Uwe Romeike ist mit seiner Frau und den fünf Kindern in den Süden der USA geflohen. Dort ist Homeschooling üblich, man darf also die eigenen Kinder zu Hause unterrichten. In Deutschland dagegen, dem Land, aus dem Familie Romeike flüchtete, herrscht bekanntermaßen strikte Schulpflicht.

Um in Amerika bleiben zu dürfen, hat die Familie Asyl beantragt. Romeike selbst ist Musiklehrer und hält die deutsche Schule für unchristlich. Seine Frau und er gehören einer evangelikalen Kirche an. Ihn ärgern lockere Erklärungen im Sexualkundeunterricht und Geschichten, in denen, wie er sagt, unchristliche Wesen vorkommen: "Es geht dort mehr um Vampire und Hexen als um Gott." Einen vergleichbaren Asylfall hat es in den USA noch nicht gegeben. Am heutigen Donnerstag wird er verhandelt.

Es stimmt: Manche Eltern haben belegen können, dass sie ihre Kinder zu Hause so gut unterrichten, dass diese später auch die staatlichen Prüfungen ohne Mühe bestehen. Wie gut Eltern unterrichten, hängt allerdings stark von ihrem Bildungshintergrund und ihrem Engagement ab.

Es sind auch nicht gerade viele deutsche Eltern, die es sich zutrauen, ihre Kinder jeden Tag in allen Fächern zu unterrichten. Etwa 500 verweigern hartnäckig den Schulbesuch, schätzen Fachleute. Zum Vergleich: In den USA werden etwa 1,5 Millionen Kinder zu Hause unterrichtet; die Zahl steigt. In Deutschland interessieren sich zudem nicht nur religiöse Fanatiker für diese Art der Kinderbildung.  Manche misstrauen einfach dem Schulsystem und halten ihren Unterricht für besser. In anderen Fällen kamen die Kinder mit der Massenanstalt Schule nicht zurecht.

Schränkt die Schulpflicht also gegen die persönliche Freiheit des Einzelnen unbotmäßig ein? Ist sie nicht mehr tauglich für eine Demokratie, in der der Individualismus gefördert wird?

Nein. Es ist gut, dass Deutschland an diesem Prinzip festhält. Denn wer hier von persönlicher Freiheit spricht, verwechselt etwas: Es geht nicht um die Freiheit der Eltern, sondern um das Wohlergehen der Kinder. Die haben ein Recht nicht nur auf Bildung, sondern auch auf individuelle Entfaltung und ihre eigene persönliche Freiheit. Sie kann durchaus über die Visionen ihrer Eltern hinausgehen.