
Baumgärtner: Ein generelles Alkoholverbot ist natürlich leichter zu kontrollieren und zu sanktionieren. Wenn man etwas lockert, ist es schwierig, die neuen Grenzen im Blick zu behalten. Andererseits machen Jugendliche ohnehin ihre Erfahrungen mit Alkohol. Da sollten sie diese lieber in Kontexten machen, die man als angemessen betrachten kann.
ZEIT ONLINE: Was macht so einen angemessenen Kontext aus?
- Datum 08.04.2009 - 14:46 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Eine Klassenfahrt ins Ausland von zwei Wochen und der entsprechende Gegenbesuch haben mir genug Erfahrungen gebracht um so etwas nie wieder zu machen obwohl mein Verhalten in etwa den Ratschlägen von Herrn Baumgärtner nachkam. Unsere Botschaften waren klar.
Eine besondere Erfahrung war die tätige Mithilfe der Eltern bei Planung, Durchführung und logistischer Hilfe zu diversen Besäufnissen.
"Ja mei, so sind die halt heutzutage".
Mit mir nie mehr! Bleiben wir in Zukunft eben daheim.
Ein Lehrer
Herrn Baumgärtners Sichtweise der Jugend ist genau die, die dafür verantwortlich ist, das manche sich besaufen müssen-kaum zu ertragen ist diese butterweiche "anything goes" Einstellung.
Wenn man Schülern auf Klassenfahrten das trinken von Alkohol erlaubt oder gar vorschlägt ("Feierlichkeiten"), dann kippt die Situtation und man hat nur noch besoffene Schüler.
Zu meiner Zeit als Jugendlicher wurde auf Klassenfahrten auch versucht, hier und da ein Bier zu trinken. Aber gerade wegen des eigentlichen Totalverbots wäre niemand darauf gekommen, sich regelrecht zu besaufen. Zumal das auch gar nicht schlau gewesen wäre, denn es gab genug Programm während der Klassenfahrt, da hätte ein Brummschädel nur gestört.
Und uns als Schülern war auch klar, dass wir uns auf der Klassenfahrt keineswegs besaufen wollten-das kann man ja schließlich auch vor und nach den Klassenfahrten tun, saufen an sich war für uns also kein Ausnahmeevent, die Klassenfahrt hingegen schon.
Insofern ist es Grundfalsch, wenn man wie Baumgärtner wünscht, eine "kontrollierte Trinkkultur" zu etablieren. Saufen gehört nicht zur Schule und auch nicht zur Klassenfahrt-das erwartet man als Schüler.
Wo nämlich keine Verbote sind, gegen die man aufbegehren kann, da verliert man sich in der Freiheit-zumindest als junger Mensch. Und je tiefer die Verbotsschwelle, umso weniger hoch muss man sie überschreiten, um dagegen zu rebellieren. Wer also "a Glaserl is schon ok" sagt, muss sich nicht wundern, wenn das Glas randvoll mit Wodka gefüllt ist. Bei "nix Alkohol" reicht auch ein Leichtbier, um zu sagen "ich mach was ich will".
In ihren Ausführungen schwingt überall das"früher war alles besser"mit durch,daß kann ich mit Verlaub langsam nicht mehr hören.
Natürlich wird auf Klassenfahrten getrunken und es wurde immer ´getrunken und es wird auch immer getrunken werden.
Die Schüler in der Türkei waren im übrigen alle volljährig und durften daher selbst entscheiden.
Ich würde mir auch von den Medien ein wenig mehr Objektivität wünschen denn entgegen aller Annahmen ist der Drogenkonsum bei Jugendlichen seit Jahren rückläufig.
In ihren Ausführungen schwingt überall das"früher war alles besser"mit durch,daß kann ich mit Verlaub langsam nicht mehr hören.
Natürlich wird auf Klassenfahrten getrunken und es wurde immer ´getrunken und es wird auch immer getrunken werden.
Die Schüler in der Türkei waren im übrigen alle volljährig und durften daher selbst entscheiden.
Ich würde mir auch von den Medien ein wenig mehr Objektivität wünschen denn entgegen aller Annahmen ist der Drogenkonsum bei Jugendlichen seit Jahren rückläufig.
In meiner Oberstufenzeit (um das Jahr 2000 herum) gehörten Alkohol und Joints wie selbstverständlich zu jeder Klassenfahrt. Natürlich nicht für alle, aber doch sicherlich für die 50%, die derartigen Vergnügungen auch außerhalb der Schule zugeneigt waren. Ein Lehrer kann dagegen meiner Ansicht nach gar nicht ankommen, will er nicht bis in die Nacht stündliche Stubenkontrollen durchführen. Von dem Umstand, dass volljährige Schüler auch nach dem Ende des Ausflugsprogramms auch ganz einfach in die nächste Kneipe/Disco gehen können (und meist auch werden) ganz abgesehen.
