G-20-Gipfel "Wir haben es mit einer neuen Welt zu tun"

Konjunkturspritzen in Billionenhöhe und der Wille zur Finanzmarktregulierung - der Ökonom Dennis Snower erklärt, was von den Beschlüssen des G-20-Gipfels zu erwarten ist.

ZEIT ONLINE: Herr Snower, war der Weltfinanzgipfel ein „historischer“ Erfolg, wie es die Politik erklärt?

Dennis Snower: London hat Fortschritte gebracht. Die Staaten wollen die internationale Finanzregulierung verschärfen, was ich für wesentlich halte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) bekommt mehr Geld, um die Krise in den Ländern zu bekämpfen, die sich nicht alleine helfen können. Dem Protektionismus soll der Kampf angesagt werden. Alles richtig. Und doch fehlt dem Abschluss-Kommunique einiges, um als Durchbruch gelten zu können.

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ZEIT ONLINE: Was?

Snower: Der Gipfel hat die Frage ignoriert, wie die G-20-Staaten künftig mit den giftigen Papieren umgehen werden, die weiterhin in den Bankbilanzen liegen. Um die Bankenkrise wirkungsvoll zu bekämpfen, bräuchte es eine Harmonisierung bei der Bewertung dieser Papiere. Das wird hoffentlich im neu formierten Financial Stability Board geschehen. Auch hat man die Chance verpasst, die Konjunkturprogramme an umweltfreundliche Ziele zu knüpfen.

ZEIT ONLINE: Einige Beschlüsse sind zudem Absichtserklärungen: höhere Eigenkapitalquoten für die Banken, Kontrolle der Hedge-Fonds, Regeln für Boni-Systeme. Werden Amerikaner und Briten nicht doch in letzter Konsequenz vor zu viel Regulierung zurückschrecken, um ihre Finanzplätze zu schützen?

Snower: Schwer zu sagen. Wir haben es seit der Krise mit einer neuen Welt zu tun. Der Wille ist größer, künftige Krisen zu vermeiden, auch bei Amerikanern und Briten. Das Financial Stability Forum wird zu einem Financial Stability Board aufgewertet und bekommt mehr Kompetenzen. Wie wirkungsvoll das sein wird, hängt davon ab, wie unabhängig es agieren kann. Die internationale Finanzmarktregulierung ist dort allerdings erheblich besser aufgehoben als beim IWF.

ZEIT ONLINE: Die Amerikaner haben sich mit ihrer Forderung nach neuen und voluminöseren Konjunkturpaketen nicht durchsetzen können. Tun die Staaten genug, um die Konjunktur zu stützen?

Snower: Ich halte da die deutsche Position für plausibel. Wir müssen erst das Finanzsystem regulieren, bevor wir weitere Konjunkturpakete beschließen. Derzeit wirken die Konjunkturmaßnahmen nicht so, wie wir uns das wünschen, weil das Vertrauen in die Finanzmärkte fehlt. Kehrt dieses zurück, kann man wieder über neue Hilfen diskutieren.

ZEIT ONLINE: Die Klage der Amerikaner lautet, die Deutschen - und die Europäer insgesamt - täten zu wenig zur Belebung der Konjunktur.

Snower: Ich halte es nicht für sinnvoll, mit Geld sinnlos um sich zu werfen, wie es die Amerikaner in Teilen tun. Viel entscheidender ist doch die Frage, was derzeit mit den Milliarden an Steuergeldern passiert. Ist das Geld gut für die Zukunft angelegt? Ich habe da meine Zweifel. In Deutschland behauptet die Mehrheit, ein Begräbnis sei teurer als ein paar Jahre Intensivstation. Deshalb hält man Unternehmen am Leben, statt das Geld für sinnvollere Dinge auszugeben: für die Weiterbildung von Menschen, die nun ihren Job verlieren, zum Beispiel.