Wenn es dann so endet wie jüngst in der Türkei, ist das sicher eine Tragödie - für den zuständigen Lehrer jedoch nicht zu verhindern.
In ihren Ausführungen schwingt überall das"früher war alles besser"mit durch,daß kann ich mit Verlaub langsam nicht mehr hören.
Natürlich wird auf Klassenfahrten getrunken und es wurde immer ´getrunken und es wird auch immer getrunken werden.
Die Schüler in der Türkei waren im übrigen alle volljährig und durften daher selbst entscheiden.
Ich würde mir auch von den Medien ein wenig mehr Objektivität wünschen denn entgegen aller Annahmen ist der Drogenkonsum bei Jugendlichen seit Jahren rückläufig.
Das 17jährige Totesopfer spricht gegen ihre Behauptung, die Schüler wären alle volljährig gewesen.
Das 17jährige Totesopfer spricht gegen ihre Behauptung, die Schüler wären alle volljährig gewesen.
Mit "Schrecken" erinnere ich mich an eine Klassenfahrt Ende der 70er Jahre! Von Berlin aus kommend fuhren wir in der neunten Klasse Richtung Bayern. Als "Kulturprogramm" dachten sich unsere damaligen Lehrer einen Besuch der Kulmbacher Brauerei aus, wo es neben einem Imbiss für jeden (etwa 15-jährigen) Schüler auch einen Sechserpack Bier gab. Kein Einwand seitens der Lehrerschaft!
Die meisten von uns mochten das Gebräu nicht und verschenkten es entsprechend weiter. Manche mochten es, soffen, was das Zeug hielt und agierten alkoholisiert so, wie man es von völlig zugedröhnten Jugendlichen erwartet: Sie pöbelten, kotzten und prügelten.
Am kommenden Tag wurden sie - zur Strafe - nach Hause geschickt. Die Lehrer durften wundersamerweise bleiben!
solche Beweise finde ich toll. Name der Schule, Name der Lehrer. Und mal schauen, was dann von von den wilden Jahren noch übrig bleibt
Ich war in Klosterschulen - und jede Klassenfahrt ab der 10. Klasse war irgendwie eine Sauferei, auch sogenannte Besinnungstage in Klostern. Nein - die Lehrer haben uns nicht dazu aufgefordert, haben nicht mitgetrunken etc. Aber wir haben eben auch die Nischen gesucht und gefunden (insbesondere dass der Schlüssel zum Zimmer des Klosternebengebäudes wegen der normalerweise erwachsenen Teilnehmer auch in die Haustür passte und man nachts in den Nachbarort trampen konnte).
Auf späteren Klassenfahrten waren fast alle 18 - was sollen da Lehrer noch groß sagen...
Das Schicksal bei dieser Klassenfahrt in die Türkei war der gepanschte Alkohol - wäre es normaler Alkohol gewesen, wäre es für die Schüler eben nur eine große Sause gewesen, an die man sich eben noch lange erinnert hätte.
Auch ich bin dem jugendtypischen Bedürfnis nach Grenzerfahrungen nachgekommen. Dem 30 Jahre zurückliegenden Vollrausch durch Whiskykonsum ist es zu verdanken, dass mir das Getränk noch heute ein Greul. Diese Erfahrung war zu diesem Zeitpunkt notwendig, hat aber nichts mit dem so genannten Bingedrinking zu tun, dessen erklärtes Ziel offenbar der völlige Kontrollverlust ist. Stellt sich die Frage warum, manche Jungendliche wiederholt die Kontrolle über sich verlieren wollen? Zuviel Freiheit und zuwenig Orientierung? Zu wenig Freiheit und zu viel Leistungsdruck? Die Gründe mögen vielschichtig sein und variieren, aber solange ein Besäufnis bis zur Bewusstlosigkeit in unser Gesellschaft das Image eines Kavaliersdelikts hat, wird sich wohl nicht viel ändern. Wie soll man Jugendlichen glaubhaft vermitteln, dass es ein Zeichen persönlicher Reife ist, Alkohol in einem Umfang zu konsumieren, der einen weder die Gesundheit und die Selbstachtung kostet, wenn auf der Wies´n und anderorts Erwachsene strunzbesoffen so mal richtig die Sau rauslassen?
Na denn - Wohlbekomms!
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