Leser-Kommentare
  1. Eine neue Welt in der das Geld der alten einfach nichts mehr Wert ist! Hurra neue Welt, ich habe Jahre meines Lebens vergeudet!

  2. hatte ich schon damals geahnt als dieser Milchbubi mit der Hornbrille angefangen hat Computer fuer jedermann zu verkaufen!!!

  3. Die G20...

    Seitenweise Absichtserklärungen ! Mit ein Grund für die vielen strahlenden und erleichterten Gesichter. Viele Worte aber Verantwortung wird nicht wahrgenommen.

    Die Analysen basieren eher auf alten Rezepten. Es wird also nicht erneuert sondern repariert. Kein Wunder wenn die Brandstifter das Feuer selber löschen wollen...

    Von den Steueroasen die auf die schwarze Liste gekommen sind, ist kein Land bei den G20 Ländern. Warum schliessen die EU änder ihre Steueroasen nicht einfach?

    Die Koordination der Förderprogramme ist nirgends zu finden. Jeder kocht sein eigenes Süppchen...

    Finanziert wird das alles nach wie vor mit den Steuereinnahmen ohne die Progression, sofern überhaupt vorhanden, anzupassen. es ist auch nicht vorgesehen neue steuereinnahmen zu erschliessen...Mit anderen Worten, die reichen und sehr reichen bezahlen nach wie vor zu wenig, falls überhaupt.

    Die Bilanzierungsregeln müssen angepasst werden so das die Toxicpapers bewertet werden können. der IMF ist immer noch verantwortlich für die Regeln des Finanzsektors... und ausgerechnet der IMF hat beinahe ganz Südamerika in den Ruin getrieben.

    Von den 1,1 Bio. $ versprochenen Geldern bleiben ca. 10% an neuem Kapital übrig. Der Rest sind lediglich alte Versprechungen die eventuell ein bischen früher eingelöst werden.

    Woah !

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

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    Von den Steueroasen die auf die schwarze Liste gekommen sind, ist kein Land bei den G20 Ländern. Warum schliessen die EU ihre Steueroasen nicht einfach?

    Sehen Sie, die Betreiber der Steueroasen, historisch gewachsen aus Witzfürstentümern, die selbst die gierigsten Reiche nicht annektieren wollten, verdienen an ihrem heutigen Status sehr gut. So gut, dass sie sich das Wohlwollen des Rests von Europa erkaufen können, und das ist wörtlich zu nehmen: Ein demokratisch gewählter Politiker ist bekanntlich nur seinem Gewissen verpflichtet, und bereits Shakespeare schrieb in "Richard III." die weisen Worte: My conscience is in your purse; open that and it will fly away...

    Es ist in der Tat erstaunlich, wie viel schwieriger es ist, ein stabiles System zu bekommen als ein selbstblockierendes.

    Von den Steueroasen die auf die schwarze Liste gekommen sind, ist kein Land bei den G20 Ländern. Warum schliessen die EU ihre Steueroasen nicht einfach?

    Sehen Sie, die Betreiber der Steueroasen, historisch gewachsen aus Witzfürstentümern, die selbst die gierigsten Reiche nicht annektieren wollten, verdienen an ihrem heutigen Status sehr gut. So gut, dass sie sich das Wohlwollen des Rests von Europa erkaufen können, und das ist wörtlich zu nehmen: Ein demokratisch gewählter Politiker ist bekanntlich nur seinem Gewissen verpflichtet, und bereits Shakespeare schrieb in "Richard III." die weisen Worte: My conscience is in your purse; open that and it will fly away...

    Es ist in der Tat erstaunlich, wie viel schwieriger es ist, ein stabiles System zu bekommen als ein selbstblockierendes.

  4. Von den Steueroasen die auf die schwarze Liste gekommen sind, ist kein Land bei den G20 Ländern. Warum schliessen die EU ihre Steueroasen nicht einfach?

    Sehen Sie, die Betreiber der Steueroasen, historisch gewachsen aus Witzfürstentümern, die selbst die gierigsten Reiche nicht annektieren wollten, verdienen an ihrem heutigen Status sehr gut. So gut, dass sie sich das Wohlwollen des Rests von Europa erkaufen können, und das ist wörtlich zu nehmen: Ein demokratisch gewählter Politiker ist bekanntlich nur seinem Gewissen verpflichtet, und bereits Shakespeare schrieb in "Richard III." die weisen Worte: My conscience is in your purse; open that and it will fly away...

    Es ist in der Tat erstaunlich, wie viel schwieriger es ist, ein stabiles System zu bekommen als ein selbstblockierendes.

    Antwort auf "Die G20... Seitenweise"
  5. mit einer neuen Welt zu tun.
    Offensichtlich betrachtet man sich nicht als deren Bestandteil. Es ist etwas von Außen, eine Bedrohung, eine Herausforderung auf die es zu reagieren gilt. Mit dem Ziel, die alte "neue Welt" und ihren Status über die unruhigen Zeiten zu bringen. Good Luck!

  6. Glaubt jemand ernsthaft, dass sich unter unser derzeitigen Regierung auch nur das Geringste ändern wird? Es wird weitergemacht wie bisher...und zwar solange es geht...da wird noch das letzte Bisschen an Spendengeld von der Finanzindustrie abgeschöpft...und zwar bis zur Abwahl.

    Jeder, der jetzt noch CDU/SPD/FDP wählt weil deren "Wirtschaftskompetenz" noch irgentwo im Unterbewußtsein schlummert handelt grob fahrlässig und überträgt seinen Kindern und Kindeskindern das Erbe.

    • iDog
    • 04.04.2009 um 11:09 Uhr

    die ueberschrift leuchtet mir ein , das haltbarkeitsdatum ist wahrscheinlich ueberschritten worden ... abgelaufen - altes muss weg , um mit einer identischen kopie ersetzt zu werden . ergo neu - also muss es wohl eine neue welt sein ????

    ich sag mal lieber weiter geschminkte leiche dazu, an deren raenderen der filz und der schimmel schon erheblich zu himmel stinkt .... pfui teufel ? oder schoener wohnen?

  7. schwarzen Peter zuzuschieben weil sie zu oberflächlich agieren.

    Ein Wandel geht nie von oben aus, er wird immer von der Masse der Bürger getragen. Umso wichtiger ist es jetzt NGOs zu unterstützen, bei seinem eigenen Verhalten im Umgang mit Konsum und dem ökologischen Fußabdruck anzusetzten und sich zu verändern. Nicht nur um ein reines Gewissen zu haben sondern auch um als Vorbild für seine Mitmenschen zu dienen.

    Es sind immer die Ersten die eine neue Richtung einschlagen und konsequent gehen, die Andere zur Umkehr bewegen. Und Politiker sind, auch wenn es blöd klingt, nun mal nur die Galleonsfiguren der Gesellschaft. Der Druck der aus der Bevölkerung kommt sorgt für die Richtung in die Politik sich bewegt.

    Also anstatt zu lamentieren was noch alles beschlossen werden hätte können, gilt es, dafür Sorge zu tragen, dass neue Ideen und Verhaltensweisen möglichst große Kreise ziehen. Die Politik wird sich dann, wie ein Segel im Wind, von ganz alleine daran ausrichten. Schließlich können in einer Demokratie Politiker ihre Ämter nur ausfüllen (ihren Job behalten) wenn sie tun was des Volkes Wille ist.

    Nachdem die Industrielobbyisten, obwohl sie nur wenige sind, besonders laut plärren, gilt es die Allgemeinheit dazu zu bewegen den Mund aufzmachen. Allein die schiere Masse wird jedes noch so laute Geschrei der Lobbyisten zu einem Säuseln verklingen lassen.

    Aber wie gesagt, erst müssen Erkenntnisse und Verhaltensänderungen Kreise ziehen. Der Rest ergibt sich....

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